' ........ ' -----— ■ y
Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
^^^"-^.^------^,.,-^- ... ■ ............,R
Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.
Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
Abonneinentspreis Vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl. Postaufschlag.
---^. --------------^....;.....
St 18^ 6onnotantii 8. FeKiiar 1901.
Erstes Blatt.
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" ™» „Jllnstrirte landwirthschaftl. Beilage" für die Monate Februar und März werden von allen Kaiserlichen Poftanftalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Cassel, den 21. Januar 1901.
Der Regierungs-Präfident.
Im Einvernehmen mit der Königlichen Regierung, Abtheilung für Kirchen- und Schulwesen, bestimme ich, in Ausführung des § 13 des Reichsimpfgesetzes vom 8/4. 1874 (Reichsgesetzblatt S. 31), um Jmpfhinter- ziehungen der Kinder vorzubeugen, daß die Schulleiter der öffentlichen und privaten Schulen fortan in die Schülerverzeichnisse eine Rubrik aufzunehmen haben: Nachweis der erfolgten Impfung — Wiederimpfung." Dieser Vermerk ist in die Schülerverzeichnisse für sämmtliche in den Schulen vorhandene Schüler nachträglich einzutragen.
In allen Fällen, in denen der Nachweis der erfolgten Erst- oder Wieder-Jmpfung nicht erbracht ist, hat der Schulleiter der Ortspolizeibehörde die Namen der betreffenden Kinder nebst Geburtsjahr und Tag, Namen der Eltern (Vormund) und deren Wohnung alsbald zur weiteren Veranlaffung anzuzeigen.
Ich ersuche die Herrn Kreisschulinspektoren, hiernach das Erforderliche zu veranlassen. A. II. 634.
An die Herren Kreisschulinspektoren des Bezirks.
* ^ *
Abschrift erfolgt zur Kenntnißnahme, Anweisung der Ortspolizeibehörde und Mittheilung an die Jmpfärzte.
Trott zu Solz.
An die Herren Landräthe des Bezirks, die Herren Poli- zeidirekloren in Caffel, Hanau und Fulda.
* * *
Hersfeld, den 7. Februar 1901.
Wird den Ortspolizeibehörden des hiesigen Kreises zur Beachtung mitgetheilt. Alle zur Kenntniß gelangen» den Jmpfhinterziehungen sind mir unverzüglich bericht- lich anzuzeigen.
I. 605. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schlei n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 6. Februar 1901.
Die Herren Bürgermeister zu Allendorf, Conrode, Harurode, Kleba, Kleinensee, MalkomeS, Obergeis, Philippsthal, Rohrbach, Sorga, Widdershausen und WölserShausen haben mir binnen 3 Tagen die noch rückständigen Abschriften der KaffenprüfungSverhandlungen Dom 31. Dezember v. I. einzureichen.
A. 359. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schlei n i tz, Geheimer RegierungS-Rath.
Hersfeld, den 6. Februar 1901.
Am Dienstag, den 20. Februar d. Js., Vormittags 10 Uhr findet im hiesigen städtischen Rath- Hauöjaule eine Kreistagssitzung mit folgender Tagesordnung statt: . ,
1 Prüfung der Ve> Handlungen über die im Oktober und November 1900 erfolgten Neuwahlen zum Kreis
tage, Beschlußfassung über die Gültigkeit dieser Wahlen und Einführung der Neugewählten.
2. Uebernahme der Grundentschädigung für den Bau einer Nebenbahn vonGerstungenüberVacha, Wenigen- taft, Eiterfeld nach Hünfeld, soweit dieselbe den Kreis Hersfeld berührt, auf den Kreis.
J. A. Nr. 337. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 5. Februar 1901.
Der Gastwirth Christoph Claus und der Landwirth Adam Läpp zu Mecklar sind heute als stellvertretende Ortsschätzer für die Gemeinde Mecklar widerruflich bestellt und eidlich verpflichtet worden.
