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und Gottvertrauen!" Blitzschnell wurde mit Hilfe bes ersten Offiziers ein Rettungsboot ins Meer gelassen. Zu den ersten Meldungen, wonach Kapitän Kretschmann in ein Boot ausgenommen, dann aber mit diesem umge- schlagen und ertrunken sei, gesellt sich die weitere, daß er sich entschieden weigerte, die Kommandobrücke zu ver- laffen, wo mehrere Kameraden an seiner Seite aus- harrten, bis sie mit dem Schiff in das kühle Grab ge­rissen wurden.

Sie alle, die auf der Rhede von Malaga in den Fluten versanken, sind im Dienste der Pflicht gestorben; und wenngleich die Hoffnungen, die sie beseelten, sich nicht erfüllten, wenngleich es den meisten von ihnen nicht beschieden war, über die Jugend hinaus zu gelangen, so wird ihnen doch das Vaterland ein ehrendes Andenken bewahren. Manch stilles Gebet wird in diesen Tagen zum Himmel emporsteigen für die, die fern von der Heimath für Kaiser und Reich ihr Leben geben mußten, und jedes deutsche Herz wird in die Bitte einstimmen, daß Gott unsere kaiserliche Marine in Zukunft gnädiglich bewahre.

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Der Kaiserliche Konsul in Malaga meldet amtlich unterm 17. Dezember:

Gneisenau" lag außerhalb Hafens wegen Schieß­übung, Wetter bis 10 Uhr Vormittags ruhig, kurz darauf starker Südost; ein Anker gebrochen; Maschine versagte und Schiff wurde gegen Außenmole geschmettert. Ver­muthlich 38 acht und dreißig umge- kommen, darunter Kommandant Kretschmann, Erster Offizier Berninghaus, Erster Ingenieur Prüfer. Sämmt­liche Gerettete gut untergebracht und bestens verpflegt. Seit 9 Uhr wird Musterung vorgenommen, um Namen Verlorenen sestzustellen."

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Soweit bis jetzt Angaben über die Höhe der Ver­luste bei dem Untergang derGneisenau" vorliegen, haben 38 Mann von der Bemannung den Tod gesunden, darunter ber_ Kommandant Kretschmann, der sich von seinem Schiff nicht trennen wollte und der, alle ihm an­gebotenen Hilfeleistungen verschmähend, einen echten See­mannstod fand. Auch der erste Offizier Berninghaus ist ein Opfer der Flutben geworden, ebenso der erste Ingenieur Prüfer. Weiter find mehr als hundert von der Bemannung mehr oder weniger stark verletzt worden und liegen in den Hospitälern und sonstigen Unterkunstsstätten dar­nieder. Was die Ursache des beklagenswerten Unglücks anlangt, so ist dieselbe darin zu suchen, daß das Schiff von einem Levantewind, der mit ungeahnter Plötzlichkeit hervorbrach, überrascht wurde. Da die Corvette nicht unter Dampf lag, wurde sie bald ein Spiel der Wogen, die Anker wurden abgerissen und dieGneisenau" strandete an der Ostmole des Hafens von Malaga, woselbst sie ihren Untergang fand.

ES liegen folgende weitere Meldungen zu dem Gneisenau"-Untergang vor:

Berlin, 17. Dezember. Nachstehendes amtliches Telegramm ist im Reichsmarineamt eingegangen: Als dieGneisenau" bei schwerem Südost den Ankerplatz verließ, versagte die Maschine. Der Anker war ge- schlippt und hielt nicht. Das Schiff trieb schnell auf die Ostmole, stieß mehrmals auf und ging unter.

Madrid, 18. Dezember. DieAgencia Fabra" meldet aus Malaga: Der Kommandant derGneisenau" erlitt den Ehrentod auf seinem Posten und lehnte jede Hülse ab. Als es einem spanischen Matrosen gelang, an die Fregatte heranzukommen und ein Tau hinüber zu werfen, warf ihm Kretschmann seinen Degen zu. Der Schiffsingenieur starb an derSeite des Kommandanten. Der erste Offizier kämpfte eine Stunde lang mit den Wellen, an eine Holzplanke geschleudert, ging aber völlig erschöpft unter. Der Stoß, den dieGneisenau" beim Ausstößen auf die Felsen erlitt, war furchtbar. Das Wasser drang sofort an vielen Stellen ein. Binnen zehn Minuten sank das Schiff und schien heute früh auf dem Felsen festzusitzen. Ein Dampfer des Norddeutschen Lloyd traf von Gibraltar ein, um von den Resten derGneisenau" zu bergen, soviel wie möglich ist. Aber Angesichts des aufgeregten Zustandes des Meeres konnten die Taucher noch nicht arbeiten. Die Zahl der Verwundeten und Verletzten, die im Nothhospital verpflegt werden, beträgt 150. Die meisten Verletzungen befinden sich am Kopf, aber auch viele an den Händen und Füßen.

