der König und die Königin über Deutschland nach Hause zurückkehren.
Der Reichstag hat zwei Resolutionen über die von der Kommission befürwortete höhere Bemessung der Gehälter der Postassistenten und über die Verbesserung der Anstellungs-Verhältnisse der nicht etatSmäßig angestellten Post- und Telegraphen-Assistenten angenommen, die zweite gegen den Widerspruch des Reichsschatzamts. Am Mittwoch wurde wieder über die Theater- Censur geredet, obwohl diese Frage im Grunde den Reichstag gar nichts angeht. Darnach wurde ein Antrag, den Abgeordneten „Anwesenheits-Gelder" und für die Dauer der jeweiligen Tagung freie Eisenbahnfahrt zu gewähren, einer Kommission überwiesen. Am Donnerstage wurde der Post-Etat weiter berathen.
Eine zweite China-Vorlage, welche die auf das Rechnungsjahr 1901 entfallenden Kosten fordert und schon, als die erste Nachtrags-Forderung dem Reichstage zuging, amtlich angekündigt worden ist, darf binnen kurzer Zeit erwartet werden. Sobald dann auch dieser Kredit bewilligt ist, dürften beide Forderungen zusammen als eine Anleihe auf den deutschen Markt gebracht werden.
Die Kommission für das Schaumweinsteuergesetz berieth heute § 2 der Entwurfs, welcher die Steuersätze ausspricht, und zwar nach der Vorlage mit 20 Pf. für die Flasche Obstschaumwein, mit 60 Pf. pro Flasche Schaumwein mit Flaschengährung und mit 40 Pf. für die Flasche Schaumwein mit imprägnierter Kohlensäure. Die Kommission beschloß, den Obstschaumwein mit 10 Pf. pro Flasche und alle übrigen Schaumweine einheitlich mit 50 Pf. pro Flasche zu besteuern.
Wie der Reichsbank-Präsident in der Sitzung des Zentralausschusses am 19. d. MtS. mittheilte, setzte sich der Metallbestand der Reichsbank am 31. Dezember 1900 zusammen aus: Gold in Barren und fremden Münzen 171 615 642,03 Mark, Gold in deutschen Münzen 329 010 725,00 Mark, Gold im Ganzen 500 626 367,03 Mark, in Thalern 151 587 993,00 Mk. und Scheidemünzen 77 625 018,84 Mark. Ende Dezember 1899 stellten sich die Bestandsziffern für Gold auf 469 027 765,43 Mk., für Thaler aus 164 295 279,00 Mark, für Scheidemünzen aus 67 584 119,66 Mk. — Der Geldvorrath weist mithin eine Zunahme von 31 598 601,60 Mk., der Silberbestand eine Abnahme von 2 666 386,82 Mk. nach. Daß der Bestand an Thalern sich um rund 12,7 Mill. Mark vermindert, der Bestand an Scheidemünzen sich um rund 10 Mill. Mark vermehrt hat, hängt im Wesentlichen mit den im Laufe des Jahres 1900 bewirkten Umprägungen von Thalern in Reichssilbermünzen zusammen. Seit Beginn des laufenden Jahres hat der Goldvorrat eine weitere erhebliche Stärkung erfahren, er stellt sich zur Zeit auf rund 642 277 000 Mk., mithin um rund 141.6 Millionen Mark höher als am Schlüsse des Jahres 1900.
Zur Januar-Einnahme derpreußischenStoatS- eisenbahnen bemerkt die „Zeitung des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen": „Mit besonderem Interesse sah man in diesen Tagen der Januar-Einnahme der preußischen Staatseisenbahnen entgegen. Wenn die Gesammtkonjunktur wirklich — wie vielfach angenommen wird — eine tiefgehende Absi mng er- ' fahren haben sollte, dann war beim Güter erseht der Eisenbahnen gegen den gleichen Monat des Vorjahres eine nennenswerthe Mindereinnahme zu erwarten. Der Rückschlag mußte die diesjährige Januar-Einnahme der Staatsbahnen um so tiefer herabdrücken, als gerade in dem hier zum Vergleich stehenden Januar des Vorjahres die in Folge der vorhergegangenen Verkehrsstockung nicht beförderten Kohlenmengen thunlichst nachgeliefert worden sind. Im Monat Dezember 1899 hatte die Mehreinnahme des Güterverkehrs bekanntlich nur 147,000 Mk. betragen, während der folgende Monat Januar 1900 die beträchtliche Mehreinnahme von 6,218,000 Mk. auf» zuweisen hatte. — Wenn über diese hohe Einnahmeziffer hinaus der Januar des laufenden Jahres noch eine weitere Mehreinnahme im Güterverkehr von über einer Million Mark gebracht hat, so ist dies relativ günstige Ergebniß für den sachkundigen Beobachter als ein beruhigendes Anzeichen dafür anzusehen, daß die Verkehrsentwickelung, wenn auch mit ruhigerem Grundton, doch eine fortgesetzt gesunde geblieben ist. Jedenfalls steht soviel fest, daß die wirthschaftliche Gesammtlage zur Zeit keine tief erschütterte sein kann. Auch im Personenverkehr ist gegen die Januareinnahme des Vorjahres noch eine — wenn auch nur geringe — Mehreinnahme erzielt."
