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$r. 26. Iomitrstoz Se« 11 Fekmr 1961.
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Amtlicher Theil.
Hünfeld, den 6. Februar 1901.
In hiesiger Stadt ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.
Der kommissarische Landrath. v. Trat ha.
Am Königlichen pomologischen Institute zu Proskau finden im Jahre 1901 folgende kürzere Unterrichtskurse im Obstbau statt: 1. für Lehrer in der Zeit vom 18. bis 30. März und vom 14. bis 24. August, 2. für Baumgärtner und Baumwärter in der Zeit vom 4. bis 16. März und vom 5. bis 13. August, 3. für Herrschaftsgärtner, Landwirthe, Gartenliebhaber vom 18. bis 23. Februar und vom 4. bis 9. November sowie (verbunden mit einem Kursus über Pflanzenkrankheiten) vom 20. bis 25. Mai, 4. für Damen vom 9. bis 11. Mai, 5. für Schulaufsichtsbeamte vom 7. bis 9. Mai, 6. für Kreisbaumeister vom 25. bis 27. Juli, 7. für Forstbeamte vom 26. August bis 1. September.
Die Termine für einen noch abzuhaltenden Kursus über Blaubeerweinbereitung, sowie für einen Obstwein- bercitungskursus werden besonders bekannt gegeben werden. Andere als vorstehend aufgeführte Kurse werden nach Bedürfniß eingelegt. Diesbezügliche Anträge sind an den Direktor des oben genannten Instituts zu richten. Die Theilnahme an allen oben angeführten Kursen ist kostenlos.
Der Hauptkursus für fachliche Ausbildung von jungen Gärtnern dauert 2 Jahre. Aufnahmebedingung: Zeugniß für Obertertia bezw. Aufnahmeprüfung, zurückgelegtes 16. Lebensjahr, zweijährige gärtnerische Praxis, gesunder Körper.
Der Direktor. Prof. Dr. Stoll, Oekonomie-Rath.
Endlich gefunden.
Roman von H e d d a von S ch m i d.
(Fortsetzung.»
Axel ward das Zimmer zu eug, es verlangte ihn darnach, draußen in der frischen Lust einen tiefen Atemzug zu thun. Hastig erhob er sich, als die letzte Note verhallt war. „Ich muß jetzt gehen," sagte er, das kleine Zimmer, in dem er noch NoraS Walten zu spüren meinte, mit einem langen Blicke umfassend, „ich gehe, ein Todtmüder, für den alles Glück im Leben erstürben ist."
„Nicht doch, lächelte der alte Mann mild, es wird Ihnen voll und ganz erblühen, und Sie werden einen Ersatz finden für mein armes Kind, das Ihnen doch nichts hätte sein können "
„Leben Sie wohl, sagte Axel dumpf, des Alten Hand wil festem Druck umschließend.
Dann trat er ins Freie.
Es war ein heißer Tag; die Sonne brannte mit sengender Glut, und das grelle Licht that Axel weh. Er war ne vös geworden, der schlanke hübsche Mensch mit dem flotten, dunklen Bärtchen über der Oberlippe. DaS liebe, alte N>val, dessen er immer mit einem so warmen Gefühl gedacht, dünkte ihm heute öde und leer.
Er war mit dem Morgenzuge aus St. Petersburg
Nichtamtlicher Theil.
Berlin, 12. Februar.
Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin trafen Montag 3'/, Uhr Nachmittags auf Schloß Friedrichshof ein und kehrten nach einstündigem Aufenthalte daselbst wieder nach Homburg zurück. — Heute früh unternahm der K a i s e r um 9 Uhr einen Spaziergang in die Tannenwaldallee. Nach dem Schlosse zurückgekehrt, hörte der Kaiser den Vortrag des Kriegsministers Generals der Infanterie von Goßler. Für 11 /.2 Uhr Nachmittags war eine größere Schlittenpartie des Kaisers und der Kaiserin mit den Hofstaaten nach der Saalburg geplant, von wo aus Ihre Majestäten durch den Taunus nach Schloß Friedrichshof zu fahren gedachten.