Malaga, 18. Dezember. Die Leiche des Komman­danten derGneisenau" Capitän zur See Kretschmann wurde gestern Nachmittag an die Küste gespült. Die Beisetzung soll heute auf dem englischen Friedhofe er­folgen. Die Leichen der übrigen Umgekommenen sind bisher nicht geborgen.

Politische Nachrichten.

Berlin, 18. Dezember.

Se, Majestät der K a i s e r hörte heute die Vorträge des Chefs des MilitärkabinetS, Generaladjutanten Ge­nerals der Infanterie von Hahnke und des Chefs des Admiralstabes der Marine, Vizeadmiral« v. Diederichs. Nachmittags gedenkt Se. Majestät Sich nach Neugatters- leben zur Jagd zu begeben.

Der Kaiser hat nachstehende Allerhöchste Ordre erlassen:Während ich am gestrigen Tage die Freude hatte, den heimkehrenden Offizieren und Mannschaften Meiner Marine im Zeughause zu Berlin Meine Aner­kennung sür ihr tapferes Verhalten in China auszu- sprechen, tobte ein schwerer Sturm bei Malaga, welcher

für Mein SchulschiffGneisenau" verhängnißvoll ge­worden ist. Das Schiff hat der Gewalt der Wogen erliegen müssen und mit ihm sein braver Kommandant, sowie ein Theil der tapfer kämpfenden Besatzung, der hoffnungsvolle Nachwuchs Meiner Marine. Eine er­schütternde Fügung, auf die Ich mit tiefer Wehmuth blicke! Meine Marine hat wiederum schwere Opfer ge­bracht, aber sie wird fich nicht irre machen lassen in ihrem stolzen Berufe des Kampfes und des Ausharrens, was Gottes Wille auch bringt; dessen bin Ich gewiß. Ich beauftrage Sie, diesen Erlaß zur Kenntniß Meiner Marine zu bringen. Neues Palais, den 17. Dezember 1900. (gez.) Wilhelm I. R."

Die Inhaber der Rote Kreuz-Medaille, welche sie aus Anlaß eines Feldzuges erhalten, sind be. rechtigt, auf dem Bande derselben eine Spange mit der Bezeichnung des Feldzuges zu tragen. Ein im heutigen Reichsanzeiger veröffentlichter Nachtrag zu der Urkunde vom 1. Oktober 1898, betreffend die Stiftung der Roten Kreuz-Medaille bestimmt die näheren Einzelheiten darüber.

Reichskanzler Graf v. Bülow wurde am Montag Vormittag in München vom Prinzregenten in besonderer Audienz empfangen; ihm wurde der St. Hubertus Orden verliehen, dessen Jnsignien der Prinz- Regent überreichte. Darauf halte der Reichskanzler eine Audienz bei Prinz Ludwig und stattete sodann dem Minister Freiherr» von Crailsheim einen länger» Besuch ab. Der Prinzregent erwiderte im Laufe des Vormit­tags den Besuch des Reichskanzlers in dessen Hotel.

Im Reichsschatz-Amt werden die Arbeiten für den neuen Zolltarif eifrig gefördert, und man hofft gerade in der Zeit, in welcher die ReichstagSferien sind, verschiedene Beamte also nicht durch die Berathungen im Reichstage in Anspruch genommen werden, ein gutes Stück mit der Herstellung der für die deutsche Wirth- schafts-Politik hochwichtigen Vorlage vorwärts zu kommen.

Amtlicher Nachweisung zufolge hat die Einnahme an Wechselstempelsteuer während der ersten 8 Monate des laufenden Steuerjahres die Summe von 8 660 274,85 Mk. oder 794 528,15 Mk. mehr als im gleichen Zeitraume des Vorjahres betragen. Der Etats­anschlag für 1900 bemißt die Einnahme an Wechsel- stempelsteuer aus 10,4 Millionen Mark. Legt man den bisherigen Ertrag einer Schätzung der ganzjährigen Ein­nahme zu Grunde, so würde diese sich auf etwa 13 Mil­lionen Mark belaufen oder den Etatsvoranschlag um etwas über 11 /.2 Millionen Mark überschreiten.

C^tna.

