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ersselkr Umsblatt.

GratkrbeUagen rSUnftrirtes Sonnragrblatt" *^Haftetest landwiethschaftliche V^Uc ze."

«r. 28.LmeM ta 28. Ftbruar 1981.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt"» Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für den Monat März werden von allen Aaiser- lichen Postanstalten, Landbriefträaern und von der Ex­pedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 23. Februar 1901.

Ich ersuche ergebend durch das Kreisblatt die Bürger­meister und Gutsvorsteher zu veranlassen, daß auf allen Landwegezügen und auf Landstraßen, soweit dies die Nothwendigkeit bedingt nach Anordnung der Straßen- ' meister bezw. der Kreiswegearbeiter die Fahrbahn mittelst Schneeschippen durch Landfolgedienste für den Verkehr »frei gehalten wird, da die Kreiswegearbeiter diese Leistungen A nicht allein bewältigen können.

Landes-Bauamt. Tylander.

K An das Königliche Landrathsamt hier.

* * *

Hersfeld, den 25. Februar 1901.

i[e Vorstehendem Ersuchen gemäß erhalten die Herren Ortsvorstände des Kreises hiermit die Weisung, soweit ; erforderlich, für Freilegung der Fahrbahn vom Schnee auf den Landwegen und Landstraßen Sorge zu tragen. |l. 1150. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Berlin, den 31. Januar 1900.

In derNorddeutschen Allgemeinen Zeitung" vom 31. Januar d. I. ist die beifolgende Mittheilung über . Verhütung der gesundheitlichen Nachtheile, welche durch tuberkelbazillenhaltige Milch herbeigeführt werden, abge- _ druckt.

I Ew. Hochwohlgeboren stelle ich ergebend anheim, den Inhalt dieser Mittheilung in geeigneter Weise zur Kennt­

Endlich gefunden.

Roman von Hedda von Schmid.

AI (Fortsetzung.)

en ? Dagmar hatte ein Gefühl, als drücke ihr jemand ge- ur waltsam die Kehle zu, sodaß sie keinen freien Atemzug thun kann.

sDu glaubst, Friedel?"

Daß Reginald in Melitta bis über die Ohren ver- 8 liebt ist, daran zweifle ich keinen Augenblick."

Dagmars Herz zieht sich zusammen ein wehes | Gefühl, das sie früher, auch wenn sie sich verlassen ge» K fühlt, in ihrer freudlosen Kindheit nie gekannt, überkommt sie. Was ist es nur? Was haben Friedels spöttische G Worte in ihr wachgerufen?

Der kleine Alfred streckt seine mageren, zarten Aermchen aus und strebt zu ihr hinüber. Sie nimmt ihn hastig ! Friedel, der übrigens nur in seltenen Anfällen herab­lassender Laune Kinderwärter spielt, ab und verbirgt ihre . heiße Wange im Blondhaar des Kindes.

L , »Alfred will zu Onkel Reginald," ruft er in dem eigen- - f sinnigen Tonfall eines kränklichen Kindes, dem man jeden i Wunsch erfüllt, um es ruhig zu erhalten.

Komm mit zur Mama, Tante Dagmar, Onkel Ne­tz ginald geht immer gleich zu Mama."

I Alfred hatte Recht wie hatte es Dagmar nur ' | früher nicht bemerken Können, daß Reginald sich bei feinen sl. Besuchen in Treueichoff immer zuerst bei Melitta meb -'s den ließ.

niß der Bevölkerung des dortigen Bezirkes zu bringen. Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal- Angelegenheiten, gez. Studt.

An den Königlichen Regierungs -Präsidenten in Casiel.

* * *

In der Kuhmilch sind von anerkannten Forschern nach erprobten Prüfungsverfahren wiederholt lebens­fähige Tuberke lbazi llen nachgewiesen worden.

