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Gratirbeilagen:Illustrkrtes -snnta-rblatt" «.3Hwfttirt< lan-wiVthschaftlkche Vettage.

Iomtrßaz in 17. Januar

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen |gnuftrkte§ Sonntagsblatt" -n» Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für das erste Ouartal 1901 werden von allen Kaiserlichen Poftanftalten, Landbriefträaern und von der Expedition angenommen.

Zum 200 jährigen Gedenktage des Königreichs Preußen.

; Am 18. Januar 1901 feiert da» Königreich Preußen seinen zweihundertjährigen Gedenktag. Tiefer Tag lenkt den Blick zurück auf die nähern geschichtlichen Begebenheiten und Umstände, unter denen einst die Erhebung de« Kur- fürstentums Brandenburg zum Königreich Preußen sich vollzog.

? Friedrich Wilhelm der große Kurfürst hinterließ seinem Sohne Friedrich III. ein wohlgeordnete«, blühende» Staatswesen. Kurfürst Friedrich III. trat die Regierung mit den edelsten Absichten an. Sein höchste» Bestreben ging dahin, das überkommene Ansehen des branden- burgischen Kurstaates nach Möglichkeit zu vermehren; er trachtete nach der Königskrone. Gerade damal» war eine Reihe anderer Fürstenhäuser mit neuen Ehren und neuer Machtsülle bedacht worden. Kurfürst August II. von Sachsen war 1697 zum Könige von Polen gewählt worden, Kurfürst Georg von Hannover hatte Aussicht, König von England zu werden, und auch der Kurfürst von Bayern strebte nach neuen Ländern und Kronen, sollte denn Brandenburg allein zurückbleiben in dem un­ruhigen Vorwärtsdrängen der deutschen Fürsten? Aber zum Erwerbe der Königskrone bedurfte es der Zustimmung des deutschen Kaisers. Diese war nur dadurch zu er­langen, daß Brandenburg sich verpflichtete, die Erbfolge- Ansprüche des kaiserlich-österreichischen Hauses auf Spanien zu unterstützen. So wurde also von Friedrich III. im spanischen Erbfolgekriege den Habsburger» ein Hilfskorps gestellt, und infolgedessen gab der Kaiser seine Ein­willigung zur Annahme des preußischen Königtitels.

Entsprechend der Bedeutung der Ereignisses wurde

I Endlich gefunden.

Roman von Hedda von Schmid.

(Fortsetzung.)

' Der Nachtwächter Kustas hatte ein Menschenleben gerettet, denn ohne sein Hinzukommen wäre Dagmar Nord- lingen, Landraths Nesthäkchen, im Schneetreiben, im scharfen Nordost unfehlbar erfroren. Freilich, Osmann, der spitzmäulige Hühnerhund, der im Winter den alten Kustas auf seinem nächtlichen Patroullieren begleitete, hatte auch kein geringes Verdienst beim Auffinden der kleinen Verunglückten.

Eine halbe Stunde nach dem eben geschilderten Vor­fall hatte Reginald einen Boten, der Auskunft über Dag- Mars Verbleib ertheilen sollte, nach Treuenhoff abgefer­tigt, und am Bette des Kindes saß Ruth und flößte Dagmar Kamillenthee ein.

Dagmars Wangen hatten sich wieder mit Farbe be­deckt, aber matt und kraftlos ruhte die kleine, zarte Ge- statt in den Kissen des altmodischen, geschnitzten Bette«. Wie Fremdenzimmer auf Schloß Kceutz waren mit gut Verhaltenen, werthvollfn Möbeln, die noch au» dem vorigen LJahrhundert stammten, ausgestattet.

Ruth stellte die geleerte Theetasse auf den Betttisch neben sich.

Nun sag' mir um alles in der Welt, Dagmar, wie kamst du zu unsern Kornscheunen?"