Im Architektenhause in Berlin fand eine Versammlung von Vertretern folgender zehn Bauern-Ver- ei n e statt: Rheinischer, Nassauischer.Elsaß-Lothringischer, Heffischer, Badener, Trierer, Bayerischer, Schlesischer, Ost-Westpreußischer und Westfälischer Bauern - Verein. In ihnen waren etwa 220 000 Mitglieder vertreten. ES wurde beschlossen, wegen des Zolltarifs eine eingehend begründete Petition an den Reichstag zu richten. Weiter einigte man sich dahin, in Zukunft in allen wichtigen Fragen geschlossen zusammen zu gehen und gemeinsame Versammlungen abzuhalten.
Wie aus L o n d o n geschrieben wird, ist es jetzt förmlich beschlossen und zwischen dem Kriegsminister, dem Oberkommando und der Regierung festgelegt worden, daß das Heer um 150 000 Mann Infanterie, Kavallerie, Artillerie und Aeomanrie verstärkt werden soll. Vor« läufig will man versuchen, dieses MannschaftS-Mehr durch eine Erhöhung des Soldes auf rund einen Schilling für den Tag zu erlangen. Dieser Sold soll gänzlich abzugr- frei und in baar ausgezahlt werden. Von diesen 150 000
Mann entfallen 40 000 auf die Aeomanrie, welche im Gegensatz zu jetzt denselben Sold und außerdem ihre Pferde, sowie deren Unterhalt geliefert erhalten soll. Um die Anziehungskraft zu vermehren, wird dieser Deomanry eine besondere Uniform verliehen und die Kolonial-Regimenter ihr angegliedert. Die Artillerie soll ganz reorganisiert werden; ebenso das Transportwesen. Motorwagen sollen dabei für schweres Geschütz, wie Provianttransport in Anwendung kommen. Alle Regimenter sollen überdies auf Kriegsstärke gehalten werden.
Lhina.
Ein in New-Dork eingetroffene» Telegramm aus Peking vom 19. Februar meldet: Tsching und Li- Hung-Tschang empfingen ein Telegramm vom Hofe, welches in der Hauptsache besagt, daß der Hof allen Forderungen der Mächte nachkommt, obgleich er über einige minder bedeutende Punkte noch nähere Aufklärung wünscht.
In gleichem Sinne lauten die folgenden Depeschen:
Köln, 21. Februar. Der „Kölnischen Zeitung" wird aus Peking den 20. d, M. gemeldet: Der Kaiser von China hat erst heute die von den Vertretern der Mächte aufgestellten Listen der hinzurichtenden hohen Würdenträger genehmigt. Der Kaiserliche Erlaß, welcher die formelle Zustimmung zu den Bestrafungen enthält und deren baldige Ausführung verspricht, wird nun täglich erwartet.
London, 21. Februar. Die „Times" meldet aus Peking, der chinesische Hof habe sich nunmehr gefügt und seine Einwilligung zu der Verhängung der von den Gesandten geforderten Strafen gegeben, bitte aber darum, bei der Bestrafung von Tschaoschutschiao und Jingnien an Stelle der Enthauptung die Erdrosselung treten zu lassen. Die Gesandten hätten dieser Bitte zugestimmt, die Frage sei daher thatsächlich geregelt, und e» bestehe nunmehr kein Grund mehr für die Expedition nach Taiyüenfu.
Peking, 20. Februar. Die Chinesen haben in der Frage der Bestrafung der chinesischen Würdenträger nachgegeben. Es heißt, die Forderungen der Mächte würden vollständig erfüllt werden. Die Antwort des Kaiserlichen Hofes ist den Gesandten noch nicht mitge- theilt, aber man weiß, daß sie bei Li-Hung-Tschang und Tsching bereits eingegangen ist. Wahrscheinlich wird sie morgen zur Kenntniß der Gesandten gebracht werden.
London, 21. Februar. Die Pekinger Gesandten genehmigten nach einer Meldung der „Morning Post" folgendes Compromiß: Prinz Tuan, Herzog Lau und General Tungfuhsiang werden zum Tode verurtheilt, dürfen dann aber zu lebenslänglicher Verbannung begnadigt werden. Prinz Tfchana ist zu erdrosseln, Auhsien zu enthaupten, Tfchao-tschut-tfchiao und Mngnien dürfen sich selbst erdrosseln. Tschihisin und Hsutschengyn sind in Peking zu enthaupten. Damit sind die Verhandlungen über den ersten Punkt der Forderungen der Mächte erledigt.
