Millionen Tonnen (7,93 v. H. mehr als im Vorjahr). Die Zahl der in den Steinkohlen-Bergwerken beschäftigten Arbeiter betrug 375,171, d. h. 32,815 mehr als im Vorjahre. In 380 Braunkohlen-Werken in Preußen (5 weniger als im Vorjahr) wurden 33,7 Millionen Tonnen gefördert, d. H. 18,59 v. H. mehr als im Vorjahr, und davon abgesetzt 28,1 Millionen Tonnen, oder 20,67 v. H. mehr als im Vorjahr. In den Braun» kohlen-Bergwerken waren 41,846 Arbeiter beschäftigt, d. h. 5872 mehr als im Vorjahr.
Es sind Zeichen vorhanden, daß Italien von den traurigen Excessen Hungernder, wie sie das Jahr 1896 brächte, wieder heimgesucht wird. Die seit längerem herrschende Notlage unter der ländlichen Bevölkerung Aputiens hat in Nardo schlimme Ausschreitungen veranlaßt. 175 brotlose Landleute verlangten von einem reichen Grundbesitzer Bezahlung für das unaufgefordert vorgenommene Umgraben eines Grundstückes. Mit dem Gebotenen nicht zufrieden, gingen sie zu Lärm und Drohungen über, sodaß die Polizei mehrere festnahm. Dies führte einen förmlichen Aufstand herbei. Ueber 1000 Personen retteten sich zusammen und zertrümmerten alle Fenster des Rathhauses und anderer Amtsgebäude und erzwängen dir Freilassung der Verhafteten. Militär und Gendarmen wurden hingeschickt.
Lhina.
Das „Armee-VerordnungSdtall" veröffentlicht folgende Allerhöchste Kabinets-Ordre, betreffend Bekleidung und Ausrüstung des Ostasiatischen Expeditionskorps:
Im Einvernehmen mit Meinen Hohen Verbündeten, Ihren Majestäten den Königen von Sachsen und Württemberg und Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzen Luitpo'd, Regenten des Königreichs Bayern, bestimme Ich, daß bei dem Ostasiatischen Expeditionskorps überall die Hoheitsabzeichen des Deutschen Reiches an die Stelle derer der Einzelstaaten treten. Auch soll der Ersatz an Bekleidungsund Ausrüstungsstücken für das ganze Expeditionskorps einheitlich nach den von Mir bereits genehmigten neuen Proben und den anliegenden Bestimmungen erfolgen. Das Kriegsministerium hat hiernach das Weitere zu veranlassen.
Homburg v. d. Höhe, den 9. Februar 1901.
Wilhelm.
Die Londoner „Morning Post" von heute meldet aus Peking, Li-Hung-Tschang erklärte, die Bestrafung von Prinz Tschwang und M-hfien fei in Uebereinstimmung mit den Forderungender Gesandten vollzogen worden.
Dasselbe Blatt theilt weiter mit: Von dem Distrikt östlich von Peking im japanischen Kontrollgebiete wurden Räubereien gemeldet. Graf Waldersee wies die Japaner an, denselben Einhalt zu thun. Deshalb marschirte gestern eine japanische Truppenabtheilung dorthin ab. Die Besatzung von Peking beträgt nach demselben Blatt z. Z. 18 000 bis 19 000 Mann, davon wären 4000 Deutsche, 4000 Franzosen, 3500 Engländer, 2500Japaner, 2500 Italiener, 1500 Amerikaner, 400 Oesterreichs und 240 Russen.
Berlin, 24. Februar. Generalfeldmarschall Graf Waldersee meldet unter dem 23. d. Mts. Morgens aus Peking:
1) Chinesischer Angriff auf Erkundungs-Abtheilung veranlaßte am 20. bei Kuangtchang (100 Km. nordwestlich Paotingfu) Gefecht zwischen Kolonne Hofmeister und über 3000 Mann regulärer Truppen. Diesseits 1 Mann todt, 2 schwer, 5 leicht verwundet. Chinesen verloren über 200 Mann u^> flohen nach Schansi. Fünf Fahnen genommen. Betheiligt am Gefecht waren: 1., 6. und 7. Kompagnie 4. Regiments, 8. Kompagnie 3. Regiments, 1 Zug 1. Eskadron, 8. Gebirgsbatterie, 1 Zug 2. Pionierkompagnie.
2) 1. Kompagnie 3. Regiments und 2. Pionierkom
erschrocken auffährt, schlägt ein lachendes Kinderstimmchen I an sein Ohr, und ein kleiner Bursche in weißem, mit ' englischer Stickerei reichbesetztem Piquekleidchen und hochrothem breitrandigen Hute guckt lachend hinter dem Baume hervor, unter welchem Friedel, noch halb schlaf- befangen um sich blickend, fitzt.
