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Sr. 49.Imerftiis in 25. AM 1901.
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" ™» „Wustrirte landwirthschaftl. Beilage" für die Monate Mai und Juni werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträaern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 22. April 1901.
Nach dem in der Kreisstandssitzung am 23. März d. J. festgestellten Kreishaushalts-Etat für das Jahr 1901/02 sind 18 °/0 der sämmtlichen direkten Staatssteuern als allgemeine Kreissteuer zu erheben. Neben dieser Kreissteuer sind von den Landgemeinden und Gutsbezirken des Kreises, mit Ausnahme der mit Landwegebauaufgaben bisher nicht belasteten Gemeinden Frielingen, Hed- dersdorf, Kalkobes und Niederjossa, noch 7200 Mark als Beiträge zu der Kreiswegesteuer aufzubringen und erfordert diese Summe weitere 9*/ ja °/0 der sämmtlichen direkten Staatssteuern.
Die Stadt Hersfeld, die vorgenannten 4 Landgemeinden und der Fiskus haben hiernach für das Jahr 1/4. 1901/02 18 °/o der sämmtlichen direkten Staatssteuern als Kreissteuer zu entrichten, während alle übrigen Landgemeinden und Gutsbezirke 18 4- 91 /40 = 27,1 °/0 zu entrichten haben.
Die Berechnung der Kreissteuerbeträge für die Stadt- und Landgemeinden und die Gutsbezirke des hiesigen Kreises ist diesseits erfolgt und wird den Herren Bürgermeistern und Gutsvorstehern in den nächsten Tagen ein Auszug aus dieser Berechnung zugehen und wird ersucht, den darin namhaft gemachten Gesammt-Betrag i m W ege der Umlagenerhebung von den Pflichtigen zur Gemeindekasse einziehen und in vierteljährigen Raten an die KreiSkommunalkasse dahier (im Land- rathsamtslokale) portofrei einzahlen zu lassen.
Die erste Rate wird am 15. Mai, die zweite am 15. A u g u st, die d r i t t e am 15. N o v e m b e r d. J. und die vierte Rate am 15. Februar 1902 fällig und sind diese Zahlungstermine genau einzuhalten.
Bei jeder Zahlung ist der Auszug aus der Berechnung zur Quittungsleistung auf demselben vorzulegen.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses:
A. 1225. Freiherr von Schlei n i tz,
Königlicher Landrath, Geheimer Regierungs-Rath.
Homberg, den 20. April 1901.
Unter der Schafheerde des Schäfers Berg zu Ober- Hülsa ist die Räude auSgebrochen.
Der Königliche Landrath v. Gehren.
Nichtamtlicher Theil.
«Lhina.
London, 23. April. Aus Peking wird gemeldet: Ein kaiserliches Edikt befiehlt Li-hung-Tschang, die deutsche Schansi-Expedition zu verhindern, widrigenfalls er für die Folgen verantwortlich sein würde.
London, 23. April. Aus Petersburg meldet die „Daily Mail": Der Generalstab erhielt Nachrichten, daß eine neue Bewegung in der Mandschurei beginne. Die chinesischen Truppen sind an drei Punkten um Mukoen stark verschanzt, mit guten Mausergewehren und dreißig Krupp'schen Geschützen ausgerüstet. Oestlich von Mukven, bei der Stadt Turchauser, stehen 12 000 Mann unter dem hervorragendsten Boxergeneral Lutanle, nordwestlich, bei der Stadt Kulo, hat der frühere Gouverneur Mukdens sechstausend Mann; im Osten der Mongolei, beim Jgschangebirge, stehen neuntausend Mann unter dem chinesischen General Schu. Admiral Alexejew hat eine Expedition unter dem General Zerpinski organisiert, welche aus zwei Regimentern, fünf Sotnien Kosaken, sechzehn Geschützen und einem Kommando Freiwilliger besteht. Gegen Kulo, 250 Kilometer von Mukden, wurde die erste Bewegung im Anfang April erfolgreich durchgeführt, das Lager wurde erstürmt und der frühere Gouverneur Mukdens gefangen genommen; danach begann die Bewegung gegen den stärksten Punkt Turchauser.