»Ueber die Bucht," erklang e« au« den Kiffen.

die Feier der Erhebung Brandenburg - Preußens zum Königreiche mit großem Glänze vollzogen. Bereits am 15. Januar ward zu Königsberg unter dem Geläute der Glocken und dem Donner der Geschütze, in pomphaftem Aufzuge, die feierlichePublikation" verlesen, welche kundgab, daßdiese» bisher gewesene souveräne Herzog- thum Preußen zu einem Königreich ausgerichtet" werde. Am Sonntag, dem 16. Januar, wurde alsdann von allen Kanzeln der göttliche BeistandzumbevorstehendenKrönungs- feste erbeten, und am 17. Januar stiftete Friedrich III. denHohen Orden vom Schwarzen Adler," der den WahlspruchJedem da» Seine" trägt. Der 18. Januar aber war der Tag des Krönungs-Aktes selber. Im Audienzsaal setzte sich Friedrich III. eigenhändig die königliche Krone aufs Haupt, um damit symbolisch an« zudeuten, daß kein weltlicher oder geistlicher Oberer sie ihm gegeben, daß er sie vielmehr nach eigenem Willen und au» eigener Macht nehme und trage. Hierauf be- gab sich der König im neuen Ornat in die Gemächer der Königin, um ihr ebenfalls die Krone aufzusetzen. In feierlichem Aufzuge ging da» Königspaar alebann vom Schlöffe nach der Schloßkirche, wo zwei eigen» vom Könige zu evangelischen Bischöfen ernannte Geistliche, ein lutherischer und ein reformierter, die Salbung voll­zogen. Eine Reihe weiterer Festlichkeiten folgte diesem hochbedeutsamen Akte; auch wurden vom Könige zu dlei- bendem Gedächtniß neue Armenhäuser und Spitäler ge­gründet, sowie reiche Gnaden-Geschenke ausgetheilt. Den Abschluß aller Feierlichkeiten bildete endlich der festliche Einzug, den da» Königspaar am 6. März 1701 in Ber­lin hielt.

So war der große Schritt vollendet. Der branden- burgische Staat nahm von nun an alsKönigreich Preußen" nicht nur seiner thatsächlichen Macht, sondern auch seinem Namen und Titel nach die ihm gebührende achtunggebietende und selbstständige Stellung unter den Mächten ein, die er in glorreicher Weiterentwickelung bis auf den heutige« Tag sich erhalten hat und mit Gottes Hilfe auch für alle Zukunft bewahren wird, zu Gesammt- Deutschlands Heil und Ehre.

Steinig Zehn Kaiser «eh Reich.

18. Januar.

An demselben Tage, wo vor zweihundert Jahren das Samenkorn gelegt wurde, da» den Stamm des preußischen Königthum» zu seiner heutigen Pracht gedeihen ließ, sind

Was bei dem Schneetreiben, und allein? Rein, es ist geradezu unglaublich!

Ruth schlug entsetzt die Hände zusammen.

Ich kannte ja genau die Richtung, und Jucko ist ein gutes, schnelles Pferd. Als ich aus Treuenhoff aus» fuhr, ich ließ ganz heimlich anspannen, war es noch ziem­lich hell, ich glaubte auch, schneller fahren zu können, aber der Schnee liegt so hoch, ich kam nur langsam weiter, endlich sah ich hier die Lichter, schon war ich bei der Kornscheune, ich war so froh darüber, denn meine Hände froren so sehr, da blieb der Schlitten in einer Schneewehe stecken, fiel um, und ich flog in den Schnee, mein Kops schlug gegen die Schlittenlehnen, die Stirn thut mir noch oben weh, morgen werde ich wahrschein­lich einen blauen Fleck dort haben."

Du sollst gleich einen Umschlag bekommen, Dag­mar."

Was weiter mit mir geschah," fuhr Dagmar fort, davon weiß ich nicht», ich wachte ja erst hier bei euch auf. Jucko ist wahrscheinlich nach Hause gelaufen, bas dumme Thier, ich werde ihm auch niemals mehr Zucker in den Stall bringen."

Aber Dagmar," sagte Ruth tadelnd,wie konntest du nur eine so unbesonnene Fahrt unternehmen und weshalb?"

Dagmar richtete sich mit einem Ruck in den Kiffen empor.

Weshalb ? Weil Mama von Onkel Reginald einen Brief bekommen, in welchem steht, daß er morgen ver­

dreißig Jahre deutscher Reichsgeschichte verflossen, auf deren erster Seite der leuchtende^SchlußsteinZeine-Eglor- reichen Kriege», die Kaiser-Proklamation vom 18. Januar 1871, verzeichnet steht. Daß der 18. JanuarIauch^zum Wiegenfest bee wiedererstandenen deutschen Kaiserreich» gemacht wurde, lag in der geschichtlichen Bedeutung diese» Tage» begründet: Das Preußen der Hohenzollern war allein imstande, die Grundlage für die Einigung der deutschen Volksstämme zu einem höheren Staatsleben zu legen. Ehe preußischer Staatsgeist dar Gemeingut der Deutschen geworden war, rieb sich die Ration in end­losem Hader aus; sie bot das Bild tiefster politischer und wirthschaftlicher Ohnmacht.

