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Hersfeld, 20. Mai. Zur Erleichterung des dies­jährigen Pfingstverkehrs wird auf den Preu­ßischen Staatsbahnen, den Strecken der Eisenbahn- Direktion Mainz und auf den meisten der außerpreu- ßischen Bahnen, über welche die Fahrkarten-Ausgabestellen Auskunft geben, die Geltungsdauer der gewöhnlichen Rückfahrtskarten von sonst kürzerer Geltungsdauer, welche vom Donnerstag den 23. Mai d. I. und an den folgenden Tagen gelöst werden, bis einschl. Montag, den 3. Juni d. J verlängert. Die Rückfahrt muß spätestens an diesem Tage angetreten sein und darf nach Ablauf desselben nicht mehr unterbrochen werden. Sofern auf » den Fahrkarten eine Geltungsdauer angegeben ist, welche vom Lösungstage abgerechnet über den 3. Juni d. Js. hinausgeht, so behalten die Karten für die ausgedruckle Anzahl von Tagen Geltung. Die nach Stationen der Badischen, Bayerischen und Württembergischen Staats­bahnen, der Elsaß-Lothringischen und Pfälzischen Bahnen und der Prinz-Heinrichsbahn in Luxemburg in der Zeit vom 23.25. Mai d. Js. gelösten gewöhnlichen Rück- fahrlskarten haben auf diesen Bahnen vom Lösungstage ab 10 Tage, auf den übrigen obenerwähnten Bahnen dagegen bis 3. Juni d. Js. Gültigkeit.

H -e- Hersfeld, 22. Mai. Mit dem heutigen Tage beginnen die schönsten Wochen auf der Höhe des Jahres, welche nach den astronomischen Angaben mit dem 10. Juli ihr Ende erreichen. In dieser Zeit, welche 71 /2 Wochen umfaßt, hat das Licht die Herrschaft; finster wird es nicht,' von eigentlicher Nacht (stockfinster) kann keine Rede sein. Die Sonne geht früh auf und spät unter, zwischen Sonnenuntergang und Sonnenauf­gang ist eine immerwährende Dämmerung zu bemerken; das Licht der Sonne spielt in dämmernden Strahlen um den nördlichen Horizont." Tief im Norden ist um Mitternacht ein schwacher Lichtstreifen zu sehen. Von einem höheren Berge kann genau beobachtet werden, wie die Abenddämmerung allmählig in die Morgendämmerung

i übergeht. Am 22. Mai geht die Sonne Morgens 4 Uhr auf und Abends 7 Uhr 54 Min. unter; von da bis zum 22. Juni geht fie noch früher auf und später unter, die Dämmerung wird also immer kürzer. Vom 22. Juni an wird dieselbe nach und nach wieder länger, bis am 10. Juli wieder vollständige Nacht zu bemerken ist.

Hersfeld, 20. Mai. Der langjährige Abgeordnete im preußischen Landtage, Herr Oeconom Ferdinand Seyfarth zu Rotenburg, welcher früher den Wahlkreis Hersfeld- Rotenburg im Landtage vertrat und Mitglied der frei- conservativen Partei war, ist gestern Nacht 83 Jahre alt gestorben.

Hersfeld, 20. Mai. Auf der Straße zwischen Heenes und Hersfeld wurde auf einer abschüssigen Stelle derselben der Handelsmann N. von hier, von einem Radfahrer aus Heenes umgerannt und überfahren. N. ^erhielt dabei schwere, wahrscheinlich auch innere Ver­letzungen, so daß sein Zustand als nicht ungefährlich be­zeichnet wird.

Rotenburg, 20. Mai. Gestern fand hier die Gau­vorturnerstunde des Obersuldagaues statt, zu welcher auch der Kreisturnmart Laus von Caffel erschienen war. Es waren nahezu 60 Turner aus Fulda, H e r s f e l d , Gersfeld, Salzschlirs, Bebra und Solz zu den Uebungen angetreten. Unter der Leitung des Gauturnwarts Lauser von Hersseld und. des Kreisturnwarts wurde der Auf­marsch, die Freiübungen und auch die Gerätheübungen für das Kreislurnsest zu Northeim durchgenommen. Ueber die gezeigten Leistungen sprach Herr Kreisturnwart Laus seine Anerkennung aus. Nachmittags 4 Uvr vereinigten siH die Turner zu gemeinschaftlichem Essen im Hotel zum Engel, woran sich nachher noch gemüthliches Beisammen­sein, bei welchem auch der musikalische Theil nicht fehlte, anschloß. Die fremden Turner gaben wiederholt ihrer Befriedigung über die freundschaftliche Aufnahme in ' Rotenburg Ausdruck und bedauerten, daß sie bereits mit oen Abendzügen ihre Rückreise antreten mußten. (Kr.) | Treysa, 19. Mai. Auf der Straße vom Leimsseld nach Ziegenhain kam vorgestern Abend der Sattlermeister P. von letzterem Ort mit seinem Rade zu Fall und zog sich einen Schädelbruch zu. Der Verletzte wurde sofort in die Marburger Klinik gebracht.