Die Londoner Blätter geben eine Meldung des New- Aorker „Commercial Advertiser" wieder, welche besagt, die chinesische Regierung habe bei New-Aorker Banken anfragen lassen, ob sich die Ausnahme einer zur Bezahlung der Kriegsentschädigungen bestimmten schwebenden Anleihe in Amerika ermöglichen lasse, da sie die politischen Folgen der Begebung einer solchen Anleihe in Europa fürchte. Es heiße auch, die Vertreter der „Standard Oil Company", die große Interessen in Ostasien hat, hätten mit dem chinesischen Konsulat verhandelt über die Frage, das Anleihegeschäft mittels Zusammentreten» zu einem Syndikat zu Stande zu bringen.
Ier Krieg in enhüfrita.
Aus dem Transvaal, wo French mit 6 Kolonnen die Jagd auf Botha leitet, kommen in den letzten Tagen merkwürdig wenig Nachrichten. Jetzt treffen Nachrichten ein, die sehr ungünstig für die Engländer lauten. Nachdem schon eine Kolonne die Reihen der Verfolger nach Westen durchbrochen hat, wird nun gemeldet: Botha hat den Pongolafluß südlich von Pietretief überschritten und scheint auf Vryheid zu marschieren. Starke Abtheilungen brachen nach Norden ins Komandithal durch. Das heißt, ein Theil der Buren ist nach Norden, ein anderer nach Süden ausgewichen, und Botha steht wieder in bedrohlicher Nähe der Natalgrenze. Noch bedenklicher aber klingt die Nachricht, daß eine Verbindung mit Smith- Dorrien seit dem 16. Februar nicht mehr besteht. Die letzte von ihm erhaltene Nachricht meldete einen Verlust von 1 Offizier und 23 Mann an Todten und 32 Mann an Verwundeten, den sein Korps erlitt, „als er wieder, holt mit der Botha'schen Nachhut in Berührung kam." Diese Berührung muß eine sehr unsanfte gewesen sein. Und vielleicht ist inzwischen noch eine unsanftere erfolgt.
Dabei schwärmen Burenhaufen noch immer ungehindert an den Hauptverbindungslinien umher. Hätten sie doch vorgestern beinahe Lord Kitchener abgefangen. Hinter dem Zuge, den sie zwischen Johannesburg und Vereeiniging nahmen,fuhr unmittelbar der Zug Kitchener». Allerdings war Kitcheners Zug zu gut gepanzert und bewaffnet, so daß die Buren sich mit einiger Beute aus dem genommenen Zuge begnügen und abziehen mußten.
Johannesburg, 21. Februar. Nacht» zerstörten die Buren den Bahndurchlaß bei Plipriver, erbeuteten einen Zug Lebensmittel und verbrannten ungestört einen geleerten Zug. Alsdann zogen sie ab.
London, 21. Februar. Ueber die beinahe erfolgte
Gefangennahme Kitchener» wird noch gemeldet: „Eine Anzahl wohlbespannter leichter Wagen war in der Nähe von Donga versteckt, um Kitchener nach seiner Gefangennahme schnell in das Hauptlager der Buren zu bringen. Kitchener war von seiner Leibgarde und von einer Kompagnie de» Leicester-Regiments eskortiert. Seinem Salonzug fuhr eine einzelne Maschine voraus, auf welche zunächst ein anderer Zug mit Kitcheners Bagage und den Lebensmitteln folgte. Dieses Arrange- ment war erst im letzten Augenblick kurz vor der Rückreise aus Te Aar nach Pretoria getroffen, und nur hierdurch wurde der Plan der Buren vereitelt, welche nur mit einer vorauffahrenden Lokomotive gerechnet hatten. Am Montag früh guckte Kitcheners Bursche zufällig aus einem Fenster des Bagagezuges heraus, als er eine Abtheilung von Buren in der Nähe der Eisenbahnlinie erblickte. Er gab sofort das Alarmsignal, worauf die Buren das Feuer eröffneten. Zugleich erfolgte eine Dynamitexplosion, welche die Linie zerstörte und den Güterzug zum Entgleisen brächte. Die Lokomotive wurde gänzlich zertrümmert und der Lokomotivführer zu Tode verbrüht. Die vorauffahrende Lokomotive machte nun Halt und gab Kitcheners Zug Warn« ungssignale, welcher gleichfalls sofort anhielt. Zufällig kam in diesem Augenblick ein Panzerzug auf dem Schau- | platz an und beschoß die Buren, welche sich auch mit Kitcheners Bagage zurückzogen.
Aus Pr«»iiiz nnil Aachbargebiel.
