Der Februar muß noch „Wintern", dann ist auf ein schönes Frühjahr zu rechnen; ist das aber nicht der Fall, dann sieht es nicht gut mit dem Frühjahre aus. Das sagen auch die Bauernregeln: Wenn's nicht vorwintect und auswintert, so nachwintert es gern. Wenn's im Körnung nicht recht wintert, so kommt Kälte um Ostern. Wenn der Hornung warm uns macht, friertS im Mai noch oft bei Nacht. Jst's im Hornung nicht mehr weiß, bringt der Lenz bei Nacht das Eis.
X Hersfeld, 22. Februar. Zur Annahme junger Leute als Post- oder Telegraphengehülfen bietet sich dem Vernehmen nach im Bezirke der Kaiserlichen Ober-Postdirektion zu Bastei noch Gelegenheit, und es eröffnen sich den Anwärtern der mittleren Laufbahn bei der Post- und Telegraphenverwaltung unter den jetzigen Verhältniffen gute Aussichten. Im Allgemeinen gelten für die Annahme folgende Bedingungen. Der Bewerber muß mindestens das Reifezeugniß für die Untersekunda einer neunstufigen oder das Reifezeugniß für die erste Klaffe einer sechsstufigen öffentlichen höheren Lehranstalt besitzen. Bei der Einstellung in den Dienst muffen die Bewerber das 17. Lebensjahr vollendet haben und dürfen, wenn sie als Postgehülfen eintreten, das 20., wenn sie als Telegraphengehülfen eintreten, das 18. Lebensjahr nicht überschritten haben. Junge Leute, die als Telegraphengehülfen eintreten wollen, können schon im Alter von 16 Jahren an Telegraphirübungen oder gegebenen Falls an einem förmlichen Unterrichtskursus theilnehmen. Dieselben werden nach Vollendung des 17. Lebensjahres als Telegraphengehülfen angenommen und nach der Annahme meist früher, als sonst, gegen Tagegeld beschäftigt. Gesuche um Annahme als Postoder Telegraphengehülfe sind an die Kaiserliche Ober- Postdirektion in Caffel zu richten, bei welcher auch Näheres über die Anforderungen zu erfahren ist.
(:) Hersfeld, 21. Februar. (S ch ö s f e n g e r i ch t.) Wegen Gewerbesteuer-Kontravention erhielt der Flaschenbierhändler A. Fehling von hier eine Geldstrafe von 96 Mk. — Der Dachdecker W. Röffing von hier wurde wegen Beleidigung eines Schutzmanns in eine Geldstrafe von 30 Mk. genommen. — Wegen gefährlicher Körperverletzung wurde der Weißgerber N. Wennemuth zu einer Gefängnißstrafe von 3 Monaten verurtheilt. — Der Schmied Anton Degen aus Junkersdorf erhielt wegen Bettelns 8 Tage Haft. — Wegen desselben Vergehens wurde der Arbeiter Richard Jänich aus Landau zu 14 Tagen Haft verurtheilt.
§ Hersfeld, 22. Februar. (Berliner Marktbericht.) Weizen 161,50 Mk., Roggen 143,75 Mk., Hafer 138,25 Mk., Mais 108,75 Mk. — Preise des städtischen Schlachtviehmarktes (Preise für 100 Pfund Schlachtgewicht) : Ochsen beste Qualität 62—65 Mk., geringere 49 bis 61 Mk, Bullen beste Qualität 60—64 Mk., geringere 50—59 Mk, Kühe beste Qualität 52—54 Mk., geringere 40—51 Mk., Kälber beste Qualität 68—70 Mk., geringere 42—58 Mk, Schafe beste Qualität 57—60 Mk., geringere 41—53 Mk., Schweine beste Qualität 57—58 Mark, geringe 51—56 Mk.
Homberg, 18. Februar. Das von der hiesigen Stadtverordnetenversammlung am 8. Januar d. I. beschlossene Sonntagsheim für Gesellen und Lehrlinge ist zur Wahrheit geworden und am letzten Sonntag eröffnet worden. Es trägt die Stadtkasse die Kosten für Heizung und Beleuchtung und die Stadt stellt die Aula der Schule zur Verfügung.
& Caffel, 20. Februar. (Getreide-, Futter- und Düngermarkl.) Der heutige' Geschäftsverkehr hielt sich in den engsten Grenzen; der wieder eingetretene scharfe Frost und die damit aufs Neue und in ungewisse Ferne hinausgeschobenen geregelten Transport- verhältnisse, wirkte störend auf neue Unternehmungen und hielt man es allgemein für geboten, größere Verpflichtungen vorerst nicht einzugehen. Der Preisstand blieb gegen die Vorwoche ziemlich unverändert.
