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Amtlicher Theil.
Cassel den 14. April 1901.
Der Herr Regierungr-Präsident zu Hildesheim hat mir die folgende Drahtnachricht zugehen lassen:
„Unter seit mehreren Wochen im hiesigen Bezirk aufhaltsamen Arbeitstrupps von Bosniaken und Kroaten iß am 12. d. Mts. nahe bei Hildesheim ein Blattern- fall aufgetreten. Da Angehörige des Trupps sich in letzter Zeit über die Grenzen des Regierungs-Bezirks hinaus zerstreut haben, gebe ich von derSachlageKenntniß."
Ich ersuche auf diese ausländischen Arbeiter nach Möglichkeit fahnden, sie im Betretungssalle ärztlich untersuchen und zwangsweise impfen zu lassen, falls sie nicht schon die Blattern überstanden haben oder in den letzten 5 Jahren mit Erfolg geimpft sind. Eine Desinfektion des Körpers und der Effekten sowie thunlichste Jsolirung aller Angehörigen dieser Trupps ist anzuwenden.
Der Regierungs-Präsident. Trott zu Solz. An sämmtliche Herren Landräthe des Bezirks und die Herren Polizeidirektoren in Cassel, Hanau und Fulda.
A. II. 4082. * . *
Hersfeld, den 17. April 1901.
Vorstehendes bringe ich zur Kenntniß der Ortspolizeibehörden und der Gendarmerie des Kreises mit der Veranlassung, auf diese ausländischen Arbeiter zu fahnden und im Betretungssalle mit denselben gemäß der oben gegebenen Vorschrift des Herrn Regierungs-Präsidenten zu verfahren, auch mir hierüber zu berichten.
1.1.2077. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 17. April 1901.
Nach Mittheilung der Königlichen Staatsanwaltschaft zu Cassel sind die Herren Ortsvorstände zu
Eichhof, Eitra, Harnrode, Kalkobes, Kleinensee, Lam- pertsseld, Lengers, Meckbach, Mecklar, Meisebach, Oberrode, Sorga, Tann, Wilhelmshof, WölferShausen und Wüstfeld
mit Einsendung der Anzeige über das Ableben bestrafter Personen für da» IL Kalenderhalbjahr 1900 im Rückstände, und werden dieselben deshalb hierdurch an die alsbaldige Erledigung der diesseitigen Verfügung vom 24. September 1890 Nr. 8876, Kreisblatt Nr. 114, erinnert, mit Frist bis z u in 27. d. M t «. bei M e i - dung von 3 Mk. Strafe.
Die erfolgte Einsendung der fraglichen Anzeige ist mir berichtlich anzuzeigen.
I. 2105. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 17. April 1901.
Der bisherige Bürgermeister S ch u l z zu Röhrigahöfe ist am 25. März cr. als solcher für einen weiteren achtjährigen Zeitraum, vom 20. d. Mt«. ab beginnend,
wiedergewählt worden und hat diese Wiederwahl die diesseitige Bestätigung gefunden.
A. 1238. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Homberg, den 16. April 1901.
Unter der Schafheerde des Schäfers Heinrich Rohde zu Hof Baßfeld b. Völkershain ist die Räude ausgebrochen.
Der Königliche Landrath v. Gehren.
Nichtamtlicher Theil.
Lhina.
Eine höchst betrübende Nachricht kommt aus Peking: Einem schweren Brandunglück, das den Kaiserlichen Palast zum Theil vernichtet hat, ist ein deutscher General zum Opfer gefallen, wogegen die Rettung des General-Feld- marschalls Grafen Waldersee noch glücklich bewirkt werden konnte. Die ersten, heute früh eingetroffenen Depeschen lauteten:
Peking, 18. April. Der vom Feldmarschall bewohnte Theil des Kaiserpalastes einschließlich Asbesthauses völlig abgebrannt. Soweit bekannt, kein Verlust an Menschenleben.