I. 393. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Fulda, den 5. Februar 1901.
In der hiesigen Stadt wird am 14. d. M. ein Vieh» markt unter den bisherigen Bedingungen abgehalten, und ersuche ich um kostenfreie Bekanntgabe im dortigen amb lichen Organe.
Der Königliche Landrath. Steffens. An den Herrn Landrath zu Hersfeld. ♦ *
Hersfeld, den 8. Februar 1901.
Wird veröffentlicht.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz,
Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtlicher Theil.
Berlin, 7. Februar.
Die „Hohenzollern" mit Sr. Majestät dem Kaiser Wilhelm und Sr. Kaiserl. und Königl. Hoheit dem Kronprinzen Wilhelm an Bord traf am Mittwoch gegen l3/4 Uhr auf der Rhede von Vlissingen ein Die niederländischen Kriegsschiffe „Zeeland" und „Noord- brabant" gaben den Salut ab. Heute früh 8 Uhr ist Se. Majestät der Kaiser in Homburg v. d. H. eingetroffen.
Se. Kaiserl. und Königl. Hoheit der Kronprinz ist heute Vormittag 8'/2 Uhr wieder in Potsdam eingetroffen.
Der „R e i ch s - u n d S t a a t s - A n z e i g e r" schreibt unter dem 6 Februar: Zu dem morgigen Feste im Haag, an welchem Ihre Majestät die Königin Wilhelmina der Niederlande einem deutschen Fürstensohn die Hand zum Lebensbunde reicht, werden aus allen Gauen unseres Vaterlandes herzliche Segenswünsche dem erlauchten Hochzeitspaar entgegengebracht. Mit dem niederländischen Volke vereinigt sich die deutsche Nation in der frohen Zuversicht, daß aus dieser Verbindung ein reiche« und ungetrübtes Glück für die Neuvermählten wie für die Staaten erblühen wird, über welche die unmuthige und edle Erbin des Hauses Ddluien zu herrschen berufen ist. Möge der aus inniger Zuneigung geschlossene Bund auch zu einem Wahrzeichen werden für die wachsende Freundschaft zweier Völker, die bestimmt sind, in bester Nachbarschaft und in wechselseitiger Achtung ihrer Eigenart neben einander zu leben.
Der Reichstag setzte am Mittwoch bei leerem Hause die Berathung des Antrages des Abgeordnete» Wassermann über die Aufhebung der Theater-Zensur fort. Die Verhandlung wurde schließlich vertagt. Es scheint, als ob f^t alles ungebührlich in die Länge gezogen werden sollte. Am Donnerstage wurde der Etat weiter berathen.
Die Erkenntniß von der Nothwendigkeit, die [ a n b • m i r t h s ch a f t l i ch e n Zölle bei den nächsten Handels- Verträgen zu erhöhen, bricht sich immer mehr Bahn. Fast jeder Tag bringt Kundgebungen des deutschen Volkes, die für unsere Landwirthschaft einem wirksamern Zoll
schutz als bisher gegen den erdrückenden Wettbewerb des Auslandes das Wort reden. Sogar demokratische Kreise sind von dieser Bewegung erfaßt. Bezeichnend ist es, daß neulich in der württembergischen Kammer sechs An» Hänger der süddeutschen Volkspartei mit für einen Antrag auf Erhöhung der Getreidezölle gestimmt haben. Einer von ihnen, der Abgeordnete Rath, führte im Namen seiner Freunde von der Volkspartei aus, er glaube, daß auch die kleinen Landwirthe einen Nutzen von der Erhöhung der Getreidezölle haben. Auf der Alp seien sogar die Handwerker für die Erhöhung. Die Frucht- preise seien so niedrig, daß das Brot auch durch die Zoll-Erhöhung nicht namhaft vertheuert würde. Man habe auch daran zu denken, daß der Landwirth das, was er mehr verdiene, an feine Arbeiter auszugeben