Fulda, 20. Februar. Am vergangenen Montag Nachmittag wurde ein reicher Fabrikant dahier verhaftet. Derselbe steht in dem Verdachte, auf seinem Gute Silt- lichkeiisveibrechen begangen zu haben. Die Verhaftung erregt großes Aufsehen. Der Betreffende ist verheirathet.
Eschwege, 19. Februar. Am vorigen Sonntag Nachmittag fand man an dem Wege zwischen Greben-
dorf und Kella den 18 Jahre alten Arbeiter Fritsche aus Kella erfroren. Er hatte am Sonnabend Abend von hier, wo er in Arbeit stand, den Heimweg angetreten und ist in der Dunkelheit in eine Schneewehe gerathen, aus welcher er sich nicht mehr herausarbeiten konnte. Erst nach langem und beschwerlichem Suchen fand man die Leiche.
Treysa, 20. Februar. Von dem Nachmittags gegen 2 Uhr die hiesige Station passirenden Personenzuge wurde heute in der Nähe von Allendorf a. b. Lands- bürg der Bahnwärter Biedebach überfahren und sofort gelobtet.
Fraukeuberg, 20. Februar. Heute Morgen wurde von einem vom Nachtdienst kommenden Postbeamten am sogenannten Burgberge ein hier in Arbeit stehender Schornsteinfegergeselle erfroren aufgefunden. Derselbe war gestern Abend mit dem letzten Zug um 12 Uhr von einer Landtour zurückgekommen und hat sich wahrscheinlich in der Dunkelheit in dem dichten Gestrüpp nicht zurecht finden können.
Darmstadt, 17. Februar. Der türkische Oberleutnant Memei Akif, der beim Leibinfanterieregiment Nr. 115 als Leutnant Dienst that und seit dem 18. Januar verschwunden war, ist in der Schweiz aufgegriffen und als geistesgestört einer Wiener Heilanstalt überwiesen worden.
Aus Thüringen, 19- Februar. Aus Eisfeld wird eine entsetzliche That gemeldet. Dort wurde am Montag früh zwischen 2 und 3 Uhr ein junger Mann, der sich vom Maskenball nach Hause begab, mit einer schweren eisernen Stange erschlagen. Die rechte Seite des Unterkiefers war fast vollständig zertrümmert, oberhalb des rechten Auges ist eine Verletzung ins Gehirn gedrungen, außerdem eine Wunde an der rechten Backe, die bis in den Mundwinkel geht, die Zähne sind fast vollständig zertrümmert.
Frankfurt a. M., 20. Februar. In der gestrigen Stadtverordneten - Versammlung theilte Ober- Bürgermeister Adikes mit, daß der Bankier Georg S p e y e r der Stadt eine Million Mark zur Förderung wissenschaftlicher Unternehmungen gestiftet bat.
$ t r in i f 611 §.
— Freiburg i. B., 18. Februar. Der zum Carneval als Bauernmädchen verkleidete 22jährige Sohn des Wirthes Graf wurde heute von einem verheiratheten Mann nach kurzem Wortwechsel erstochen.
— Pforzheim, 19. Febr. Heute früh machte der im zweiten Jahre seiner Dienstzeit stehende Bursche des Bezirksoffiziers, Majors Bock, der Soldat Louis Friedr. Iahn von der 1. Compagnie des 3. badischen Jnfant.-RegimentS Nr. 111, seinem Leben durch Erschießen ein Ende. Iahn, der sich einer nicht sehr schweren Dienstverletzung schuldig gemacht hatte, beging den Selbstmord nach Allem, was man hört, aus Furcht vor Strafe.
— Herne, 20. Februar. Der Bergmann Fraller erschlug im Streite den Bergmann Langner mit einem Besenstiel.
— Samt er, 18. Februar. Eine unsinnige Wette hat wieder ein junges Menschenleben als Opfer gefordert. Am Donnerstag ging der Waldarbeiter Kommissare! aus Kammlhal mit einem Mitarbeiter die Wette ein, daß es ihm möglich sei, nachdem er bereits tüchtig der Flasche zugesprochen, noch einen Liter Schnaps binnen einer Viertelstunde auszutrinken. Kommissare! beeilte sich mit dem Leeren der Flasche derartig, daß er im Verlaus von noch nicht zwei Minuten den Schnaps durch die Kehle gegossen hatte. Wenige Minuten darauf fiel Kommissare! hin und wurde in seine Wohnung geschafft. Dort starb er vier Stunden später anAl! ohol - Vergiftung.
