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GraLirbeilagen: „Iürrftrirtes Ssnntagsblatt" «. „IlluftriVte landwirthschaftliche Vettage
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Zweites Blatt.
Endlich gefuirden.
Roman von H e d d a von S ch m i d.
(Fortsetzung.)
Ein schneidendes Weh durchzuckt Reginald.---- - Sollte er dabei stehen und zuschauen, wie Ewald Nord- ^ singen sein errungenes Kleinod zum Altar führt? Nimmermehr! Er will fort in die Fremde, auf Reisen k und erst dann will er heimkehren, wenn er den Ver« 1 Hältnissen vollkommen ruhig entgegentreten kann. Und K sollte er Jahre hindurch der Heimath fernbleiben, er S kann nicht anders---bis in da« tiefste Herz ist er S verwundet, die Wunde muß ausbluten, wenn sie sich je |$ schließen soll.
Aber Ruth, seine kleine herzige Schwester, soll er sie Ä verlassen?
Es hilft nichts, sie muß zur Großtante nach Reval; • sie muß sowieso bald in die Welt eingeführt werden. Die einförmige ländliche Einsamkeit taugt nicht für ein i so junges und schönes Geschöpf.
Seinem alten, bewährten GutSverwalter schenkte Re- ' ginaid volles Vertrauen, auch würde er sich über alle Vorkommnisse auf den Gütern schriftlich Bericht erstatten lassen und aus diese Weise auch in der Ferne alle» im Auge behalten.
Ja, es war am besten, wenn er je eher, desto lieber aus Reisen ginge. Vielleicht fand er auch in der Welt draußen seinen verschollenen Bruder . . .
Arme Mutter im Himmel droben, deine Gebete haben - deine Söhne nicht vor hartem Geschick zu bewahren vermocht ; beider Zukunft, beider Glück ist gescheitert an dem - verlockenden Lächeln eines Weibe».
Es ist eine alte Wahrheit: Wenn der Mensch vom Menschen nicht das empfängt, wonach ihn verlangt, was 'hn beglückt, wenn sein Herz durch ein anderes Herz verwundet wird, dann wirft er sich, Trost und Frieden E suchend, an die Brust der allglltigen Mutter Natur, dann »vermag des Waldes Lied seinen Kummer sanft einzu- Nwiegen, dann stählt er sich im Betrachten der zügellos entfesselten Elemente gegen sein eigene« Leid, dann baut ihm eine friedlich daliegende Landschaft die Hoff- "ung auf ein endliches Wiedergewinnen der verlorenen J Ruhe.
Reginald liebte die Natur und verstand ihre Schönheit Sund Großartigkeit. Er fand im Kleinsten da« Große Wwieder, das Allgewaltige in der Schöpfung.
Er hat außer Schweden und Norwegen noch wenig vom Auslande gesehen, jetzt treibt es ihn hinaus, sein Entschluß ist gefaßt. Straff richtet er sich empor, als wolle er etwas von sich abfchülteln — es gaukelt so berauschend vor seinem innern Blick — Melitta» Bild in seiner jugendlichen Schönheit, seinem herrlichen bestrickenden Reiz.
Foit mit den Traumbildern, die ihn grausam ge« ueckt, fort mit den Gedanken an da« Mädchen, welche» SmU ihm gespielt, er ist ein Mann, der sich zu bezwingen weiß, er will, er muß vergessen.
Der Tauwind schlägt mit eiligen Schwingen gegen adie Fensterscheiben.
„Alles verrinnt, aller löst sich auf, so ertönt sein 'brausender Sang. „Eis und Schnee, Liebe und 8 Leben, nur der ewig unwandelbare Wechsel der Dinge ß besteht."
I* _ *
lieber den Reisekoffer Reginald» gebeugt stand Ruth von Kreutz. Sorgsam glätteten ihre schlanken Hände die Wäschegegenstände, welche sie in der Tiefe de« Koffer« verschwinden ließ, ab und zu fiel ein schwerer Tropfen, der ihren Augen entquollen war, mit hinab.
Reginald verläßt Schloß Kreutz morgen in der Frühe schon.
Es war eine schwere Stunde für Ruth gewesen, als
der Bruder ihr seine Absicht, auf unbestimmte Zeit ins Ausland zu gehen, mitgetheilt hatte.
