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Loubet und der französischen Regierung zu übermit­teln.

Politische Nachrichten.

Berlin, den 20. April.

Se. Majestät der Kaiser nahm vorgestern Nach­mittag und gestern Vormittag in Kiel Besichtigungen auf der Kaiserlichen Werft vor und hörte demnächst an Bord des LinienschiffesKaiser Wilhelm II.* den Vortrag des den erkrankten Chef des Militärkabinets, Generalobersten v. Hahnke, vertretenden Generals Grafen von Hülsen- Haeseler. Nachmittags blieb Se. Majestät an Bord des Kaiser Wilhelm II." und nahm Abends dort mit dem Offizierkorps des Schiffes das Diner ein. Ihre Majestät die Kaiserin machte Nachmittags der Prinzessin Henriette von Schleswig-Holstein einen Besuch, kehrte dann in das Schloß zurück und besuchte um 3</.z Uhr den Prinzen Adalbert an Bord derCharlotte". Nachdem gegen 6 Uhr Abends der Regen, der den ganzen Tag ange­dauert, nachgelassen hatte, unternahm Ihre Majestät einen Spaziergang nach Düsternbrook und kehrte dann in das Schloß zurück.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: In verschiedenen Tagesblättern ist davon die Rede, daß zur Deckung der im Reiche bevorstehenden Steigerung der Haushalts­bedürfnisse die Erhöhung der norddeutschen B i e r st e u e r geplant werde. Dem gegenüber ist zu bemerken, daß eine Berathung oder gar Verständigung unter den ver­bündeten Regierungen darüber, in welcher Weise der schon für das nächste Etatsjahr zu erwartende beträchtliche Mehrbedarf im Reichshaushalt zu beschaffen wäre, noch nicht stattgefunden hat. Die in dieser Beziehung um- laufenden Gerüchte über Steuerprojekte entbehren somit der Begründung.

Der S en i ore nk o n ve n t des Reichstages, den der Präsident zur Besprechung über die Geschäftslage berufen hatte, einigte sich Freitag Mittag darüber, daß nach der zweiten Berathung des Verlagsrechts die ersten Lesungen folgen über das Saccharingesetz, die Branntweinnovelle, die ostafrikanische Eisenbahn. Daran wird die zweite Berathung des Versicherungsgesetzes sich anschließen. Hierauf folgen die dritten Berathungen der bis dahin erledigten Gesetze. Das Schicksal der Seemannsordnung, der beiden Weingesetze steht noch dahin ; die lex Rintelen dürfte nach dergreif. Ztg." unter den Tisch fallen. Der Präsident schlug vor, die Sitzungen bis zum 23. Mai fortzusetzen, falls alsdann die Tagung geschlossen werden könne. Wenn dies nicht zu erreichen fei, sollten vom 14. Mai bis zum 3. Juni Ferien stattfinden. Mehrfach wurde der Wunsch geäußert, so lange wie möglich vor Pfingsten weiter zu verhandeln, um womöglich den Tagungsschluß herbeizuführen. Man behielt sich die weitere Erörterung dieser Frage vor.

Die Personalveränderungen in der preußischen Armee liegen nunmehr abgeschlossen vor. Sie waren in den höheren Dienstgraden so um­fangreich wie selten. Außer 15 Generalen sind, wie die Voss. Ztg." feststellt, 7 Regimentskommandeure zur Disposition gestellt, so daß in den Reihen der Stabs­offiziere große Veränderungen stattgefunden haben. Zu Generalmajors befördert find 13 Obersten. Beförderungen zu Obersten haben 24 stattgefunden; die neuen Obersten waren Oberstleutnants seit September 1898 bis Januar 1899. Am zahlreichsten (43) waren die Beförderungen von Majors zu Oberstleutnants, wobei der Majorsjahr­gang 1894 bis auf wenige Offiziere erschöpft ist. In den weiteren Dienstgraden nimmt die Zahl der Beförde­rungen wieder ab. Majors sind 30, Hauptleute und Rittmeister 31, Oberleutnants 41 ernannt. Beförderungen zu Leutnants find nur 3, zu Fähnrichs 77 erfolgt. Ver­abschiedet find, abgesehen von den 15 Generalen, 4

zurückgefordert und ihre Verlobung mit Ewald Nord- lingen angezeigt hatte.

Damals hatte Reginald zu verbluten gemeint an der Wunde, die seinem Herzen geschlagen ward, heute kocht ' und stürmt alles in ihm in anderer Weise vor Empörung über eine Verleumdung, die Melitta galt und durch die man sie in seinen Augen herabzusetzen suchte.

