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Gratisbeilagen rIllnstrirtes Ksnntag»blatt" n.Illnstrirte landwirthschaftliche Beilage."

$«*0 0« II. Januar

1901.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt" «» Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für das erste Ouartal 1901 werden von allen Aaiserlichen Poftanftalten, tandbriefträgern und von der Expedition angenommen.

r Amtlicher Theil.

. Hersseld, den 4. Januar 1901.

Die Obstbaumwärlerkurse im pomologischen Garten in I Cassel sind für das laufende Jahr wie folgt festgesetzt:

I öwöchentlicher Hauptkursus vom 11. März bis 27. April mit Osterpause vom 4. bis 10. April.

& 2wöchentlicher Sommernachkursus vom 8. bis 20. Juli. -M 2wöchentlicher Herbstnachkursus vom 14. bis 26. Oktober. I Mit Bezug auf die im Kreisblatt Nr. 140 für 1893 , veröffentlichten Statuten rc. über die Ausbildung von » Baumwärtern im pomologischen Institut in Cassel empfehle ich aufs Neue die Theilnahme an den diesjährigen Kursen, da nur auf diese Weise eine gedeihliche Entwickelung des Obstbaues auch im hiesigen Kreise erwartet werden kann. I. 52. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schlei nitz, M Geheimer Regierungs-Rath.

D Hersfeld, den 5. Januar 1901.

««Von dem christlichen Zeitschriften - Verein in Berlin ist W zum 200jährigen Jubiläum des Königreichs Preußen ein H Wbiläumsblatt herausgegeben worden, welches sich zur W Massenverbreitung in Vereinen und Schulen eignet.

M H Das Blatt bringt die Bilder der 9 Könige, welche von N 1701 bis jetzt regiert haben, nebst verschiedenen Gedichten I und Artikeln patriotischen Inhalts.

Es kostet ungefalzt, in 1000 Exemplaren bezogen, 10 W Mark; -gefalzt in Partien von 100 Exemplaren 2,50 M.,

t Endlich gefunden.

Roman von Hedda von S ch m t d.

(Fortsetzung.)

^ Richt die Liebe ihres andern Sohnes, des heran- !wachsenden Reginald, nicht das Lachen und Plaudern der kleinen Ruth, der einzigen Tochter, konnte die Frei­frau den Schlag, der sie betroffen, verwinden lassen. Eines Tages erlosch ihr mattflackernder Lebenslicht, ihre Dulderseele schwang sich empor zu Gottes Thron, um bort für ihr Schmerzenskind, den irregegangenen Rolf, Hu bitten.

L Bald darauf starb auch der Freiherr. Er konnte 8 Dasein ohne die treue Lebensgefährtin nicht er« | raen.

I Auch ihn hatte Rolfs leichtsinniger, strafbarer Schritt das innerste Mark getroffen, nun versetzte ihm der k der Gattin den letzten Stoß.

I einem blühenden Lenztage kehrten Reginald und 8 lth in ihr Elternhaus zurück, verwaist alleinstehend. kamen vom Friedhose, wo man neben der vorange« Uangenen Mutter den Vater bestattet.

I Der Landrath von Nordlingen war zum Vormund Wer Waisen bestimmt, er übertrug bis zu Reginalds vollen- »eter Erziehung die Verwaltung der beiden Güter einem gewährten WirthschaftSbeamten und schickte Ruth nach Riga in eine Penston.

In seiner Absicht hatte es anfangs gelegen, Ruth usammen mit seinen beiden älteste» Töchtern Melitta

von 200 Exemplaren 4 M., von 500 Exemplaren 10 M.

Den Herren Ortsvorständen des Kreises gebe ich an­heim, auf die Beschaffung des Jubiläumsblatts für Vereine und Schulen hinzuwirken.

I. 58. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 3. Januar 1901.

Der Stadtsteuersekretair B l e n k zu Hersfeld ist zum 1. Stellvertreter. des Standesbeamten für den Standes­amtsbezirk Hersfeld widerruflich bestellt und heute eidlich verpflichtet worden.

