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Fällen, in denen Minderjährige, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, der Verwahrlosung verfallen, von der nahen Gefahr einer solchen bedroht erscheinen oder einer vor dem vollendeten zwölften Lebensjahr be­gangenen strafbaren Handlung verdächtig sind, dem zur Stellung des Antrages auf Einleitung der Fürsorge-Er­ziehung zuständigen Landrath, bei Gefahr im Verzug auch dem Vormundfchaftsgerichte Mittheilung zu machen.. Die Mittheilung hat so zeitig wie möglich zu erfolgen.

Die abfälligen Urtheile einiger deutschen Zeitungen über die Verleihung des Schwarzen Adler-Ordens an Lord Roberts und andere Handlungen des Kaisers während seiner Anwesenheit in England sind natürlich auch in England beachtet worden. Ein Blatt schreibt: Wir haben kein Recht, überrascht darüber zu sein, daß die Beweise der Freundlichkeit, die der Kaiser uns ge­geben, durchaus nicht den Beifall seines ganzen Volkes finden, noch sollten wir uns dadurch verletzt fühlen. Wir sind außer Stande, zu verstehen, warum wir so unbeliebt in Deutschland sind, aber wir wissen seit ge­raumer Zeit, daß dies der Fall ist. Wir konnten daher nicht erwarten, daß die Abneigung gegen uns plötzlich verschwinden würde, blos weil es dem Kaiser gefällt zu; zeigen, daß er sie nicht theile. Wir können nur hoffen, daß sie nachlassen wird, indem wir gute Gesinnungen gegen Deutschland beweisen, wenn immer Gelegenheit sich dazu barbietet, ohne zu erwarten, daß sie erwidert werden. Die Hohenzollern-Herrscher haben im Interesse Preußens häufig weiter gesehen als ihr Volk. So mag es jetzt hinsichtlich der Beziehungen des deutschen Reiches zu England sein. So unnöthig die Freundschaft mit England zu Zeiten Bismarcks, als Deutschland nichts anders als eine überwiegende Stellung auf dem euro­päischen Festland anstrebte, gewesen sein mag, so haben sich die Dinge doch jetzt gänzlich geändert durch seinen Ehrgeiz, eine große Seemacht zu werden." DerObservec" meint, die außerordentliche Popularität, die der Kaiser durch seine hochherzige Haltung gegen England errungen, werde dazu beitragen, die englisch-deutschen Beziehungen in einer Weise zu befestigen, die einige Berliner Blätter jetzt nicht begreifen mögen, die aber später gute Früchte tragen werde.

Im preußischen Abgeordnetenhause wurde am Montage der Justiz-Etat weiter berathen. In der Debatte wurden Wünsche laut nach baldiger Resorm des Vorbereitungs-Dienstes, einheitlicher Regelung des Pfändungswesens auf dem Lande, dem Studium der Social-Gesetzgebung seitens der Justiz-Kandidaten, Ver­mehrung der Gerichte und Gerichtsschreiberstellen, Ur­laubsbewilligung an junge Juristen, die sich über andere staatliche Verwaltupgszweige unterrichten wollen, besserer Ausbildung von Dolmetschern und Verwendung der Stenographen im Justizdienst. In letzterer Beziehung erklärte der Justizminister Schönstedt, daß auch erfahrene Stenographen die Meinung ausgesprochen hätten, bei den gerichtlichen Unter-Beamten würde die Stenographie auf große Schwierigkeiten stoßen. Ein Antrag des Abg. Letocha (Centr.) auf anderweite Regelung der Anstellungs­und Rangverhältnisse der etatsmäßigen Amtsanwälte wurde abgelehnt. Am Dienstag wurde die Berathung fortgesetzt.

Der ehemalige Beherrscher von Serbien König Milan ist am Montage in Wien gestorben. Eine Lungen-Entzündung, die sich aus einem Influenza-Anfall entwickelt hatte, war die Todes-Ursache. Ein Leben voll trauriger Verwicklungen und Verirrungen ist zu Ende gegangen. Als Sohn des Neffen eines abgesetzten suzeränen Fürsten war Milan am 22. August 1854 in Jassy, der Hauptstadt des damaligen Donou-FürstentumS Moldau, geboren. Er vermählte sich am 17. Oktober 1875 mit Natalie Keschko und folgte am 3. März 1878 seinem Großonkel als souveräner Fürst von Serbien. Am 6. März 1882 nahm Milan den Königstitel an und

das zu befriedigen, was ein anständiger Mensch zum Leben braucht, dazu gehört Geld, Kannst du mir fünf Rubel borgen, Axel?"