Aber er glaubt ja kein Sterbenswort von dem, was die Französin ihm aus Lausanne, wohin sie zurückgekehrt, geschrieben hat. Er muß jedoch, trotzdem er alles leicht nehmen will, gewaltsam seine Gemüthsbewegung Nieder­kämpfen, er braucht Fassung, denn gleich wird Rolf bei ihm eintreten.

Die Brüder haben eine geschäftliche Besprechung vor. Jetzt, wo Ruth sich verlobt hat, giebt es so vielerlei zu besprechen und zu ordnen. Rolfs Wunsch ist es, daß Axel die Bewirthschaftung von Rappa übernimmt, denn daß Ruth ihrem Manne nach Treuenhoff folgt, geht ja nicht an, selbst wenn Axel selbständig das väterliche Gut bewirthschaften würde. Welche Rolle würde sie dort spielen: richtige Hausfrau konnte sie doch nicht sein, so lange die Familie ihres Mannes dauernd dort lebte.

Ihre Brüder sind der Ansicht, daß Axel ganz unab­hängig von seinen Eltern gestellt sein muß, und sie bieten ihm bereitwillig die Hand dazu.

Es ist merkwürdig, wie sehr Reginalds und seines älteren Bruder« Meinungen über Lebensfragen mitein» ander übereinstimmen. Ein gewisser verwandter Zug geht durch beider Gesinnung, in den Hauptbedingungen aller aufgeworfenen Fragen sind sie stets einer Ansicht.

So auch in betreff Axels und Ruth» Zukunft. Sie

Obersten, 6 Oberstleutnants, 12 Majors, 14 Hauptleute oder Rittmeister, 6 Oberleutnants und 10 Leutnants, so daß im Ganzen 67 Offiziere verabschiedet sind, von denen ein Theil als Bezirkskommandeure, Bezirksoffiziere rc. Verwendung gefunden hat. 1 Offizier a. D. ist wieder angestellt. Im Beurlaubtenstande sind erfolgt 13 Be­förderungen zu Hauptleuten, 3 zu Oberleutnants und 54 zu Leutnants. 2 Offiziere a. D. find in der Reserve wieder angestellt und 7 aktive Offiziere sind zum Be- urlaubtenstands übergetreten. Dem Zugang von 63 Offi­zieren der Beurlaubtenstandes steht ein Abgang von 68 Offizieren, die nach Erfüllung ihrer Dienstflicht aus- aeschieden sind, gegenüber.

Der deutsche Kaiser hat an den K a i s e r F r a n z Josef ein Telegramm gesandt, in dem er seinen herz­lichsten Dank für die überaus liebevolle Aufnahme des Kronprinzen ausspricht, der ihm hierüber in begeisterten Worten berichtet habe. Der deutsche Kaiser drückte auch seine Freude darüber aus, daß sein Sohn sich in ?Hen so außerordentlich wohl gefühlt habe.

Inder Budgetkommission des Reichstags wurde gestern die Berathung des Gesetzes über die Ver­sorgung der Kriegsinvaliden und der Kriegshinterbliebenen fortgesetzt. Nach längerer Debatte und Ablehnung mehrerer Abänderungsvorschläge gelangte § 9 in der Fassung der Regierungsvorlage wie folgt zur Annahme:Neben der Pension nach 8 6 ist die Zulage für Nichtbenutzung des CivilversorgungsscheinessowiedieAnstellungsentschädigung nur für diejenigen Unteroffiziere zuständig, welche den Anspruch auf den Civilversorgungsschein durch zwölf­jährigen aktiven Dienst erworben haben." §§ 11 bis 13 bestimmen die Kriegszulage, VerstümmelungSzulage und die Alterszulage der Beamten. Die 3 Paragraphen blieben unverändert. In § 14, der die Versorgung der Hinterbliebenen regelt, wurde der letzte Absatz gestrichen, der besagt:Die zur Erreichung der Versorgung zu gewährenden Zuschüsse sind insoweit nicht zuständig, als die Gesammtbezüge der Hinterbliebenen an Wittwen- und Waisengeld, Beihülfen und Zuschüssen die dem Ver­storbenen nach diesem Gesetze zuständigen Gebührnisse übersteigen würden." §§ 15, 16, 17, 18 (Wittwenbei- hülfe, Erziehungsbeihülfe, Elternbeihülfe) wurden nach den Ansätzen der Regierungsvorlage angenommen, doch wurde auf Antrag des Abg. Graf Oriola durch­weg wo die Beihülfe fakultativ gewährt werden sollte, die obligatorische Gewährung vorgeschrieben. Die weitere Berathung (Allgemeine Bestimmungen) wurde auf Dienstag Vormittag vertagt.

