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Sr. 25. IltOs Sei 26. Fetmr 1901.
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Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 20. Februar 1901.
Der Landwirth George Wen! zu Harnrode ist heute als Ortsschätzer für die dortige Gemeinde eidlich ver- pflichtet worden.
/ I. 993. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtlicher Theil.
Berlin, 23. Februar.
Se. Majestät der Kaiser traf Donnerstag Nach- mittag 3 Uhr, begleitet von dem Generaladjutanten, U Generalleutnant v. Keffel, auf Schloß Friedrichshof ein ; und verweilte eine Stunde bei Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich.
Heute Vormittag machte Se. Majestät der Kaiser den üblichen Spaziergang im Kurpark und , hörte sodann die Vorträge des Chefs des Militärkabinets Generaloberst v. Hahnke und des Direktors Dreger aus ? Essen.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Seine Majestät der König von England gedenkt in den nächsten Tagen nach Deutschland zu reisen. Daß die Veranlassung zu dieser Reise des britischen Herrschers in dem schwer leidenden Zustand seiner erlauchten Schwester, Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich, liegt, ist leider nur allzu gewiß. Obgleich also der Besuch in Kronberg als Akt
brüderlicher Pietät einen rein familiären Charakter trägt, haben doch einzelne deutsche Blätter daraus ein politisches Ereigniß zu machen gesucht, um sich in giftigen Angriffen zu ergehen, welche auch Seine Majestät den Kaiser und König auf das Tiefste verletzen müssen. Es wird damit ein Grad von Gesinnungsrohheit verrathen, der die schärfste Zurückweisung verdient.
(Die preußische Schulrefom.) In der Budget-Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses hat sich der Kultusminister Studt am Freitage über die Schulreform geäußert. Der Minister erklärte, daß er ihm gelungen sei, die wesentlichen Grundsätze des humanistischen Gymnasiums zu erhalten. An und für sich seien die Gymnasien, Realgymnasien- und Oberrealschulen für die allgemeine Bildung gleichberechtigt. Ueber die Voraussetzungen für die Zulassung ider Mediziner zum Studium schweben noch die Verhandlungen beim. Bundesrath. Die Frage der Zulassung zum Rechtsstudium sei noch nicht abgeschlossen, werde aber voraussichtlich dahin entschieden werden, daß die Vorbereitung auf einem humanistischen Gymnasium für die Zulassung erforderlich sei. Für das Studium der Theologie werde dasselbe gefordert werden. Dagegen werde eine größere Freiheit bei der Zulassung zum philosophischen Studium gestattet werden. Durch die Zulassung des englischen Unterrichts, sei er obligatorisch, sei er fakultativ, solle der griechische Unterricht nicht eingeschränkt werden. In Bezug auf die Abiturienten-Prüfung an Gymnasien werden keine eigentlichen Veränderungen gemacht werden. Etwaige Ergänzungs-Studien sollen durch Ergänzungs- Prüfungen nachgewiesen werden, können also nicht gemacht werden unter Anrechnung der dafür gebrauchten Zeit. Sodann wurde von der Regierung erklärt, daß das Englische nur wie bisher an die Stelle des Griechischen treten solle, wo der weitere Besuch des humanistischen Gymnasium» bis zum Abiturium nicht beabsichtigt werde. Die betreffenden Schüler können nicht weiter als bis zur Obersekunda des humanistischen Gymnasiums gehen. Die Abschlußprüfung sei aufgehoben, die Befähigung zum einjährigen Dienst werde mit der Versetzung nach Obersekunda ertheilt. Die Reform-Gymnasien befinden sich noch in dem Stadium der versuchsweisen Prüfung. Die Versuchs-Prüfungen sollen an die Provinzial-Schul- kollegien verwiesen werden.