Axel zog schweigend ein ziemlich dünn anzufühlen- des Taschenbuch hervor und zählte dem Bruder fünf Einrubelscheine hin.

Danke; es ist geradezu fabelhaft, wie sich die Aus­gaben summieren. Heute z. B. haben wir ein Kater­frühstück Tibbi Jlsenkron, Günther Raudberg und ich. Wir sind nämlich alle drei im Examen durchgefallen, da ersticken wir unseren Schmerz darüber durch ver­schiedene Soupers, die dann stets ein Frühstück nach sich ziehen."

Axel hörte noch halb auf des Bruders Geplauder. Er beneidete ihn um seinen unverwüstlichen Frohsinn. Wie leichtfertig er alles auffaßte Schulden nicht bestandenes Examen, alles nahm er von der besten Seile.

Beiläufig, Dora hat sich zur Abwechslung den Arm gebrochen," berichtete er jetzt mit dem allerfrohesten Ge­sichte von der Welt.Armer Zwilling. Dagmar mel­dete mir das Geschehene durch eine Postkarte. Sie und Dora wären beide aus dem Wagen geflogen, die Falben waren durchgegangen, Jürri mästet sie auch mit Hafer. Zuerst erschienen Doras Verletzungen, sie hatte nämlich noch eine Kopfwunde, nicht gefährlich, dann jedoch ge­wann die Sache einen bösen Anstrich ; Dora schwebte einige Tage in Lebensgefahr.

Davon weiß ich gar nichts, rief Axel bestürzt und erschrocken, und wie lauten die letzten Nachrichten über ihren Zustand?

Gut, sie befindet sich aus dem Wege zur völligen

entsagte am 30. September 1891 zu Gunsten seines Sohnes Alexander dem Throne.

In Spanien sind ernste Unruhen ausgebrochen, die ihre Spitze gegen die Jesuiten richten. In Madrid mußte die Polizei wiederholt einschreiten und zahlreiche Verhaftungen vornehmen; einige Personen wurden ver­wundet. Am Sonnabend Abend wurden die Wagen des Nuntius und des Ministers des Innern mit Steinen beworfen. Vor einer Buchhandlung in Madrid explodierte eine Petarde und verursachte einigen Schaden. Neuer­dings dehnt sich die Bewegung auf verschiedene Provinz- städte aus. Die führende Rolle in den Tumulten spielt bisher noch die Studentenschaft, allein man fürchtet, daß andere Bevölkerungsklassen die Leitung an sich reißen und den Versuch unternehmen werden, die antiklerikale Stimmung zu einer allgemeinen politischen Umsturz-Be­wegung zu erweitern.

C^ina.

Aus Peking wird nach New-Aork unter dem 10. Februar gemeldet: Li-Hung-Tschang hat erklärt, zwischen dem Kaiser Kwang- und der Kaiserin Tsuhßi herrsche jetzt größere Eintracht als je zuvor. Die Kaiserin gebe die Nothwendigkeit von Reformen im modernen Sinne zu. An den chinesischen Hof telegraphirte Li-Hung-Tschang, die Weigerung des Hofes, den über die Würdenträger verhängten Todesurtheil zuzustimmen, sei von der höchsten Gefahr für die Dynastie selbst.

Feldmarschall Graf Waldersee meldet am 10. aus Peking : Kolonne Trotha ist am 9. hier eingetroffen. Bei meiner Besichtigungsreise nach Schanhaikwan habe ich Betrieb und Sicherung der Bahn sowie die längs der­selben stehenden Truppen aller Nationen in vorzüglicher Verfassung gesunden.

Laut einerReuter"-Mitlheilung aus Tientsin sind die britischen Behörden benachrichtigt worden, daß sie sich täglich bereit halten sollen, die Nordbahn von den Deutschen zu übernehmen. Die Oberleitung ist zur Aufnahme des Betriebes der Linie bereit.

* *

Ein nach Paris gerichtetes Telegramm des Generals V o y r o n meldet: Ein deutscher Soldat hat durch Zufall bei Jangtsu einen französischen Soldaten verwundet. Die deutsche Militärbehörde hat sofort eine gerichtliche Untersuchung angeordnet und um nähere Mittheilungen über den Vorfall er­sucht, um die eventuell zu leistende Entschädigung feststellen zu können.

