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Der Hausdurchbruch für die elektrische Hochbahn tu Kerlin. Fm Westen Berlins fand kürzlich ein vausdurchbruch statt, der sich geradezu zu einem Schauspiel für die dortige Bevölkerung entwickelt hatte. Aber auch die in Betracht kommende Wissen- ’diafi nahm mit Recht regen Anteil daran, da es sich hier darum handelte, architektonisch eine Aufgabe zu lösen, wie sie nicht oft gestellt sein bürste. Der sich immer mächtiger gestaltende Verkehr zwischen Westen und Süden resp. Südosten Berlins hat nämlich den Bau einer Hochbahn, die selbstverständlich sür den elektrischen Betrieb eingerichtet wird, notwendig gemacht, da die jetzigen Beförderungsmittel dem gewalligenVerkehr kaum noch gewachsen sind und ihm binnen kürzester Frist unter allen Umständen nicht mehr genügen dürsten. Diese Bahn geht jetzt ihrer Vollendung entgegen und ist in ihren einzelnen Teilen ein wahres Wunder der Technik. Die Ueberführung am Halleschen Thor allein, wo die platzartige, überaus belebte Straße überbrückt werden mußte, gewährt hohes Interesse. Aber noch kühner erscheint das bauliche Problem, dessen Lösung durch die Illustration auf Seite 1 dieser Nummer veranschaulicht wird. Nachdem die Hochbahn nämlich die mannigfachen Schienenwege, auf denen der Verkehr der Dresdener, Anhalter uno Potsdamer - Eisenbahnen, sowie der zu diesen in Beziehung stehenden Vorortbahnen dem Herzen Berlins zu- strömt oder von hier aus seinen Weg hinaus nimmt, überschritten hat, wird sie direkt durch Häuser, die von Menschen bewohnt find, weiter- geführt, um dann etwa in gleicher Höhe mit den ersten Stockwerken fortgebaut zu werden. Die be- treffenben Häuser selber find trotz der baulichen Veränderungen, bie mit ihnen vorgenommen werden mußten, bewohnt geblieben; darunter sowohl als auch in den obern Stockwerken treibt der Erdbewohner sein Dasein weiter. Freilich läßt fich bei unparteiischer Beurteilung nicht in Abrede stellen, daß die Straßen, durch welche diese Hochbahn künftig vom elektrischen Strom geleitet, über die Häupter der Passanten hinweg ihren Weg nehmen wird, nach Vollendung der nötigen Bauten eine nicht gerade erfreuliche Umgestaltung erleiden dürften. Aber nicht immer läßt sich in gewünschter Weise das Angenehme mit bem Nützlichen verbinden, denn was man thun konnte, um dem ganzen kolossal angelegten Bau in architektonischer Beziehung ein gefälliges Aeutzere zu geben, ist in ausreichendsten: Maße geschehen.
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Teure Sucher. Bor nicht allzu langer Zeit wurde ein Exemplar der ersten Folioausgabe von Shakespeare von 1628 für 34000 Mark verkauft, obwohl ein Test des äußern Bandes vom Titelblatt und die Ecken von vier Seiten beschädigt waren. Als ein Beispiel, wie der Preis der Folioansgabe von Shakespeare in den letzten Jahren zugenommen hat, mag erwähnt werden, daß ein Exemplar der zweiten Folioausgabe, das im Jahre 1785 an Samuel Jreland für etwas über 20 Mark verkauft worden war, von Sir Henry Jrving im Jahre 1888 für 2000 Mark erstanden wurde. Ein altes italienisches Buch, in dem zwei Autographen von Shakespeare enthaften find und das im Jahre 1824 für 6 Pence gekauft wurde, erzielte im Jahre 1845 schon 440 und vor Jahresfrist 2040 Mark. Bei dieser Gelegenheft sei auch angeführt, daß die vier Bücher, in welche dre Besucher von Stratford-on- Avon vom Mai 1821 bis September 1847 sich eintrugen, gebunden in feinstem Pergament uno Marokko, im letztvergangenen Jahre für 1120 Mark verkauft wurden; sie enthielten freilich auch u. a. die Unterschriften von Washington, Jrving, Dickens, Scott, Mendelssohn und anoern berühmtenMännern. Auch vor etwa einem Jahre wurde ein Buch, das
nur wenig über ein Jahrhundert alt, aber unauf» geschnitten war und noch in seinem Originalumschlagpapier in einer roten Schachtel lag, für einen Betrag verkauft, der 28 mal so groß war, als der, den der Autor als Honorar erhalten hatte. Das fragliche Buch, das mit zehn Guineen für den Ouadratzoll seiner Oberfläche bezahlt wurde, war die Kilmarnock-Ausgabe von Burns Gedichten, die im Jahre 1786 veröffentlicht worden sind.
Kakernenhokblüte. Unteroffizier: „Ihr seid wie bie Automaten, Kerls, wenn man Euch nicht dreimal füllt täglich, dann funktioniert Ihr nicht!"
Eine Frau, die ihrem Mann über alles geht.
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Gestürzt.
Was rennt das Volk, was ist passiert, .
Welch fürchterlich Gedränge.
Was staut sich auf der Straße dort Die tausendköps'ge Menge?
Als ich verwundert Umschau hielt Und fragte was geschehn, Da gab man mir zur Antwort kurz: „Gestürzt," wie Sie doch sehn. Mft war zu Mut, ich weiß nicht wie, Bleich ging ich drauf von hinnen, Da sah ich auch ’nen Schusterbub Dem Knäuel sich entrinnen. „Herr Jott," so sprach er, „drei Bonbons Und eene jroße Tüte, Der Uffloof, wenn een Vieh mal fällt, So'n Zosse zweeter Jüte."