Zu Anfang der „schönen Jahreszeit" sollen Operationen in der südlichen Mandschurei folgen.
Vom 21. April erhält die „Kölnische Ztg." folgende Mittheilung aus Peking: Zwei deutsche Reiter wurden in der Nähe von Paotingfu beim Herbeischaffen von Pferdefutter ermordet.
Berlin, 23. April. „Wolff's Bureau" berichtet: Graf Waldersee meldet aus Peking: Die Kolonnen der Generale B a i l l o u d und v. Kettelet erreichten ohne Kampf an verschiedenen Punkten die die Grenze nach Schansi bildende große Mauer. Li-hungtschang theilte mit, daß die Truppen Liv's von Huilu nach Schansi zurückgingen.
Politische Nachrichten.
Berlin, den 23. April.
Se. Majestät der Kaiser ist heute um 12 Uhr Mittags auf der Haltestelle Strehlen bei Dresden eingetroffen, woselbst König Albert zum Empfange anwesend war. In der Villa Strehlen fand sodann ein Familien- frühstück statt.
(Geburtstag des Königs Albert von Sachsen.) Zum 23. April schreibt das „Dresdener Journal": „Se. Majestät unser Allergnädigster König und Herr treten in ein neues Lebensjahr ein. Wenn wir den Blick auf diesen Tag richten, so geschieht es zu allererst mit innigem Danke an Gott, der das theure Leben des Königs bis heute gesegnet hat und es dem Herrscher vergönnt, nach mancherlei Störungen bei neuem Wohlbefinden das Geburtsfest zu begehen. Unter den deutschen Bundesfürsten der Gegenwart behauptet keiner eine ruhmreichere Stellung als Sachsens König. In der langen Reihe von Fürsten, die das Haus Wettin uns geschenkt hat, finden wir keinen, dessen Regierung eine reicher gesegnete, dessen Leben ein thatenvolleres gewesen wäre, als es das bisherige Walten und Wirken unseres erlauchten Herrn ist. Groß und herrlich hat Er Seine Königliche Aufgabe erfaßt und führt Er sie durch, jederzeit und überall die Interessen Seines Volkes zu den Seinen machend. Jedem Gebiete des staatlichen, wirthschaftlichen und sozialen Leben«, jedem einzelnen Seiner Unterthanen gehört Seine Königliche Fürsorge. Der Fürst, der auf dem Schlachtfelds als der größten Heerführer einer das Reich schaffen half, pflegt nun bald
Endlich gefunden.
Roman von Hedda von Schmid.
' (Fortsetzung.)
Er hatte mit Reginald bisher nur flüchtig und M vorübergehend geschäftliche Interessen berührt, heute nun sollten die Brüder eine eingehendere Besprechung miteinander haben, und zu diesem Zweck hat sich Rolf in Reginalds gepolstertem Ledersessel, dem Urbild eines bequemen Möbels, niedergelassen.
Reginald ist es gelungen, seine Erregung einiger- U maßen zu bemeistern, nur in seinen Augen flackert es noch grollend, und seine Brauen sind finster zusammen- W gezogen. Er hat ein Schubfach seines Schreibtisches geöffnet, ihm ein Paket entnommen und vor sich auf die I, Tischplatte gelegt. Es sind wichtige Dokumente, Abrech- ” nungen, Quittungen usw.
i Als er und Rolf in eifrigster Unterhaltung begriffen L sind, wird an die Thür gepocht:
„Herein", ruft Reginald, ungehalten über die Störung.
Der alte Gntsvermalter tritt in das Zimmer.
„Der Herr Baron verzeihen, es ist ein Unglück ge« ‘ schehen, der Lostreiber Matzi-Prido hat sich mit der Sichel ! in den Fuß geschnitten, die Wunde sieht böse au«, der Herr Baron haben vielleicht Karbol bei der Hand?"
