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Nr. 57. Wl ten 11 Mm 1961.

Amtlicher Theil.

Cassel, den 2. Mai 1901.

' Bekanntmachung.

! f An der Landwirthschaftsschule zu Weil« , bürg, Regierungsbezirk Wiesbaden, soll auch in diesem ? Jahre, und zwar in der Zeit vom 12. August bis zum | 14. September ein Kursus zur Ausbildung von Volks- schullehrern zur Ertheilung des Unterrichts an ländlichen 1 Fortbildungsschulen abgehalten werden, welcher den ersten Theil eines Gesammtlehrganges darstellen wird. Lehr, gegenstände des bevorstehenden Kursus sind: Chemie, PflanzenproduktionSlehre, Zoologie (Anatomie und Physiologie der landwirthschaftlichen HauSthiere) und landwirthschaftliches Unterrichtswesen nebst Uebungen.

Den Theilnehmern wird ein Zuschuß aus Staats­mitteln in Aussicht gestellt, wobei jedoch vorausgesetzt wird, daß auch die Gemeinden ihr Interesse an der Sache möglichst durch Uebernahme eines Theiles der entstehen­den Kosten bekunden. Die Beihülfen (Staats- und Gemeinde-Zuschuß) zusammen betragen in der Regel 8 90 Mark. Nach den maßgebenden Grundsätzen haben H. diejenigen Bewerber, denen von ihren Gemeinden oder Boon anderer Seite ein angemessener Zuschuß zu den Reise- und Aufenthaltskosten gewährt wird, Aussicht auf vorzugsweise Berücksichtigung. Wir geben den Gemeinden anheim, sich durch einen von dem Lehrer auSzustellenden 7 Revers dahin zu sichern, daß derselbe die erhaltene Summe zurückzuzahlen hat, wenn er innerhalb Jahres­frist nach stattgehabtem Kursus die Gemeinde verläßt.

| Indem wir noch bemerken, daß es im Interesse der 7 gründlichen Ausbildung der Kursisten erwünscht ist, daß sie nicht nur an einem einzelnen Kursus, sondern an > einem vollständigen, 2 Kurse umfassenden Gesammtlehr- gange theilnehmen, fordern wir die Lehrer, welche an dem diesjährigen Kursus theilnehmen wollen, auf, ihre bezüglichen Gesuche bis spätestens zum 25. Mai d. J. durch Vermittelung des Königlichen Schulvorstandes bezw. der Stadtschuldeputation an uns einzureichen.

Abschrift mit der Veranlassung, durch weitere Ver­öffentlichung vorstehender, im Amtsblatt zum Abdruck kommenden Bekanntmachung oder in sonst geeigneter 7 Weise auf den Kursus aufmerksam zu machen und uns die eingehenden Meldungen bis spätestens zum

| Eine Verwechselung.

Eine Erzählung von C. Borges.

(Fortsetzung.)

Haben Sie schon Frau Zellberg oder deren Schwester, | Fräulein Morris, gesehenfragte Frau Männer« ihren ® jungen Schützling am dritten Tage der Fahrt.Sie ist die Gattin des deutschen Konsuls und soll die schönste 8 Dame an Bord sein!"

Nein! Warum verläßt sie Indien?"

Frau Mannes zuckte mit bedeutungsvollem Lächeln 7 die Achseln.

Man sagt, sie sei leidend, aber es sollte mich nicht wundern, wenn sie nicht wieder zurückkehrte. Ich kannte den Konsul schon vor seiner Verheirathung er war heiter und lebensfroh, aber die letzen Jahre haben ihn traurig verändert. Es war eine romantische Verbindung, echheirathete ein junges Mädchen, welche« halb so alt war wie er. Dergleichen Ehen fallen selten gut aus!" M Frau Männer« hatte kaum geendet, als der Kapitän eine bildschöne Dame in den Salon einführte, die er oen^ Mitreisenden als Gattin des Konsuls Zellberg vor-

Alle Augen richteten sich auf die imposante Er­scheinung, die im eleganten schwarzen Spitzengewande einer Fürstin glich, welche an Bewunderung und Hul­digung gewöhnt ist.