„Ah, du bist's, Alfred, warte mal, mich so unsanft aus dem schönsten Schlaf zu wecken!"
Friedel springt auf, um den jauchzenden Kleinen zu haschen. Alfred läuft, so schnell ihn seine dünnen Beinchen tragen, und Friedel, zum Scherz immerfort stolpernd, hinterdrein.
Da schimmert etwas Helles aus einer Seitenallee, Alfred biegt dort ein und läuft seiner Tante Dagmar in die Arme.
„Da bist du ja, mein Liebling, ich suchte dich bereits überall," ruft das Mädchen, „wo ist denn Mademoiselle Jeanne
Melitta hatte Alfreds alte Wärterin auf einige Wochen beurlaubt. Die Alte besuchte eine verheirathete Tochter auf Oesel. Alfred befand sich jetzt ausschließlich unter Mademoiselle Jeannes Obhut, welche ihren Pflegebefohlenen jedoch sehr gern Dagmar überließ.
„Mademoiselle liest Mama vor," erwiderte das Kind, „das war so langweilig, ich wollte so gern mit Mademoi- selle Pferd spielen, aber Mama sagte, ich solle nicht eigensinnig sein und schickte mich fort aus ihrem Zimmer, da nahm ich meinen Ball und kam hierher."
„Und wecktest mich ziemlich rücksichtslos," erläuterte Friedel, der sich, um dem kleinen Neffen einen Spaß zu bereiten, mit fingiertem Keuchen herbeischleppte. Es war sehr ungezogen von dir, Alfred, so allein in den Park
pagnie trafen bei Erkundung des Antfuling-Passes westlich Paotingfu auf Widerstand und erstürmten Paß nach mehrstündigem Gefecht. 1 Pionier todt, 2 verwundet.
Wlr^
Bei Klerksdorp hat ein heftiges Gefecht zwischen Buren und Engländern flattgesunden, in dem die letzteren natürlich wieder Sieger gewesen sein wollen. Die Buren wurden unter sehr schweren Verlusten in die Flucht geschlagen und ließen 18 Todte zurück; die Zahl der todten resp, verwundeten Engländer betrug in dieser Schlacht aber mehr als 50 Mann. Wie man dabei von einem Siege reden kann, ist schwer erfindlich.
London, 24. Febr. Das Blatt „Weekly Despatch" meldet: Gestern erging die Einberufung zu einem Kabinets- rath, in welchem bedeutsame militärische Angelegenheiten erwogen werden sollen. Den Anlaß zu der Einberufung hat ein Telegramm Lord Kitcheners gegeben, welches meldet, Botha habe einen Abgesandten geschickt, mit der Mittheilung, er gebe zu, daß er umzingelt und infolge- dessen aktionsunfähig sei; er bitte um eine Zusammenkunft behufs Vereinbarung der allgemeinen Uebergabe. Kitchener hat diese Zusammenkunft auf den 27. Februar, 2 Uhr Nachmittags, festgesetzt.
Durban, 23. Febr. Ungefähr 300 Buren griffen am 20. Februar in der Nähe von Heidelberg einen nach Johannesburg fahrenden Postzug aus einem Hinterhalt an. Der Zug wurde durch eine Explosion, welche die Schienen aufriß, zum Stehen gebracht. Die Buren eröffneten dann auf den Zug ein Feuer. Fünf Passagiere und ein Soldat wurden verwundet. Es kamen hierauf Truppen an, welche die Buren vertrieben.
Cradock, 23. Februar. 400 Buren griffen heute Vormittag die Garnison der Fishriver Station an, wurden aber, nachdem ein Panzerzug angekommen war, in die Flucht geschlagen. Drei Engländer, unter ihnen ein Offizier, wurden verwundet.
In Kapstadt setzt die Pest ihren VerheerungSzug fort und rafft täglich Engländer und Eingeborene dahin, so daß Lord Kitchener sich sehr bald genöthigt sehen wird, die noch kümmerlich aufrecht erhaltene Verbindung mit Kapstadt freiwillig und vollständig zu lösen, soll die furchtbare Seuche nicht unter die britischen Truppen verschleppt werden. Die täglichen Verlustlisten aus Südafrika weisen so wie so schon erschreckend hohe Zahlen von Todesfällen an allen möglichen Erkrankungen auf, so daß wirklich nur noch die Pest fehlte, um das Unheil voll zu machen.