Peking, 18. April. Feldmarschall mit knapper Noth durchs Fenster aus Asbesthaus gerettet. General von Schwarzhoff vermißt, anscheinend beim Wiederbetreten der Brandstätte umgekommen, nachdem er bereits ins Freie entkommen war. Sonstige Unglücksfälle bisher nicht bekannt. Feuer soll in Wohnung des abwesenden Majors Lauenstein ausgekommen sein. Brandstiftung vermuthet.
An sonstigen Nachrichten liegt eine Meldung des Londoner „Standard" aus Tientsin von gestern vor, welche meldet: Es bestätigt sich, daß die Chinesen einen Theil der Eisenbahn jenseit Poatingfu zerstört haben; dem Vernehmen nach hat ein leichtes Gefecht stattgefunden; von Tientsin werden Verstärkungen entsandt. Nachrichten aus vertrauenswürdiger chinesischer Quelle zufolge hat General Ma sich entschlossen, die Feindseligkeiten wieder zu beginnen.
Peking, 18. April. Es ist keine Hoffnung mehr, daß General Schwarzhoff gerettet sein könnte. Die Leiche ist nicht gefunden worden. Man muß annehmen, daß sie völlig verkohlt ist. Nach den bisherigen Ermittelungen ist der General das einzige Opfer. Das Feuer wurde unter kräftiger Hilfe der Franzosen auf zwei Höfe beschränkt, deren Gebäude niederbrannten. Die Akten sind gerettet. Graf Waldersee befindet sich wohl. Außer der Wohnung Waldersee» sind die Wohnungen von 6 Offizieren niedergebrannt.
Berlin, 18. April. Graf Waldersee meldet aus Peking: Der beste Theil der Winterpalastes ist in vergangener Nacht durch Feuer zerstört worden. Der General Schwarzhoff hat dabei den Tod gefunden. Ursache ist unaufgeklärt. Die französische Garnison und die Japaner leisteten bereitwilligst Hilfe. General Gayl, Oberleutnant Boecker, Major Lauenstein, Hauptmann Wildert, Leutnant Rau und ich haben fast unsere ganze Habe verloren.
Politische Nachrichten.
Berlin, den 18. April.
Se. Majestät der Kaiser traf gestern Abend gegen 6'/, Uhr mit dem Prinzen Adalbert mittels Sonderzuges von Berlin in Kiel ein. Zum Empfange waren auf dem Bahnhöfe Ihre Majestät die Kaiserin. Allerhöchst- welche Nachmittag« 5‘/i Uhr mittels Sonderzuges von Plön in Kiel eingetroffen war, Ihre Königlichen Hoheiten Prinz und Prinzessin Heinrich und Prinzessin Henriette zu Schleswig-Holstein erschienen. Nach herzlicher Be
grüßung und nach Entgegennahme der Meldungen des Chefs der Marinestation der Ostsee und des Stadtkommandanten begab Sich Se. Majestät der Kaiser mit Gefolge an Bord des Linienschiffes „Kaiser Wilhelm IL” Am Großtopp des Schiffes wurde die gelbe Kaiserstandarte und am Vortopp die Flagge des Großadmiral» gesetzt. Beim Setzen der Standarte feuerten die im Kriegshafen liegenden Schiffe den Kaisersalut ab. Ihre Majestät die Kaiserin, Prinz und Prinzessin Heinrich, sowie Prinz Adalbert mit seinem Gouverneur fuhren in das Königliche Schloß. — Heute früh 7V» Uhr trafen Ihre Königlichen Hoheiten die Prinzen Eitel Friedrich, August Wilhelm und Oskar von Plön in Kiel ein.