Aus Peking wird vom 5. d. Mts. gemeldet: Die russisch-chinesische Bank vertheilt weiter im Austrage der russischen Regierung Lebensmittel und Kleider an arme Chinesen. Gegenwärtig werden täglich an acht ver­schiedenen Punkten Pekings mehr als 18 000 Portionen gekochter Brei vertheilt und seit kurzem wird auch roher Reis und zwar an mehr als 15 000 Personen verabfolgt. Mehr als 2200 Arme wurden mit warmen Kleidungs­stücken beschenkt.

Ser Srito in Süöiifritn.

Kapstadt, 11. Februar. Die Regierung beschloß, den auswärtigen Mächten amtlich anzuzeigen, daß Kap­stadt von der Pest verseucht sei. Im Hafen sind heute drei neue Fälle vorgekommen, ein Militärhospital wurde zeitweilig eingerichtet.

Vom Kriegsschauplätze liegt eine Depesche aus Cradock vor, nach der die leichten Reiter bei Klipplaat Junction 2 Todte, 5 Verwundete und 15 Gefangene verloren, augenscheinlich eine kleine, wenig rühmlich britische Schlappe.

Kapstädter Depeschen melden, daß nunmehr vier große Offensivbewegungen gegen die Buren im Gange sind.

Genesung. Dagmar hat dir vermuthlich auch geschrieben, der Brief wird wahrscheinlich nach deiner Abreise ein­getroffen sein. Dora ist wirklich ein guter Kerl, mußte nun gerade ihr solch ein Pech passieren! Ja, wir Zwillinge sind die reinen Pechvögel. Papa wird über mein nicht bestandenes Examen gerade nicht sehr erbaut sein. Du bleibst doch selbstverständlich jetzt einige Tage hier in Reval. Viel ist zwar nicht los, nur der Cirkus ist da, dort kann man einen Abend todtschlagen, es wird einem da ziem­lich viel geboten."

Ich reise heute Nachmittag nach Treuenhoff, sagte Axel,zu sechs Uhr bestelle ich mir Postpferde hierher, und ich hoffe, du begleitest mich nach Hause."

Nachhausesahren? Bester Bruder, ich werde doch kein solcher Dorsch sein, nach Hause zu fahren? Wozu soll ich mich dort einkapseln wie eine Trichine?

In diesem Sinne kämpste Friedel noch eine zeitlang gegen alle Vernunftgründe seines Bruders. Schließlich aber ließ er mit sich handeln, und als Axel sich nach einer halben Stunde von ihm trennte, versprach der liebenswürdige Taugenichts, ihn nach Treuenhoff zu be­gleiten.

Ich werde Tibbi Jlsenkron zur Gesellschaft dort ein­laden," mit dieser Aussicht tröstete sich der durchgefallene Abiturient.

Axel schlug den Weg nach Ziegelskoppel ein. Die Stadt mit ihren Thürmen und Mauern lag bald hinter ihm, die Einsamkeit um ihn her that ihm wohl.

Wann ist ein Mensch in Gesellschaft seiner eigenen Gedanken je einsam? Axel fühlte sein Herz leichter schlagen auf der stillen Landstraße, aber dennoch war ihm

Sieben Kolonnen unter French operieren gegen Bolha. General Cunningham leitet eine kleinere Operation gegen Delarey's Kommando. Sieben britische Kolonnen be­streben sich, Dewet auf die am Oranjefluß zusammen­gezogene britische Streitkraft zu werfen, was bisher noch nicht gelungen ist. Die vierte Bewegung unter Brabant bezweckt, die Kapkolonie von den eingefallenen Buren zu befreien.

St. Helena, 11. Februar. Fünf Burengefangene machten am 2. Februar den Versuch in einem Fischer­boot zu entfliehen, doch wurde der Fluchtversuch dadurch vereitelt, daß man vorher die Ruder entfernt hatte. Die Flüchtlinge wurden ins Gefängniß gebracht. Das Militär­gericht hat eine Untersuchung eingeleitet.

London, 12. Februar. Der Burengeneral Dewet schlug vorgestern den Versuch des Generals Knox, ihn nördlich vom Oranjefluß fesizuhalten, ab, überschritt in der Montagsnacht den Oranjefluß und sandte seine Kom­mandos theils gegen Colesberg, theils westlich über Philippstown zwecks Vereinigung mit von Süden herauf­rückenden Abtheilungen unter Hertzog.