I. 7008. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 8. Januar 1901.

Landwirth Heinrich Ickler in Allendorf ist am 3. d. Mts. als Ortsschätzer für den Bezirk dieser Gemeinde widerruflich bestellt und eidlich verpflichtet worden. Als stellvertretender Ortsschätzer für denselben Bezirk ist am 8. d. Mts. der Wagner Johannes W e p p l e r daselbst be­stellt und verpflichtet worden.

L 138. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Gefunden: ein graues Halstuch. Meldung des EigenthümerS bei dem Ortsvorstand zu Oberhaun.

Nichtamtlicher Theil.

Berlin, 8. Januar.

Se. Majestät der Kaiser erledigte im Laufe des gestrigen Nachmittags RegierungSangelegenheiten. Zur Frühstückstafel bei Ihren Majestäten war Frau von Bülow, Witwe des Generals von Bülow, sowie Staatssekretär von Tirpitz und Vizeadmiral Frhr. von Senden-Bibran geladen. Heute Morgen hörte Seine Majestät die Vorträge des Chefs des MilitärkabinetS, Generaladjutanten, Generals der Infanterie v. Hahnke, des Chefs des Admiralstabes der Marine, Vizeadmirals v. DiederichS, und des Chefs des MarinekabinetS, Vize­admirals v. Senden-Bibran und empfing um 12 Uhr in

und Dora erziehen zu lassen, allein seine Gattin trat diesem Wunsche in ihrer passiven, aber nichtsdestoweniger widerstandsfähigen Art entgegen, und der Landrath, ein musterhaft gehorsamer Ehemann, ließ seinen Plan fallen.

Melitta und Dora genossen ihre Ausbildung zu Hause in Treuenhoff. In den Wissenschaften wurden sie von dem Hauslehrer ihrer Brüder unterrichtet, in den Sprachen von einer Französin und einer Engländerin.

Die Landräthin richtete ihr Hauptaugenmerk darauf, daß ihre Töchter sich bereits von ihrer frühesten Kindheit an tadellose, gesellschaftliche Formen aneigneten, daß ihre eleganten Kleidchen nach den neuesten Modebildern ange­fertigt waren, und daß sie einen graziösen Knix zu machen verstanden.

Melitta machte der Erziehungsmethode ihrer Mama alle Ehre, bei Dora jedoch schien, wie sich die Landräthin eingestand, alle Mühe vergebens. Schon das Aeußere der Kleinen stand in scharfem Gegensatz zu Melittas elfenhafter Erscheinung.

Dora« widerspenstige Locken spotteten des Kammes und der Bürste, ein toller Lauf durch den Garten oder ein nicht minder ungestümer Ritt auf ihrem schwarzbraunen Pony waren ihr lieber als eine Tanzstunde bei Made­moiselle Claire, und die in ewigem Wechsel befindlichen Hauslehrer auf Treuenhoff erklärten ausnahmslos, Dora sei, was Unarten anbetrifft, tausendmal schlimmer als Axel und Friedel, im übrigen aber ein ««gemein be­gabte» Kind.

Gegenwart des Staatssekretärs des Auswärtigen Amts Frhrn. v. Richthofen und des Kultusministers Dr. Studt Mr. Antonin Proust.

Wilhelm Ernst, der neue Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach zeigt in einerWeimar, den 7. Januar" datierten Proklamation feinen Regierungs­antritt an.