Aus Kiel 18. April wird berichtet: Die Feier de» Diensteintritts Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Adalbert in die Kriegsmarine begann heute Vormittag 10 Uhr mit einem Gottesdienst an Bord des Linienschiffes „Kaiser Wilhelm II.". Ihre Majestät die Kaiserin war mit dem Prinzen Adalbert und den aus Plön eingetroffenen Prinzen-Söhnen kurz vorher auf dem Kaiserschiff angekommen. Auf dem mit Segeltuch bespannten und mit Flaggentuch geschmückten Achterdeck des „Kaisers Wilhelm II." versammelten sich Ihre Majestäten, die Prinzen- Söhne, Prinz und Prinzessin Heinrich, die Mitglieder der Gefolge, der Generalinspekteur der Marine, der Staatssekretär des ReichS-Marineamts, der Chef des Admiralstabes, die in Kiel anwesenden Flaggoffiziere, die Kommandanten der Kriegsschiffe, die Kommandeure der in Kiel und Friedrichsort garnisonirenden Marinetheile, der Direktor der Marineschule, der Stab des Linienschiffes „Kaiser Wilhelm II." und eine Abordnung von Deckoffizieren und Mannschaften dieses Schiffes, die unmittelbaren Vorgesetzten des Prinzen Adalbert, der Kommandeur des Plöner Kadettenhauses, die früheren Lehrer des Prinzen Adalbert, Prof. Esternaux und Oberlehrer Sachse, der Berliner Garnisonpfarrer Goens und alle Seekadetten der „Charlotte". Den Gottesdienst hielt Slationspfarrer Rogge ab unter Assistenz des Schiffspfarrers der „Charlotte", Mgrinepfarrers Philippi. Nach Beendigung des Gottesdienstes trat Prinz Adalbert bedeckten Hauptes an den mit einer Kriegsflagge be- deckten Altar und leistete den Fahneneid, dessen Formel der Chef des MarinekabinetS vorsprach. Nach erfolgter Eidesleistung meldete sich Prinz Adalbert bei dem Kaiser und hierauf bei dem General-Inspekteur der Marine, dem Kommandanten der „Charlotte" und seinen Vorgesetzten. Gegen 11 Uhr war die Feier beendet.
Der soeben erschienene Bericht der R e i ch S s ch v l d e n- Kommission giebt die in das Reichsschuldbuch eingetragenen Buchforderungen am Schlüsse des Monats Februar 1901 auf 309 239 200 Mk. gegenüber den im Monat März 1900 eingetragenen 304 508 000 Mk., also ein Mehr von 4 731 200 Mk. an. — Der Vermögensbestand des Rsichs-Jnvalidenfonds und Reichslagsgebäude- fonds berechnet sich nach der Bilanz vom 30. Juni 1900 auf 367 725 828 Mk., und der Kapitalwerth der gegen» überstehenden Verbindlichkeiten auf 385 367 298 Mk., so daß zum ersten Male sich ein Fehlbetrag von 17 641 470 Mark ergiebt. Der Fehlbetrag hat, abgesehen von der stetigen Verminderung des Zinsenertrages, seinen Grund in der sortdauernden Mehrbelastung des Fonds. — Die Nachweisung über den Bestand des Reichs-KriegSschatzeS, der in Höhe von 120 Mill. Mark in Gold im Juliusthurm der Zitadelle zu Spandau aufbewahrt wird, gab der Reichsschulden-Kommissiou zu weiteren Bemerkungen keinen Anlaß.
Eine bemerkenSwerthe Aeußerung des frühern preußischen Kultusministers Dr. Bosse über die V o l k » s ch u l e und seine Stellung zu der VolkSschul-Lehrerschaft liegt in einem Briefe vor, der an den Rektor Voigt in Charlottenburg gerichtet ist. Der ehemalige Kultusminister dankt dem Adressaten für die Zusendung einer von diesem verfaßten Schrift und fährt dann fort: „Auch dafür, daß Sie meiner in Ihrer überaus ansprechende» Geschichte des Volküschnl-Lehrer- standes so freundlich gedenken, sage ich Ihnen herzlichen Dank. Ich habe in der Volksschule nicht nur viel Gutes,