Maseru, 12. Febr. Die Engländer haben Ficks- burg besetzt; sie fanden geringen Widerstand. Wepener ist von den Engländern geräumt und von den Buren besetzt worden.

London, 12. Februar. Die heutigen Morgen- blätter veröffentlichen aus Louren^o Marques vom 6. Februar ein Telegramm, dessen Auslieferung durch die Censurbehörden ausgefallen worden ist In dem­selben wird mitgetheilt, daß 2000 Buren das Swaziland durchziehen und auf englisches Gebiet vorgedrungen sind. Dieselben scheinen eine Gelegenheit abzuwarten, um eine Landung von Waffen und Munition vom Lande aus zu unterstützen. Ein österreichischer Dampfer soll diese« Unternehmen in der Nähe von Cose, am Eingang der Bai von St. Lucia, ausführen.

Berlin, 9. Febr. Präsident Krüger hat Bericht empfangen, daß seine Nichte, Frau Eloff, vor Kurzem durch australische Waldläufer niedergeschossen worden ist. Einem Privalbriefe entnimmt dieDeutsche Wochen­schrift in den Niederlanden" folgenden Bericht:Aus einem Hause, von deni die weiße Flagge wehte, war auf die englischen Truppen geschossen worden. Deshalb erhielt eine Abtheilung Waldläufer Befehl, das Haus niederzubrennen. Als die Truppe sich dem Hause näherte, trat ein Mann in dasselbe ein und eine Frau begab sich zum Brunnen. Es wurde eine Salve abgegeben, und die Frau fiel. Die Waldläufer drangen ins Haus ein und fanden einen Buren, den sie fesselten. Als der Bur seine Frau liegen sah, die sich noch regte, wollte er zu ihr hinstürzen, aber die Unmenschen hielten ihn fest. Der Offizier konstatirte, daß die Frau durch die Schläfe geschossen sei und doch sterben würde; man ließ sie deshalb liegen. Abends wurde der Mann zurückge- brad)t, um anzugeben, wo er Gewehr und Munition begraben habe. Als er beim Brunnen vorbei kam, hörte er seinen Namen rufen. Es war seine Frau, die nach zwölf Stunden qualvollen Leidens noch immer lebte. All sein Bitten und Flehen, bei der Frau bleiben zu dürfen, hals nichts. Die Frau wurde auf einen Bretter­wagen gelegt, ohne verbunven zu sein. Als man Rüsten» burg erreichte, war sie todt." Die Frau war die Nichte des Präsidenten Krüger.

Aus Previll; nnii " J".

* Der Provinzialverein für Schwind- suchtS-Bekämpfung in der Provinz Hessen- Nassau, welcher Ende vorigen Jahres in einer unter Vorsitz des Oberpräsidenten Grafen von Zedlitz-Trützschlec in Frankfurt a. M. stattgehabten Versammlung begründet wurde und die Schaffung von Freistellen für nicht ver­sicherte unbemittelte Lungenkranke als eine seiner ersten

sterbensmüde zu Mut. Und seine Gedanken kleideten sich in Reime:

Ich habe all mein Glück begraben

In einer bösen, bösen Stund',

Die Träume, die mich einst umschwebten, Sie ruh'n auf meiner Seele Grund.

Begraben dort, doch nicht vergessen, Und ob man auch die Gräber kränzt, Den tobten Träumen meines Glückes

Hat eine Thräne nur geglänzt.

Gar viel will diese Thräne sagen, Trübt sie mir ja den Hellen Blick:

Es liegt in ihr die stille Trauer

Um mein verlor'nes LebenSglück."

Wenn man jung ist, sollte man nie von verlorenem LiebeSglück sprechen, aber gewöhnlich wird man dann, wenn man unglücklich ist, gleich weltmüde. Erst später, hin, in gereisteren Jahren empfindet man das Unglück nicht niederdrückend, sondern es stählt einen zum weiteren Kampf mit dem Dasein.

(Fortsetzung folgt)

Mülheim a. RH., 12. Februar. Ein Fabrik­arbeiter nahm sich seine Dienstentlassung so zu Herzen, daß er Nachts seine Frau im Schlafe überfiel und sie mit Messerstichen verwundete, die auf die Hilferufe her- beieilenden vier Kinder ebenfalls verletzte und dann Selbstmordversuch beging.

Gnildford (Süd England), 12. Februar. In der Childworth-Pulversabrik wurden heute 5 Arbeiter durch eine Explosion getödtet.