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HnsfelKr Wlilatt
Gratisbeilagen x „SUnprirtes Konnragrblait" m. „SUnftrirte landwirthschaftUche V«Uage."
K. 63. Donnerstag ha K Mü M.
Veftellungen auf das Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" ^ „Jllustrirte landivirthschaftl. Beilage" für den Monat Juni werden von allen Kaiser' lichen Postanstalten, kandbriefträaern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 22. Mai 1901.
Den Ortspolizeibehörden des Kreises gehen in den nächsten Tagen je einige Exemplare eines von dem Herrn Regierungs-Präsidenten entworfenen Formulars zu, welches fortab bei'm Ausbruch der Maul- und Klauenseuche zur entsprechenden Anwendung kommen soll.
Bei fernerem Bedarf an diesem Formular ist dasselbe direkt von der Waisenhausbuchdruckerei in Caffel zu beziehen. Die hierdurch erwachsenden Kosten zählen zu denen der örtlichen Polizeiverwaltung.
1.1.2908. Der Königliche Landrath.
I. V.: Heeg.
Hersfeld, den 25. Mai 1901.
Die Gesellenprüfungsordnungen für die im Kreisblatt Nr. 50 näher bezeichneten Handwerker liegen von heute ab während 8 W o ch e n im Geschäftslokal des Land- rathsamts zur Einsicht der b e t h ei li gt e n H a nd - w erker offen. Besondere Druckexemplare dieser Prüfungsordnungen sind bei dem Vorstand der Handwerkskammer zu Caffel käuflich zu haben.
2955. Der Königliche Landrath.
I. V.: H e e g.
Warnung.
Seit einigen Monaten wird unter der Ueberschrist „Schwerhörigkeit" in zahlreichen Zeitungsanzeigen seitens eines „Institutes Nicholson, Longcott, Gunnersburg, London W.", die Mittheilung gemacht, eine reiche Dame
Eine Verwechselung.
Eine Erzählung von C. Borge«.
(Fortsetzung.)
Er wußte keinen Rath, keinen Ausweg. Unruhig durchmaß er sein Zimmer, die wildesten Gedanken durchkreuzten sein Hirn, er machte Pläne und verwarf sie wieder, bis endlich der menschenfreundliche Priester mit der Mahnung ihn aus seinen Sinnen weckte, daß der Bote draußen noch immer auf Antwort warte.
Hastig ergriff er die Feder. In seiner großen Erregung antwortete er dem Doktor Trenk: „Ich habe „Frau Zellberg" nicht gesehen, seitdem sie das brennende Schiff verließ."
Seine Eltern bat er, ihn in Rom zu erwarten.
»Die Signora ist heute besser," meldete ihm der Priester am nächsten Tage, „sie erwartet Sie!"
Drei Wochen waren vergangen, und in der ganzen Zeit hatte er sie nicht wieder gesehen. Der Arzt hatte erklärt, daß nur die größte Ruhe und die Vermeidung jeder Aufregung ihr Leben retten könne, und der Befehl war pünktlich befolgt.
Agathe sah noch immer sehr bleich aus. Sie saß 1,1. ^"?m bequemen Lehnstuhle am geöffneten Fenster gegen « ”em Kommenden ihre abgezehrte Hand ent-
"ö?flre mir "0"bat sie, als die erste Freude des Riedersehens vorüber war. „Ich kann es jetzt besser ertragen als spater. Wurden wir alle gerettet? Wo ist der tapfere Kapitän?"
habe dem Institute 25000 Mk. Übermacht, damit taube und schwerhörige Personen, welche die Mittel nicht besitzen, sich die Nicholson'schen Ohrtrommeln zu verschaffen, dieselben umsonst erhalten können.