„Du gehst, Reginald." hatte da« junge Mädchen mit bebenden Lippen gestammelt, „was hat dich zu diesem plötzlichen Entschluß veranlaßt, was vertreibt dich aus der Heimath? Gestern — heute noch warst du strahlend glücklich, o, ich weiß jede deiner Miene zu deuten, Diese finstere Falte zwischen deinen Brauen beängstigt mich. „Was ist geschehen, Reginald, um Gotteswillen, sprich!"
„Frage mich nicht," erwidert Reginald in gepreßtem Ton, „sorge dich nicht um mich, kleine Schwester, ich . . ."
Der klare, durchdringend auf ihn gerichtete Blick Ruth« verwirrte ihn.
Ruth« Auge schien gleichsam in seiner Seele zu lesen, er aber konnte und wollte ihr kein Geständniß ablegen, er mochte Melitta nicht der Treulosigkeit, des koketten Spiele« mit seinem Herzen anklagen, und er hätte die« ja thun müssen, wenn er den wahren Grund seiner Fortgehen« der Schwester 'offenbarte; Ruth trat zu ihm heran, und legte schmeichelnd ihren Arm um seinen Nacken.
„Mein armer Bruder," sprach sie weich, und ihre Altstimme zitterte vor innerer Erregung, du verhehlst mir, war dich bedrückt, was dich von hinnen treibt, und doch weiß ich»; der Reitknecht au« Treuenhoff, der dir vorhin eine Botschaft gebracht, hat meiner Jungfer erzählt, daß man drüben Verlobung feiere, und, o, Reginald, glaubtest du etwa, deine Wünsche, deine Hoffnungen seien für mich ein Geheimniß geblieben? Ich ahnte, daß dich die Nachricht von Melitta« Verlobung mit ihrem Vetter Ewald tief treffen würde. Jetzt jedoch sehe ich klar, Melitta in ihrer Koketterie hat dich glauben gemacht, du seiest ihr nicht gleichgiltig, sie hat dich zum Spielball .
„Halt ein, Ruth," fiel Reginald mit dumpfer Stimme der Schwester in« Wort, „schmähe, verdamme Melitta nicht, sie — tief rang e« sich au« seiner Brust empor, „sie ist unschuldig."
Niemals hätte Reginald es über sich vermocht, Melitta« Handlungsweise vor einem andern Auge aufzu- decken. Er wollte mit seinem Herzen fertig werden fern von der Heimath, und Ruth, die Festigkeit seiner Entschlusses sehend, versuchte, sich mit der ihr eigenen Willensstärke in da» Unvermeidliche zu fügen. Doch weigerte sie sich entschieden, nach Reval zu der Großtante zu ziehen. „Ich habe mich dort nie heimisch gefühlt," sagte sie, „solch ein nacheinander von unaufhörlichen Besuchen, Ausfahrten und Mittagessen, wie Tante es trotz ihres Alters liebt, ist mir unerträglich."
„Ader du kannst doch unmöglich allein hier auf dem Lande bleiben," wandle Reginald ein; wer weiß wann ich wiederkehre," fügte er leise, wie zu sich selber redend, hinzu.
Ruth zuckte zusammen.
»Ich fühle mich hier nicht einsam," sprach sie dann ruhig, aber in Reval würde ich es sein, ich würde Heimweh bekommen, glaube e> mir. Einsam werde ich e« überall haben ohne dich. Reginald weißt du," setzte sie einer plötzlichen Eingebung folgend, nimm mich mit dir auf Reisen!"
„Das ist unmöglich, mein Liebling, ich gehe in den Orient, vielleicht sogar bis in die Lybische Wüste, wo ich jagen will, und auf den Pfad eines Jäger» kann ich dich doch nicht mitnehmen. Allein ohne Schutz, ohne eine passende, ältere Gesellschaftsdame darfst du jeden» falls nicht hier bleiben, es war auch schon längst meine Absicht, eine solche für dich hierher zu bringen."
»Da trifft e» sich ganz günstig," sagte Ruth, „daß meine ehemalige Musik- und Handarbeitslehrerin in der Pension, meinen ihr gesandten Glückwunsch beantwortend, mir vor einigen Tagen schrieb und mich bat, ihr auf dem Landeeine Stelle als Gesellschafterin zu verschaffen. Sie möchte auf« Land, da ihre Gesundheit durch übermäßige« Stundengeben angegriffen sei. Fräulein Hillariu« ist eine gutmütig angelegte Natur, freilich," über Ruths
ernste Züge huschte ein flüchtiges Lächeln — etwas schwärmerisch zuweilen, doch besitzt sie vortreffliche Eigenschaften, und unsere Vorsteherin schätzte sie sehr."