1 Frau Männer«, die gern ihre eigene Stimme hörte und es liebte sich vor allen Mitreisenden auszuzeichnen,

8. Juni d. I. einzureichen. Dabei erwarten wir nach Anhörung des Ortsschulinspektors eine Aeußerung darüber, ob von der beabsichtigten Ausbildung der belr. Lehrer eine Förderung des ländlichen Fortbildungsunterrichts zu erwarten steht und wie viel die Gemeinden zu den entstehenden Kosten beizutragen bereit sind. Falls keine Meldung eingeht, ist Fehlanzeige zu erstatten.

Königliche Regierung, Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen. Fliedner.

An die Herren Landräthe und Stadtschuldeputationen des Regierungsbezirks (mit Ausnahme der Stadtschul­deputationen zu Cassel und Hanau).

* * *

Hersfeld, den 10. Mai 1901.

Wird den Herren Orlsschulinspektoren des hiesigen Kreises mit dem Ersuchen mitgetheilt, die Ihnen unter­stellten Herren Lehrer auf den fraglichen Kursus auf­merksam machen und mir etwaige MeldungSgesuche der­selben unter entsprechender Aeußerung bis zum 25. b. M. übersenden zu wollen.

I. 2687. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.

Hersfeld, den 11. Mai 1901.

Unter Hinweis auf meine Verfügung vom 2. v. M., A. 971, KreiSblatt Nr. 41, werden die Herren Bürger­meister der Landgemeinden des Kreises, welche die Ab­schrift der Verhandlung über die am 30. v. M. vorzu- nehmende Revision der Gemeindekasse noch nicht einge­sandt haben, an sofortige Erledigung dieser Verfügung erinnert. Es fehlen auch noch einzelne Abschriften der Verhandlung über die Kassenrevision am 31. März d. I., deren umgehende Einreichung erwartet wird.

Den säumigen Herren Ortsvorständen wird eine Strafe bis zu 3 Mark angedroht.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, _____Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 13. Mai 1901.

Der Herr Direktor der landwirthschaftlichen Winter­schule in Fulda beabsichtigt

1) am 15. M a i d. J «., Nachmittags 7 Uhr, in der Gastwirthschaft von Claus in Mecklar,

2) am 16. M a i d. I S., Nachmittags 2 Uhr, in der Gastwirthschaft von Schweinsberg in Heringen,

bahnte sich durch die Menge einen Weg und nahm neben der still gefeierten Schönheit Platz.

Ich bin schon seit Jahren mit ihrem Herrn Gemahl bekannt," versichert« sie im Laufe des Gespräches,wir bedauerten in Kalkutta, daß Sie sich so gänzlich vom geselligen Leben au«schlossen. Ich hörte, Sie seien leidend? Wie gut, daß e« Ihnen jetzt besser geht!"

Ich war niemals krank," entgegnete die also An­geredete erröthend,aber meine Schwester ist leidend, und da sie die Seefahrt so schlecht vertragen kann, wird sie wohl immer in ihrer Kajüte bleiben müssen!"

Darf ich Ihrer Schwester Gesellschaft leisten, Frau Zellberg? Bitte, führen Sie mich zu ihr!"

Die Dame erröthete heftiger, murmelte einige un­verständliche Entschuldigungen und verließ eilig den Salon.

Verlassen Sie sich darauf, Herr Oswald," entschied Frau MannerS,mit diesen beiden Schwestern ist nicht alles in Ordnung I Bemerkten Sie nicht, wie Fan Zell- berg erröthete, als ich von ihrer Schwester sprach? Warum eilte sie plötzlich davon, als ich bat, sie besuchen zu dürfen? Und kurz vorher war sie so freundlich und schien gar keine Eile zu haben, uns zu verlassen. Sollte Fräulein Morris vielleicht verunstaltet sogar ein Krüppel sein?"

Von Neugierde getrieben, befragte sie die Schiffs­dienerin, die ihr versicherte, daß die letzte Vermuthung vollständig grundlos sei.

