nicht noch tiefer erschütterthat, ernste Besorgniß. Doch bte Theilnahme, die Sr. Majestät dem Kaiser und König vom deutschen Volke in diesen Tagen der Trauer entgegengebracht wird, läßt heute die Glückwünsche für den er- habenen Herrscher um so tiefer und inniger aus Aller Herzen kommen. Wir danken dem Monarchen, daß er auch im Laufe des heute für ihn abgeschlossenen Lebensjahres mit Kraft und Weisheit über den Geschicken des Reiches gewacht hat, daß er auch in diesem Zeitraume bedacht war, Deutschlands Wohlfahrt nach innen und außen fortzuentwickeln, und daß er den mannigfaltigen, von Jahr zu Jahr anwachsenden Interessen des Deutschen Reiches und Volkes unermüdlich feine thatkräftige Fürsorge zuwendet. Möge es Seiner Majestät vergönnt fein, zum Heil Deutschlands noch viele, viele Jahre das Szepter in fester Gesundheit zu führen, zur Seile seiner erlauchten Gemahlin, in der Mitte seiner blühenden Kinder und getragen von der Bewunderung und Liebe des Volkes!
Der Reichstag überwiesam Freitag die Vorlage, betreffend Pensions- und Relikten-Versorgung der Chinakämpfer, an die Budgetkommission. — Die Vorlage hat aber noch eine weit über ihren eigentlichen Zweck hinaus- reichende Bedeutung empfangen. Die Begründung für die Befferstellung der Theilnehmer der ostasiatischen Expedition und ihrer Hinterbliebenen war nicht anders möglich als unter Bezugnahme auf die Unzulänglichkeit der Vorsorge, welche das Militär-Pensions-Gesetz trifft. Die unzureichende Lage unserer KriegS-Jnvaliden mußte sonach bei dieser Gelegenheit wieder in helles Licht tr 'en, und es war vorauSzusehen, daß die Klagen hierüber im Reichstage ein erneutes lebhaftes Echo finde' würden. Allen derartigen Klagen wurde jedoch bird) eine bedeutungsvolle Erklärung des Reichskanzlers Grafen von Bülow der Boden entzogen. Gras von Bülow er- kannte die bisherigen Mißstände anf dem Gebiete der Jnvaliden-Versorgung unumwunden an und versprach, noch in der laufenden Tagung eine Gleichmäßigkeit in der Versorgung der Invaliden und Hinterbliebenen aus sämmtlichen Feldzügen her^rzusühren. Durch diese Erklärung ist ein Grund znr Mißstimmung weiter Volkskreise beseitigt und dem allgemeinen nationalen Empfinden ein werthvolles Zur-ständniß gemacht worden. Der Reichskanzler Graf von Bülow aber hat aufs neue bewiesen, daß er allen berechtigten Forderungen der Zeit mit thatkräftigem Handeln zu genügen und die schwierigste, aber auch Höchste staatSmännische Aufgabe der Herstellung eines einheitlichen Zusammenwirkens von Volk und Re- gien''>g meisterhaft zu lösen weiß. — Am Sonnabend wuroe die Berathung des Etats des Innern fortgesetzt.
Zur Feier des Geburtstage des Kaisers werden die am 27. Januar üblichen Festmahle des Reichskanzlers, der Staatsminister und Staatssekretäre erst nach der Beisetzung der Königin Viktoria von England stattfinden und zwar am 3. Februar. Dar Gleiche gilt von den Festeffen, die von den deutschen Vertretern im Auslande zu Kaisers Geburtstag gegeben zu werden pflegen; die deutschen Vertreter im Auslande können aber nach Bestimmung des Kaisers an patriotischen Veranstaltungen zum 27. Januar theilnehmen, sofern diese ohne Musik abgehalten werden.
Auf kaiserlichen Befehl soll eine Anzahl der in Dienst befindlichen Schiffe (I. Division des I. Geschwaders, Küstenpanzerschiff „Hagen", event. Kreuzer „Viktoria Luise" und einige Torpedoboote) nach England abgehen, um an einer großen Flottenparade theilzunehmen. Die Parade findet anläßlich der Beisetzung der Königin Viktoria am 2. Februar auf der Rhede von Spithcad statt. Se. Königl. Hoheit Prinz Heinrich von Preußen ist zum Befehlshaber dieser Flotte ernannt worden. Die Küstenpanzer „Odin" und „Hagen" haben, wie die „Kieler Zeitung" meldet, telegraphische Ordre erhalten, sofort von Danzig nach Kiel zu kommen.
