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schüttelte sich vor Abscheu. „Triffst Du nicht sofort die nötigen Anstalten zu unsrer ge­meinsamen Abreise, so sage ich mich auf immer von Dir los, Archibald, und Maud nehme ich mit mir. Nicht länger soll sie die­selbe Luft mit Abkömmlingen von Niggern teilen!"

In diesem Augenblick wurde die Thür geöffnet und Kapitän Douglas übertrat die Schwelle. Totenbleich war sein Antlitz, den­noch ehrfurchtgebietend.

„Der Neisewagen steht zu Ihrer Ver­fügung, Lady Ellinor," sagte Donald in eis­kaltem Ton, „und für uns alle wird es eine Erleichterung sein, wenn Sie recht, recht bald Gebrauch davon machen. Verkünden Sie un- gescheut der Welt die hohe Mär von unsern Mißheiraten, sie wird darüber nicht aus den Fugen gehen. An meiner Zustimmung da­zu soll es Ihnen nicht fehlen." Mit starker Stimme und sprühendem Zornesblick suhr er fort: „Sie haben es verstanden, uns die we­nigen Wochen Beisammenseins gründlich zu verderben, Frau Schwägerin, und ich sage Ihnen meinen Dank dafür. Geben Sie der Welt die Wahrheit und fügen Sie hinzu, daß diese Mißheiraten uns das höchste Erdenglück schufen, indes mein Bruder an Ihrer Seite an allem darbt, was das Leben veredelt und wertvoll macht, an der Liebe und Achtung seiner Gattin, an einem schönen, verständnis­innigen Familienleben. Verkünden Sie der Welt, daß von den drei Gattinnen der Brü­der Douglas Lady Ellinor an Gesinnung und weiblicher Würde am niedrigsten zu taxieren sei!"

Ein Zischlaut entfuhr ihren weißgewor­denen Lippen. Ihre Augen flammten im un­versöhnlichen Haß.

„Herr Kapitän, Sie sind —!" Der Zorn erstickte ihre Stimme.

„Ein Mann, der den Mut hat, Ihnen die Wahrheit zu sagen, selbst auf die Gefahr hin, mir für alle Zeiten Ihre Ungnade zu- zuziehen, verehrte Frau Schwägerin," lächelte er scherzspöttisch. „Diese Stunde trennt uns auf Nimmerwiedersehen. Wollen Sie gut­zumachen suchen, was Sie an uns allen ver­schuldet, so seien Sie künftighin Ihrem Gat­ten eine liebevolle Frau, Ihrem Kinde eine Mutter, denken Sie daran, dereinst vor Got­tes Richterstuhl zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Lebe wohl, Archibald! Lasse dies unsern Abschied sein. Der Mann gehört zu Weib und Kind und ich hoffe, Du wirst der Welt kein Aergernis geben! Trage Dein Joch mit Geduld! Denke an die Worte der Schrift: „Was Gott zusammengefügt, das soll der Mensch nicht scheiden." Ich erhoffte mir ein andres Ende unsrer Zusammenkunft. Ver­gesse nie, über Zeit und Raum hinweg ver­bindet uns die Macht der Liebe!" .

Tiefbewegt schauten sich die Brüder in die Augen. Eine lange, herzliche Umar­mung, ein fester, nicht enden wollender Händedruck — die Thür schloß sich hinter Donald Douglas' hoher Gestalt.----

Am andern Morgen hielt ein hochbepack­ter Reisewagen vor dem Schloßhof. Im eng­anliegenden Reisekleid, das dunkelverschleierte Hütchen tief in die Stirn gedrückt, stolzge­tragenen Hauptes, ohne Abschiedswort noch Blick für einen ihrer Verwandten, verließ Lady Ellinor in Begleitung ihres Gatten und Kindes das Schloß, über dessen gastliche Schwelle sie Zwietracht und Unfrieden getra­gen. Finster und wortkarg, mit feindseligen Blicken nahm sie ihrem Gatten gegenüber Platz. Aus Archibalds Zügen sprach tiefer Seelenschmerz. Die Abschiedsstunde von sei­nen Brüdern und-deren Gattinnen war ihm

I nicht leicht geworden und auch Maud saß I still und verschüchtert zwischen den Eltern. Das Tischtuch war zerschnitten, die Brücke abgebrochen, Haß und Hochmut hatten den Sieg davon getragen. Die Familienzusam- menkunft war in einer schrillen Disharmonie ausgeklungen.