W 1 Caffel, 20. Mai. Aus dem diesseitigen RegierungS- beznk sind in den Landeseisenbahnrath gewählt als Mitglied Herr von Stockhausen, Rittergutsbesitzer in Abgunst bei Trendelburg, als Stellvertreter Herr Ober­forstmeister Hintz in Cassel.

" Caffel, 22. Mai. Oberleutnant Schulz vom Hessen- Homburg. Husaren-Regiment, bisherkommaudirt zurDienst- Meistung beim Königlichen Leitinstitut zu Hannover, hat sich als Freiwilliger auf 2 Jahre zur Dienstleistung beim deutscheostasiatischen Korps in China gemeldet.

- Caffel, 21. Mai. (S ch l a ch t v i e h p r e i s e.) ©4fen: 1. Qualität 6567 Mk., 2. Qualität 62-64 Mark, 3 Qualität 59-61 Mk. Bullen: 1. Qualität 54-55 Mk.. 2 Qualität 5253 Mk. Kühe: 1. Qua- E 57-60 Mk., 2 Qualität 5456 Mk., 3. Qualität 52-53 Mk. Schweine: 1. Qualität 5354 Mark, 2. Qualität 50-52 Mk., 3. Qualität 47-50 Mark bte 50 kg. Schlachtgewicht. Kälber: 60 bis 65 Pfg., ^c^»^0^5 Pfg. das '/, kg. Fleischgewicht.

Wl 22. Mai. Einer von der Postverwaltung I 1 , v""8kn Geschäfte zugegangenen Mittheilung zu Folge sollen dre Ansichtskarten mit Verzierungen von ^IslSfplittern u. s. w , sogen. Glimmerkarten, erst vom Dito her an von der Versendung ausgeschlossen werden. Gunt-rshauftN, 18. Mai. Am 10. Juni wird her Hessische Missionöverein im nahe gelegenen Wäldchen sein Jahreösest begehen. Als Festprediger werden die

Herren Missionsinspektor Dr. Schreiber-Barmen und Misstonsinspektor Michaeli-Berlin auftreten.

Witzenhausen, 18, Mai. In einem Anfälle von Irrsinn hat sich der Schmiedemeister M. im benachbarten Hohengandern mit einem Jagdgewehr erschossen. Zu einem Bauern, der von ihm ein Pferd beschlagen lassen wollte, sagte M.:Ich will mich erst todlschießen, dann kannst Du Dein Pferd selbst beschlagen." Der Kunde nahm diese Worte nicht ernst, hörte jedoch kurz darauf einen Schuß krachen. Man fand den Schmied in der Küche in seinem Blute liegend.

Schmalkalden, 20. Mai. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag erhängte sich in der Arrestzelle der hiesigen Polizeiwache der Ahlenschmied B., der wegen Bedrohung seiner Familie und seines Meisters in Haft genommen worden war. Bei ihm fand man einen geladenen Revolver und ein spitzes dolchartiges Instrument. Der Selbstmörder, in den 30er Jahren, war dem Trunke ergeben.

$ t r m i f 611 §.

Hamburg, 22. Mai. Das SchiffSarona" lief aus der Fahrt von Sidney, durch Unwetter schwer beschädigt, Montevideo an. Der Kapitän und drei Mann find im Unwetter umgekommen.