„Schreibe morgen Fräulein Hillarius und bitte sie, zu dir zu kommen," entschied Reginald.
Den Rest des Abends verbrachten die Geschwister in ernstem Gespräch. Ruths Blicke ruhtenjin banger Sorge auf dem geliebten Bruder, sie wußte, daß er litt, wenn er auch bestrebt war, es ihr zu verbergen.
Ein Gefühl des bittersten Hasses gegen Melitta wallte in Ruth auf. Die blonde Schönheit mit dem Sirenen« lächeln vertrieb Reginald aus der Heimath. Sorglos und strahlend feierte sie ihre Verlobung mit dem schönen Garde-Offizier, unbekümmert, daß ein treues Herz um ihren Verlust trauerte.
„Sie hat Reginalds Liebe nicht verdient!" Ruth ballte heimlich die kleine Faust in ohnmächtigem Zorn.
(Fortsetzung folgt.)
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— Konitz, 9. Januar. Jackett, Weste und Schlips des Gymnasiasten Winter wurden im Stadtwäldchen, unweit der Stelle, bei der vor einigen Monaten der Kopf der Ermordeten gefunden wurde, von Soldaten des 14. Regiment» entdeckt. Durch Schüler wurde festgestellt, daß die Kleidungsstücke, die noch Blutflecke aufwiefen, dem Winter gehörten.
— Aur Füll bei Waldshut wird den „Bad. Rachr." folgenderfcherzhafterVorfall mitgetheilt: Einen Einwohner hatte feine Hündin durch den Wurf von fünf Jungen derart freudig überrascht, daß er nicht umhin konnte, einem Freunde in Basel von seinem Glück zu melden. In der Eile schrieb er aber in einem Briefe, daß sich seine „Familie" um fünf Sprößlinge vermehrt habe, was den Freund in Basel ein wenig mitleidig machte, denn die Fünflinge kamen ihm wohl al» zu viel des Guten vor. Ein gutes Herz hatte der Basler, deshalb sandte er seinem Freunde umgehend eine Kiste mit solgendem Inhalt: Zwei Flaschen Burgunderwein, einer Lyonerwurst und 20 Fr. für die „Kindsbetterin", außerdem bat er in einem Briese, ihm doch bald mitzutheilen, wie viel Buben und Mädchen unter den Fünfen seien. Der gütige Geber wird inzwischen wohl beruhigt worden sein.
— Daß die Indianer nicht aursterben, hatte schon vor etlichen Jahren Warben Pope, Offizier in der Armee der Vereinigten Staaten, auf Grund seiner Studien über die Rothhäute nachzuweisen gesucht. Diese Annahme findet durch die letzte Volkszählung eine Bestätigung. Diese zeigt sogar eine Vermehrung der Indianer, denn während e» 1860 im Gebiet der Vereinigten Staaten 264 000 Rothhäute gab, weist die letzte Volkszählung 331000 auf. Gleichzeitig wurde festgestellt, daß diejenigen Stämme, die am weitesten in der Civilisation vorgeschritten waren, zunehmen, wogegen die Nebligen langsam aussterben. Es ist die« sehr erklärlich, denn mit den „wild" lebenden Indianern pflegen die Amerikaner, Behörden wie Farmer, nicht viel Federlesens zu machen.
(Gedankensplitter.) Die Titel geben meistens an, was einer sein sollte. — Wenn Frauen Rätsel aufgeben, wird oft der Mann aufgelöst. — Man muß nicht immer recht behalten wollen, wenn man recht hat. — Mit Verstandesargumenten — Gegen Frauen streite nicht! — Stets bei ihnen ist'« das Herz nur, — da» sein pro und contra spricht.
(Wiedersehen macht Freude.) Köchin: „Ich möchte bitten, mir morgen Urlaub zu geben; ich möchte verreisen!" Hausfrau: „Wohin wollen Sie denn?" Köchin: „Zum Verbandstag ehemaliger Grenadiere!"
(Die sorgsame Hausfrau.) Junge: „Mama, die Schulkameraden haben mich schon die ganze Woche verspottet, weil ich eine zerrissene Jacke an habe!" Mutter: „Dummer Zeug . . . sieh mal deinen Vater an, wie der auf« Bureau gehen muß!"