Tiesaufatmend sahen sämtliche Schloß­bewohner dem davonrollenden Gefährt nach.

Bange Tage und Wochen zogen an dem alten Schloß im Hochland vorüber. Der Todesengel hielt seine Fittiche darüber aus­gebreitet und fast schien es, als neige stch die Wage zu seinen Gunsten. Man fürchtete und hoffte und hoffte und fürchtete, doch endlich trat eine Wendung zum bessern ein. Walter blieb dem Leben erhalten. Allerdings an einen Gebrauch der rechten Hand war vorerst noch nicht zu denken und der berühmte Chirurg, den Kapitän Douglas zugezogen, vermochte eine vollständige Herstellung des schwerverletzten Mittelfingers Walters nicht in Aussicht zu stellen. In dieser schweren Zeit wurde ihm Melanie eine treue Stütze. Mit opferwilliger Liebe teilte sie sich mit Donald in die Pflege des fieberkranken Knaben, auch dann noch, als ihr Urlaub zu Ende ging und sie erst um eine Verlänge­rung desselben nachsuchen mußte. Auf einen Beistand von Jnes durften sie nicht zählen. Einerseits litt die an das südliche Klima ihres Heimatlandes gewöhnte Frau stark unter den rauhen Witterungs- und Luft­verhältnissen des britannischen Jnsellandes, anderseits war sie durch den Unglücksfall s Walters, sowie auch durch Lady Ellinors herzloses Betragen menschenscheu und kopf­los geworden. Melanie hatte genug zu thun, der stets fröstelnden und kränkelnden Frau Trost einzusprechen, sie an ihre Mutterpflich­ten zu erinnern und die apathischen Lebens­geister neu anzuregen. Endlich schlug auch ihre Abschiedsstunde. In Thränen aufge­löst, hielt Jnes die geliebte Schwägerin, die sie wie eine Schwester lieben gelernt, in ihren Armen. Indessen war es ihnen trotz aller Bitten nicht gelungen, William und seine Gattin zu einem längeren Aufenthalt in den Südstaaten zu bewegen. Der schwankende Gesundheitszustand seiner Gattin, dazu der Unfall seines Sohnes hatten den Kapitän von einer Rückkehr in den Seedienst absehen lassen und ihn bewogen, sein Abschiedsgesuch einzureichen, um der Erziehung seiner Söhne und der Verwaltung seiner Reichtümer zu leben.

Die Antwort auf das Abschiedsgesuch ließ nicht lange auf sich warten, sie erfolgte noch, bevor William nach London zurückreiste. Mit Anerkennung der seitherigen treuen Dienste wurde Donald Edler von Douglas seiner Funktionen als Kapitän Ihrer k. k. - Majestät Schiff „Viktoria" enthoben und in den erbetenen Ruhestand verletzt, in beson­derer Huld und Gnade Ihrer Majestät, ihm aber zu dem bewilligten Abschied der Ver­dienstorden der Krone Englands beigefügt.

„Ein heilsames Pflaster für die Wunde, die mir der unbefriedigte Ehrgeiz schlug," lächelte Donald mit einem ergebungsvollen Lächeln — William das amtliche Schreiben aus der königlichen Admiralität zur Einsicht unterbreitend. „Heimat, fahre wohl, fahrt wohl, ihr Zukunftsträume, vielleicht errei­chen meine Söhne, was mir selbst nicht be- schieden war. Zu denkenden, thätigen Men­schen will ich sie heranzubilden suchen und über diese Aufgabe alle Enttäuschungen über­winden. Lebt wohl, Ihr geliebten Menschen, da Ihr nicht mit mir gehen wollt, so gönnt mir das Glück, Eure Zukunft sicher stellen zu dürfen. Was frommen mir Reichtümer,

die keinem zum Segen gereichen! Jnes mach! es Sorge, Melanie aufs neue der Misere einer aufreibenden Bühnenthätigkeit ausgk- setzt zu wissen, und ein Dichter, der wie & 1 mit der Seele und dem Herzen schafft, wird I nie nach Brot schleichen. Ihr thatet so üiel I Gutes an uns, laßt uns auch Gutes für ■ Euch thun, nehmt von uns die Mittel 3111 einer sorgenfreien Zukunft an. Auf dich ■ Weise versöhnt Ihr mich mit all den Miß- ■ Helligkeiten der letztvergangenen Zeit und Ihr ■ gewähret mir den befriedigenden Gedanke«, ■ daß meine Reise doch nicht ganz zwecklos1 gewesen sei."