Ueber einen interessanten Kampf in den Lüften wird aus Langendorf a. Elbe (Kreis Dannenberg) Folgendes berichtet: Ein Fischreiher hatte von den Brassen (ober Bleien), die jetzt laichen und sich deshalb in größeren Schaaren auf den noch niedrig überschwemmten Wiesen tummeln, ein stattliches Exemplar gefangen und war dabei, ihn sich wohlschmecken zu lassen. Er sollte sich seines Raubes aber nicht lange freuen, denn ein Storch gesellte sich zu ihm uud machte Miene, ihm bei der Mahlzeit zu helfen. Der Fischreiher war über diese Dreistigkeit ungehalten und gab durch eine Bewegung seines Schnabels dem ungebetenen Gast zu verstehen, daß er überflüssig sei. Der Storch verstand den Wink mit dem Schnabel falsch, und bald entbrannte ein heißer Kampf, dessen Schauplatz bald von der Erde in die Lüfte verlegt wurde. Mit den Flügeln schlagend sank der Fischreiher schließlich zur Erde nieder, wo er, da ein Schnabelhieb seines Gegners ihm ins Auge gedrungen war, verendete. Als der Storch, der auch übel am Ge­fieder zugerichtet worden war, sich des leckeren Brassen bemächtigen wollte, war dieser bereits von einem anderen Adebar erwischt und verspeist worden.

Crefeld, 18. Mai. Bei der Reinigung einer Abortgrube wurden der Hausbesitzer und ein Arbeiter durch Gase erstickt; ein Dritter wurde mit knapper Noth gerettet.

Berlin, 20. Mai. In grauenvoller Weise er­mordet und beraubt aufgefunden wurde heute früh in der Nähe von Bernau ein Mann, dessen Persönlichkeit noch nicht festgestellt werden konnte. Bewohner von Bernau fanden eine Viertelstunde von der Stadt entfernt an der Zepernick-Ladeburger Landstraße die Leiche eines etwa vierzig Jahre alten Mannes, dem der Kopf von dem nackt daliegenden Rumpfe vollständig abgeschnitten war. Der Kopf, der ebenso wie das Gesicht in grauen­erregender Weise zerstochen und bis zur Unkenntlichkeit entstellt war, wurde etwa 40 Meter von dem Rumpfe entfernt im nahen Kornfeld gefunden. Die Kleider waren dem Ermordeten geraubt worden. Man nimmt an, daß es sich um einen Raubmord handelt.

Berlin, 20. Mai. Gegen die Frau des ver- | hasteten KommerzienrathS Sanden sind von der Preußischen Hypotheken-Aktien- bezw. der deutschen Grundschuld - Bank Regreßansprüche in Höhe von 1 200 000 M. im Prozeß­wege gellend gemacht worden. Er steht zu erwarten, daß seitens des Gerichts die Ansprüche in dieser Höhe als zu Recht bestehend anerkannt werden.

Durch das Schießen nach einem Fesselballon entstand auf dem Jüterboger Artillerie-Schießplatz ein umfangreicher Waldbrand. Im Beisein des Prinzen Friedrich Leopold und des Prinzen Friedrich Heinrich von Bayern, sowie von Generalen und Offizieren, die jetzt auf dem Schießplatz einen Jnsormationskursus durch­wache», fand das Schießen nach dem Fesselballon statt, wobei ein Geschoß so sicher traf, daß es im Ballon ex- plodirte und ihn in Brand setzte. Eine gewaltige Feuer­säule lohte empor, während der Ballon mit rasender Geschwindigkeit zur Erde sauste. Er fiel in einen un­weit des Zieldorfes befindlichen Wald und fetzte diesen in Brand. Erst nach vieler Mühe gelang es mehreren Hundert Soldaten, den Brand zu löschen.

Ein Großfeuer hat auf dem mecklenburgischen Gute Hohen-Demzin bei Teterow, dem Grafen Fr. v. Boffewitz gehörig, gegen 1000 Schafe, ca. 80 Kühe und 100 Schweine vernichtet. Außerdem ist der ganze Hof bis auf das Wirthschasshaus ein Raub der Flammen geworden. Der Inspektor wollte mit einigen Leuten noch Vieh retten, als hinter ihnen das Dach zusammen- stürzte und so den Ausgang versperrte. Mit genauer Noth gewannen die Retter einen Ausgang. Ein 16 jähriger Hofgänger, der bereits hinter Schloß und Riegel sitzt, wird beschuldigt, das Feuer aus Rache wegen einer Zurechtweisung angelegt zu haben.

Berlin, 17. Mai. Das Seilspringen der Mädchen, ist eine Unsitte, die von Eltern und Erziehern unter keinen Umständen gelitten werden sollte. Das neunjährige Töchterchen des Gastwirthes R. in der Perleberger Straße hat durch dieses Spiel sich den Tod geholt. Obgleich von den Eltern wegen des Seilspringens vielfach ermähnt, wußte das Kind doch immer, sich ein

Seil zu beschaffen, um dem genannten Vergnügen zu huldigen. Plötzlich klagte es über Schmerzen im Leib; der Arzt constatirte eine Darmverschlingung als Folge des Seilspringens und ordnete die Ueberführung des Kindes in das Moabiter Krankenhaus an. Dort wurde dem Kinde auf operativem Wege der Darmknoten ent­fernt, doch gelang es der ärztlichen Kunst nicht, das junge Leben zu retten. Unter den fürchterlichsten Schmerzen starb das Mädchen.