Der preußische Landtag ist am Dienstage zu einer neuen Session zusammengetreten. Der Beginn seiner Arbeiten steht unter dem Morgenleuchten der zwei- hundertjährigen Jubelfeier der preußischen Königskrönung. Eine Fülle großer Erinnerungen an zweihundert Jahre hindurch von König und Volk gemeinsam getragenes Glück und Leid zieht herauf, und diese Erinnerung mahnt uns um mit der Thronrede zu sprechen festzuhalten und auszubauen, was in langer und schwerer Arbeit, unter der Führung ruhmreicher Fürsten, für Preußens Größe und Wohlfahrt errungen ist. Den Schwerpunkt der gesetzgeberischen Aufgaben, vor denen der Landtag steht, bildet die Kanal-Vorlage, dieZin^neuer, wesentlich erweiterter Form angekündigt ist. Der Gesetz­entwurf fügt dem Rhein-Elbe-Kanal hinzu: den Bau eines Groß-Schifffahrtsweges von Berlin nach Stettin, die Herstellung einer leisiungsfähigern Wasserstraße zwischen der Oder und der Weichsel und die weitere Regulierung der Warthe von der Mündung der Netze bis Posen, die Verbesserung der Vorfluth in der untern Oder sowie in der untern Havel und den Ausbau der Spree. Die Ermitte­lungen darüber, ob und wie der Masurische SchifffahrtS- Kanal ausgeführt werden soll, sind noch nicht abgeschlossen. Dagegen werden zur Verbesserung der Wasserstraße zwischen Oberschlesien und Berlin die nothwendigen Mittel gefordert werden. Ist diese Erweiterung, durch die viele Landestheile für das Gesammtunternehmen interessiert sind, die früher Neigung zu ungünstiger Beurtheilung des Mittelland-Kanals an den Tag gelegt haben, geeignet, das Zustandekommen des Gesetzes zu erleichtern, so werden auch nach einer andern Richtung geäußerte Bedenken gehoben. Die Lage der preußischen Finanzen ist fort­dauernd günstig, so daß jeder Gedanke an Verlegenheiten des Staates oder an Erschwerung der Leistung von wünschenswerthen Kultur-Aufgaben ausgeschlossen ist. Im Gegentheil hat es die Vermehrung der StaatS-Ein- nahmen gestattet, nicht nur für alle Verwaltungszweige größere Ausgaben vorzusehen, sondern auch zur Erweite­rung und Vervollständigung des Staats-Eisenbahnnetzes

Friedel, Doras Zwillingsbruder, ward von ihr stets zu allerhand Max- und Moritzstreichen angestiftet.

O, man hat seine Plage mit der Erziehung seiner Kinder, klagte die Landräthin oft, obgleich nicht die Mutterhände, sondern die bezahlten Dienstboten für die kleinen Wesen sorgten; späterhin entwickelten sich letztere willkürlich ihrer eigensten Individualität nach.

Von einer Plage für die Mutter konnte folglich nicht die Rede sein, doch die Landräthin gehörte zu den Naturen, welche sich einbilden, viel zu leisten, obwohl sie im Grunde nichts vor sich bringen, weil sie zu unfähig und zu indolent dazu sind. Allerdings etwas zart und kränk­lich, war sie davon überzeugt, ein Opfer der hochgradigsten Nervosität zu sein. Und nun sollte sie sich noch die Sorge für ein fremdes Kind aufbürden? Nein, dieser Auf­gabe fühlte sie sich nicht gewachsen.

Und diese kleine Ruth hatte so unbequem ernst fragende Augen, es lag darin soviel Frühreife, soviel verständiges Denken. Nein, dieses Kind paßt absolut nicht zu Melitta und Dora. Erstere war schon jetzt eine vollendete kleine Weltdame, und letztere, die Landräthin stieß einen tiefen Seufzer aus, leider, leider ein übermüthiger, unverbesser­licher Kobold.

So kam Ruth nach Riga in eine durch ihre Vorzüg- lichkeit bekannte Pension. Die Ferien verbrachte sie bei einer Großtante in Reval, dort sah sie auch ihren Bruder Reginald, der, nachdem er binnen kurzer Zeit die Dom­schule beendet, auf einem großen, durch feinen muster­haften Wirthschaftsbetrieb rühmlichst bekannten Gute in der Umgegend Nevals als Volontär eintrat.