Widerhall in meinem Herzen. Es liegt doch unverkennbar ein verwandter Zug in unserm beiderseitigen Empfinden, Dora."
Ach, Nesthäkchen, war weißt du von Empfinden, du bist ja noch ein Kind," lachte Dora.
Ihre Brust hob sich unter einem tiefen, vollen Atemzüge. Zum erstenmale in'.ihrem Leben fühlte sie das Verlangen, Dagmar geistig näher zu treten, sich auszusprechen, wie es zwischen jungen Mädchen, Freundinnen und Schwestern so gerne geschieht. Und Dagmar war auch eigentlich kein Kind mehr, sie schaute so ernst und verständig mit den großen Augen in die Welt.
»Gehen wir weiter," sagte Dora, sich umwendend, dabei begegnete ihr Blick sekundenlang dem des Verwalters ihres Vaters.
Erich Wald schritt, die dunkelblaue Tuchmütze höflichst vor den Töchtern seines Prinzipals ziehend, vorüber, Villa Veilchen, der kleinen Restauration auf der Hapsalschen Promenade, zu.
„Ich glaube," sagte Dora, empört die Spitze ihres Sonnenschirms in den Sand der Weges stoßend, „der Mensch nimmt es sich heraus, hier auf der Promenade eine Hummermayonaise zu effen.
„Aber Dora," rief Dagmar belustigt, „mißgönnst du ihm das sogar? Weil er ein einfacher Verwalter ist, den weiß Gott welche Verhältnisse gezwungen, eine dienende Stellung zu bekleiden, braucht er deshalb noch nicht seinen Brotsack mitzunehmen, wie unser Kutscher und Stallknecht."
„Natürlich, du nimmst wieder Partei für ihn, komm' Mr wollen schnell weitergehen."
Nach einer Kundgebung der Reichsregierung steht weder über den Zeitpunkt noch über den Umfang der nächsten Reichsanleihe etwas fest. Von der Begebung der Anleihe in England oder Amerika sei nicht die Rede.
Mit Bezug auf die Beförderung landwirth- schaftlicher Arbeiter hat der Minister her öffent- lichen Arbeiten anläßlich eines Spezialfalles dahin entschieden, daß ein durch die Gewährung von Fahrpreis- Ermäßigungen zu unterstützendes öffentliches Interesse dann nicht vorliegt, wenn deutsche Arbeiter außerhalb des deutschen Reiches Arbeit nehmen und nach deren Beendigung aus dem Auslande wieder in die Heimath zurückkehren oder wenn ausländische Arbeiter sich lediglich auf der Durchreise durch Deutschland befinden.
Laut einem Telegramm aus London vom Freitag ist es nunmehr entschieden, daß die Leiche der Königin Viktoria in der Nacht von Freitag, den 1. Februar, auf der Dacht „Alberta" in PortSmouth verbleibt und am Sonnabend, den 2. Februar, nach London und von dort nach Windsor gebracht werden wird, und daß an dem- felben Tage die Beisetzung in Frogmore stattfindet.
Im englischen Parlamente ist die Botschaft des Königs Eduard VII. verlesen worden. In derselben heißt es, der König sei fest überzeugt, das Land werde an fein°'ä ,<oweren Verluste Antheil nehmen, und das Wi'ren der verewigten Königin für die Wohlfahrt des Landes und ihres Volkes sowie ihre weise Regierung werde bei den Unterthanen des britischen Reiches immer in dankbarer Erinnerung bleiben. Oberhaus und Unterhaus beschlossen darnach Adressen, in welchen sie ihrer tiefen Trauer über den Tod der Königin Viktoria Ausdruck geben, dem neuen Monarchen ihre Glückwünsche darbringen und gleichzeitig Ergebenheit versprechen.
Ar tog in Südafrifa.
Die Buren haben die Gruben von Johannesburg zum Theil zerstört, — das ist die neueste, wichtigste Nachricht aus Südafrika ! In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag ist es geschehen! erst gestern früh ist dem Sekretär der „Rand Electric Works" die Kabelmeldung zugegangen; und erst gestern Abend wurde die Meldung von dort weiter verbreitet! „Drei Dynamomaschinen wurden durch Dynamit beträchtlich beschädigt. Der Ge- sammtschaden, den die Anlage erlitten hat, ist noch nicht genau bekannt. Kessel, Kondensatoren, Transformatoren, Vorräthe und Gebäude sind nicht beschädigt worden. Der Betrieb mußte eingestellt werden. Von den Angestellten ist keiner verletzt worden." Der Plan, die Gruben zu zerstören, hat sehr lange bestanden, und zwar nur, um eben den ganzen Bergwerksbetrieb, der schließlich die Hauptschuld am Kriege trug, lahm zu legen.
