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ersselder Kreisblatt.
Gratirbettagen r „Illuftrirter Ksnnragsblatt" «. „^Uuftriste lan-wirthschaftliche Vettage."
Soniirtbciiii Den 1. Juni
1901.
erstes Statt
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mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" u„» „Jllustrirte landivirthschaftl. Beilage" für den Monat Juni werden von allen Kaiser« liessen Oostanstalten, Landbriefträaern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
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Warnung.
Die in den Tageszeitungen immer zahlreicher auf- £ tretenden Anpreisungen von Mitteln „gegen Magerkeit" zur Erlangung von Formen der Büste oder „einer idealen Büste" und dergleichen gaben Anlaß, eine Anzahl der x angepriesenen Mittel chemisch, untersuchen zu lassen.
Das Ergebnis dieser Untersuchung ist: 1. Pectorin, verkauft in Dosen zum Preise von 1,25 Mk., stellt dar eine Mischung von ca. 60 Theilen Zucker mit 30 Theilen £ eines Gemisches von Kartoffelmehl und Reismehl und 10 Theilen entölten Cacaopulvers. Das Präparat hat nur den Werth eines gewöhnlichen Surogat-Chokoladen- pulvers, etwa 0,50 Mk. pro Kilo.
2. Junogen. Der für den Preis von 2 Mk. abge- ■gebene Karton enthält etwas mehr als 200 g eines gelblich-weißen Pulvers. Dies Pulver ist ein leicht zuckerhaltiges Mehl, etwas reich an Fett und relativ arm an Stickstoffsubstanz, sehr arm an Mineralstoffen. Das " Präparat hat einen geringeren Nährwerth als reines Hafermehl und kann keine anderen Wirkungen als der Genuß von Mehl äußern. Der Preis des Mittels ist ungefähr das zehnfache des reellen Werthes desPräparates.
3. Orientalisches Kraftpulver. Karton zu 2 Mark enthält etwa 200 g Pulver. Das Präparat besteht im wesentlichen aus Hülsenfrüchtenmehl(Bohnen-,Erbsenmehl) und Zuckerpulver. Der Preis ist unverhältnismäßig hoch. । 4. Kopolo wird ein Pulver genannt, welches eine Leipziger Firma für den Preis von 3 Mk. als Mittel | Ö^n Magerkeit versendet. In den Annoncen steht : „Wirkung garantirt. Blühend Aussehen." Der Inhalt des Kartons wiegt etwas mehr als 125 g. Das Präparat riecht und schmeckt wie leicht geröstetes Leguminosenmehl. Die chemische Analyse desselben stimmt im Wesentlichen mit der Durchschnittszusammensetzung von Leguminosen- mehlen überein. Durch das Rösten ist eine geringfügige Veränderung, wahrscheinlich eine leichte Zerstörung des Fettes, erfolgt. Das Präparat kann keine anderen s Wirkungen ausüben, als der Genuß von Erbsen- oder Bohnenmehl überhaupt.
Der geforderte Preis dürste, selbst wenn man das Präparieren durch Rösten sehr hoch berechnet, mindestens nas Zehnfache des reellen Werthes darstellen.
I 51 Eutrophia Tabletten werden ebenfalls in Berliner tun gen von einem Geschäfte in Leipzig angepriesen. Der Besteller erhält gegen Nachnahme von 2,45 Mk. einen Karton mit 4 Tafeln, dem Aussehen nach Chokolade- tafeln u, einer Gewichtsmenge von 110 g. Die Eutrophia- xa > eilen bestehen aus Chokolade, welcher geringfügige Mengen eures Fermentes, d. h. eines in geringem Maße die Auflösung des NahrungseiweißeS fördernden Stoffe«, zugesetzt sind. Derartige Fermente werden arzneilich an- gewan der Gehalt der Tabletten an wirksamen Fermente entspricht nicht annähernd den üblichen Arzenei- ^n^l‘ . ^"'^ ist ohne Zweifel ein unverhältnismäßig hoher.