Solche Milch kann der menschlichen Gesundheit schäd­lich werden und insbesondere bei Kindern Darmschwind­sucht hervorrufen. Diese Gefahren können jedoch nach zahlreichen, in dem hiesigen Institute für Infektions­krankheiten bis in die jüngste Zeit wiederholten Kochver­suchen leicht und vollkommen dadurch beseitigt werden, daß Milch und Sahne vor dem Genusse fünf Minuten lang, am zweckmäßigsten in einem irdenen, innen gut glasirten bedeckten Kochtopfe im Sieden (Aufwallen) er­halten werden. Zur Verhütung des Anbrennens und Ueberkochens muß die Milch (Sahne) vom Beginn des Aufwallens bis zum Entfernen vom Feuer hin und wieder gerührt werden.

* * * Caflel, den 13. Februar 1901.

Abschrift zur Kenntniß und weiteren Veranlassung. Der Regierungs-Präsident. J. A.: Schenk.

An die Herren Landräthe des Bezirks und die Herren Polizeidirektoren hier, in Hanau und Fulda, sowie die Herren Kreisphysiker des Bezirks.

* * *

Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 25. Febr. 1901,

I. 1161. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 25. Februar 1901.

Am 31. Januar ist bei dem Postamt 6 in Düsseldorf ein Telegramm nach Berlin ausgeliefert worden, auf Grund dessen die Firma Louis Maul u. Co. in Berlin telegraphisch 200 Mk. für Arthur Otto nach Düsseldorf Hotel Royal überwiesen hat. Dem Absender des Tele. grammeS ist die telegraphische Postanweisung auf die Bürgschaft des Pförtners in dem genannten Hotel hin am 31. Januar auSgezahlt worden. Er hat über den Betrag mitArthur Otto" quittirt. Ausweispapiere sind ihm nicht abgefordert worden. Nachträglich hat sich herausgestellt, daß der Betrag einem Schwindler in die

Als Frau durfte sie ja Herrenbesuch in ihrem Salon empfangen und erst vollends Reginald, ihren alten Jugend­freund, der ihr Bücher aus seiner reichhaltigen Bibliothek zu bringen pflegte, seit sie ihm gesagt, daß sie ernste Lektüre liebe.

Komm mit in Mamas Zimmer," bestand Alfred auf seiner Bitte.

Nein, mein Liebling, ich habe keine Zeit," erwiderte Dagmar gepreßt.

Sie stellte den Knaben auf die Erde, und zurückblei­bend, von einer dichten Spireahecke halb verborgen, sah sie von fern, wie Alfred Reginald, der sich eben vor der Freitreppe vom Bock schwang, jubelnd begrüßte, sie sah, wie der stattliche blonde Mann, den Knaben an der Hand führend und von Friedel gefolgt, das Haus be­trat und sie sah es zwar nicht, aber eine innere Ueberzeugung verrieth er ihr e- den Weg einschlug, der zu Melittas kleinem, koketten Salon führte.

«Wollen Fräuleinchen so gut sein und bestimmen, ob ich Krebssauce zu den Spargeln heute mittag nehmen soll?" erklang in diesem Augenblicke die Stimme der Wirthschaftsmamsell neben Dagmar.

Sie schrak empor sie mußte sich erst besinnen, was Mamsell von ihr gewollt, dann folgte sie ihr in die Wirthschaft-räume, wo sie angefangen hatte, das oberste Regiment zu führen und wo sie in ihrer ruhigen aber bestimmten Weise waltete. Die Leute gehorchten ihr willig, beim Hofgesinde und bei den Pächterfamilien im Dorf« war sie allgemein beliebt. Sie hatte immer für jeden einen freundlichen Gruß.