* Das Handwerksorganisationsgesetz vom Jahre 1897 ist bekanntlich noch nicht völlig zur Dürchsührung gelangt. Mit dem 1. April d. I». wird ein weiterer Schritt zur Erreichung des Zieles gethan werden. Nach der Kaiser« lichen Verordnung, welche sich mit der Ausführung dieses Gesetzes beschäftigt, wird nämlich zu dem erwähnten Zeitpunkte der Abschnitt des Gesetzes über die besonderen Bestimmungen betreffs der Lehrlingsverhältnisse der Handwerker in Kraft treten. Die Gewerbe- ordnungSnovelle vom 27. Juli 1897 scheidet die Lehr- lingsverhältniffe in zwei Theile. Der eine behandelt die allgemeinen Bestimmungen, unter welche also auch die Lehrlinge in den Fabriken fallen, der andere die besonderen Vorschriften für die Handwerker. Der erstere Theil ist schon seit längerer Zeit in Geltung, der zweite wird nun mit dem 1. April b. Js. Gesetzeskraft erlangen. Damit wird übrigens das Handwerksorganisationsgesetz noch immer nicht gänzlich zur Durchführung gebracht sein. Dieser Ziel wird erst mit dem Beginn des Oktobers des laufenden Jahres erreicht werden, wenn der Gesetzes« abschnilt über den Meistertitel Geltung erlangt haben wird. Nach dem Gesetze dürfen Handwerker den Meistertitel in Verbindung mit der Bezeichnung eines Handwerks nur führen, wenn sie in ihrem Gewerbe die BefugmI^R zur Anleitung von Lehrlingen erworben und die Meisterprüfung bestanden haben. Die Abnahme der Prüfung erfolgt durch besondere Kommissionen und die Errichtung dieser nach Anhörung der Handwerkskammer durch Verfügung der höheren Verwaltungsbehörde, welche auch die Mitglieder ernennt. Für die Inkraftsetzung der Bestimmungen des Handwerksorganisations-Gesetzes über den Meistertitel war demnach die Errichtung der Handwerkskammern Voraussetzung. Diese ist nunmehr durchweg erfolgt, und eS steht deshalb, so schreiben die „Berl. Pol. Nachr.", nichts im Wege, nach der Bildung der Prüfungs- , kommissionen auch den letzten Rest des HandwerkS- organifations-Gefetze« zu Beginn des Oktobers des laufenden Jahres in Kraft treten zu lassen. Das Gesetz hat zu seiner Durchführung einen Zeitraum von über 4 Jahren gebraucht. Es steht damit aber nicht vereinzelt da. Die Gewerbeordnungsnovelle vom Jahre 1891 ist sogar noch immer nicht völlig zur Ausführung gelangt. Erst wenn die in Ausarbeitung begriffene Novelle über den Kinderschutz in der Hausindustrie zur Verabschiedung gelangt sein wird, werden die Vollmachten, welche in dieser Novelle ertheilt werden, sämmtlich ihrer Erfüllung entgegengeführt fein.
* Wie uns von kompetenter Stelle mitgetheilt wird, gehen die Anmeldungen für den in Göttin gen vom 26. Februar bis 2. März abzuhaltenden Kursus für praktische Landwirthe so zahlreich ein, daß die Durch- | führung desselben gesichert ist. Anmeldungen für den Kursus werden bis zum Beginn desselben entgegen genommen.
Hersfeld, 22. Februar. Aus Berlin wird gemeldet: Infolge der großen Nachfrage nach Gedenkmünzen zur , 200-Jahrfeier wurde angeordnet, daß noch für 5 Millionen ; neue Münzen ausgeprägt werden und zwar für 1 800 000 ß Mark Fünfmarkstücke und für 3 200 000 Mark Zwei- I Markstücke.
* Hersfeld, 22. Februar. Eine alte Bauernregel lautet: „Am Februar ist besser, zwei Fuß tiefen Schnee zu sehen, als einen Mann in Hemdsärmeln." Schnee liegt jetzt viel auf der Erde und da» deutet auf ein gute» Jahr. Ein jeder Pfahl im Garten, eine jede Stange im Stackete hat ein Käppchen; ein jeder Stein eine Kappe auf; Schnee in Hülle und Fülle, wie sie . lange nicht gewesen ist. Der Januar brächte in den beiden ersten Dritteln Kälte und keinen Schnee, und Das war nicht gut, denn der Erde fehlte die schützende Decke. Viel Saat ist deshalb erfroren, „verwintert"; die bereits ausgegangenen, durch die warme Witterung im Dezember stark getriebenen Halme lagen auf der Erde gelb und welk. Da» lctzte Drittel de» Januar brockte mehrmals Regen und wenig Schnee, das war gar kein Winterwetter. Der Februar brächte Schnee und Kälte.