Im Zusammenhang der militärischen Ereignisse ist diese Zerstörung der Gruben ein glänzender Beweis dafür, wie wenig die Engländer im stände sind, selbst im Centrum ihrer Stellungen den Feind genügend zurück- zuweisen. Auf nähere Nachrichten darüber kann man gespannt sein.
Freilich, Kitchener spricht zur Zeit nicht gern. Ueber« dies hat der Lord selber noch in diesen Tagen eine Ueber- raschung durch die Buren erlebt. Der Draht meldet:
Pretoria, 24. Januar. Gestern ging ein Eisenbahnzug mit Kitchener und einer Anzahl Truppen in der Richtung auf Middelburg ab. Eine Panzerlokomotive, die diesem Zug vorausfuhr, wurde in der Nähe von Balmoral durch Dynamit zum Entgleisen gebracht. Der Zug kam bald darauf an diesem Orte an, wo zahlreiche Buren erschienen und das Feuer eröffneten. Die englischen Truppen nahmen sofort Stellung in der Nachbar» schaft und vertrieben, nachdem auch sie zu feuern begannen, den Feind, der Verluste hatte; die Engländer kamen ohne Verluste davon.
Sie schritten schweigend in rascherem Tempo dem unbelebteren Theile der Promenade zu.
„Wie lautete das alte Lied, Dagmar, an welches du vorhin dachtest?" fragte Dora nach einigen Minuten, „kennst du es auswendig?"
„Ja es gefiel mir so sehr, und da sagte ich es mir so lange vor, bis ich es behielt."
Und Dagmar begann mit halblauter Stimme:
„Ich hörte von falscher Liebesmär,
Die ein Mund mir einmal entbot:
Ich kenne die Lieb', und ich weiß, ich wär, Wenn ich liebte, getreu bis zum Tod.
Und hörte von Lieb', die keck in der Lust, Doch feig in Leid und Noth,
Ich kenne die Lieb', und ich fühl'S in der Brust, Kühn muß sie fein bis zum Tod.
Und ich hörte, die Lieb' fei an brandendem Riff
Ein armes verlassenes Boot,
Ich kenne die Lieb' und ich würde ihr Schiff Behüten getreu bis zum Tod.
Und ich hörte, die Lieb' fei sanft und mild,
Wie dämmerndes Abendrot,
Ich kenne die Lieb', und es ist mir wild, Wild muß sie sein bis zum Tod.
Wie Sturm muß sie fein und Meeresflut,
Ihr Flammen wie Fackelrot,
Ihr Atem heiß wie des Samums Glut,
So erbarmungslos wie der Tod."
Dagmar hatte bei den letzten Worten unwillkürlich ihre Stimme erhoben, nun, wo sie schwieg, vernahm
Kimb erley, 25. Januar. Ein Güterzug A, Kriegsvorräthen für die nordwärts von hier fiewQ Truppen ist heute Morgen von den Buren meggenoni worden. Diese hatten einen kleinen Posten DTpi Füsiliere gefangen genommen und dann, im Hinlei u> liegend, den Zug genommen. Dem Führer eines M $ Zuges gelang es, mit seinem Zuge unbeschädigt ei hier zurückzukehren. Zur Verfolgung des weggenomm gi Zuges wurde alsbald ein gepanzerter Zug mit 200 M n Infanterie abgelassen.
Kapstadt, 26. Jan. 20 neuangeworbene Polis bi haben sich am 21. d. Mts. den Buren in Devondaü geben, ohne den geringsten Widerstand zu leisten. ä1
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Aus Wn; iliiil RllWllrzedltt. ;
* (Personal-Chronik.) Ernannt: der 5 b rendar Franz zum Gerichsassessor, der Pfarrer Ster t Kirchbracht zum Pfarrer zu Marköbel, die außeror! f lichen Pfarrer Kienzler und Humburg zu Psarrgeb < des Metropolitans von Starck zu Bergen bezw < Pfarrers Metz zu Herrenbreitungen, der Referendar Ö < zu Gaffel zum Regierungs-Referendar. Beauftragte i außerordentliche Pfarrer Krüger mit Versetzung k. Pfarrei Binsförttz. Ausgeschieden: der Amtsrik Schröder zu Bischhausen aus dem Zivil-Justizdiei: • Folge seiner Ernennung zum Kriegsgerichtsrath, lassen: der Gerichtsassessor Appel aus dem Justizdi in Folge seiner Zulassung zur Rechtsanwaltschast. : sionirt: der Kanzlist bei dem Oberlandesgericht, Kai sekretär Gries zu Cassel.