Einer Person, welche unter Hinweis auf diese Anzeigen und die eigene Mittellosigkeit um kostenfreie Ueber- sendung einer Ohrtrommel bat, wurde durch ein gedrucktes Antwortschreiben mitgetheilt, daß sie die Ohrtrommel umsonst erhalten könne, jedoch die neben derselben zu gebrauchenden Medikamente bezahlen müffe. Der Preis derselben wurde auf 15 Mk. angegeben; nach Einsendung dieser Summe ging ein Packet, für welches noch 3,85 Mk. Porto u. s. w. zu zahlen war, ein. Die Sendung, welche demnach 18,85 Mk. gekostet hatte, enthielt: 2 sogenannte Ohrtrommeln und 3 Gläser mit Medikamenten, auf jedem der Gläser war der Preis von 4,50 Mk. verzeichnet, die chemische Untersuchung ergab, daß jede dieser Arzneien einen thatsächlichen Werth von 20 bis 40 Pf. hatte; eine Lösung zum Anfeuchten der Ohrtrommeln bestand aus einer Auslösung von Glycerin in alkoholhaltigem Aether; ein Schnupfpulver stellte sich als ein Gemisch von größtentheils Reismehl mit etwas Zuckerpulver, trocknem Extrakte, anscheinend Lackritzen, und einem die Schleimhäute reizenden Pflanzenpulver dar; die dritte zum innerlichen Gebrauch bestimmte Arznei erwies sich als eine Abkochung von Wurzeln oder Rinden und Holz, mit geringen Mengen von Alaun und Zucker versetzt; es hatte Aehnlichkeit mit dem ärztlich bekannten Sarsaparill-Holzdekokt.
Die Ohrtrommeln bestehen aus zwei dünnen Gummiplatten, welche an den Enden eines 2 ein langen Metall- röhrchens drehbar angebracht sind; sie sollen nach der dem Kranken zugesandten Druckschrift im äußeren Gehörgang getragen, das Trommelfell in seiner normalen Spannung erhalten und die Thätigkeit der Gehörnerven durch die in dem Röhrchen enthaltene magnetisirte Stange anregen.
Es dürfte Jedermann einleuchten, daß durch die Anbringung eines derartigen Instruments krankhafte Veränderungen des äußerst komplizirt gebauten Gehörorgans nicht beeinflußt werden können, da das leblose Instrument nicht in Verbindung mit den nervösen, die Gehörempfindung vermittelnden Theilen des Sinnesorganes treten kann. Ebensowenig ist die angebliche magnetische Kraft im Stande, durch Krankheit zerstörte Theile des
„In seine wohlverdiente Ruhe eingegangen, Geliebte! Wir beiden sind die einzigen, die am Leben erhalten blieben!"
„Wo ist Elsbeth?"
„Bis jetzt noch in Marseille!"
„Ist Johanna Zellberg bei ihr?"
Er zögerte.
„Du vergißt, mein Lieb," sagte er endlich langsam, „daß sie ihren Namen abgelegt und deinen angenommen hat."
„Und ich versprach ihr, das Geheimnis zu bewahren. O, Karl, was soll ich thun? Sie ist dort gewiß ganz allein, aber ich darf es nicht nach Buchendorf schreiben, ohne mein gegebenes Wort zu brechen."
„Agathe, beantworte mir zuerst meine Frage! Willigst du ein, schon jetzt mein geliebtes, teures Weib zu werden? Ich muß in die Heimat zurück, meine Eltern kommen mir sogar bis Rom entgegen. Du bist nicht stark genug, um den weiten Weg mit mir zu machen, und der Gedanke ist mir schrecklich dich hier allein zu lassen. Wenn wir uns nun für einige Wochen trennen müssen, soll ich dann meine Gattin in der Obhut der treuen Schwester und des Priesters lassen?"
Ein flüchtiges Rot färbte die bleichen Wangen der Kranken. Ein glückliches Lächeln verklärte ihre Züge, und sie nickte bejahend.
Er schloß sie stürmisch in seine Arme, und ihr müdes Köpfchen an seine starke Brust gelehnt, lauschte sie mit freudestrahlenden Augen seiner Erzählung von Vater und Mutter, Titel und Stellung und von seinem
Ohres wieder herzustellen oder überhaupt eine Anregung der Nerven hervorzurufen.
In vielen Fällen wird das Instrument als Fremdkörper das Gehörorgan reizen und dann eher schädigend als nützend wirken.
