Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
Die Jusertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg-, im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.
Bei größeren Aufträge» entsprechender Rabatt.
*... — ......—\
Abonncincntspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel. Postausschlag.
Ar. 146. LmmftU in 13. Iezember 1906.
Amtlicher Theil.
Cassel, den 30. Oktober 1900.
Nach dem Erlaß des Gesetzes vom 3. Juni d. Js., betreffend die Schlachtvieh- und Fleischbeschau (R.-G.-Bl. S. 547), ist, wie zu meiner Kenntniß gekommen ist, verschiedentlich die Ansicht laut geworden, daß die für den eigenen Haushalt geschlachteten Schweine hinfort nicht mehr der durch Polizeiverordnung vom 15. August 1894 für den Regierungsbezirk Cassel angeordneten Untersuchung auf Trichinen unterlagen. Ich mache demgegenüber darauf aufmerksam, daß die hierfür in Betracht Hemmenden reichsgesetzlichen Bestimmungen gemäß § 30 des Gesetzes noch nicht in Kraft getreten sind.
Im Uebrigen werden nach § 24 des Gesetzes die landesrechtlichen Vorschriften über die Trichinenschau unberührt gelassen.
! Ich ersuche, hiernach vorkommendenfalls irrigen Anschauungen entgegenzutreten und dafür zu sorgen, daß die Polizei-Verordnung vom 15. August 1894 uneingeschränkte Anwendung findet.
Der Regierungs-Präsident: Trott zu Solz. An den Herrn Polizeidirektor hier und die Herren Land- M räthe des Bezirks. A. II. 12394.
* * *
Hersfeld, bett 8. Dezember 1900.
Vorstehendes wird den Herrn Ortsvorständen und der Königl. Gendarmerie des Kreises zur Kenntnißnahme und eventl. Belehrung des Publikums mitgetheilt.
I. 6244. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersseld, den 11. Dezember 1900.
Für die Pflege der nach China entsandten Truppen (Kreisblatt Nr. 84) sind weiter eingegangen: von der Gemeinde Motzfeld . . . 10,00 Mk.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hünfeld, den 8. Dezember 1900.
In der Gemeinde Silges ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Der Königliche Landrath, von Steinmann.
(Nachdruck verboten.)
Errungen!
Novelle von Carl v. Wardenberg.
(Fortsetzung.)
Sir Roger schüttelte darüber den Kopf, aber Lady Anny warf das gelockte Haupt vornehm zurück: „Es ist jgut Herr Schwager, daß ich mein eigenes Vermögen ^sichert; Sir Francis ist dem Börsenteufel mit Leib tund Seele verfallen." „Bis ihn der ritterliche Knight — er lachte — „ausgeputzt hat wie ein Licht, Lady Ntj!"
' »Aber er ruiniert sich uns, Herr Schwager, sprechen vie einmal ein Wort mit ihm!" „Es soll geschehen, schöne Schwägerin!"
Da trat Walton ein und meldete, das Falcon ge- Melt sei. Sir Roger stand also auf und eilte hinaus. 7 "lte aber doch nicht sogleich hinunter, sondern machte einen Umweg durch die Bibliothek.
Hierin war gerade auch Miß Ellinor geeilt, um nach Rose zu sehen, die ihr seit gestern so viel Kopfzer- breche» verursacht. Als sie sich dem Tische näherte, nand bort Sir Roger auf. Er studierte in dem Bildwerke über Egypten. Als er ihren Blick an der Blume, p noch halbvermelkt an derselben Stelle lag, ^"gen sah, fragte er merkwürdig erregt: „Sie wollen wohl Ihre vergessene Rose holen, Miß Millon?"
„Meine Rose?" gab sie unbefangen zurück. Es ist "'4t die meinige!" „Aber sie liegt an Ihrem Platze."
Nichtamtlicher Theil.
Berlin, 11. Dezember.