Der Abgeordnete Köhler-Langsdorf brächte in der Zweiten Kammer einen Antrag ein, betreffend die A e n - derung der hessischen Verfassung bezüglich der Erbfolge, welcher dahin geht, die landgräflichen Linien auszuschließen, die ErbverbrüderungSverträge zwischen Hessen, Sachsen und Brandenburg aufzuheben und die Prinzessin Elisabeth zum Erbgroßherzog zu proklamiren.

Str Krieg in AKsrika.

Die unerbittlichen Folgen des Krieges in Südafrika haben England eine Kostenrechnung aufgebürdet, die zusammen mit der dabei erworbenen Kenntniß seiner militärischen Schwäche, welche das Land zu einer kost­spieligen Heeres-Reorganisation zwingt, bei weitem die aus den bisher bereiten Einkommenquellen zu schöpfenden Erträge übersteigt. Bisher hat der Krieg 3060 Millionen Mark verschlungen. Der Schatzkanzler, HickS-Beach, ist nun einerseits um die Bewilligung der Aufnahme einer fundierten (Konsols-) Schuld von 60 Millionen Lstr., anderseits um die weitere Erhöhung der Einkommensteuer von 1 Schilling auf 1 Schilling 2 Penny pro Lstr. des Einkommens und um Erhebung eines Ausfuhrzolles auf Kohle und eines Einfuhrzolles auf Zucker beim Parlament

wollten die Schwester glücklich wissen und thun alles, um ihr Glück auch äußerlich zu sichern.

Rolf hat sich in kürzester Zeit ganz in den Verkehr mit den Geschwistern hineingelebt. Der weitgereiste, welterfahrene Mann, über dessen Züge oft ein müder, schmerzlicher Schimmer fliegt, der nicht durch körperliche Leiden allein erzeugt ist, beginnt, sich für die täglichen, kleinen Vorkommnisse in Kreutz zu interessiren und An­theil zu nehmen an allem, was an seine Geschwister Herantritt. Er weigerte sich jedoch konsequent, in der Nachbarschaft Besuche zu machen, obgleich man sich viel­fach neugierig mit ihm beschäftigte und der endlich heim­gekehrte, für todt gehaltenetolle Junker" eine Zeitlang den Gegenstand des Gesprächs in der Gegend bildete. Er behauptete,menschenmüde" zu sein, ihn verlange nach nichts anderem, als in tiefster ländlicher Stille zu leben. Auch war sein körperliches Befinden oft besorgnis­erregend quälender Husten stellte sich ein, und wenn er dann sein Taschentuch an die Lippen preßte, so zeigten sich darauf nicht selten Blutspuren.

Wie er eben zu Reginald ins Zimmer trat, sieht man recht, wie alt und verfallen sein Aeußeretz ist Was muß er durchgemacht haben an Noth und Entbehrungen in der Fremde! Er liebt es nicht, über seine Vergangen­heit zu reden, und die Geschwister vermeiden es zart­fühlend, ihn darüber zu befragen.

Soviel hat er Reginald erzählt, daß Miß Maud, der zu Liebe er damals sein Elternhaus verlassen und den Fluch der Vaters auf sich geladen hatte, ihm bald daraus nachdem er sie, oder richtiger gesagt, sie ihn entführt eröffnet hatte, daß sie seiner, des mittellosen grünen Jungen, längst satt sei, e» wäre nur eine romantische

eingekommen. Den Zuckerzoll und den Kohlenausfuhr- Zoll hat das Unterhaus angenommen. Die neuen Zölle sind bereits in Kraft getreten. Die Detail-Zuckerhändler haben die Preise bereits um einen halben Penny (etwa 41/* Pfg.) für ein Pfund erhöht.

In Südafrika haben die Buren wieder einen kleinen Erfolg zu verzeichnen, der in England peinlich berühren wird. Eine Abtheilung des 9. Ulanen-Regiments fiel in einen Hinterhalt; Leutnant Macdonald und drei Mann wurden getödtet und fünf verwundet. Da der Rest der Meldung Schweigen ist, so ist als sicher anzu- nehmen, daß die übrigen in Gefangenschaft geriethen.

A>i§ Provinz und Ächdorgebiel.

* Unberechtigtes Z e t t e l a n k l e b e n ist als Sachbeschädigung anzusehen. In der Berliner Volksztg. liest man: Anläßlich der Klage eines Hausbesitzers gegen einen Geschäftsmann aus der Nachbarschaft, der nächt­licherweile Reklameplakats an den Wänden des Hauses, ohne die Erlaubniß des Besitzers dazu nachzusuchen, an­geklebt hatte, entschied das Amtsgericht, die Strasthat sei sowohl grober Unfug wie Sachbeschädigung, und ver- urtheilte den Geschäftsmann zu einer erheblichen Geldstrafe.

