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Gestern marschierte ich mit dem Manchester-Regiment. Dutzende von den Leuten hatten überhaupt keine Schuhe oder Stiesel und hinkten barfüßig oder mit einigen Tuch­lappen um die Füße über den steinigen, staubigen Boden. Und erst ihre Uniformen! Einige Leute haben Fragmente von Hosen an, die als solche kaum noch zu erkennen sind ; ein paar Tommies sah ich zu meiner Ueberraschung gekleidet in ihre dicken Mäntel, in denen sie bei der fürchterlichen Hitze fast zusammenbrochen. Mit blutenden Füßen, hohlwangig und unrasiert marschieren diese armen Burschen hinter Dewet her und sind gekleidet wie die Affen der armen italienischen Orgeldreher. Der Marsch geht weiter, wenn auch ab und zu ein paar Leute Um­fallen. Wir sollen ja Dewet fangen, und außerdem hat sich Tommy Atkins längst eine Himmelsgeduld und eine geradezu fabelhafte Ausdauer angewöhnt. Nach sechs Stunden wird endlich Halt gemacht, und die Leute fallen nieder, wo sie stehen. Jetzt giebts auch Er­frischungen trockene steinharte Biskuits und sumpfiges lauwarmes Waffer, gerade genug, um die ausgetrockneten Magen der Soldaten erst recht revoltieren zu machen. Das ist das Mitagsmahl der Dewet-Jäger, und nun, nach einer Rast von 15 Minuten geht es weiter, immer zwei Meilen (engl.) in der Stunde.

Aas Provinz und RlHargetiet.

* (P e r s o n a l - C r o n i k.) Ernannt: der außer­ordentliche Pfarrer Vockenberg zum Gehülfen des erkrankten Pfarrers Lotze zu Vollmarshausen, der Unteroffizier Knüppel zum Schutzmann bei der Polizei- verwaltung zu Cassel. Beauftragt: der außerordent­liche Pfarrer K o n r a d mit Versehung der neu errichteten HülsSpsarrstelle an der Altstädter Gemeinde zu Cassel. Bestätigt: die Wahl der Oberbürgermeister« Dr. jur. Gebeschus zu Hanau auf eine weitere Amtsdauer von 12 Jahren. Verliehen : dem Kirchendiener, Lehrer Mainz zu Renda der Cantortitel.

(§) Hersfeld, 3. Mai. Nächsten Montag Nach­mittag 4 Uhr findet eine Stadtverordneten- S itzung im Rathhaussaale statt. Tagesordnung: Leichenhalle. KochgaSpreise. Wahl einer Schieds- manns und deffen Stellvertreter. Projekt für die Kläranlage am Johannesweerd. Gesundheit»' kommission. Sparkassenrechnung für 1899. Städte- tag. Fluchtlinien. Nachbewilligungen. Sonstiges.

-e- Hersfeld, 1. Mai. (D e r M a i.) Der Mai ist der fünfte Monat des Jahres. Er leitet seinen Namen her von der altrömischen Göttin Maja, die als Be- sörderin des Wachstums im Frühling verehrt wurde. Der 1. Mai bringt uns den Anfang desWonnemonds" deswunderschönen Monats", dessen Ruhm von Alters her die Dichter gesungen haben. Was der März kaum andeutct, der April leise verheißen, das bringt der Mai zu üppiger Entfaltung. Gesprengt wird an Baum und Strauch die Hülle der Knospen, um Blatt und Blüte erstehen zu lassen; in immer saftigerm Grün prangen Wiesen und Felder, bunte Schmetterlinge schweben zwischen den duftenden Kelchen einher, das Geschmetter der kleinen Sänger in Busch und Hag durchklingt die vom Sonnenglanz verklärte Luft, und der Mensch wandelt beglückt und dankbar zwischen all dem köstlichen Segen, den zu schauen und zu genießen ihm des Schöpfers Güte wieder einmal vergönnt hat. Denn viele Gaben laben nicht nur Auge und Herz, sondern auch Zunge und Gaumen. Den würzigen Dust des Waldmeisters vermischt der Mensch mit dem Blute der Reben und erfreut sich des erquickenden Trankes, den er zu Ehren des schönsten Monats Maitrank genannt. Und hinaus ins Freie wollen wir im Monat Mai gehen! Wie singt der Dichter?

Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus, Da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus;

Wie die Wolken dort wandern am himmlischen Zelt, So steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt! ^ Freilich ist es nur wenigen vergönnt, diesem Wander­triebe ohne weiteres Folge zu leisten und hinaus in die weile, weite Welt zu gehen; aber in bescheidenerm Maße kann und soll jeder diesem Naturtriebe nachkommen, um draußen in Gottes freier Natur die frische, würzige Luft des Wonnemonats in vollen Zügen einzuatmen, um sich in der erquickenden Frühlingspracht, im lachenden Sonnenschein Geist und Körper gesund zu baden. Während dieser Naturtrieb bei uns erwachsenen Kulturmenschen vielfach unterdrückt ist, tritt er bei den Kindern noch unverfälscht zu tage. Wenn die schillernden Schmetter­linge von Blume zu Blume schweben und die gefiederten Sänger ihr Jubilieren und ihr Tirilieren anstimmen, dann ist es auch vorbei mit demFeinstillesitzen" der Kinder im Zimmer. Wildfröhlich stürmen sie hinaus in die freie Natur, sie springen und hüpfen wie Lämmlein oder Fohlen, wenn sie aus dem dumpfen Stalle gelassen werden. Auch bei den Thieren bemerkt man, wie tief allen lebenden Wesen der Trieb nach Bewegung im Freien eingepflanzt ist.