Williams Stolz sträubte sich gegen das I edle, brüderliche Anerbieten. Im Hinblii! ■ auf Melanies zarte Gesundheit und feint: I Kindes Zukunft jedoch wagte er es nicht, bie | brüderliche Fürsorge Donalds für sein pk-1 kuniäres Wohl abzulehnen, umsomehr, als I er befürchtete, den Vorwurf der Undankbar-1 feit auf sich zu laden.

In Begleitung seiner Söhne und Sattin I gab Kapitän Donald seinen Verwandten da« ■ Geleit zur nächsten Bahnstation, wo man sich 1 nun unter herzlichen Abschiedsbezeugung« ■ trennte.

„Fahrt wohl, und wenn der Höchste k- gestattet, dereinst auf Wiedersehen!" sagte ■ Donald tiefbewegt. „Meine Liebe zu Weit ■ und Kindern führt mich nach dem Südep ■ die Eure würzelt in der Heimaterde. AI treuer Pflichterfüllung zum Wohl unsrer ■ Familien, zum Wohl der Menschheit fort» ■ wirken, sei fortan unser einziges Bestreb« ■ und haben wir auch nur in engen Grenz« I Segenbringendes geschaffen, so ist unser Le-W ben nicht zwecklos gewesen."

Noch einmal umarmten sie sich in treuer ■ Liebe. Ein warmes Händeschlltteln, ein H Tücherwehen, der Bahnzug brauste davon,» William Douglas und seine Familie nach ■ London zurückzubringen. Nach verschiede««» Himmelsrichtungen gingen die Brüder einander, doch wie auch göttliches Walt«» menschliche Schicksale zu leiten und len!«R vermag, über Zeit und Raum hinweg ver» bindet edle Menschenherzen die Macht ßtebc» — — — — — — — — — —■ M

Mit Volldampf, bei ruhigem Wind n^■ Meeresstille, war der Schnelldampfer dd» „Themse", an dessen Bord sich Robert Häch» ler eingeschifft, aus dem Hafen gelaufen, u« auch feine Weiterfahrt verlief klipp und klar» ohne besondere Vorkommnisse. Der Dam« Pfer war gut besetzt und da sich seine Passe» giere zumeist zu den besseren, gebildeter » Ständen zählten, entwickelte sich unter dieser« bald ein zwanglos reger Verkehr. HäußlcW vermied jeden geselligen Anschluß und wid« . mete sich während der Ueberfahrt meist beW Lektüre. Einerseits fühlte er sich körper» lich und seelisch sehr leidend (feine Will ‘ wunde machte ihm unerträgliche Schmerzest«; andrerseits bereitete ihm die hilflose LaM Emilies ernstliche Sorgen. Nur äußersk- ■ selten verließ er seine Kabine, um auf W[| . Zwischendeck frische Luft zu schöpfen oder» mit einem der Matrosen eine kurze Untere, Haltung zu führen. Mit fieberhafter IWW duld sehnte er das Endziel seiner Reise her f bei; doch je mehr sich das Schiff dem Fest ; lande näherte, desto mehr verstärkte sich W Unruhe. Aufs tiefste bereute er, der bring- , lichen Notlage seiner Gattin nicht sofort eA telegraphischem Wege abgeholfen zu haben- Mit den verschiedensten, beängstigenden , danken und Wahnvorstellungen gemiaut* er sein Gehirn. Was sollte aus Emilie >vU den, wenn das Schiff durch irgend ein nn ; vorhergeiehenes Ereignis an der rechtzeitui' Landung verhindert mürbe und ihr meinen«