W PmiH und UMWeb
* Um den Gesammtwerth des im preußischen Staate in der Viehhaltung angelegten Kapitals zu ermitteln, hat, wie der „Gesellige" erfährt, der Minister des Innern angeordnet, daß im Anschluß an die am 1.. Dezember v. I. vorgenommene Viehzählung Erhebungen durch die Landwirthschaftskammern über den Verkaufswerth und das Lebendgewicht der Hauptviehgattungen, sowie über den Ertrag der Bienenstöcke ausgeführt werden.
* (Für Wirthe.) Wegen der Flaschenfrage ist es zwischen Berliner Gastwirthen und Brauereien zu Differenzen gekommen. Die Flaschensabrikanten, Spiri- tuosenhändler und Brauereibesitzer verlangen bekanntlich, daß die Bierflaschen nicht ihrem eigentlichen Zweck entgegen und anderweitig verwendet werden. Jetzt sind einige Berliner Brauereien mit Anzeigen gegen Wirthe vorgegangen, die Flaschen mit dem Stempel dieser Brauereien zum Nachsüllen benutzt und andres Bier darin verkauft haben. Einer der Angeklagten ist zu 200 Mk. Geldstrafe verurtheilt worden, die andern Prozesse schweben noch. In Betracht kommt der § 14 des Musterschutzgesetzes, der von den Brauereien mit Erfolg ange- zogen ist.
* Die letzte Gelegenheit, Ostergrüße nach
zu lausen," sagte Dagmar in verweisendem Ton, gut, daß du nicht an den Teich gingst."
„Amme sagt," — Alfred nannte seine alte Wärterin „Amme" — „unten im Teich wohnte ein alter Mann mit grünen Augen. Onkel Friedel, du hast neulich auch zu Mademoiselle Jeanne gesagt: „Sie haben so wunderschöne grüne Augen."
„Jawohl, grünschillernd wie das Meer, du hast ein vorzügliches Gedächtnis, kleiner Bursche." Friedel hebt die leichte Kindergestalt hoch empor, hält sie einen Augenblick lang schwebend in der Lust und setzt sie dann auf seinen Arm.
„Brillante Augen hat deine Mademoiselle, mein kleiner Freund, wenn du einmal so alt sein wirst, wie ich es eben bin, wirst du grünschillernde, lachende Frauenaugen zu würdigen verstehen."
„Ach, red' doch keinen Unsinn, Friedel, sagte Dagmar, „Alfred plaudert nach Kindesart alle« aus."
„Glaubst du etwa, daß Mademoiselle Jeanne eS übelnimmt, daß ich für ihre schönen Augen schwärme? Für dergleichen ist ein jedes Frauengemüt empfindlich. Würde es dich denn vielleicht nicht rühren, Dagmar, wenn dich jemand anschwärmte?"
„Nein, durchaus nicht."
„Also so spröde, na warte nur Kleine, deine Stunde wird auch noch schlagen."
Unter diesem Gespräch schritten sie durch den Linden- gang neben der Parkmauer dahin, dem Hause zu.
„Da kommt Onkel Reginald," rief Alfred plötzlich, vor Freude in die Hände klatschend.
Die Geschwister hatten ein näherkommende« Räderrollen nicht beachtet, jetzt bog ein leichter Jagdwagen um die
China zu schicken, dürfte die am nächsten Freitag, den 1. März von Berlin abgehende Postverbindung nach Ostasien bieten. So gelangt am Mittwoch, den 3. April nach Schanghai und kann, falls günstige Schiffsverbindung mit Taku vorliegt, Tientsin und Peking noch bis zum Osterfeste (7. April) erreichen. Diese Feldpost befördert nur geschlossene Briefe und Postkarten. Schluß- zeit für Berlin ist Freitag früh 10 Uhr. Eine Gelegenheit, Feldpostanweisungen nach China zu schicken, bietet erst wieder die am 4. März von Berlin abgehende Feld, briespost. Da sie erst am Ostersonnabend in Schanghai eintrifft, so erreicht sie unsere Truppen mehrere Tage nach dem Fest.
Hersfeld, 25. Februar. Ueber die Lösung von Platzkarten beim Uebergang aus einem Durchgangs- (D)-Zug in einen unmittelbar anschließenden V.Zuge gelten seit längerer Zeit auf den preußischen Staatsbahnen Bestimmungen, die anscheinend nicht allgemein bekannt sind. Hiernach sind nur auf solchen Stationen, auf denen die V-Züge fahrplanmäßig enden oder beginnen, wie zum Beispiel in Berlin und Hamburg-Altona, bei einer Weilerfahrt stets neue Platzkarten zu lösen. Auf Zug-Kreuzungsstationen dagegen erhalten die Reisenden mit direkten Fahrtausweisen, die ihre Reise mit den nächsten anschließenden O-Zuge fortsetzen, gegen abgabe^ der bisherigen Platzkarten für die Weiterreise gebührend freie Platzkarten. Falls die vorher gelösten Platzkarten schon nach einer Station der Anschlußstrecke gelten sollten, werden sie von dem Zugführer des neuen O,Zuges auf die neue Wagen- und Platznummer umgeschrieben. Unter denselben Voraussetzungen kann bei einem mehrmaligen Uebergang auf Anschlußzüge auch ein mehrmaliger gebührenfreier Umtausch der Platzkarten erfolgen.