Hände gefallen ist, welcher ohne Begleichung seiner Rech­nung aus dem genannten Gasthof verschwunden ist. Der wirkliche Arthur Otto glaubt, daß der Schwindler ein Reisender ist, der am 23. Januar in Crefeld im Gasthof Zum römischen Kaiser" abgestiegen, sich in das Fremden­buch mit dem Namen: Max Behrmann aus Frankfurt (Main) eingetragen und sich am 30. Januar Abends ohne Zahlung entfernt hat. Der Gasthofbesitzer ver­muthet, daß der Schwindler Jnstallationsgegenstände (Gasbrenner und Krahnen pp.) vertreibt, weil er solche Gegenstände bei ihm gesehen habe. Die nachstehende Personalbeschreibung, die Otto von dem Behrmann giebt, stimmt mit der ermittelten Beschreibung des Betrügers überein. Personalbeschreibung: Name vermuthlich Behr­mann, Alter 23 bis 24 Jahre, Aussehen jüdisch, Gesichts­farbe blaß, Haar dunkel, Augen dunkel, Bart dunkles Schnurrbärtchen, Anzug schwarz, weicher schwarzer Filz- Hut, Ueberzieher blauschwarz, Besonderes: angeblich süd­deutscher Dialekt, etwas vernachlässigtes und abgelebtes Aussehen, dreistes Auftreten. Das Königliche Land­rathsamt wird ersucht, durch die unterstellte Gendarmerie auf den Schwindler fahnden und ihn im Betretungssalle verhaften zu lassen. Eventl. wird um gefällige Mit­theilung hierher ersucht.

Kaiserliches Postamt. E g e n o l f. An das Königliche Landrathsamt hier.

* * *

Hersfeld, den 26. Februar 1901.

Vorstehendes bringe ich zur Kenntniß der Ortspolizei­behörden und Königl. Gendarmerie des Kreises behufs Fahndung nach dem Schwindler und Festnahme desselben im Betretungssalle sowie Anzeige hierher.

I. 1181. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.

Fulda, den 25. Februar 1901.

Mit Rücksicht auf die Gefährdung der Bauwerke in Gewässern, Brücken rc. ersuche ich ergebend dringlich, durch die Gendarmerie umgehend kontrollieren zu lassen, daß Holzstege und Holzbrücken in den Dörfern entweder durch Anker festgelegt, oder zeitweilig beseitigt werden, sowie daß Treibhölzer, Holzgeräthe rc. welche fortschwimmen und die unterhalb liegenden Brücken verstopfen können, aus den voraussichtlichen Grenzen des Hochwassers recht­zeitig beseitigt werden. Die Dorsbewohner sind endlich

Daß Dagmar sich der Wirthschaft annahm, fanden ihre Eltern und Geschwistern ganz selbstverständlich. Was sollte sie auch sonst auf dem Lande beginnen ? In der Gesellschaft würde sie doch niemals glänzen, dazu mangelte es ihr zu sehr an gesellschaftlichen Ta­lenten.

* * *

In Melittas Salon ähnelte fast kein einziges Möbel dem andern. Die zu ihrer Ankunft vorbereitete, sehr hübsche, neue Ausstattung hatte die junge Frau noch durch manches originelle und geschmackvolle Stück, welches sie aus dem Auslande mitgebracht, vervollständigt, das Ge­mach glich daher einem reizenden Durcheinander, in dem jedoch eine gewisse Uebereinstimmung der Farben und Formen nicht fehlte.

Fächerarrangements an den Wänden zeichneten sich von dem dunklen, satten Rot der Tapete wirkungsvoll ab, geschmackvoll abgelöd von kleinen Gemälden in werth- vollen Rahmen, um welche kostbare, dunkle Shaw!« drapiert waren.

Aquarelle, Landschaften aus der Schweiz, Ansichten von Nizza und der Nordsee standen auf Staffeleien auf zierlichen Phantasietischen umher. Bilder überall, nur eins fehlte dasjenige, welches man am ehesten ver­mutet hätte, hier zu finden: das Bild von Melittas Gatten. Mit einer beinahe nervösen Aengstlichkeit ver, mied sie alle«, was an Ewald gemahnte. Licht und Ge­nuß das war es ausschließlich, wonach Melitta lechzte, an das Beispiel, welches ihre Mutter ihr bot, sich an- lehnend, wies sie alle Schatten jener armen Todten, den