Was der franjölische Telegraph während des Drryfus-Vrojeffes leistete. Obwohl die Preßtele- Samme zum halben Preise befördert werden, ätzt man die Einnahmen für Telegramme während der Dauer des Prozesses Dreyfus in Rennes auf eine Million Franken. Nicht weniger als eine Million Worte sind in 16 Sprachen telegraphiert worden. Als Anerkennung ihrer außerordentlichen Dienstleistungen erhielten die 92 Telegraphisten in Rennes eine Geldentschädigung und drei Tage dienstfrei. Dieselben hatten während 23 Tagen täglich elf Stunden Dienst gethan, also täglich vier Stunden über den Normaldienst.
Im Kleinen groß — im Ganzen groß. Der berühmte Maler Nicolas Poussin wurde einmal gefragt, worin eigentlich das Geheimnis seiner Erfolge liege. Der Maler blickte sinnend vor sich hin, Bann sagte er lebhaft: „Sehen Sie, ich hielt nichts, keinen Zug, keinen Pinselstrich für so unbedeutend, daß ich nicht Fleiß daraus verwendet hätte; diese Kleinigkeiten find die Bausteine zur Vollendung; ich wurde nur groß, weil ich das Kleine nicht verachtete. Sei groß im Kleinen, sagte ich mir, und das Geheimnis meiner Erfolge beruht darauf, daß ich nie etwas im Kleinsten vernachlässigte.
Chinesisches |ljrairr. Ein Lieblingsstück der Chinesen hat folgenden Inhalt: Ein kaiserliche Statthalter giebt seine Tochter dem Sohn des zunächst unter ihm stehenden Beamten. Dieser Beamte geht nach Peking, verleumdet den Schwiegervater seines Sohnes " und erlangt die Stelle des Verleumdeten, welcher vorgefordert und zum Tod, verurteilt wirb. Durch einen andern Beamten kommt der Trug noch zur rechten ^eii an den T„a und die beiden Gegner wechseln bie Rollen. Der Sohn, obwohl von der Schuld seines Vaters zeugt, verschafft sich Zugang zum Gefängnis, gieb, dem Verurteilten seine Kleider, läßt ihn entfliehen und erwartet an seiner Stelle den Tod. Die Hinrichtung wird an ihm vollzogen, b. h. aus der Bühne wird (natürlich mit einer geschickten Tasche spielerei) die Enthauptung vorgenommen, hobt; der Kopf auf die Bretter füllt und der Rumpf ebenfalls umsinkt. Noch eindrucksvoller ist ein Stück, in welchem ein Mann mit einem im Schlaf von seiner Frau erhaltenen Beilhieb auf der Bühne erscheint und aus der Stirn blutend umsinkt, worauf die Mörderin verurteilt wird, lebendig geschunden z„ werden und solcher Gestalt im letzten Akt erschein:. In den chinesischen Lustspielen dagegen lonutttn schnurrigere Dinge zum Vorschein. So z. B. toiti eine Frau mit ihrem Liebhaber von ihrem Mann überrascht. Sie hat eben noch Reit, ihn in eine» Sack zu stecken und an die Wand zu stellen. Da Mann kommt, sieht den Sack und fragt, was darin ist. Die Frau weiß in der Verlegenheit nicht zu antworten. Der Liebhaber ist mundfertiger und ruft aus seinem Sack heraus: „Nichts als Reis.'
Wer rastet, rostet. Der Komponist Rubinstein wurde einmal gefragt, ob er auf der Stuft bet Vollendung, zu der er es gebracht habe, es not für nötig finde, täglich auf seinen Jnstrumentcn sich zu üben. Rubinstein antwortete darauf: „Wem ich es einen einzigen Tag unterlasse, mich zu üben, so merke ich es sofort. Sollte ich es zwei Tagt unterlassen, so würden es meine Freunde meche Ließe ich aber drei Tage vorübergehen, ohne ch gehörig zu üben, so würde es das gesamte Pu kum merken!"
Denüspruch. Ein Wort ist oft mehr noch D Schloß und Riegel, als Thor und Kette, alt Brief und Siegel. Ein Wort vernichtet, eiti= flammt, reißt fort Worte sind Mächte! Hit Dein Wort!
Aus der Jagd. Treiber: „Aber liebster Hm, warum schießen Sie denn nicht; jetzt kamen bot nacheinander drei Hasen vorbeigehüpft!" Sonntagsjäger: „Das ist's ja eben, drei Siel . . . .; kein Mensch würde mir das ja glauben"
Rätsel von F. v. Minr«.
Zur FastnachtSzeit
Wirbst! weit und breit In Scherz und Lust getragen. Der Schmetterling Mag aus dem Ding Sich gern ins Leben wagen. Ein Zeichen fort, Wild rauscht es dort In schönster Alpen Kranz. Ein Riese weiß Im Firnenkreis Sich spiegelt drin voll Glanz.
Mortspirt-Kätset.
Gab's der Krieg, sieht man die Spur, Äab's der Krug, verschläft man's nur.
Kr-bsworträtsel.
Was der Verschwender nimmer kennt, Ihm rückwärts eine Feldfrucht nennt.
(Auflösungen folgen in nächster Nummer.)
Auflösungen aus voriger Nummer: deS Quadrat-Rätsels:
s
A
G
E
der Zahlen-BuchstabenrätselS: Hut, gut, nicht, Thunichtgut.
des Buchstaben-Rätsels: Krücke, Brücke.
A
R
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G
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Nachdruck aus dem Inhalt b. BL »erboten. Gesetz von, 11. VI. 70.
Verantworte Redacteur A. Istring, Berlin. Druck und Verlag von
Jhring * Fahreuholtz, Berlin s. 12, Prinzenstr. 86.