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Wilder-Saal
Der erste Spatenstich am Teltow-Kanal. Wieder setzt sich die deutsche Industrie ein neues Denkmal ihrer nie ruhenden Schaffenskraft und legt damit Zeugnis ab von dem weiteren Blühen und Gedeihen des Landes. Dem immer wachsenden Verkehr genügen oft bei weitem nicht mehr die vorhandenen Mittel und Wege, und diesem gesteigerten Verkehrsbedürfnis entsprang auch der Plan des Teltow-Kanals, mit deffen Bau vor einiger Zeit begonnen wurde. Seit der Großjährig- keitSerklärung des Kronprinzen hat der Thronfolger schon einigemal den Kaiser bei öffentlichen Anlässen vertreten, und so that auch hier bei der Eröffnung der Arbeiten der junge Hohenzoller den ersten Spatenstich an Stelle seines Vaters. In Begleitung des Prinzen Friedrich Leopold traf derKronprinz mittags 12 Uhr auf dem Festplatze bei Klein- Glienicke ein, wo er bereits von den Vertretern der Regierung und verschiedenen höheren Beamten erwartet wurde. Nach der Weiherede, die in einem Hoch ruf den Kaiser ausklang, that der Kronprinz den ersten Spatenstich. „Zu Gottes Ehre und dem Baterlande zum Heil," das waren die Worte, mit denen er die Handlung begleitete, und hoffen auch wir, daß dieses Werk der Fortentwicklung unserm . Lande nur zum Heil gereiche und allen, die dazu beigetragen, Glück und Segen bringe.
E Sammet körn er. A
Das Verdienst, den Kompaß
erfunden zu haben,
gebührt den Chinesen. Dieses so wichtige Instrument wird zum erstenmal in der Weltlitteratur von einem Chinesen genannt, welcher im Jahre 1122 als Gesandter nach Korea segelte und einen Bericht über seine Fahrt hinterließ. Er sagt, er habe auf dem Schiffe eine Nadel gesehen, dre als Wegweiser diente und in einem Gefäß mit Wasser schwamm. Dieser alte Kompaß kam über Indien, Perfien und Arabien nach Europa. Den verbefferten Kompaß erhielten dagegen die Chinesen von Europa zurück. Unter der Dynastie der Ming fanden sie auf gekaperten japanischen Schiffen die trockenge- stellre, auf metallener Svitze sich drehende Magnetnadel, und die Japanesen ihrerseits hatten solche Kompasse von portugiesischen Seefahrern bekommen. Inzwischen hatten übrigens auch die Araber eine Aenderung an dem Instrument vorgenommen, indem sie dasselbe nach den Richtungen der Winde und dem Lauf der Sonne in 32 Punkte teilten, während die chinesische Einteilung in 24 Punkte den 12 Doppelstunden des Tages entsprach.
Ehe zwischen Kiesen und Zwergen. An der Hofkapelle zu Dresden wirkte in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts der Italiener Sorthfi, ein Mann von ungeheurem Körperumiang und entsprechender Länge, deffen unvergleichliche Sopranstimme alles entzückte, namentlich auch den Kurfürsten Johann Georg II., einen tüchtigen Musik- tenner, der sich auch als Komponist verewigte und dergestalt für den Fremdling begeisterte, daß er ihn zu seinem geheimen Kämmerer ernannte. Als nun am 31. Juli 1657 der Kurfürst nebst mehreren fürstlichen Personen und hohen Staatsbeamten bei Sortysi speiste und sich damit eine „musikalische Aufwartung" verband, benutzte der Italiener den Eindruck seiner mit Zaubergewalt ergreifenden Stimme, um nach beendigtem Konzert den Kur
fürsten um gnädige Bewilligung zu seiner Verheiratung mit der Tochter des kurfürstlichen Hofsekretärs Lichtwer anzugehen. Der Kurfürst gab unmittelbar jedoch keine Erklärung, sondern ließ in Betracht der Umstände die Sache an mehrere Spruchkollegien ergehen und rechtliche Erkenntnisse einholen, weil die Braut sehr kleiner Natur war. Schließlich wurde dqs Paar auf kurfürstliche Erlaubnis getraut, und der musikalische Riefe durfte sein glückliches Weibchen heimführen. Hatte hier der Kurfürst den Eheprokurator eines Niesen abgegeben, so übernahm dieses Amt 1735 Kurfürst
August bei einem Zwerg. Dieser Zwerg war Jäger beim Feldmarschall Grafen von Wackerbarth in Wackerbarthruhe bei Dresden, aber nur 34 Zoll lang. Er hatte sich in die Tochter eines Winzers zu Kötschenbroda verliebt, ein großes stattliches Mädchen. Die Geistlichkeit hatte gegen den Vollzug dieser Ehe allerlei Bedenklichkeiten; allein ein Machtspruch des Kurfürsten beseitigte sie.
Stimmungsbild.
Wenn der Himmel einmal trübe, Nebel herrscht, statt Sonnenschein, Bleib) ich hjibsch in meiner Klause, In dem trauten Kämmerlein.
Und dann geht mir ein Gedanke So im stillen durch den Sinn, Und ich danke meinem Schöpfer, Daß i ch nicht benebelt bin.