Im preußischen Abgeordnetenhause wurde bei der Berathung des Etats der Handel». und Ge
werbe-Verwaltung auf eine Frage regierungsseitig mit« getheilt, daß eine Umfrage wegen Einführung des Be- fähigungS-Nachweises im Baugewerbe veranlaßt sei, da» Ergebniß aber noch nicht vorliege. Am Freitag wurde der Bau-Etat genehmigt. Am Sonnabend stand der Eisenbahn-Etat auf der Tagesordnung.
Nach der „Nat.-Ztg." soll eine Schiffsjungen- Division gebildet werden. Zum Kommandeur ist der Lehrer an der Marine-Akademie Fregatten-Kapitän Höpfner ernannt.
Die Betriebs -Einnahme der Preußisch - Hessischen Eisenbahn-Gemeinschaft in den ersten 10 Monaten de» laufenden Rechnungsjahres hat 1376,4 Millionen oder 61,5 Millionen mehr als in derselben Zeit des Vorjahres betragen.
In der Provinz Schlesien will die Regierung, wie die „Schles. Ztg. erfährt, um dem gesteigerten Bedarf an Volksschullehrern zu begegnen, besondere Kurse einrichten, die in der Regel als dreiklassige Präparandenkurse ansangen sollen, um dann in ebenfalls dreiklassige Seminarkurse Überzugehen. Während die Seminarkurse bestehenden Seminaren angegliedert werden sollen, sollen die Präparandenkurse theils bei schon bestehenden Präparandenanstalten, theil» selbstständig in solchen Städten eingerichtet werden, in welchen die natürlichen Bedingungen für ihr Gedeihen gegeben find (geeignete Kräfte unter der Lehrerschaft von Volks- und Mittelschulen, da» erforderliche Schülermaterial zur Füllung der Klaffen und einwandfreie Unterbringung). Zur rechtzeitigen Füllung der neuen Seminarkurse sollen in erster Linie diejenigen Präparanden, welche die Seminarprüfung bereits voll bestanden haben, aber bei Besetzung der etatsmäßigen Seminarplätze bisher nicht berücksichtigt werden konnten, herangezogen werden. Sollte es nicht möglich sein, innerhalb der Provinz die zur Füllung der Präparanden-Nebenkurse erforderliche Zahl zu gewinnen, so wird die Behörde solche auch aus den Nachbarprovinzen heranzuziehen suchen. Ganz in derselben Weise, wie in Schlesien, gedenkt die Staatsregierung auch in den anderen Provinzen des Staate» vorzugehen, um den steigenden Bedarf an Volkrschul- lehrern möglichst rasch und dauernd zu decken.
Der St einkohle n-Berg b au in Preußen förderte im Jahre 1900 in 273 Werken (5 mehr als im Vorjahre) 101,9 Millionen Tonnen, d. h. gegen da» Vorjahr mehr 7,6 v. H. Davon wurden abgesetzt 99,6
Endlich gefunden.
Roman von Hedda von Schmid.
(Fortsetzung.)
Der Landrath strich gedankenvoll seinen grauen Schnurr- bart und schenkte Friedels ausdrucksvoller Gebärde keine Beachtung. Er sah so sorgenvoll aus, der alte Mann. Dachten denn seine Frau und seine Kinder nicht daran, daß jedes Ding endlich sein Ende habe, daß dieses Schuldenmachen, dieses „jedem Luxus fröhnen wollen," auf Kosten seiner Kasse geschah, daß deren Boden endlich bloßgelegt werden müsse?
Doch — der alte Mann neigte schuldbewußt da« Haupt — wäre es nicht seine Pflicht gewesen, seine Kinder zu Sparsamkeit, zu ernster Arbeit zu erziehen, anstatt ihnen jeden Willen zu lassen und jeden auch noch so kostspieligen Wunsch zu erfüllen. War es ein Erb- theil des Blutes, welches diese jungen, begabten Menschen in den Tag hinein leben ließ? Er war in seiner Jugend allerdings auch kein Philister gewesen, hatte manchmal über die Schnur gehauen, wenn sich die Gelegenheit hierzu geboten, aber so toll wie seine beiden Söhne hatte er es doch nicht getrieben. Diese ewigen Schulden waren ja zum Verzweifeln.