Daily News" melden aus Schanghai den 17. De­zember, der Taotai Scheng habe den Konsuln mitgetheilt, daß sich der chinesische Hof entschlossen habe, nicht nach Peking zurückzukehren, ehe nicht Friede geschlossen sei.

EinReuter"-Telegramm aus New-Aork vom 17. Dezember besagt: Aus Peking wird unter dem gestrigen Datum gemeldet: Der englische Gesandte Satow ver­langt die Abänderung eines Punktes, den die Gesandten als wichtig betrachten. Dies bedeutet einen weiteren Verzug, da die Gesandten sich mit ihren Regierungen ins Benehmen setzen müssen.

Aus Washington meldet dieselbe Quelle vom 17. Dezember: Staatssekretär Hay übermittelte dem Gesandten Conzer telegraphisch neue Instruktionen, durch welche die Hindernisse beseitigt werden, die der Unterzeichnung der Note an China seitens Congers noch entgegen- standen. Nunmehr dürften alle Gesandten, auch der englische, die gemeinsame Note sofort unterzeichnen.

New-Aork, 18. Dezember. Eine Depesche aus Peking vom gestrigen Tage meldet: Um sich Gewißheit zu verschaffen über Nachrichten von einem Angriff der Boxer auf Howisu, entsandte General Chaffee eine Ab­theilung Kavallerie und Infanterie, welche die Umgegend von Howisu durchforschen, wenn nöthig, Hilfe leisten und etwaige von Boxern oder Räubern veranlaßte Ruhe­störungen unterdrücken soll. Die provisorische Regie­rung hielt heute eine Sitzung ab, welcher auch fünf her­vorragende Chinesen, die darum ersucht worden waren, beiwohnten.

Ier Krieg in Mafrika.

Was General Knox mit Aufbietung seiner ganzen Kraft gegen den kühnen De Wet mühsam abgewandt zu haben schien, das ist nun doch zur Wirklichkeit geworden:

Ein Einfall der Buren in die Kap­kolonie. Zwar ist es nur ein kleines Häuflein, das den Oranje überschritten hat. Welche Bedeutung aber die Engländer selbst diesem Erfolg des Feindes beimessen, dafür ist es bezeichnend, daß sich sofort die Depeschen fast mit derselben ängstlichen Hast jagen wie in den Tagen, alsdas Meteor" an den Ufern der hochge­schwollenen Oranje auftauchte:

Kapstadt, 18. Dezember. Nach einer hier ein­gegangenen Meldung ist ein Trupp von 700 Mann bei Aliwal North in der Kapkolonie eingedrungen und hat Knapdal nördlich von Albert-Junktion erreicht.

Kapstadt, 18. Dezember. Einer Depesche aus Aliwal North von gestern zufolge überschritt ein Buren­kommando, angeblich unter Hertzog, am Sonntag den Orangefluß zwischen Odendalstrom und Bethulie. Die Anzahl der Feinde wird auf 600 geschätzt. Das zweite Bataillon der Brabantschen Reiterei verfolgte die Buren, welchen die aus Aliwal North entsandte Kappolizei und eine zusammengesetzte Patrouille den Weg versperrten.

London, 18. Dezember. Aus Bure»?,,- treffende Meldungen behaupten, Milner erschreckt durch die drohende Lage in der Kav^ die Aussichtslosigkeit einer baldigen Pacificatig»^ bliken, mit Steijn und Botha durch SSetjnittJ Bondführer. Delarey erbeutete die gesamt Proviant, Geschütze und große Munitions»»^ Generals Elements. Botha nahm mehrere Lokomotiven und Eisenbahnwagen, so daß bu tionen der Engländer fast ganz auf Kavallerie und brachgelegt sind, außerdem drohe Proviaei

Aus Provinz und AWM

* Ueber die Bewegung der Bevö l^s des Deutschen Reichs im Jahre 1899 bringt bet y Anz." folgende Angaben: Die Zahl der Ehesch^ war absolut wie relativ erheblich größer als schnitt der letzten 10 Jahre; sie betrug 471 SO 422 732 im Durchschnitt 1890 bis 1899. der Bevölkerung kamen 8,55 Eheschließungen gtjui' im zehnjährigen Durchschnitt. Die Zahl der einschließlich der Todtgeburten belief sich aus SU gegen 1940 068 im Durchschnitt 1890/1899, |tr auf 1000 der Bevölkerung 37,11 Geburten ert gegen 37,38 im zehnjährigen Durchschnitt. DuM Geburtenziffer überragt also den zehnjährig!» U schnitt etwas, bleibt aber in ihrer relativen WI dahinter zurück. Die Zahl der Sterbefälle, wie bnl schließlich der Todtgeburten, war mit 1250178« etwas höher als der zehnjährige Durchschnitt, k 1229 754 betrug, stellte sich aber relativ mit 22« heblich günstiger gegen 23,69. Der ®eburtenüte| der 795 107 betrug, übertrifft absolut wie relativ den zehnjährigen Durchschnitt (710 314 bezw. 13,811