Sie sei fast noch schöner wie die Schwester," fuhr die Dienerin geschwätzig fort,aber sie sieht entsetzlich elend aus, und ich habe noch niemals eine Dame ge­

3) am 17. M a i d. J s., Nachmittags 8 Uhr, in der Gastwirthschaft von Zinn in Philippsthal,

4) am 18. Mai d. I s., Mittags 12 Uhr, in der Gastwirthschaft von Träger in Friedewald,

5) am 19. M a i d. I S., Nachmittags 3'/, Uhr, in der Gastwirthschaft von Bolender in Hersfeld,

6) am 22. Mai d. I S., Nachmittags 7 Uhr, in der Gastwirthschaft von Grenzebach in Nied eraula,

7) am 23. M a i d. I s., Nachmittags 6 Uhr, in der Gastwirthschaft von Nuhn in Kirchheim,

8) am 24. M a i d. I S., Nachmittags 6 Uhr, in der Gastwirthschaft von Steinhauer inSchenklengsfeld Vorträge über Fragen aus dem Gebiete der Landwirth­schaft zu halten.

Die Herren Bürgermeister des hiesigen Kreises haben die Landwirthe ihrer Gemeinden alsbald in ortsüblicher Weise auf diese Vorträge aufmerksam zu machen und nach Möglichkeit dahin zu wirken, daß diese Versamm­lungen auch recht zahlreich besucht werden.

I. I. Nr. 2729. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Nichtamtlicher Theil.

Lhina.

Aus Peking wird vom 9. Mai gemeldet: Der Ge- sammtdetrag der Entschädigungsansprüche in Höhe von 450 Millionen Tasls wird heute Abend den Chinesen mitgetheilt werden. Die meisten chinesischen Beamten scheinen eine von den Mächten garantirte vierprozentige, in 50 Jahren rückzahlbare Anleihe zu befürworten, während andere, darunter Tschangschihtung, glauben, daß der Betrag ohne Anleihe in fünf Jahren vollständig gezahlt werden kann. Der Hof berieth über Mittel und Wege zur Ausbringung von weiteren zwanzig Millionen jährlich, jedoch haben die chinesischen Bevollmächtigten Instruktionen, möglichst eine Ermäßigung des geforderten Jndemnitätsbetrages zu erlangen. Die Indemnität ist nur zur Deckung der Kosten der verschiedenen Regierungen bis Ende Juni berechnet. In einer Versammlung der Gesandten wurde heute Vormittag beschlossen, den Chinesen klar zu machen, daß der geforderte Betrag nicht ein bloßer Anspruch für Schadenersatz sei, sondern die Ge­

pflegt, die mehr von der Seereise zu leiden hatte, wie sie!"

Hätte aber Frau Männer« in diesem Augenblicke da» Gespräch der beiden Schwestern belauschen können, so wäre gewiß ihr Interesse noch erhöht worden.

Es ist nicht recht und darf gewiß nicht länger so weiter gehen!" begann die junge Dame, die im Salon so große Aufmerksamkeit erregt hatte.Anfänglich, als wir nur mit der Dienerin zusammenkamen, ließ ich e« mir noch gefallen; aber alle Passagiere halten mich für Frau Zellberg. Was würde Dein Gatte zu dieser Ver­wechslung sagen, Elsbeth?"

Das ist mir gleichgiltig," erwiderte die Schwester wehmüthig,es ist allein meine Schuld, Agathe, - ich sagte gleich am ersten Tage dem Kapitän, daß Du Frau Zellberg seiest!"

Elsbeth!" rief die Schwester vorwurfsvoll.

Wenn Du nun zu ihm gehst und meine Worte Lügen strafst, so muß der gute Mann doch denken, wir hätten beide unsern Verstand verloren. Sei gut, Agathe, und laß die Leute in dem Irrthum!"

Der Kapitän wird doch aufgeklärt werden,' er­widerte Agathe,wenn nicht eher, so doch in Frankreich. Wollte Johanna Dich nicht in Empfang nehmen?"

Johanna die Vollkommene das Musterbild aller weiblichen Tugend!" hauchte die Kranke mit viel- sagendem Lächeln.O ja, ich glaube, sie wird nach Pari« kommen, um mich zu holen, aber--sie wird mich nicht finden. Ich werde vorläufig in Marseille bleiben!"

Agathe umschlang ihre unglückliche Schwester, und