Hersfeld, 30. April. Auf einer Radtour kam ein auswärtiger Geschäftsreisender hinter Schenklengsfeld zu Fall. Er erlitt einen Beinbruch und schwere Verletzungen am Kopfe, so daß er in's Krankenhaus gebracht werden mußte.

* Das große Loos der Königl. Preußischen Klassen-Lotterie ist gestern Vormittag gezogen worden. Es fiel auf die Nummer 19894.

^ Wölfershaufen, 1. Mai. Während eines gestern Nachmittag gegen 1 Uhr über unserm Ort nieder­gegangenen Gewitters traf ein Blitzstrahl, jedoch ohne zu zünden, die hiesige Kirche. Dieselbe wurde stark be­schädigt, indem das Dach, Sparren und ein Theil der Wand, Fenster und Sitzplätze vollständig zerschmettert wurden.

Cassel, 1. Mai. (Getreide-, Futter- und Düngermarkl.) Beeinflußt von dem Preisrückgang an den auswärtigen Börsen war die Haltung am heutigen Markte matt und lustlos. In Weizen zeigte sich etwas stärkeres Angebot, ohne daß solches jedoch Nehmer fand, auch Roggen verkehrte in ruhiger Haltung bei geringen Umsätzen. Hafer fand befriedigenden Absatz.

Fritzlar, 2. Mai. Als der bei der hiesigen Artillerie-Abtheilung stehende Unteroffizier W. vorigen Sonntag Abend in die Kaserne zurückkehrte, betrat er einen bisher noch unbewohnbaren Raum des angebauten Kasernenflügels, wo er Handschuhe zum Trocknen aufgs- hängt hatte. Durch einen unglücklichen Zufall stürzte er, als er sich zum Fenster hinausbeugt?, aus dem mehrere Stockwerke hohen Gebäude auf das Straßenpflaster hinab, wobei er sich schwere innere Verletzungen zuzog. Obgleich ärztliche Pflege das Möglichste aufbot, fein Leben zu erhalten, war der Fall doch so unglücklich und verhängnißvoll gewesen, daß W. hierbei sein junges Leben aushauchte.

Schlächtern, 28. April. Am 9. Mai beginnt in dem hiesigen Seminar die zweite Lehrerprüfung. Dem Vernehmen nach haben sich 40 Lehrer dazu angemeldet.

Aus der Rhön, 1. Mai. Auf dem Nachhausewege von Brendlorenzen nach Großbardorf fiel der verheirathete Oeconom Endres von Großbardorf in Folge Durchgehens der Pferde vom Wagen und brach das Genick. Der Tod trat sofort ein.

Bach«. Unter den bei der Explosion in Griesheim bei Frankfurt Verunglückten befand sich auch der Chemiker Dr. Jakoby, der, das Gesicht noch krampfhaft mit den Händen bedeckt, todt unter den Trümmern hervorgezogen wurde. Derselbe war ein Neffe des Herrn Privatier Jakoby in Philippsthal.

Schlitz, 1. Mai. Se. Majestät der Kaiser trifft am Sonnabend, den 4. Mai, zum Besuch der gräflich

Görtzischen Familie hier ein und beabsichtigt einige Tage hierselbst zu verweilen. Bei der am Sonntag statt« findenden Feier der silbernen Hochzeit des Görtz'schen Paares will der junge Erbgraf seine Braut, eine Prin­zessin von Thurn und Taxis, dem Kaiser vorstellen. An demselben Tage begeht auch die Großmutter des Bräutigams ihren Geburtstag. Da im vorigen Jahre wegen Er­krankung der Gräfin der Besuch unterblieben war, so wird dieses Jahr die Ankunft des Monarchen mit großer Freude begrüßt. Von hier wird Se. Majestät nach Karls­ruhe zum Besuch des Großherzogpaares weiterreisen.

Frankfurt a. M., 29. April. In der verflossenen Nacht wurde in einem Uhren- und Goldwaarengeschäft in der Schäfergasse ein Einbruch verübt und goldene Herren- und Damenuhren rc. im Werthe von 10 000 M. sowie 3000 M. bar aus der Ladenkasse gestohlen. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt.

Griesheim, 1. Mai. Wie aus Berlin gemeldet wird, hat der Kaiser befohlen, ihm eingehend Bericht zu erstatten über dieGriesheimer Katastrophe und ihre Ursachen und über die gegebenenfalls zu fassenden Entschließungen wegen Verhütung künftiger ähnlicher Unglücksfälle. Der Bericht dürfte in den nächsten Tagen vorgelegt werben. Es erscheint festgestellt, daß die Explosionen in den Räumen statt- fanden, wo sich Pikrinsäure befand. Es hat sich ein Hilfscomite gebildet. Der Höchster Landrath Achenbach nimmt freiwillig Gaben entgegen.

Griesheim, 2. Mai. Gestern sind die beiden letzten Vermißten, Wagner aus Griesheim und Zimmer­mann aus Sossenheim, unter den Trümmern auf­gefunden worden. Man nimmt an, daß nunmehr alle Opfer der Katastrophe geborgen sind. Die Fabrik gibt die Zahl der Todten jetzt auf 23 an.

Mainz, 1. Mai. In dem Keller der Rheinischen Brauerei entstand heute Morgen unter den Arbeitern ein Streit, wobei ein Arbeiter erstochen wurde.

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Kirchliche Nachrichten.

Kvangelischer Hottesdienk.

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