1000), hat aber gegen das vorauf gegangene Ich es abgenommen, was hauptsächlich der höheren Sle« des Jahres 1899 zuzuschreiben ist. Unter den waren 183 504 (1890/99 durchschnittlich 17 7 683) eheliche Kinder, d. i. 8,97 v. H. der Geboren!«^ 9,16 im zehnjährigen Durchschnitt. Todtgeboren im

64 982 (3,18 v. H.) gegen 63 462 (8,27.8. M Durchschnitt 1890/99.

+ Hersfeld, 19. Dezember. Der heutige markt war mit 105 Ständen versehen. Der ö war gut besucht. Aus Nah und Fern waren W erschienen. Auch war das Wetter sehr günstig.

Hersfeld, 19. Dezember. E i n u n e r befliß Gast, die Influenza, ist wieder in Deutschlich schienen. Schon vor mehreren Wochen meldet« Moskauer Blätter, daß dort die Influenza in böiM Umfange grassiert und die gleiche Meldung ta darauf aus Petersburg. Nun ist sie auch in M land wieder aufgetaucht und ruft im Arbeitsleb» in der Schule vielfache Lücken hervor. Als die Ich' noch als eine neumodische Krankheit galt, festen i Besitzer eines harmlosen Schnupfens ihren Stolz ihr kleines Leiden als Influenza auszugeben. b aber die eminente Ansteckungssähigkeit der Influenz ihre chamäleonartigen Wandlungen genau betört l worden, suchen die von der Influenza wirklich ®eW sie jetzt unter der unschuldigen Bezeichnung als 84« ober Katarrh zu verheimlichen. Dieses Vertusch system üben viele, die aus Erfahrung welche Beunruhigung in einer Familie entsteht, heißt: Jnfluenzakrank! So lange der Anfall sud leichter Weise äußert, daß man sich durch einige Bettruhe und eine tüchtige Schwitzkur davon los!«! kann, ist es ja noch erträglich. Und diesen guten® rakter scheint die gegenwärtige Epidemie imAllgu«^ zu haben. Aber ebensowenig, wie dem wantelrt^ Wetter, ist auch der Influenza zu trauen, die über" ihren Charakter ändern und durch bösartige RW heilen gefährlich werden kann. Die Aerzte tenne ' ganzes Heer von Krankheiten, die im direkten der Grippe auftreten und für die Patienten verhE! voll werden können. ,

Hersfeld, 19. Dezbr. Berechnung der W last (Ausgedinge, Altentheil) bei der Einkorn"',,! st euer. (Entscheidung des Oberverwaltung^",! vom 26. April 1900.) Die Auszugslast bildet nicht von dem Ertrage des belasteten Gutes, P' von dem Gesammteinkommen zu kürzenden AbM diese Bestimmungen gestattet das Gesetz den A vollen Werthes der Jahresbelastung ohne {r. auf, wie das Einkommen aus dem belaste"" , ^it mittelt ist; jede Wechselbeziehung zwischen G»^"" und Auszugslast ist ausgeschlossen. . Mu

«afsel, 28. Dezbr. Der Bankier der bekanntlich am 20. Juni vergangenen DepotS-Unterschlagungen u. s. w. flüchtete, i bereits am 29. August v. I. dem Gerichte sich demnächst vor der Strafkammer I des hiE' ß, gerichtes zu verantworten haben. Auf Antrag Staatsanwaltschaft ist am 11 b. Mt«. li Anklage wegen Unterschlagung, Untreue, Dieb» einfachen Bankerotts erhoben worden. »Dj Caffel, 16. Dezember. Ein neunjähriges ejj wurde von außerhalb hier in das Krankeuya ^, bracht, welchem beim Ausklopfen von tn die spitze Hacke einer Schnalle so unglücklich Auge gedrungen war, daß dasselbe völlig 8er' I

Caffel, 17. Dezember. Unter den untergegangenen SchulschiffeGneisenau ' $ auch der Sohn des Kammerherrn Freiherr» g[i berg hierselbst ; derselbe ist einem hierher au i