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„Also doch!" rief Stefan unwilllürlich halblaut aus und indem er vorsichtig alle Gegenstände wieder an den alten Platz zu- rücklegte, fiel ihm ein Heiner Zettel in die Hände. Von unbeholfener Hand stand daraus geschrieben: „Ich binn negften Sonab §12 hir; bring auch Gelt milt. Der Kerl hatt awer nich so vi! bzalt wie letzt mohl. Kanst Du 3 Stick biß Sonab in virzehn Tag lifern?" /

Im ersten Augenblick wollte Stefan den Zettel an sich nehmen, dann aber wurde ihm Uar, daß hier allls bleiben müsse, wie er es vorgefunden, wollte man die beiden frechen Spitzbuben, die sich anscheinend hier ganz sicher fühlen möchten, in ihrem „Bau" ab­fangen. Er schrieb darum den aufgefun­denen Herzenserguß in sein Notizbuch, legte das Original wieder unter den Rucksack und trat dann den Rückweg an, wobei er sich auf­merksam nach Merkzeichen in der Umgebung umsah, an denen er das Versteck wiederzu- finden imstande war. Es war überhaupt noch ein schwieriges Stück Arbeit, sich bis zurück auf die breite Hauptchaustee, welche den Endler'schen Wald quer in der Richtung nach dem Gute zu durchschnitt, zu finden, aber mit Hilfe Mohrs, der die Spuren des Groß- knechtes verfolgte, gelang es noch verhältnis­mäßig rasch und Stefan hatte schließlich auch ein Wild gewonnen, wo das Versteck gelegen war.

Als er, nur mühsam seine erklärliche Er­regung verbergend, auf dem Gutshofe von seinem „Waldspaziergange" wieder eintraf war es erst Spätnachmittag und bis auf zwei Mägde war das ganze Gesinde abwesend. Stefan suchte sofort den alten Endler im Wohnzimmer auf, der um diese Zeit immer allein zu sein Pflegte, und erzählte dem Alten ohne Umschweife die ganze Geschichte vom ersten Gespräch mit dem Flurschützen. Eine Weile war der Bauer sprachlos über das Ge­hörte, dann aber brach sein Zorn wie ein ge­waltiges Ungewitter los und er schlug auf den Tisch, daß das darauf stehende Geschirr ruseinanderklirrte: „Ins Gefängnis soll der Schurke! Sofort foü’s gemeldet werden — ich zieh mich an und geh' auf's Gemeindeamt! Du gehst mit!"

Nur mit Mühe konnte Stefan den Bauer beruhigen und bescheiden sagte er: „Meiner Ansicht nach wäre es doch besser, wenn die beiden auf frischer That, gleich in ihrem Ver­steck, abgefangen werden könnten, dann giebt es nicht erst ein langes Leugnen. Man könnte doch nächsten Sonnabend Nacht von zehn oder elf Uhr an das Versteck umstellt halten ...."

„Ja, ja, das ist noch besser! Machen wir's so! — Ich werde morgen nach Tharandt fahren und mit meinem Jagdpächter alles be­reden. — Eine Woche soll ich diesen Erz­schurken von einem Knechte noch an meinem Tische futtern? Teufel, ich werd's wohl kaum fertig bringen! Ueber den Haufen sollte man ihn schießen ...

Endlich wurde auch der Bauer ruhiger und er reichte Stefan schließlich freundlich die Hand: „Bist ein fixer Junge! Soll Dein Schaden nicht sein, daß Du aufgepaßt hast. — Und nun halt' reinen Mund — allen gegenüber!"