Se. Majestät der Kaiser erledigte im Laufe des gestrigen Nachmittags Negierungsangelegenheiten und begab Sich nach der Abendtafel um 7V4 Uhr mit Ihrer Majestät der Kaiserin nach Berlin, um im Neuen Königlichen Operntheater das vom Hülfs- komitee für unsere Krieger in Ostasien veranstaltete Konzert zu besuchen. Ihre Majestäten verblieben in Berlin. — Zur Frühstückstafel bei Ihren Majestäten war General Graf von Hülsen-Haeseler geladen. Heute Morgen empfing Se. Majestät der Kaiser den Chef des Militär- kabineis, Generaladjutanten, General der Infanterie von Hahnke und sodann den Staatssekretär des Reichs- marineamts, Vizeadmirals von Tirpitz, zum Vortrag. Um 12 Uhr hatten der Bürgermeister Dr. Pauli und der Geh. Oberbaurath Franzius aus Bremen im Beisein des Chefs des CivilkabinetS, Wirklichen Geh. Raths Dr. von Lucanus, die Ehre des Empfanges, demnächst der Abt Willibrord Benzler von Maria-Laach. Letzterer ward, ebenso wie Sir Vincent Könnet Barrington, zur Frühstückstafel geladen.
Prinz Joachim, der jüngste Sohn des Kaiserpaares, vollendet am 17. d. MtS. sein zehntes Lebensjahr. Aus diesem Anlaß wird er an jenem Tage als Offizier in die Armee eingestellt und zwar nach alter Hohenzollernsitte in das erste Garde-Regiment zu Potsdam. Den feierlichen Akt vollzieht der Kaiser persönlich, wenn er nach der Hosjagd bei Springe nach Potsdam zurückgekehrt sein wird.
Im Reichstag hat die erste Lesung des Etats für 1901 stattgefunden. Staatssekretär des Reichs- schotzamts Freiherr von Thielmann legte dar, daß sich im wirthschaftlichen Leben Anzeigen eines Umschwunges zu weniger günstigen Verhältnissen bemerkbar machen. Ferner kündigte er die Wiedervorlegung des auf veränderter Grundlage neu ausgearbeiteten Postscheck-Gesetzes, sowie eines Gesetzes über die Besteuerung des Schaumweines an. Es sprachen alsdan die Abgeordneten Müller (Ctr.), Sattler (natl.) und Graf zu Limburg-Stirum (dtschkons.). Hierauf gab der Reichskanzler Graf von Bülow in längerer Rede Aufklärung über das Verhalten der Regierung gegenüber der Reise des Präsidenten Krüger.
Aus der die E ta t s - B e r a t h u n g e n im Reichs
Sie errötete: „Wohin sie gestern, von unbefugter Hand geworfen, flog."
„Und Sie nahmen Sie nicht?" „Ich trage keine Rosen, von denen ich nicht weiß, wessen Hand sie gebrochen !"
Er sah sie Narr an; „Aber Miß Milton, wenn ich . . ."
Hier trat Walton ins Bibliothekszimmer. „Mylord, Falcon wird ungeduldig, Bob kaun ihn kaum noch zügeln!"
Sie Roger sprang aus; verschwunden war alle Illusion. „Später!" sagte er und verschwand. Wallon war geblieben. Er sah die Miß ganz bleich an dem Reposi- torium lehnen und meinte: „Na, na, Miß, so schlimm hat ers wohl nicht gemeint, fein Herz ist gütig." __ Der Alte hielt viel auf die Gouvernante. — Miß Ellinor nickte.
„Ich weiß es und glaube darum auch nicht, daß er Theil hat am Tode Sir Norberts." „Um Gotteswillen, Kind, was wissen Sie davon?" „Ich war in Stone- house, ich sprach die alte Susan!"
