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KerWer Kreisblatt.
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Sr. 22. AeHüg i« 19. Fcbrmr ' 1991.
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Atntlicher Theil.
Hersfeld, den 14. Februar 1901.
Zur Abhaltung des diesjährigen Ersatz-Geschäftes für den Kreis Hersfeld sind folgende Termine bestimmt worden: Freitag, den 8. März d. As.
von morgens präzis 9 Uhr an und zwar im Saale des Gastwirths C. Träger zu
Frirdcwald,
Musterung der Militärpflichtigen aus den Landgemeinden pp. des Amtsgerichtsbezirks Friedewald.
Sonnabend, den 9. März d. Is.,
von Morgens präzis 9 Uhr an und zwar im Saale des Gastwirths Kroneberg zu
Schenklengsseld,
Musterung der Militärpflichtigen aus den Landgemeinden pp. des Amtsgerichtsbezirks Schenklengsfeld.
Montag, den 11. März d. As.,
von Morgens präzis 8 Uhr an und zwar im Saale des Gastwirths B. Bolender zu
Hersfeld,
Musterung der Militärpflichtigen aus der Stadt Hersfeld.
Dienstag, den 12. März d. Is., von Morgens präzis 8 Uhr an in demselben Lokale, Musterung der Militärpflichtigen aus den Landgemeinden pp. des Amtsgerichtsbezirks Hersfeld.
Mittwoch, den 13. März d. Is.,
von Morgens präzis 9 Uhr an und zwar im Saale des Gastwirths Grenzebach zu
Niederaula,
Musterung der Militärpflichtigen aus den Landgemeinden pp. des Amtsgerichtsbezirks Niederaula.
Endlich gefunden.
Roman von Hedda von Schmid.
(Fortfetz^ig.»
Mit besonders lebhafter Freude wurde Dagmar von niemandem ihrer Angehörigen in Treuenhoff begrüßt. Der Landrath strich ihr über den dunklen Scheitel mit den Worten: „Schön, daß du wieder da bist, mein Kind." Melitta betrachtete sie von oben bis unten und sagte dann: „Deine Taille sitzt unbeschreiblich schlecht, du mußt etwas mehr Chik in deine Toilette bringen. Ich werde dir meine Jungfer schicken, laß dir von ihr ein Kleid machen, sie hat das Schneidern bei Mademoiselle Rose in Petersburg gelernt."
Der Landrath seufzte, diese bei Mademoiselle Rose in die Schule gegangene Kammerjungfer seiner Tochter kostete ihm jährlich einen hübschen Posten!
„Dagmar, das Gelee war gestern ungenießbar, du könntest dem Koch einen Wink geben, daß er sich mehr zusammennimmt, so lautete die Begrüßung, mit welcher die Landräthin ihre jüngste Tochter empfing, nur der kleine Alfred, Melittas blasses Söhnchen, streckte Tante Dagmar beide Arme entgegen.
Nun fitzt sie in ihrem resedadurchdufteten Zimmer und schreibt in ihr Tagebuch:
„Den 20. Juni 18 . .
Wieder daheim! „Daheim," das Wort klingt so lieb
Donnerstag, den 14. März d. A., von Morgens präzis 10 Uhr an und zwar im Saale des Gastwirths B. Bolender zu
Hersfeld,
Loosung sowie außerdem Zurückstellung derjenigen Mannschaften der Reserve, Landwehr und Ersatz-Reserve sowie der ausgebildeten Landsturmpflichtigen des zweiten Aufgebots, welche wegen häuslicher, gewerblicher oder Familienverhält- nisse eine Zurückstellung für den Fall der Einberufung zu den Fahnen beanspruchen wollen. (§ 123 der Wehrordnung vom 22. November 1888.)
Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden des Kreises, werden angewiesen:
1) die militärpflichtigen Mannschaften ihrer Gemeinden rc. und zwar
a. die in der Zeit vom 1. Januar bis einschließlich 31. Dezember 1881 geboren, soweit sie nicht bereits in das Militär eingestellt sind oder einen Ausstand erhalten haben,
b. die in den Jahren 1880, 1879, 1878 oder früher geborenen, welche bei den Ersatz-Geschäften des vorigen Jahres zurückgestellt, überzählig geblieben oder gar nicht erschienen sind, und demnach über ihr Militärverhältniß noch keine feste Bestimmung erhalten haben, zu den vorbezeichneten Musterungsterminen vorzuladen,
2) dafür zu sorgen, daß diejenigen Personen, zu deren Gunsten eine Zurückstellung bezwse. Befreiung vom Militärdienst beansprucht wird, sich im Musterungstermine ebenfalls e in f i n d e n ,
3) in den Terminen si ch persönlich ein zufinden und so lange zur Stelle zu sein, bis sämmtliche Militärpflichtige der betreffenden Ge - m e i n d e g e m u st e r t sind. Im Falle einer Verhinderung ist für die Anwesenheit eines Stellvertreters Sorge zu tragen,
4) für rechtzeitige Gestellung der Militärpflichtigen pp. zum Ersatz-Geschäft Sorge zu tragen und denselben ausdrücklich zu eröffnen, daß sie m i t sauberem Körper und reiner Wäsche zu erscheinen haben.
Militärpflichtige, welche ohne genügenden Ent- schuldigungsgrund im Mnsternngstermine nicht erscheinen oder bei Ausrufung ihrer Namen im Muster- unaslokale nicht anwesend sind, werden mit einer Geldstrafe bis zu 30 Mk. oder Haft bis zu 3 Tagen bestraft; außerdem können ihnen die Bortheile der Loosung entzogen werden. Ist die Bersäumnitz in böswilliger Absicht oder wiederholt erfolgt, so kann ihre alsbaldige Einziehung zum Militärdienst als unsichere Heerespflichtige erfolgen.
Reklamationen Militärpflichtiger um Zurückstellung bezwse. Befreiung vom Militärdienst, oder von Mannschaften der Reserve, Landivehr und Ersatz-Reserve sowie des Landsturms zweiten Aufgebots um Zurückstellung vom Militärdienst im Falle einer Mobilmachung des Heeres sind schleunigst bei dem betreffenden Ortsvorstande anzubringen, welcher für ordnungsmäßige und vollständige Ausfüllung des vorge- |
und traut wie kein zweites — und doch ist sein Klang oft nur ein leerer Schall. Manche Menschen besitzen nur in den Augen anderer ein Heim, sie selbst fröstelt es in den Räumen, die sie Heimath nennen. Melitta z. B. ist Kospolitin, sie lacht mich aus, wenn ich ihr versichere, daß mir unsere Wiek, das flache, reizlose Land ans Herz gewachsen ist. Freilich, Melitta ist weit in der Welt herumgekommen, deshalb mag sie anders urtheilen, aber wenn ich Onkel Reginald, der doch auch viel auf Reisen gewesen ist, ansehe, so finde ich, daß die Freude, wieder daheim zu sei», ihm hell aus den Augen leuchtet. Wie so ganz anders kehrten meine Geschwister heim, und ich selbst von meinem Aufenthalt im Doktorat! Axel ist so stumm und in sich gekehrt und Friede! ganz zerknirscht, als er Papa über das nicht bestandene Examen so ungehalten sah. Als Dora erfuhr, daß Friedel durchgefallen, sagte sie sehr befriedigt: „Recht so, da« kommt davon, wenn man Menschen un- nöthig mit zuviel Bücherweisheit quält. Unsere Altvordern lernten nicht einen Achtel von dem, womit unser Geist jetzt vollgepfropft wird, — und nichts ist antipa- thischer, als ein geistig überfütterter Mensch, denn er fühlt dann stets das Verlangen, die Speisen, welche er zum Theil nicht einmal richtig verdaut, in endlosem „Gejorr" von sich zu geben." Wenn Melitta gehört hätte, daß Dora da« Wort „Gejorr" gebraucht, so hätte sie eine darauf bezügliche spöttische Bemerkung nicht unterdrückt, denn Melitta ist sehr comme il faut in
schriebenen, in L. Funks Buchdruckerei dahier, stets vorräthigen, Fragebogens sorgt.