„Natürlich, sonst wär' ja alles umsonst!" gab Stefan zurück und er wie der Bauer gaben sich dann die Woche über redlich Mühe, harmlos und unbefangen zu scheinen. Am Freitag erhielt Stefan auf sein Ansuchen Ur­laub, um nach Dresden zu fahren, damit er einige Wintersachen kaufen und zugleich seinen Vater sprechen könne, der sich aueg gerade am Sonnaoend und Sonntag in Dresden auf- liielt.

nach allen Seiten um. Da wurde es ach plötzlich hinter den jungen Fichten lebendig; die beiden Gendarmen sprangen auf den Wilderer los und es entspann pE ein wüten­des Handgemenge. Der Großknecht war von, herkulischer Kraft und aalglatter Gewandt­heit. Einer der Gendarmen kam auf bem schlüpfrigen Waldboden zum Sturz und ant j seinen unwillkürlich laut ausgestoßenen n Schreckensschrei eilte Stefan zur Hilfe herbei. ' Kaum aber wurde der Großknecht des jungen Mannes ansichtig, als er seinen Gegner mit einem wuchtigen Stoß von sich schleuderte; und mit rasch gezogenem Messer auf Stefan losstürzte. Dieser tonnte sich mit einem sol­chen Feinde nicht messen und nach kurzer Gegenwehr sank er, von einem Stich in die Brust getroffen, zu Boden. Eine Sekunde später aber traf den Messerhelden ein dröh­nender Schlag mit dem Gewehrkolben auf I den Schädel und halb bewußtlos brach er in I die Knie;, nunmehr hatten die Gendarim I gewonnen und alsbald war er mit fes^ ’ Riemen und Handschellen derart gefesselt, be | er keinen Finger mehr rühren konnte. Ich I erst wendete sich das Interesse dem verwund 1 ten Stefan zu, der sein Taschentuch in. d« I Wunde preßte, um das mächtig hervor- I quellende Blut zu stillen.

„Lassen Sie mich Ihnen einen Notver- I band anlegen. Haben Sie Schmerzen bete I Atmen?"

„Nein, die Lunge ist nicht getroffen, duz Stich ist mehr seitlich gegangen; Schmerz« 1 habe ich nicht, aber ich fühle mich sch I schwach."

Der Gendarm, der von Haus aus scho» I mit Verwundungen gerechnet hatte und stets I etwas Arnikawaper und Verbandszeug .feil sich trug, legte dem jungen Manne gar iM| ungeschickt einen Verband an und flößte ihn« dann einige kräftige Schlucke von demV Branntweinreste der Wilddiebe ein.

„Werden Sie gehen können?"

„Ich will es wenigstens versuchen. Ei ist nicht sehr verlockend, hier allein liegen P bleiben," entgegnete Stefan und unterstützt von den beiden Gendarmen wand er sich durch das Dickicht der Fichtenschonung. Dann ging es schon besser, zumal ihm sein freundlich« Helfer aus einem starken HirschhollunderosI einen Stecken zur Stütze zurechtschnitt.

Es war ein äußerst mühsames Geschah für die beiden Gendarmen, ihre Gefangenen und den Verwundeten nach Klingenberg z« bringen. Der Flickschuster ging gutwillig mit aber der Großknecht war widerspenstig und störrisch wie ein gefesseltes Raubtier und war nur unter Anwendung von Gewalt von der Stelle zu bringen.

Es mochte noch eine halbe Stunde bis zum Endler-Hof sein, als Stefan erklärte, nicht weiter zu können; er wolle hier warten, bis einer der Gendarmen ihn mit einem; Wagen vom Gut abholen würde. Diese »er sprachen dies so bald als möglich besorge» zu wollen. Als man aber endlich in Beglei­tung des Klingenberger Arztes bei dem Ver­wundeten wieder anlangte, lag dieser be­wußtlos im taufeuchten Grase und Doktor Börner machte ein bedenkliches Gesicht.

„Die Wundränder sind schlecht;'das Messer muß schartig und unsauber gewesen! sein. Ist auch enormer Blutverlust!

ich muß warten, bis der Patient daheim W eh' ich 'was thun kann.

Auf dem Endlerhof hatte man mitten der Nacht in aller Eile das kleine, nie benutzte Fremdenstübchen für den Kranken Hergerich tet; Stefan glaubte nicht, daß er beinahe ein viertel Jahr dort zubringen sollte.