Seit 30 Jahren ist e» gottlob! anders. Erfüllt war am 18. Januar 1871 das Sehnen und Ringen, das au« den heißen Kämpfen der Befreiungs-Kriege unbefriedigt hervorgegangen. Diekaiserlose, die schreckliche Zeit" war vorüber,ein Herrscher wieder auf Erden".UBus der Wahlstatt von Sedan hotten die deutschen Heer- schaaren den Kaiser gekürt, seitdem hatten die deutschen Fürsten und freien Städte im Verein mit der staatsklugen Mäßigung des großen-Kanzlers die Formen gefunden und gebilligt, unter denen die Kaiserwürde zeitgemäß wieder aufleben konnte. Unter dem Vorantritt de« König» von Bayern boten sie dem ruhmgekrönten könig, lieben Führer im Silberhaare die Kaiserkrone. König Wilhelm nahm sie an, nicht al» Gegenstand eine» persön­lichen Ehrgeizes, sondern in. der Erfüllung der Pflicht des Königs von Preußen gegen da» gemeinsame Vater­land. Huldigend senkten sich am 18. Januar im Versailler Schlöffe vor dem Kaiser die Fahnen, die bei Sedan den Oberfeldherrn der deutschen Heere mit mächtigem Siegesräuschen umweht hatten.

Wahrlich, ein Ausgang, wie die kühnste Poesie ihn nicht größer und hoheitSvoller hätte ersinnen können! Im tiefsten Frieden übermütig herausgefordert, dennoch ungern und zögernd zum Schwerte greifend, war König Wilhelm an der Spitze des zu Schutz und Trutz ver­einten Deutschland von Sieg zu Sieg geeilt, und während die deutschen Stämme im Feind»»lande weltgeschichtliche Schlachten schlugen, wachten treue und scharfe Augen, sorgte eine feste Hand, daß die Feder nicht verdarb, was das Schwert gewann.

Die Wiege des Reiches umstand eine Schaar gigantischer Gestalten, wie die Weltgeschichte deren nicht viele gesehen hat: der hochbetagte König, der Kronprinz, Birmarck, Rooy und Moltke, die Heerführer Friedrich

reisen und wahrscheinlich lange fortbleiben werde. Ohne Abschied wollte Onkel Reginald fortgehen, ich sollte ihm nicht Lebewohl sagen können. Siehst du, Ruth, da» konnte ich nicht ertragen, denn du weist gar nicht, wie lieb ich ihn habe. Er hat mir ja das Leben gerettet, im Sommer zog er mich aus unserem Teich. Ich hatte dort allein rudern wollen, und war kopfüber aus dem Boot gefallen. Onkel Reginald kam zufällig an der Parkmauer vorübergeritten, ich schrie laut auf, ehe da» Wasser über mir zusammenschlug; Onkel Reginald ließ sein Pferd über die Mauer setzen und dann rettete er mich, dafür habe ich ihn furchtbar lieb und, und" Dagmar schluckte augenscheinlich an aufsteigenden Thränen, ich bin so traurig, daß er nun fort geht und auf so lange. Wenn er bei uns war, hat er mich ja nicht be- achtet und bemerkt, ich bin ja ein Kind, und Mama liebt e» nicht, wenn ich viel im Salon bei den Erwachsenen bin. Mama liebt mich überhaupt nicht," fügte Dagmar mit der manchen, viel sich selbst überlassenen Kindern eigenen altklugen Bestimmtheit hinzu,schüttele nicht den Kopf, Ruth, ich weiß es ganz genau. Meine alte Wärterin hat mir einmal gesagt, ich sei Schuld daran, daß Mama so oft krank ist und soviel auf der Chaise­longue liegen muß; ich kann j« nichts dafür, ich wollte, Mama wäre immer gesund."

Dagmar faltete hilflos ihre kleinen braunen Hände unter der seidenen Steppdecke. Ruth blickte gerührt auf die schmächtige Gestalt des zwölfjährigen Mädchen». Ihr war«, als lerne sie Dagmar Noralingen eben erst krnneu.