Wo es zu helfen galt, ließ der Schloßherr von Kreutz sich nicht zweimal mahnen. „Ich komme sofort, um selbst nachzusehen," beschieht er den Verwalter und wandte sich dann seinem Bruder zu: „Du entschuldigst mich, Rolf,
I die Leute verlieren bei solchen Gelegenheiten gewöhnlich I den Kopf. Ich will selbst den Verband anlegen, in zehn Minuten bin ich wieder hier. Willst du unterdessen vielleicht die Papiere durchsehen, du kannst dann einen Ueber- blick gewinnen, wie hoch sich die Einkünfte von Rappa vor fünf Jahren beliefen. Durch das Aufreißen des Neulandes hat das Gut nun einen ungeheuren Vortheil gewonnen."
Damit schob Reginald seinem Bruder das mit Bindfaden umschnürte Paket zu und verließ eilig das Zimmer. Er empfand es wie eine Wohlthat, durch eine Sorge, die sich ihm bot, von seinen Gedanken abgezogen zu werden.
Dem Wunsche Reginalds Folge leistend, löste Rolf den Bindfaden; da fiel ihm zu allererst ein Blatt entgegen, welches augenscheinlich zufällig unter die Schnur geschoben worden war, denn es trug weder Ziffern, noch trockene geschäftliche Daten, sondern es war mit krausen, nachlässigen Schriftzügen bedeckt, und wie gebannt, haftete Rolfs Blick auf den Worten, die er dort sah. Wort für Wort las er, mechanisch den Inhalt des Briefes in sich aufnehmend, aber noch ehe er am Ende des letzteren angelangt war, suchte er hastig nach der Namensunterschrift. „Melitta Nordlingen" stand unten am Rande des verhängnisvollen Blattes, welches Reginald damals nicht in die Flammen geschleudert, sondern in dem Schubfachs seine» Schreibtische» aufbewahrt hatte.
Er hatte diese Abschiedszeilen, welche ihn damals hinaus in die Welt getrieben, nie wieder gelesen ; mochten sie am Boden des Faches ruhen, wie in einem Sarge . . .
Doch ebenso wie Reginalds so schmerzlich begrabene Liebe, sollten auch diese Zeilen ihre Auferstehung feiern: durch einen Zufall waren sie unter die Schnur, welche die Abrechnungen über die Einkünfte von Rappa zusammen- hielt, geschoben worden, und nun hielt Rolf sie in den Händen und starrte auf sie hin wie geistesabwesend, wie verstört. Seine Hände, die den zierlichen Briefbogen hielten, bebten krampfhaft.
„Nenne mich indiskret," rief Rolf dem Bruder mit seltsam klingender Stimme entgegen, als dessen Schritt gedämpft auf dem Teppich erklang, „ich nahm Kenntnis von dem Inhalt dieses Briefes, er fiel offen in meine Hand, und ich meinte seine Schriftzüge zu erkennen — ja, ich kenne sie nur zu gut. Doch es muß eine Sinnestäuschung sein, die mich narrt, die Namensunterschrift dieses Briefes lautet: „Melitta Nordlingen", und ich möchte darauf schwören, daß Estella von Besany diese Zeilen geschrieben hat."
„Estella von Besany? Wie kommst du auf diesen Namen?" zuckte Reginald empor.
„Weil ich seine Trägerin gekannt habe, in Nizza."
„O, mein Gott, ich kann die« kaum glauben!"
„Sie war das schönste und berückendste Geschöpf, das ich gekannt habe." fuhr Rolf, wie zu sich selbst sprechend, fort, „sie war auch gewiß nicht schlecht, nur gesallsüchtig und selbstsüchtig, kannte nur einen Götzen, ihr eigene» Ich, dem sie alles zum Opfer brächte. Ich habe sie geliebt, o, wie sehr, bis ich erfuhr, daß nicht meine Persölt» lichkeit sie anzog, sondern mein Geld,"