fDie Agitation gegen die Getreidezölle.j Die Sozialdelnokratie hat gegen die Getreidezölle mobil gemacht. Am Sonntage wurden in Berlin und Umgegend eine Million Flugblätter verbreitet unter der Ueberschrift „Was kosten die Junker?" Gleichzeitig veröffentlichte der „Vorwärts" einen Leitartikel über „das Land der höchsten Getreidezölle", womit natürlich Deutschland gemeint ist. Ebenfalls erschien in der ganzen Parteipresse ein Aufruf der sozialdemokratischen Reichstags-Fraktion „an das werkthätige Volk", der mit den Worten endigt: „Nieder mit dem Brot- und Lebensmittelwucher! Nieder mit der Junker- und Agrarierherrschaft! Auf zur That!" Und am 13. Februar sollen in der Reichshauptstadt und in ihren Vororten 26 Volksversammlungen abgehalten werden, um gegen den „Brotwucher" zu protestieren. Man steht, es handelt stch um eine Aktion großen Stils, die von der Sozialdemokratie unternommen ist. Was in jenen Preß-Erzeugnissen an Verdrehungen, Entstellungen, Verleumdungen und Unwahrheiten geleistet ist, das spottet der Beschreibung. Der Werth des Flugblattes wird hinreichend durch den Satz gekennzeichnet, daß das Brot zu einem unerschwinglichen Luxus-Artikel werde. Diese Redensart ist nicht nur hetzerisch, sondern sie ist auch unglaublich thöricht. Nach den Lebensmiltel- Preisen richten sich die Arbeitslöhne; der Arbeiter wäre also, wenn die Zölle wirklich preisverteuernd wirkten, in der Lage, stch für einen Preis-Ausschlag schadlos zu halten und zwar umso eher, je mehr der Schutzzoll eine ständige Einrichtung bei allen Nationen ist. Im Ucbrigen steht die Behauptung, daß der Schutzzoll verteuernd wiikl, wie wiederholt nachgewiesen ist, mit den Thatsachen im Widerspruch. Auch in seinem logischen Ausbau ist das Flug-
angekommen, und sein erster Gang hatte dem Häuschen, an der Stadtmauer gegolten. Seinen Bruder Friedel, der, wie er voraussetzte, mitten im Abiturientenexamen steckte, hatte er noch nicht aufgesucht. Friedel befand stch bei einer Lehrerfamilie in Pension, sein Zimmer besaß einen besonderen Eingang — Axel es Halle früher als er noch Domschüler war, ebenfalls bewohnt. Er stieg die ihm so wohlbekannte Treppe hinan und drückte auf die Glocke. Nach einer kleinen Weile vernahm man Schritte, die sich der Thür näherten; dann wurde aufgemacht, und Axel erblickte seinen Bruder Friedel, der einen Schlafrock malerisch über die Schultern geworfen halte, vor sich.
„Du, Axel? Wo kommst du her? Das ist ja eine nette Überraschung ! Wie freue ich mich, dich zu sehen. Wir zwei haben uns doch immer gut miteinander vertragen, nicht wahr?"
Die beiden Brüder umarmten und küßten sich.
„Wie geht eS bir, Friedel?
„Brüllend gut. Setz' dich, altes Haus! Kann ich dir ein Glas Selterswasser anbieten? Ja? Ich trinke nämlich augenblicklich nur Selters,aus Gesundheitsrücksichten natürlich, denn nach einer durchschmorten Nacht, wird Selters zum Naturbedürfniß."