Der Grpßluccht schimpfte zwar weiblich über eine solche „Bummelei", aber gegen die Erlaubnis des Bauern konnte er nichts ein­wenden.

„Sei mir nur pünktlich — verstehst Du!" sagte Endler, als Stefan am Sonnabend ' früh sich verabschiedete.

„Sie können unbesorgt sein. Spätestens um zehn Uhr bin ich zur Stelle" antwortete Stefan mit einem raschen Blick des Ein--, Verständnisses, dann verließ er wohlgemut , den Hof.

Er fuhr, wie es mit dem Jagdpächter durch den alten Endler vereinbart war, nach Tharandt und von dort aus machten sich zwei bewaffnete Landgendarmen unter Führung Stefans nach dem Verstecke im Endler-Walde auf. Nach einigem Jrregehcn fand man es denn auch plötzlich auf, und die Gendarmen verteilten sich so hinter dem dichten Gezweige des Jungholzes, daß für die . ertappten Wild­diebe kein Entweichen möglich war. Der Vorsicht halber hatte man die Posten schon kurz nach zehn Uhr abends bezogen und das unbewegliche, lautlose Warten in der feucht- kühlen Herbstnacht war eine schwere Geduld­probe. Der Mond beleuchtete hell die kleine Lichtung. —

Endlich, kurz nach elf Uhr, hörte man die Zweige knacken und rauschen, und unter Pusten und Schnaufen arbeitete sich eine dürftige, hagere Gestalt aus dem Dickicht, deren Gesichtszüge die niedrigsten Leidenschaf­ten verrieten.

„Natürlich, der faule Mensch ist noch nicht da!" murrte halblaut der Ankömmling vor , sich hin, dann zog er ohne weiteres die Brannt­weinflasche aus dem Versteck und that einen langen Zug. Im selben Augenblick aber sprang einer der Gendarmen hervor und ihm den gespannten Revolver vor die Brust hal­tend, rief er befehlend: „Still! Im Namen des Gesetzes! Ein Laut oder eine Bewegung und Du bist des Todes!"

Dem Ueberraschten fiel der Branntwein- . trug aus der zitternden Hand, aber noch ehe er Zeit zum Widerstand fand, war schon der zweite Gendarm hinzugesprungen und binnen wenigen Sekunden war der Kumpan des Großknechtes vom Endlerhofe sicher ge­fesselt und geknebelt. Regungslos und hilf­los wie ein Mehlsack wurde er hinter das Buschwerk geschleift und mit schußbereitem Revolver blieb ein Gendarm bei ihm stehen.

„Wenn Du zu mucksen wagst, erschieße ich Dich auf der Stelle!" drohte der Mann des Gesetzes mit blitzenden Augen. Aber der Ge­fangene konnte sich gar nicht mucksen und hatte es überdies auch gar nicht gewagt zu thun, denn es war ein friedlicher Flickschuster seines Zeichens, der keine Waffe zu führen verstand, dafür aber ein verschlagener Hehler und geriebener Händler war. Ihm fiel's gar nicht ein, seinen Kumpan warnen zu wollen; nun er selbst verloren war, mochte der andre nur auch mit gefangen werden!

Stefan verwischte so gut es ging die Spuren von dem kurzen Handgemenge, den ausgelaufenen Branntweinkrug trug er an ! den alten Platz und hatte eben noch Zeit, ins Gebüsch zurückzuweichen, denn der zweite der Spitzbuben kam angerückt.

Noch ehe derselbe sich völlig heraus- i gearbeitet hatte, hörte man ihn rauh auf- ' lachen: „Der Kerl scheint bereits aekchnapst zu haben — hier riecht's nach Nordhäuser. Na, wo steckst Du denn, alter Esel? ■ Was sind denn das für Narrenspossen, Versteck ru spie­len?" —

Aber keine Antwort kam und der lange, derbknochige Mann sah sich kopfschüttelnd

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