(Wilde Indianer aus Pommern.) Wegen unlauteren Wettbewerbs wurde, wie derArtist" berichtet, eine Singspiel-Gesellschaft in Elberfeld angezeigt. Sie gab sich für ein Indianer-Quintett aus und im- ponirte durch die Wildheit und Unbändigkeit ihres Benehmens. Die Polizei untersuchte jedoch die ihr ver­dächtig vorkommenden Gestalten und stellte nach einer gründlichen Reinigung fest, daß es eine aus Pommern stammende Musikgesellschaft war, die sich als wilde Indianer auch schon in anderen Städten hatte bewundern lassen. Es sollen übrigens nicht die einzigen biederen Deutschen sein, die als Wilde, Menschenfresser, Schlangen­beschwörer u. s. w. austreten.

Culmsee, 22. Mai. Der Gutsbesitzer Jesto- nowski, der mit seiner Frau vom Bahnhof kam, wurde von zwei Unbekannten niedergeschlagen und so schwer verletzt, daß er alsbald verstarb.

(R e i ch e r K i n d e r s e g e n.) DasSalzburgec Volksblatt,, meldet: Ein Polizeimeldeschein theilt uns die Ankunft eines 71jährigen Arbeiters mit, der aus den fruchtbaren Gefilden Ober-Oesterreichs in unsere Stadt übersiedelt ist. Derselbe ist Vater von 34 lebenden Kindern.

In Fuorigrotta bei Neapel wurde eine Schule für Taschendiebe entdeckt mit einem Schulvorstand, dem Lehrer und einer sehr großen Anzahl ebenso wiß­begieriger, wie fleißiger Schüler. Der Lehrer erhielt stets pünktlich sein Gehalt und war berechtigt, die säu­migen Zahler durch Prügel zu mahnen. Dank der Strenge des Meisters blühte die Schule außerordentlich, und dank seiner Gabe im Unterrichten stieg die Zahl der ausgeführten Taschendiebstähle in Neapel ins Un- gemessene. Die Sache kam heraus, als der eifrige Lehrer einen Schüler, der seinen Raub nicht mit ihm theilen wollte, über Gebühr züchtigte. Der Beleidigte ging zur Polizei und verrieth Lehrer und Diebesgenossen.

London, 20. Mai. In Charlton erschoß der eben aus Südafrika zurückgekehrte Wachtmeister Butler vier seiner Kinder und verwundete das fünfte, eine Tochter. Seine Frau entfloh mit dem Säugling. Butler wurde verhaftet.

Aus London wird demTemps" berichtet: Im Jahre 1899 erfuhr London eines schönen Morgens, daß der Finanzmann Hooley sich für die Summe von etwa 40 Millionen insolvent erklärt hatte. Seine Gläu­biger haben bis jetzt nur 10 pCt. zurückerhalten. Mr. Hooley geht es trotzdem nicht schlecht; als Agent seiner Frau, der er vor dem Zusammenbruch ein enormes Ein­kommen übertragen hatte, giebt er jährlich nicht weniger als 375 000 Fr. aus. Soeben ist nun St. Bernhard, der Lieblingshund von Mrs. Hooley, von einem der berühmtesten Zahnärzte Londons mit einem vollständigen, aus Gold gearbeiteten Gebiß versehen worden. Das arme Thier litt augenscheinlich an einer chronischen Magenverstimmung in Folge des schlechten Zustandes seiner Kauwerkzeuge. Die Gläubiger Hooleys, die Hunger leiden, werden glücklich sein, wenn sie erfahren, daß der Liebling sich völlig auf dem Wege der Besserung be­findet.

Bordeaux, 18. Mai. Ein Theil der Wein­gärten von Saint Emilion ist durch Hagelschlag zerstört worden; der Schaden wird auf über eine Million Francs geschätzt.

Ein Riesenausstand der Maschinenarbeiter hat am Montag in Nordamerika, Kanada und Mexiko be­gonnen und wird von den Arbeitern aller verwandten Berufsarten unterstützt. Die Zahl der Ausständigen wird auf 50 000 Mann geschätzt. Die Leute verlangen neunstündige Arbeitszeit, aber mit den gleichen Bezügen, wie sie sie jetzt für zehnstündige Arbeit erhalten.

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