„Du feierst wohl glücklich bestandenes Examen ?" fragte Axel, sich vergebens nach einer Sitzgelegenheit umsehend,
blatt vollständig verunglückt. Es sagt unter anberm : Das Fleisch-Einfuhr-Verbot komme nur den 25 000 Viehjunkern zugute, giebt aber zu, daß die Kleinbesitzer sieben, mal soviel Vieh haben als die Großbesitzer (14 Millionen gegen 2 Millionen). Wie bei der Agitation gegen die Zölle mit der Wahrheit umgegangen wird, dafür einige Beispiele. Der „Vorwärts" nennt Deutschland das Land der höchsten Getreidezölle. Das ist falsch. Der Weizen- zoll beträgt für einen Doppelzentner in Portugal 9 Mk., Spanien 8,50, Italien 6,08, Frankreich 5,67, Schweden 4,16, in den Vereinigten Staaten 3,86, in Deutschland 3,50, in Kanada 3,31, in Oesterreich 3,05, in Griechen« land 2,60 und in der Türkei 1,16 Mk. Der Roggenzoll beträgt in Portugal 7,20 Mk., in Schweden 4,16, in Argentinien 3,88, in Italien 3,65, in Spanien 3,56, in Deutschland 3,50, in Oesterreich 3,05, in Frankreich 2,43, in Griechenland 1,91 rc. Deutschland ist also nicht, wie der „Vorwärts" glauben machen will, baS Land der höchsten Getreidezölle, sondern steht mit seinem Roggenzoll an sechster und mit seinem Weizenzoll sogar erst an siebenter Stelle. Auch die Behauptung einer genauen Gleichläufigkeit von Getreide- und Brotpreisen ist unwahr. So sank der BeMner Durchschnittspreis für 100 kg Roggen von 1886'bis 1887 um fast eine volle Mark, während sich für das gleiche Gewicht Brot in derselben Zeit nur ein Herabgehen des Preises um 15 Pfennige bemerkbar machte. Von 1895 bis 1896 trat gerade das Gegentheil ein. Während der Berliner Durchschnittspreis für 100 kg Roggen sich 1896 um 10 Pfennige niedriger stellte, als im Vorjahre, zeigt umgekehrt das gleiche Jahr 1896 eine Erhöhung des Preises für 100 kg Roggenbrot um 30 Pfennige. Und wie in Berlin, liegt die Sache anderswo. Vor einigen Jahren hat sich der französische Ministerpräsident Mäline in der Deputiertenkammer auf ähnliche Erfahrungen berufen. Er wies nach, daß die Herabsetzung der Getreidepreise, die im Jahre 1891 versucht wurde, den Verzehrern nicht» genügt hat. Das ausländische Getreide hätte den französischen Markt überschwemmt, ohne jedoch ein Sinken der Brotpreise herbeizuführen. Unter solchen Umständen ist nicht anzunehmen, daß die sozialdemokratische Agitation, die sich so unehrlicher Mittel behient, Erfolg haben wird. Das Sprichwort Lügen haben kurze Beine! wird auch hier seine Wahrheit erweisen.
Der preußische Justizminister hat, um eine rechtzeitige Fürsorge Erziehung Minderjähriger in den geeigneten Fällen nach Möglichkeit zu sichern, Folgendes bestimmt: Die Beamten der Staatsanwaltschaft haben von den zu ihrer amtlichen Kenntniß gelangenden
denn alle Stühle im Zimmer waren mit Kleidungsstücken Büchern und Tabakskasten bedeckt.
Endlich schob er ein Werk über Mathematik von dem mit bunter, geblümter Cretonne bezogenen Sessel und nahm Platz.
Friedel rauchte eine Papyros, die nicht gleich ziehen wollte.
„Im Gegentheil," erwiderte er, — die Papyros zwischen den Zähnen haltend, ich bin mit Pomp durch- gefallen."
„Aber Friedel, wie wird Papa das aufnehmen?"
„Ich hab's schon prophezeit, als er zum März- termin in Reval war, entgegnete Friedel seelenruhig, „ich will Forstmann werden, alle Bücherweisheit mag ich nicht."
„Hast du Nachrichten von Hause, Axel?" fragte Friedel nach den ersten Begrüßungsworten. M-litta ist bereits in Treuenhoff. Hast du dir Pferde entgegen« bestellt?"
„Nein, ich komme diesmal ganz unerwartet, ich habe den Eltern meine Ankunft nicht angemeldet," erwiderte Axel gepreßt.
„Schulden — was? Hast du Papa zu beichten? Das ist auch mein Fall. Was thut das übrigens ? Ein Mensch ohne Schulden ist ja nur ein halber Mensch — denn mit der immer weiter fortschreitenden Kultur wachsen ja auch die menschlichen Ansprüche. Und um alles