* Die Mainzer Handelskammer hall einer Eingabe an das Reichs-Postamt vor einiger die Einführung von „nicht ei n g e f ch r i e b e Briefen mit Empfangsschein" gesoi Staatssekretär v. Podbielski hat jedoch das abschlägig beschieden. In der betreffenden Versüß heißt es, es könne ein Bedürfniß zur Einführung j neuen Art der Briefbestellung nicht anerkannt wet und zwar lediglich mit Rücksicht darauf, daß die L Postverwaltung schon jetzt dem Publikum eine dop Gelegenheit biete, gegen minimale Gebühren die! händigung von Briesen amtlich feststellen zu lassen. H beiden Wege sind bekanntlich das Einschreibs- und postamtliche Zustellungsverfahren.
* (E i n n e u e r S ch ä d l i n g.) In der neuß Nummer des praktischen Rathgebers berichtet FrH von Schilling über ein von ihm neu entdecktes 36 welches oft in Gemeinschaft mit der ähnlichen Blut auf Apfelbäumen und den verschiedensten Kulturpflad selbst auf den Kamelien im Zimmer vorkommt. Ei zeichnet diesen Schädling, den er in den verschied Lebensstadien genau abbildet, als strolchende Woll» laus: Dactylopius vagabundus. Dieser kleine; L bund richtet, wie berichtet wird, mit seinem Sau« den er in die Pflanzenhaut senkt, zuweilen recht be ‘ lichen Schaden an. Gartenfreunde, die die Kenntn auf ihren Lieblingen vorkommenden Schmarotzer bete: wollen, können die betreffende Nummer des praktischen' gebers vom Geschästsamt in Frankfurt a. O. kost erhalten.
88 HerSfeld, 25. Januar. Die infolge Ausloi für den 1. März b. I. gekündigten Schuldvers chre ungen der Landeskreditkasse werden schon zum Nennwerth mit Zinsen bis zum Zahlungstag; den Landesrentereien und Bankgeschäften gegen ! ober gegen 31/2 °/0 bezw. 4 °/oige Schuldverschreilm eingelöst.
) ( Hersfeld, 26. Januar. In der am 22. b. im Rathhaussaale stattgesundenen General-L; fammlung des Vereins gegen Verarmung« Bettelei kam zunächst die Rechnung über Einnch und Ausgabe vom Jahre 1900 zum Vortrag. Aus
man Sekunden lang nur das leise Plätschern der # den Kai anflutenden Wellen.
Dann wiederholte Dora in seltsam zitterndem 2 „So erbarmungslos wie der Tod!" Plötzlich lacht hell aus: „Unsinn, Dagmar, olle Liebe ist Unsinn, du, kaum flügge gewordenes Nesthäkchen, solltest diH nicht mit solchen mondscheinartigen Versen beschäfU die verwirren nur Kopf und Herz."
„Mondscheinartig? Nein Dora, es spricht solch Kraft, solch ein Feuer aus den Strophen, und ich!i mir, du wärest im stände, einmal so zu lieben, ! heiß, wild, unbändig wie die stürmende See!"
„Gott behüte mich davor! Kind, was fällt dir - Nein, mit den Jahren werde ich das ursprüngliS; mir schlummernde Phlegma überhand nehmen lassen, G einen steinreichen Mann heiraten, ohne Liebe natH reich muß er aber sein und vornehm, meinetwegen mit Podagra behaftete Excellenz — und dann werd^ mir alle Mühe geben, ebenso entsetzlich steif und H weilig auszusehen, wie unsere Ehefrauen auf den 2161 bildern. Nun aber komm, ich mag nicht an Villa Veit vorüber. Dem Menschen könnte es am Ende einf> uns auf der Promenade anzureden. Die Tanten W auf ihrer Veranda auch gewiß schon mit dem W auf uns, und wir erhalten sicher eine Strafpredigt ’ unser langes Umherstreifen."
(Fortsetzung folgt.) ^
— Berlin, 26. Januar. Die Mittelde»E Creditbank ist durch betrügerische Handlungen der Vorsteher der Wechselstube in der Tauentzienstraße ' den Betrag von 180—200000 Mark geschädigt n-o^