— Wie der „Magdeb. Zig." aus Rom unterm 16. Februar geschrieben wird, leidet ganz Italien schon seit Wochen unter einer so außergewöhnlichen Kälte, daß sich dieses Jahr der Karneval von den Straßen und Plätzen völlig fortgeflüchtet hat in wohlgeheizte Tanzsäle. In der lombardischen Ebene sinkt das Thermometer jede Nacht auf — 12 Gr. C., und selbst in den klimatischen Kurorten an den lombardischen
Seen giebt es Tage, an denen sich die Lufttemperatur beständig unter dem Nullpunkte hält. In Florenz, Rom und Neapel sind starke Nachtfröste zu beklagen, die der Pflanzenwelt übel mitspielen und den Orangenbäumen, Oliven und Palmen die immergrünen Blätter rauben und die Stammrinde zum Bersten bringen. Die Bevölkerung leidet unter der Kälte weniger, als man meinen sollte. Der Gesundheitszustand ist überall vortrefflich. Die nordischen Kurgäste, die sich schon zu vielen Tausenden in Italien eingefunden haben, sind trotz der Kälte auch nicht so schlimm daran, da wenigstens den ganzen Tag über Sonnenschein herrscht, und in den Fremdenhotels die Steinfußboden überall abgeschafft worden sind und es nicht mehr wie früher an Oefen fehlt.
— Von einem Bären angegriffen und schwer verwundet wurde in der Menagerie Numa Hawa, die auf dem Viktor Emanuel-Platze in Turm ihre Zelte aufgeschlagen hat, der rumänische Thierbändiger Theodor Joneseu. Joneseu hatte in einem Käfig von dem angeblich vollständig gezähmten Bären und von einem dressirten Leoparden mehrere Kunststücke aus« führen lassen, als ihn der Bär plötzlich von hinten über« fiel und ihm den rechten Schenkel zerfleischte.
— (Heiratsanzeige:) Herzliche Bitte. Verheirateter Schneidermeister in bedrängten Verhältnissen sucht für einen seiner Kunden, Kavalier, paffende Hei- ratspartie. Gewünscht vierzig- bis fünszigtausend Mark Vermögen, erforderlich aber mindestens fünfhundert! Off. unter „Schulden" hauptpostl.
— (Freundliche Einladung.) Schaulustiger : Draußen der Mann ruft doch aus, daß der Löwe durch Reifen springt, das geschieht aber gar nicht Menageriebesitzer: Entschuldigen Sie, ich habe eben zur Zeit niemanden, der in den Käfig geht und den Reifen hält. Wenn es vielleicht der Herr thun will ... . bitte!
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Zürich,
Standesamtsbezirk Schenklengsseld. Monat Januar 1901. Ehes chließungen.
Am 22. Wilhelm Heinrich Thiel, Fabrikarbeiter zu Unter- haun, mit der Dienstmagd Susanna Schul von Schenklengs- feld. — 25. Johannes Döring von Oberlengsfeld, mit der Dienstmagd Catharina Elisa Hofmeister von Unterweisenborn.
Geburtsanzeigen.
Am 11. Maria Elisabeth, T. des Drechslers Johannes Rüger zu Schenklengsseld. — 15. Maria Elisabeth, T. der unverehelichten Barbara Elisabeth Schäfer zu Schenklengsseld. — 20. Heinrich, S. des Ackermanns Heinrich Herwig zu Mal- komes. — 31. Peter, S. des Bergmanns Georg Heusner zu Wüstfeld. Anna Martha Maria, T. der unverehelichten Elisabeth Bock zu Oberlengsseld.
Sterbefälle.
Am 5. Ein Mädchen, todtgeboren des Tagelöhners Johannes Knittel zu Dünkelrode. — 9. Elisabeth, Ehefrau des Ackermanns Burghardt Steinhauer zu Wüstfeld, 77 Jahre alt. — 17. Johannes, S. des Ackermanns Johannes Heidrich zu Lonrode. — 21. Anna Margaretba, Ehefrau des Ackermanns ; Jakob Adler zu Conrode, 51 Jahre alt. — 28. Barbara Elisa- ; beth, Wittwe des Tagelöhners Burghardt Luckhardt zu Schenk- lengSfeld, 51 Jahre alt. — 30. Peter Kraushaar, Privatmann zu Schenklengsseld, 66 Jahre alt.
Kirchliche Nachrichten.
Kvangelischer Hottesdienst.
Sonntag den 24. Februar.
Vormittags: Herr Superintendent Dr. Vial.
Nachmittags : Herr Pfarrer H o s b a ch.
Mittwoch, den 27. b. MtS. Abends 8 Uhr:
Gottesdienst in der KospitalsKapelle.
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