* Nach demDeutschen Postboten" hat der Staatssekretär des Reichsposiamts folgenden Erlaß an die Oberpostdirektionen gerichtet:Es ist neuerdings zur Sprache gekommen, daß im Bereiche der Post- und Telegrophenverwaltung zuweilen Beamte, namentlich jüngere, im dienstlichen Verkehr nicht genügend Rücksicht auf das Ehrgefühl der Unterbeamten nehmen und es grundsätzlich unterlassen, diese mitHerr" anzureden. Ich erwarte, daß die Oberpostdirektionen im Sinne meiner am 21. Februar d. I. im Reichstag abgegebenen Er­klärung dahin wirken werden, daß die Beamten, wie in ihrem dienstlichen und außerdienstlichen Verhalten über­haupt auch den Unterbeamten gegenüber unbedingt ange­messene Formen beobachten und Alles vermeiden, was den Unterbeamten berechtigten Grund zu Klagen geben könnte."

(:) Hersfeld, 22. April. Der Diskontsatz bei der Reichsbank ist von heute ab für Wechsel auf 4 Prozent, für Lombard auf 5 Prozent herabgesetzt worden.

)-( Hersfeld, 22. April. Um auch ihrerseits zur Bekämpfung der fast gefährlichsten aller Krankheiten, der Tuberkulös e", mitzuwirken, hat die hiesige Stadt­verwaltung 1000 Exemplare des vom Kaiserlichen Ge­sundheitsamts in Berlin bearbeiteten Tuberkulose-Merk­blatts auf städtische Kosten beschafft und solche in den letzten Tagen durch Polizeibeamte in den hiesigen Familien vertheilen lassen. Es ist dies gewiß sehr anerkennens- werth. Wenn aber diese Ausgabe nicht vergeblich ge­wesen sein soll, dann ist es nun auch Pflicht eines Jeden, sich den Inhalt des Merkblatts recht einzuprägen und zu eigen zu machen, damit er bei all seinem Thun und Lassen sich stets nach den gegebenen Rathschlägen richten kann.

Hcrsfeld, 22. April. Der Schneebrecher, der Regen, hat nun seine Arbeit gethan und dem Landmann liegt es klar vor Augen, wie seine Winterfrucht durch die frostreiche Jahreszeit kam; häufig ist er sehr enttäuscht von diesem Anblick, denn der Weizen hat größtenteils stark gelitten. Solche Aecker sehen grau und gelb aus, weil die Pslänzchen bis auf die Wurzeln erfroren und vom Humus losgelöst sind. Auf solchen Stätten der Verwüstung wühlt bereits wieder der Pfug, um die verdorbene Saat umzuackern und das Feld mit Sommer­getreide zu bestellen. Die Kleebestände sind ebenfalls vielfach nicht haltbar und müssen verschwinden, dagegen steht der Roggen nicht hoffnungslos. Ist der Landmann noch Imker dazu, dann hat er sich heuer über Verlust genug zu beklagen.

Grille von ihr gewesen, mit ihm durchzugehen, sie habe jetzt einen andern Anbeter gefunden, der ihr einen Brillant­schmuck versprochen, sobald ihr Herz sich ihm zuwende. Am Schluß dieser Eröffnung habe sie noch spöttisch be­merkt :Sie rathe ihm, als verlorener reumüthiger Sohn heimzukehren."

Zähneknirschend hatte der verblendete, verliebte Junge die Hand zur Faust geballt, ohnmächtiger Zorn hatte ihn zuerst keine Erwiderung finden lassen, dann hatte er ge­tobt, gebeten, gedroht, alles umsonst! Die goldhaarige Hexe hatte gelacht und hatte ihn verlassen. In Paris wars gewesen. Rolf verkaufte seine Uhr und noch einige Werthsachen, die er besaß, und schiffte sich ein nach New- Park. Dort glückte es ihm, wie schon vielen andern, die Verzweiflung über den Ozean getrieben hat. Hart hatte er arbeiten müssen, sauer hatte er sich sein täg­liches Brot erworben, endlich sah er die Früchte seiner Mühe: er wurde Theilnehmer eines spekulativen Unter­nehmens, und, als er eines Morgens erwachte, war er über Nacht ein reicher Mann geworden.

Noch einige Zeit blieb er drüben, dann zog es ihn wieder heim nach Europa. Er machte fein redlich und schwer erworbenes Vermögen flüssig und verließ für immer New-Iork.

Er wußte, daß seine Eltern längst gestorben waren, da er sorgfältige Erkundigungen über die Seinigen in der Heimath eingezogen hatte. Als er Reginald sein Kommen angezeigt hatte, war er darauf vorbereitet ge­wesen, von den Geschwistern mit Zurückhaltung und Kälte begrüßt zu werden. Um so wärmer hatte ihn der herz­liche Empfang berührt, der ihm in Kreutz zu theil ge- worden war. (Fortsetzung folgt.)