Wenn nun in Betracht gezogen wird, daß die nach wissenschaftlich ärztlicher Kenntnis und dem Urtheil hervorragender Ohrenärzte vollkommen werthlosen Ohrtrommeln Zahlungsfähigen zum Preise von 30 beziehungsweise 42,50 Mk. angeboten, Unbemittelten neben einigen Arzeneien von geringem Werhe zu dem obenerwähnten Preise von 18,85 Mk. „geschenkt* werden, so dokumentirt sich das Treiben des Nicholson'schen Instituts als ein schwindelhaftes.
Es wird vor dem Ankauf der erwähnten und ähnlicher Ohrtrommeln dringend gewarnt.
Berlin, den 20. April 1901. (I. A. a. 6255 a.)
Der Polizei-Präfident. gez. von Windheim.
Nichtamtlicher Theil.
Cbina.
Aus Peking erfahren die Londoner Blätter unter dem 26. Mai, Graf Waldersee habe im Prinzip nachstehenden Vorschlägen Li-Hung-Tschangs zugestimmt, nämlich erstens, Peking zu räumen, wenn der Hof die Rückreise nach Peking angetreten habe, zweitens, der chinesischen Militärpolizei zu gestatten, allmälig die Distrikte in der Nähe von Peking zu besetzen, drittens zu erlauben, daß 3000 Mann von den zuverlässigen Truppen Juanschikais nach Peking kommen, um die Ordnung in der Stadt nach der Räumung durch die Ausländer aufrechtzuerhalten. Endgültige Abmachungen seien indessen noch nicht getroffen.
Peking, 27. Mai. Die Gesandten hoffen, daß noch einige Versammlungen genügen, um die noch schwebenden wichtigeren Fragen zu regeln und dem Hofe den Weg zur Rückkehr nach Peking zu ebnen. Große Bedeutung wird dem hier eingetroffenen Edikt beigelegt, in welchem Li-Hung-Tschang und Tsching angewiesen werden, die Verhandlungen schnell zum Abschlüsse zu bringen, um dem Hofe die Rückkehr nach Peking zu ermöglichen. In diesem Dekret wird Li-Hung-Tschang und Tsching gleichzeitig der Befehl ertheilt, den Rückzug der verbündeten Truppen zu sichern. In hiesigen diplo-
herrlichen Ahnenschlosse im südlichen Deutschland in der Nähe des Dorfes Buchendorf.
„Du hast mir noch gar nicht gesagt, wo wir sind! Ich vermute nur, daß es Italien ist, weil italienisch gesprochen wird," bemerkte sie, nachdem er seine Erzählung beendet hatte.
„In Bonaporta, einem kleinen, unbedeutenden Hafenorte, zehn oder zwölf Meilen von Neapel entfernt."
„Von Neapel?" rief sie freudig überrascht. „Weißt du das ganz bestimmt?"
„Ganz bestimmt! Vor wenigen Tagen war ich selbst dort ! Weshalb freust du dich darüber?
„Weil meine beste Freundin in Neapel wohnt! Sie war mit mir in Paris in derselben Pension. Ihr Vater ist Maler, hast du noch nichts von dem berühmten Künstler Gabrielli gehört? Wenn du wirklich »ach Deutschland zurück mußt, Karl, so werden Lucia Gabrielli und ihre Eltern mich gern aufnehmen!"
Lucia hatte ihren Eltern so viel von ihrer Freundin erzählt, daß diese freudig überrascht waren, ganz unerwartet dieselbe mit dem Grafen von Hersfeld in ihrer Villa in Neapel zu sehen. Während Mutter und Tochter darauf bestanden, Agathe, die von der kurzen Reise sehr angegriffen war, sofort zur Ruhe zu bringen, hatte der Graf eine ernste, geheime Unterredung mit dem Künstler in dessen Atelier. — Mit kurzen Worten hatte er ihm die fatale Situation geschildert, in der er sich befand, und ihn um Rath befragt, wie er jetzt klüglich zu handeln habe.
Signor Gabrielli war ein praktischer Weltmann; er