6. Pilules Orientales aus der Apotheke Ratiä, Paris,
einer hiesigen Apotheke entnommen, die Schachtel zum Preise von 5 Mk. Die Pillen bestehen aus einer bitteren Extraktmaffe mit einer Füllung verschiedener Stärkemehle, Maismehl, Weizenmehl, Kartoffelmehl, geringen Zusätzen eines aromatischen Samens, einem Eisenpräparate, merklich arsenhaltig, und sind außen versilbert. In Folge des Gehaltes an Arsen, eines stark giftigen Stoffes, dürfen diese Pillen in Apotheken nur auf ärztliches Rezept verabfolgt werden. Der Preis dürfte erheblich über dem Taxpreise der preußischen Arzneitaxe liegen.
7. Auf die Annonce „die Schönheit der Formen (Büste) und wie man sich dieselbe verschafft", versendet gegen Nachnahme von 2 Mk. ein Geschäft in Weimar eine Broschüre, welche sonst im Buchhandel im Preise von 1 Mk. abgegeben wird. In dem Buche liegt ein Prospekt, welcher zum Kaufe eines Waschmittels, die Flasche zu 3,60 Mk. „zur Entwickelung und Konservirung der Büste" ausfordert.
8. Auf die Annonce „Mageren theile ich gern mit, wie ich in kurzer Zeit volle Körperform erlangte, Frau A. Kressin, Dessau 2", übersendet diese eine gedruckte Empfehlung eines von Berlin aus vertriebenen Mittels.
Im vorstehenden sind verschiedene Repräsentanten dieses modernen und — wie aus der großen Zahl der Angebote zu schließen ist — recht lukrativen Erwerbszweiges geschildert. Die erste Gruppe (1—4) versendet gegen unverhältnismäßig hohen Preis einfache, im gewöhnlichen Leben gangbare Nährstoffe, mit welchen irgend welche unwesentliche Manipulationen vorgenommen sind. Es ist eine bekannte Thatsache, daß mehlige Substanzen im Körper zum Fettansatz verwendet werden, die in den Anpreisungen behauptete Annahme jedoch, daß einzelne dieser Stoffe besonders eine Entwicklung der Brüste her- beizuführen im Stande sein, entbehrt jeglicher wissenschaftlichen Grundlage; die Substanzen der angepriesenen Präparate sind, wie aus den obigen Analysen ersichtlich ist, auf weit billigere Weise zu beschaffen.
Eine zweite Gruppe (5 und 6) sucht Arzencimittel in ansprechender Aufmachung und zu hohen Preisen unterzubringen. Während das Mittel zu 5 ohne wesentlichen Einfluß auf den Körper ist, können die Pilules Orientales gefährlich werden, da sie eines der stärksten Gifte, Arsen, enthalten; unter keinen Umständen sollte ein solches Mittel ohne ärztliche Verordnung angewandt werden.
Die zu 7 und 8 angeführten Beispiele zeigen, welche Kunstgriffe auf dem fraglichen Gebiete angewendet werden, um leichtgläubige und urtheilsschwache Abnehmer für Präparate zu werben, welche nach ärztlicher Erfahrung den angepriesenen Erfolg, eine ganz besondere Zunahme der Brüste zu erzielen, nicht haben können.
Es kann daher nicht dringend genug vor dem Ankäufe der geschilderten und ähnlicher Präparate gewarnt werden.
Berlin, den 20. April 1901.
Der Polizei-Präsident, gez. von W i n d h e i in.
Hersfeld, den 1. Juni 1901.
Die Werra-Brücke bei Widders Hausen wird vom 7. d. MlS. ab auf die Dauer von 8 Tagen gesperrt, und ist daher der Verkehr vom rechten aus das linke Werra-Ufer oder umgekehrt während dieser Zeit über Heringen zu nehmen.
2896. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Ralh.
Nichtamtlicher Theil.
Berlin, 30. Mai.