X Hersfeld, 21. Februar. Auf besondere Einladungen durch den Vorstand versammelten sich die Mitglieder des landwirthschaftlichen KreiSver- eins am 16. Februar zu einer Sitzung im Hotel Stern dahier. Anwesend waren nur 16 Mitglieder und zwei Gäste. Da der Vorsitzende durch Krankheit verhindert war, so eröffnete dessen Stellvertreter, Herr Gutsbesitzer Roll zu Meisebach, die Versammlung um 2‘/4 Uhr. Nach Verlesung des Protokolls aus der vorhergehenden Sitzung ging es gleich an die Erledigung der Tagesordnung. Herr Direktor Dr. Hesse aus Marburg setzte seinen am 28. Dezember v. I. gehaltenen Vortrag über „Bildung der Ackerkrume" fort und sprach nun weiter über die Formationen der Erdrinde, welche der Redner in vier Hauptgruppen mit ihren Nebengruppen recht klar schilderte. Darnach behandelte er in eingehender Weise die Bestandtheile des Bundsandsteinbodens in unserer Gegend. Sehr interessant waren die Belehrungen über Entstehung und Zusammensetzung des Sandbodens, welchen Redner in 7 verschiedene Arten theilte. Er schilderte sowohl den humosen Sand- wie den armen Flugsandboden und rieth den Landwirthen den Sandboden öfter«, aber nicht gleichl zu fett zu düngen, warnte aber sehr vor dem Jauchen des Sandbodens, weil derselbe den Amoniak nicht binde und so der beste Düngstoff desselben in der Luft verfliege. — Für die schönen, eingehenden Belehrungen bei Vortrages wurde dem Herrn Direktor Dr. Hesse vom Vorsitzenden der wohlverdiente Dank der Versammlung ausgesprochen. — Herr Peter Heil dahier kam nun auf den Obstbau in unserem Kreise zu sprechen. Da diese Sache viele Freunde unter den anwesenden Mitgliedern fand, so beschloß man derselben dadurch näher zu treten, daß der Geschäftsführer des Obstbauvereins für den Regierungsbezirk Cassel Herr Huber ersucht werden solle hier im landwirthschaftlichen Kreisverein einen Vortrag über den Obstbau zu halten. Der zweite Punkt der Tagesordnung „Geschäftliches" fand in folgender Weise seine Erledigung: Der Vorsitzende verlas ein Schreiben der Landwirthschaftskammer vom 6. Februar 1901, worinnen der Vorstand des Vereins-Ausschusses mittheilt,
Ecke des kleinen Birkenwäldchens, welches an den Park grenzte.
Auf dem Bock saß Reginald Kreutz und lenkte selbst die beiden leichtfüßigen als Ponies geschorenen Braunen. Er lüftete den runden Filzhut und grüßte über die Mauer hinüber.
«Er kommt zum viertenmal in zwei Wochen," bemerkte Friedel halblaut, als Reginald sich außer Hörweite befand, „solch ein Schwager ist nicht zu verachten, einfach herrlich zum Anpuffen."
„Was willst du damit sagen?" dreht Dagmar sich schroff um.
Sie ist plötzlich wie eine Rose erglüht.
„Nun, das ist doch nicht schwer zu begreisen, das kann ja ein Blinder mit dem Stock fühlen."
(Fortsetzung folgt.)
— Die „Elbinger Ztg." erzählt: Zu einem AmtS- Vorsteher unseres Landkreises kommt dieser Tage ein al» armer Schlucker bekannter Mann mit dem Wunsche, 15 Mk. für das Kaiser Friedrich-Denkmal zu zeichnen. Auf die erstaunte Frage, woher er bei seiner dürftigen Lage die Mittel dazu habe, antwortete der Verehrer bei hohen Verstorbenen schlagfertig: „Na, eck wull et affsette! („Ich will ei abfitzen!") Er soll schon manche Mark „abgesefsen" haben, daher kam ihm der geniale Gedanke, seine „Sitzsamkeit" auch einmal i» Patriotismus machen zu lassen. Es war schwer, ihm auseinanderzusetzen, daß solche Gaben leider nicht angenommen werden können.