Eigene Art abzurechnen. In von Quandts Reisewerken über Spanien vom Jahre 1846 lesen wir aus Madrid: Es ist in aller Stille ein Ministerialgebäude abgebrannt. Die Kompanie der Pompiers war augenblicklich mit allen Löschgerätschaften bei der Hand, aber niemand kommandierte sie zum Löschen. Erst am andern Nachmittag zog in schönster Ordnung die Feuerwache ab, als man überzeugt war, bag das Gebäude ausgcbranni sei. Es ist nämlich zu bemerken, daß der Justizminister am Abend vorher seinen Abschied gefordert und erhalten hatte. In Spanien hält man dies für den hergebrachten Modus der Rechnungsablegung."
tzuadagni. Der berühmte italienische Sänget Guadagui wurde einmal vom Herzog von Parm aufgefordert, sein großes Talent in Anwesenheit einiger vornehmer Franzosen zur Geltung zu bringen. Indes, der Sänger, der ein Feind bet Franzosen war, sang schlecht, Heiserkeit vorschützend. Sechs Tage wurden ihm gewährt, dann mußte et singen, aber er fang noch schlechter. Es wurde ihm ein neuer Aufschub erteilt, nach Ablauf deffen et bei Hof unbedingt in einem Konzert fingen sollte Als der anberaumte Tag erschien, war er nirgends zu finden; er war auf die Jagd gegangen. Erzürnt über diese Unverschämt- heit, befahl der Herzog, ihn zu verhaften und ihm nur Wasser und Brot zu reichen. Des reizte ihn noch mehr. Da - am neunten Tage nach feinet Verhaftung — erschien ein köstliches Mahl und mit ihm ein Gesellschafter. In dem Kuj> blick, als Guadagni, vom Huwpr getrieben, über die köstlich » ienden Speisen herfallen wohl hielt ihn sein Tischgesellschaft, zurück und sprach: „Ich hast strengen Befehl, mein Herr, k- vor Sie nicht gesungen habe«, dürfen Sie nicht effen!" „$
fingen? Ich sterbe ja not Hunger I" „Das gilt mir gleich, zuerst fingen, dann essen 1" ®m= dagni sang. Als der Herr sich entfernen wollte, fragte dn Sänger: „Wie, Sie wollen mit nicht Tischgesellschaft leisten?' „Nein I" entgegnete der Gefragt«, „denn ich muß noch drei Spitz- buben aufknüpfen." — Wie w Donner gerührt, blickte dn Sänger zur Erde; er begriff, den Scharfrichter bot
daß er ! , ,
sich hatte. „Sie haben auf Br- fehl des Herzogs nicht finget wollen," sagte dieser, „jetzt hab« Sie dem Henker singen müssen."
Gute Gedanken. Auf k langen Reise durchs Leben jl> Vorsicht Dein Anker, Dein Führer Pflicht. Lang ist der Weg, falsch ist dre Welle, fern ist das Ziel.
Durch die Droschkenkutscher
ein Böttel Uein
blume. Engländer: „linden Sie ein uemg, ich """'" ^'"
trinken." Drosch
ch uerde hier jfentutf^er:
„gewiß, Mylord, ick habe ja warten gelernt. Wem man bloß — mein Schimmel derweile keenen Durschl kriegt!" __________
Silbenrätsel von Paul Rieckhoss.
Aus folgenden Silben:
a, au, eben, cho, der, dort, ge, gi, her, ku, lech, ler, mi, ne, ner, ners, net, oh, or, re, rei, ru, satz, schil, si, terp, um, wi sind 10 Wörter zu bilden, welche bezeichnen: I) einen aus d» 7 jährigen Kriege bekannten Schlachtenort. 2) Einen berühmt Komponisten. 3) Einen Flug in Afrika. 4) Einen kaufmännisch" Begriff. 5) Einen deutschen Dichter. 6) Eine Blume. 7) Si:«1 Ort in der Schweiz. 8) Einen französischen Romanschristsau». 9) Eine Muse. 10) Einen deutschen Dichter. Sind alle Win» richtig gesunden, so nennen die Anfangi< und Endbuchstabe» je einen bekannten niederdeutschen Dichter.
Rätsel von F. «. Minra.
Hübsche Statt rhiringen» ist er; versetze die Zeichen geschwinde Wird sie zum Muffe in Pommern, der dort in die Ostsee enteilet.
Ürrbeworträtsel.
Er eilt in ihm manch' idiek Roß An meinem Blick vorüber Rückwärir Mit’ er mein junger Sproß Je eher, desto lieber!
(Aufssisungen folgen in nächster Nummer.)
Auflösungen aus voriger Nummer: Des Rätsels: Larve, Arve; des Worisplel-Räiselr: Hieb! der KrebiworträtselS: Spar, Rapd.
»«q»ni« a«, bem Inhalt b. BL wrtet*. Besetz vom 11./VI. 70.
iderantworll. R-da-teur A. Jhri»,. Berlin.
. Druck und Verlag von
Ihrlng * ffahrenholh, Berlin 8. 42, Prinzenstr. 84