Gestern Morgen begab Se. Majestät der Kaiser Sich mit dem Prinzen Eitel Friedrich von Station Wildpark nach dem Tempelhofer Feld und hielt hier von 8 Uhr ab ein Exerziren der 2. Garde-Jufanteriebrigade ab, woran sich ein Gefecht im Feuer schloß. — Das Frühstück nahm Seine Majestät beim Ossijierkorps des
2. Garderegiments z. F. ein und begab Sich später nach dem hiesigen Königlichen Schloß. Hier hörte Allerhöchst- derselbe den Vortrag des Chefs des Civilkabinets, Wirkl. Geheimen Raths Dr. v. Lucanus, unternahm sodann eine Spazierfahrt im Thiergarten und kehrte um 7 Uhr vom Potsdamer Bahnhof nach dem Neuen Palais zurück. Heute Vormittag unternahm Se. Majestät einen Spazierritt und hörte von 9 Uhr ab die Vorträge des Chefs des Generalstabes der Armee, des Chefs des Militärkabinets und des Kriegsministers. Um 12 Uhr empfing Se. Majestät den Staatsminister a. D. Dr. von Miguel.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt unterm 30. d. M.: Ihre Majestät die Königin der Niederlande trifft in Begleitung Ihres hohen Gemahls heute Nachmittag als Gast unseres Kaiserhofes in Potsdam ein und wird morgen auch der Reichshauptstadt die Ehre Ihres Besuches schenken. Wie warm im deutschen Volke die Herzen der anmuthigen Herrscherin unserer niederländischen Stammverwandten entgegenschlagen, ist schon einmal bekundet worden, als bei der Vermählung Ihrer Majestät mit Seiner Königl. Hoheit dem Prinzen Heinrich alle Kreise der Nation ohne Unterschied der Parteistellung sich zu innigen Wünschen für das Glück des Erlauchten Paares vereinigten. Die mit hoher Freude begrüßten Gäste dürfen gewiß sein, in dem Empfang, den Ihnen die Bevölkerung Berlins bereiten wird, einen Anhauch der Liebe wiederzufinden, mit welcher das niederländische Volk an seiner jugendlichen Herrscherin hängt. Wir rufen Ihrer Majestät der Königin Wilhelmina und Seiner Königl. Hoheit dem Prinzen Heinrich ein ehrerbietiges . herzliches „Willkommen!" zu.
Die französischen Nationalisten haben sich darüber geärgert, daß der deutsche Kaiser den Geburtstag des Zaren in Metz gefeiert und dazu die Mitglieder der russischen Botschaft in Berlin eingeladen hat. Von deutscher Seite lag dieser Veranstaltung gewiß keine bestimmte Tendenz zu Grunde; unser Kaiser befand sich zu der Zeit gerade in den Reichslande», und da der Geburtstag des Zaren da, wo sich Kaiser Wilhelm eben befindet, mit einem Mahle gefeiert zu werden pflegt, so fand die Feier diesmal in Metz statt. Die Empfindlichkeit der französischen Revanche-Träumer zu schonen, konnte für den deutschen Kaiser kein Grund sein, seinen Aufenthalt in den Reichslanden zu unterbrechen Die Franzosen haben nun dreißig Jahre Zeit gehabt, sich daran zu gewöhnen, daß Metz deutscher Boden ist; gefällt es ihnen nicht, daß der russische Botschafter dort einem Mahle zu Ehren seines Herrschers beiwohnt, so braucht uns das nicht weiter zu kümmern, es sei denn, daß wir von neuem ad notam zu nehmen haben, wie in Frankreich da« russische Bündnis immer wieder in dem aggressiven Sinne einer Wiedereroberung Elsaß-Lothringens ausgelegt wird. Zu der Bekundung der engen freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Kaisern Wilhelm und Nikolaus in Metz sind noch andere Ereignisse hinzugekommen, die sich wie Mehltau auf die üppig wuchernde nationalistische Agitation herniedergesenkt haben. Unmittelbar darauf sprach sich der leitende auswärtige Minister Oesterreich-Ungarns so klar und bestimmt über das Verhältnis zu Deutschland und Italien aus, wie es die Freunde des Dreibundes nur wünschen können. Die Reden des Grafen GoluchowSki haben bewiesen, wie sehr die in letzter Zeit geradezu grotesken Wühlereien nationalistischer und panslavistischer Blätter ihren Zweck, den Zweibund als den Protektor Oesterreich-Ungarn gegen das böse deutsche Reich hinzustellen, verfehlt habe». Hierzu kommt nun noch die Demüthigung, die unser Kaiser mit seinem Trinkspruch auf die französische Armee am Mittwoch nach der Parade in Berlin in Anwesenheit des französischen Generals Bonnal den Revanchemännern bereitet hat. Unser Kaiser verlas hierbei eine Depesche des Kaiser« Nikolaus, in der dieser der undankbaren, aber mit Würde und Geschick durchgeführten Ausgabe des Grafen Waldersee seine volle Sympathie bezeugt. Die Empfindlichkeit, die man in Paris wegen des Metzer Festmahls gezeigt hatte, konnte nicht besser beschämt