mein Leben, nicht aber
sie. Häußler preßte
die schmerzende Stirn
Roman von Louise Caiumerer.
3
lFortsetzung.)
uch seine Junggesellenwohnung ödete ihn an. Kein trautes Weib hielt ihm die Hand entgegen, kein frohes Kinderlachen tönte an sein Ohr. Für wen hatte er sich denn eigentlich mit
Konzentrierung seiner Kräfte über Bord zu halten gesucht, so fragte er sich selbst, für wen schaffte und sparte er noch weiter. Ein bit- terschmerzliches Wehegefllhl schnürte ihm die Brust zusammen. Die anheimelnde und beglückende Häuslichkeit seines Freundes, sie hatte eine Wunde, die er verharscht glaubt, aufs neue aufgerissen. Wo war
es hingekommen, das schöne, geliebte Weib, das Licht und Wärme um ihn Rrbrcitct und nur für die Annehmlich- keüm des Lebens geschaffen war, das nur im Reichtum und Wohlleben zu gedeihen vermochte und der Armut, der Gwbchrung mit Abscheu den Rücken gekehrt? .Hier und da war auch ohne sein Zuthun eine Kunde zu ihm gedrungen. In Paris, Monako, all den Wclt- Mid LMestädteu, wollte man sie gesehen i Ijnbcn. AsE die guten Freunde und .tzmßbcmräger erkannten^ wie vergeblich Mc Liebesmühen sei ngd Häußler die ’ RitteilungeN mit größter Ruhe und ^cichgilsigkeil aufnahm, da erlosch auch ihr Interesse und man ließ die „Ent-
war
laufene" unerwähnt. Die „Entlaufene sie noch heute, denn er hatte es verschmäht, eine Scheidung anzustreben und dadurch seinen Namen vor öffentlicher Bloßstellung auf Gerichten und in der Presse geschützt. Nicht allein sein Stolz, ein Restcheu alter Liebe, das Gedenken an die seligen Stunden einer Brautzeit, die ihn glauben ließ, um seines eigenen Ichs gewählt und geliebt zu werden, hatte ihn zu der Schonung, zu der edelmütigen Rücksichtnahme bestimmt. All die Jahre her hatte er die Erinnerung zu bannen gefußt, warum nahm sie nur heute so greifbare Gestalt an, warum folterte sie ihn leiblich und ™'fct) in gleich hohem Maße? Wenn auch dss äußerliche Scheidung unterblieb, waren He innerlich nicht strenger geschieden, als es durch den Buchstaben des Gesetzes geschehen kannte? Die Gesetze der Moral waren allein ausschlaggebend in ihrem Fall und die Frau, ihren Gatten in der Stunde qualvoller
i^tge feige im Stiche gelassen, hatte ihr
■'mrcdjt verwirkt. Es gab keine Rückkehr für
gegen die kalten Scheiben der Fenster. Von drunten drang der Großstadtlärm zu ihm herauf. Die drückende Schwüle des Tages war in den Abendstunden nicht gewichen, im . Gegenteil, es war noch drückender geworden, erstickend heiß, stauberfüllt kam es zum Fenster herein. Immer toller reihten sich die Gedanken in seinem Hirn. Er kehrte in die inneren Räumlichkeiten zurück, mischte sich ein Glas mit erfrischender Limonade, das er in hastigen Zügen lehrte. Völlig angekleidet warf er sich auf ein Ruhebett. Die rastlose Gehirnthätigkeit, das überreizte Nervensystem verscheuchte ihm die gewünschte Ruhe.
Abermals erhob er sich, nahm ein Hand und suchte seine Gedanken
S
ge-
Attcs schwedisches Vorratshaus.
fen abzulenken. Dabei fiel sein Blick auf einen, mit der Abendpost eingelaufenen,Brief, der in einer der frei umherstehenden Scha- ’ len lag und dessen zierliche Form und zierliche Aufschrift unstreitig von einer Dame herrührte. Wo hatte er die schönen, abgerundeten Schriftzüge nur schon gesehen? Er sann und grübelte nicht lange vorüber nach. Der Tag hatte des Absonderlichen genug gebracht, Gutes und Schlimmes. Auf eine Neuigkeit mehr oder weniger kam es nicht an. Ein kurzer Riß löste den Umschlag. Der Brief kam von New sstork, trug keinerlei Ue- berschrift und hatte folgenden Inhalt:
„Seit jener unseligen Stunde, wo ich bei Nacht und Nebel Dein Haus verließ, um der drohenden Schande und Armut zu entgehen, sind Jahre vergangen. In Verblendung und bodenloser Selbstsucht riß ich mich von den Pflichten los, die ich Dir vor dem Altar zugelobt. ■ Ich wollte nur Licht, Licht und er=
freuliche Bilder für
Sorgen und Kummer. Meine feige, schimpfliche Handlungsweise hat mir kein Glück gebracht, denn mir fehlte die leitende Hand,
von einer Thorheit verfiel ich in die andre. Dazu gesellten sich die bittersten Selbsivor- würfe. Im Träumen und Wachen, im Trubel des Weltlebens und in der tiefsten Einsamkeit, sah ich Deinen strafenden, verächtlichen Blick auf mich gerichtet, scheuchte mich der Gedanke an mein Unrecht aus dem Schlaf. Geschehenes ist nicht zu ändern, zu späte Reue nutzlos. Vielleicht gewährt es Deinem Stolz die ersehnte Genugthuung, wenn ich Dir sage, Du bist gerächt!
Nahezu mittellos, leidend, befinde ich mich in New Dork in dem obenbezeichneten Hotel.
In den Spiclsälcn des Raubnestcs Monte Lario verlor ich den letzten Rest der Summe, die mir der Verkauf meiner Juwelen einbrachte, meiner Juwelen, die ich Deinem, unserm Interesse nicht opfern wollte! Mit einer Dame, die ich in Paris kennen lernte und die mich zum Besuch von Monte Carso anregte. kam ich hierher. Von Paris aus hatte sie mich als Gesellschafterin und Reise- begleiterin engagiert, mir aber seither für meine Müheleistung nicht einen Pfennig bezahlt. Nun ist sie vor einigen Tagen unter Mitnahme meiner Garderobe, Wertsachen und Bargeld, mit Hinterlassung einer bedeutenden Hotelschuld verschwunden und alle polizeilichen Nachforschungen nach ihrem Verbleib erwiesen sich bis jetzt vergeblich. Das Opfer einer durchtriebenen Abenteuerin bin
ich geworden und zu all diesen Widerwärtigkeiten und aufregenden Erlebnissen droht der Hotelbesitzer, mich für den beiderseitigen, kostspieligen Aufenthalt in seinem Hause zur Verantwortung ziehen zu wollen, oder mich den Gerichten zu überweisen.
Ich erbitte und erhoffe mir kein Mitgefühl von Dir. Die pflichtvergessene Frau, die in der Stunde des Unglücks dem Gatten und der Häuslichkeit entfloh, hat sich jeden Anrechtes an ihrem Geschick begeben. ’ Bei dem Andenken an meinen geliebten Vater, der auch Dir ein Vater war und Dich freudig als Sohn an sein Herz schloß, flehe ich Dich an, halte meinen Namen von der • Schmach einer Anklage wissentlichen Betru ges frei. Gefvähre mir aus Barmherzigkeit und Großmut die Mittel, mich aus dem Sumpf zu retten, ein neues, arbeitsvolles Leben anzufangen. Sei menschlich, K barmherzig! Ennlie."