Das Barvermögen des Landrath» war durch Melitta« langen Aufenthalt im Auslande stark zusammengeschmolzen, Treuenhoff warf hohe Einkünfte ab, allein die Landräthin war nicht eine Frau, welche es verstand, ihrem Manne helfend zur Seite zu stehen. Davon, daß sie sich irgend
eine Ausgabe versagte, war überhaupt nie die Rede, weshalb hatte sie denn einen reichen Mann geheirathet, dem sie überdies noch eine hübsche Summe in die Ehe gebracht, wenn sie alles, was an Verschwendung grenzte, ängstlich vermeiden sollte?
Dem Landrath fiel e« übrigens nicht im entferntesten ein, seiner Frau irgendwie eine Schuld beizumessen, er war jetzt noch, nachdem er bereit« seine Silberhochzeit gefeiert, verliebt in die Mutter seiner Kinder.
Als er heute morgen das Zimmer seiner Frau betreten und sie ihm begreiflich gemacht hatte, daß Dora bei ihrer Heimkunft aus dem Doktorat als Ueberraschung ein neues Reitpferd, die so sehr ersehnte Ennofersche Rappstute, vorfinden müsse, hatte er, wenn auch heimlich seufzend, versprochen, Herrn Wald noch heute mit der Abschließung de» Pferdekaufes zu betrauen.
Vielleicht fühlte die Landräthin einige Gewissensbisse darüber, daß sie sich nicht zu überwinden vermocht hatte, Dora selbst zu pflegen, was doch jede andere Mutter ohne Zweifel gethan hätte.
Der Landrath erwiderte auf alle von seiner Frau geäußerten Wünsche ein bedingungsloses „Ja," stimmte vollkommen.mit ein, als sie ihm Vorschläge machte, welche die in Aussicht genommene größere Gesellschaft betrafen, und sah es erst später ein, daß ihm aus alledem, wozu er sich so bereitwillig verstanden, wieder zahlreiche Kosten erwachsen würden.
Es verdroß ihn, daß er nicht mehr so sorglos in derartigen Dingen handeln konnte, und die Schale seine» Zorne« ergoß sich über Friedel, welcher den Zeitpunkt '
seiner dem Vater abzulegenden Beichte recht unglücklich gewählt hatte.
Aber der leichtherzige Junge war kein Kopfhänger An den paar Vorwürfen starb man ja nicht.
„Ich hab' kein Geld, bin vogelfrei!" summte er vor sich hin. Ich nehme mir den Bettelstudenten zum Muster," sagte er, als er de« Vater» Kabinett verlassen hatte und in den Park hinabschlenderte. Diese letzten Schulden würde der Papa ja bezahlen, somit wäre also die Hauptsache erledigt, um seine Zukunft, den Beruf, welchen er ergreifen würde kümmerte er sich nicht sonderlich.
Im Park, in den schattigen Laubgängen war e» kühl und dämmerig. Vom Teich her kam ein schwüler Luftzug — es roch nach Schlamm und faulem Moo». Die Käfer summten einschläfernd und ab und zu rappelte es in den Zweigen der Bäume und Büsche, in denen irgend ein Vogel fein Nest gebaut hatte. Am Fuße einer alten Eberesche warf sich Friedel in« Gras. Er hatte trotz seine» elastischen Naturell» dennoch etwa» Katzenjammer. Mechanisch zieht er einen langen Grashalm zwischen seinen Lippen hindurch, und bei dieser Beschäftigung übermannt ihn der Schlaf. Wohlig streckt er seine Glieder, und ein freundlicher Traum läßt ihn da» nicht bestandene Examen und den beschränkten Kredit beim Vater vergessen.
Da fliegt plötzlich etwa» Weiche» gegen seine Schultern, prallt zurück, hüpft noch einigemal« empor und verschwindet dann im hohen Grase.
Ein großer, brauner Gummiball ist'«, und al» Fried,!