Einer Beifügung von ärztlichen Attesten bedarf es Nicht, da, wie schon erwähnt — diejenigen Personen (Eltern, Geschwister pp.) zu deren Gunsten eine Zurückstellung pp. vom Militärdienst beansp rucht wird, im Musterungstermine mit zu erscheinen haben, wobei in Betreff ihrer Erwerbsfähigkeit pp. die nöthigen Feststellungen durch den betreffenden Militärarzt, dessen Ausspruch allein maßgebend ist, bewirkt werden
Sämmtliche Reklamationen sind umgehend dahier einzureichen.
Militärpflichtige, welche an Epilepsie zu leiden behaupten, haben aus ihre Kosten drei glaubhafte Zeugen bei dem Bürgermeister ihres Wohnortes zu stellen, welcher dieselben an Eidesstatt protokollarisch darüber vernimmt, daß, wann, wie oft und in welcher Weise sie selbst die epileptischen Anfälle bei dem betreffenden Militärpflichtigen wahrgenommen haben. Diese Protokolle nebst etwaigen ärzt lich en Attesten sind ebenwohl umgehend einzureichen.
Die Herren Ortsvorstände pp. haben vorstehendes wiederholt in ihren Gemeinden, insbesondere den gestellungspflichtigen Mannschaften und deren Angehörigen, bekannt machen zu lassen und daß dieses geschehen, bis zum 1. k. Mts. hierher zu berichten.
I. II. Nr. 452. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schlei nitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Dillenburg, den 16. Februar 1901.
Die Königlichen Beschäler werden am 28. Februar auf Station Philippsthal eintreffen und bitte ich dies den Züchtern des dortigen Kreises bekannt zu machen. Ich bitte ferner, die Herren Bürgermeister bei dieser Gelegenheit darauf aufmerksam zu machen, daß sie die AbfohlungSergebniffe in die ihnen s. Zt. zugehenden Deckregister recht genau eintragen und letztere bis spätestens 20. I u n i an die betreffenden StationS- wärter zurücksenden, auch daß sie die Züchter daran erinnern, die fälligen Deck- und Füllengelder ungesäumt an die Stationswärter zu zahlen.
Königliches Hessen-RaffauifcheS Landgestüt. Der Landstallmeister.
An den Herrn Landrath zu Hersfeld.
Hersfeld, den 18. Februar 1901.
Wird veröffentlicht und wollen die Herren Bürgermeister die Pferdezüchter entsprechend in Kenntniß setzen, sich auch im Weiteren nach den diesbezüglichen Bestimmungen richten.
I. 1045. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Benehmen und Ausdrucksweise, sie spöttelt auch darüber, daß wir dazwischen „Pai" sagen. Jede unserer baltischen Provinzen hat nun einmal ihren besonderen Dialekt, aber wir Balten sprechen trotzdem daß Hannoveraner Deutsch, das sogenannte Schillerdeutsch. Und lieber sage ich „Pai", statt daß ich meine Rede oft mit französischen Brocken spicke, wie Melitta es zu thun pflegt. Sie hat sich das im Ausland so angewöhnt, auch deshalb, weil sie viel mit Mademoiselle Jeanne zusammen ist, sie läßt sich von ihr vorlesen und vorplaudern, und eigentlich ist die Französin doch für Alfred, den sie oft vernach- läffigt, da.
Den 22. Juni.
Die Gesellschaft bei Blivens wurde abgesagt, die Kinder dort sind an den Masern erkrankt.
Melitta war sehr unzufrieden, daß aus dem Fest nichts geworden ist. „Ich hatte mich so darauf gefreut, mich ein bißchen zu amüsieren," sagte sie, „und es sollte doch getanzt werden, Reginald hat mich zur ersten Quadrille engagiert, und mein neues Foulardkleid ist entzückend ausgefallen." Mama bedauert es auch, sehr, daß Melitta um ihr Vergnügen gekommen ist und versprach, bei uns eine größere Gesellschaft zu geben, sobald Dora soweit gesund ist. Es geht ihr, Gott sei Dank gut, sie wird bald wieder hergestellt sein. Der Logier- besuch, den Blivens erwarteten, ist nach Hapsal gezogen, weil in Ennofer die Masern sind. Papa hat die Familie — er kennt sie von früher her, — ausgefordert, uns