habe. So gut wie der Industrie müsse ein Schutz auch der Landwirthschaft zu theil werden. Jeder einzelne sollte für die Existenzfähigkeit der Landwirthe eintreten. Diese Worte berühren wohlthuend gegenüber dem Geschrei der Freihändler von den Brotverlheurern und Arbeiterfeinden und treffen auch den Kern der Sache. Den Vorwurf, Brotvertheurer zu sein, können die Befürworter einer Erhöhung der Getreidezölle ruhig hinnehmen in der Ueberzeugung, daß der Preis der Lebensmittel, insbesondere der des Brotgetreides von andern Umständen beeinflußt wird, als von der Höhe des jeweiligen Zolls. Ein Rückblick auf die Bewegung der Getreidepreise bestätigt das. In der zollfreien Zeit betrug der Roggenpreis 198 Mark im Jahre 1874 und 153 Mark im Jahre 1878. Nach der Einführung des Zolles von einer Mark stieg der Preis von 144 Mark im Jahre 1879 auf 202 Mark im Jahre 1881. Daß diese Steigerung um 58 Mark dem 1 Mark-Zoll zuzuschreiben sei, wird sicher niemand behaupten, umso weniger als unter demselben Zoll der Preis im Jahre 1882 auf 161 Mark und im Jahre 1883 sogar auf 147 Mark fiel. Nun wurde der Zoll auf 3 Mark erhöht. Was geschah? Nicht das, was nach der Anschauung der Freihändler hätte eintreten müssen, nämlich eine Steigerung der Getreidepreise, sondern der Preis sank trotz der Zoll-Erhöhung bir auf 125 Mark im Jahre 1887. Auch für die Zeit, wo die weitere Zoll-Erhöhung um 2 Mark auf 5 Mark folgte, und dann eine Ermäßigung auf 3,5 Mark eintrat, läßt sich nachweisen, daß die Wirkung des Zolls auf den Preis des Getreides, des Mehls und in letzter Linie des Brotes verschwindet gegenüber dem Ausfall der Ernte, dem Angebot und der Nachfrage und der Höhe der Frachten. Auch über den Vorwurf der Arbeiter-Feindlichkeit sind die Verfechter eines höher» Getreidezolls erhaben. Daß die Bewegung bet Löhne von den Getreidepreisen unabhängig ist, beweist wohl am besten die Thatsache, daß die Getreidepreise in den letzten 30 Jahren, wenn auch unter erheblichen Schwankungen, gefallen, die Löhne dagegen in die Höhe gegangen sind. Anderseits läßt sich die Wahrheit nicht aus der Welt schaffen, die in dem Worte liegt: Hat der Bauer Geld, hat's die ganze Welt. Für Handel und Industrie und damit auch für die Arbeiter ist es von der größten Bedeutung, daß die landwirthschaftliche Bevölkerung, die etwa die Hälfte in Deutschland ausmacht, Verbrauchs- und kauffähig bleibt. In der Landwirthschaft liegt eines der Hauptgebiete des inländischen Marktes, und dieser ist der feste Nährboden, aus dem Handel und Wandel die großartige Stellung erreichen konnten, deren sie sich erfreuen und die sie be- fähigt, nach allen Welttheilen die Erzeugnisse des deutschen Gewerbefleißes auszuführen, nicht in letzter Linie zum Wohle der Arbeiter. Daß die Freihändler im Kampfe gegen diese Grundwahrheiten keinen Erfolg erringen können, liegt in der Natur der Sache. Ihr Geschrei von Brolwucher und Arbeiterfeinden macht keinen Eindruck auf denkende Leute.
Wie der preußische LandwirthschaftS-Minister in der Sitzung des Landes Oekonomie-Kollegiums mittheilte, ist das gesetzgeberische Vorgehen gegen den Kontrakt- brnch bei ländlichen Arbeitern soweit fortgeschritten, daß ein hierauf bezüglicher Gesetz-Entwurf bereits demStaatsminifterium zurBeschlußsassung vorliegt.