„O glauben Sie ihr nicht, Miß! Das Weib haßt den Mann, der ihr wohl ... — Doch stille davon! Glauben Sie mir, Miß Millon, auf Sir Roger, dem besten aller Herren, ruht nicht der geringste Makel. Ich trug ihn noch aus diesen Armen, ich kenne jede Falte dieses edlen Herzens."
Er sah sich scheu um und verschwand durch eine Seitenlhür in seines Herren Gemächern.
tage einleitenden Rede des Staatssekretärs des Reichs- SchatzamtS erhält man die Gewißheit, daß die Zeit des starken wirthschaftlichen Aufschwunges, die länger als fünf Jahrs gedauert hat, vorüber ist. Diese Entwicklung war vorauszusehen; denn im Wirthschaftsleben der Völker pflegt seit jeher auf die fetten Jahre regelmäßig eine Reihe magerer Jahre zu folgen. Wenn der Rückschlag, der sich bereits in dem Etatsjahr 1901 in den Reichsfinanzen geltend macht, von allen Volkskreisen im Verlauf der nächsten Jahre mehr oder weniger empfunden werden wird, so ist es doch erfreulich, festzustellen, daß die rückläufige Konjunktur bisher nirgends in der krassen Form eines „Krachs" aufgetreten ist und daß zu erwarten steht, die Abflauung im Wirthschastsleben werde auch in der nächsten Zeit, in der fie noch weiter andauern dürfte, nicht die Formen annehmen, die z. B. im Jahre 1873 für weite Volkskreise so verhängnißvoll waren. Auf die Finanz-Verwaltung des Reiches wirkt der Umschwung schon in dem vorliegenden Etat insoweit ein, als auf einigen Gebieten mit Minder-Einnahmen für das Reich zu rechnen ist, wenn diese Minder-Ein- nahmen auch keinen schroffen Abfall gegen die günstigern Vorjahre darstellen dürften. Im Jahre 1899 betrugen die Mehr-Einnahmen des Reichs gegenüber dem Voranschlag rund 451/2 Millionen, denen eine Mch--8u:z»be von 13 Millionen gegenüberstand, sodaß ein Ueberschuß von 32*/.2 Millionen verblieb. Die Ueberweijungs- steuern haben im Vorjahre 31 Millionen Mark ergeben, von dieser Summe konnte aber den Bundesstaaten nichts überwiesen werden, da sie zur Schuldentilgung verwandt werden mußte. Im diesjährigen Etat werden die Mehr- Ausgaben gegen das Vorjahr auf 8 Millionen geschätzt; nämlich 21/2 Millionen mehr für die Alters- und Jn- validen-Versicherung und 5‘/2 Millionen mehr für die Marine-Verwaltung. Diesen Mehr-Ausgaben stehen 4 Millionen Mark Minder-Einnahmen gegenüber, die fast ausschließlich auf die Heeres-Verwaltung entfallen. Mehr-Einnahmen zeigt die Zuckersteuer (+ 19 Millionen), die Salz- und Branntweinsteuer (je 1 */4 Millionen), die Wechselsteuer (31 Millionen), die Banknotensteuer (11*/+ Millionen). Dagegen wird die Reichspost mit etwa 8 Millionen Minder-Einnahmen zu rechnen haben, die hauptsächlich durch die den Privatpost-Anstalten gezahlten Entschädigungen und durch die Tarif-Herabsetzungen zu erklären sind. Im ganzen ergiebt sich also folgendes Bild der Finanzlage: Das laufende Finanzjahr, zeigt 8 Millionen Mark Mehr-Einnahmen und 4 Mill.
Hochaufatmend stand Ellinor allein. Was hatte er sagen wollen? Träumte Sie ein Märchen? — Aber was ging sie denn Sir Roger an? War nicht zwischen ihm und ihr eine unabsehbare Kluft? O thöricht Herz, wie schwach und unbesonnen, wie leicht geneigt zum Vertrauen.
Da stürmte Sir Arthur herein. „Um Gotteswillen, Miß Milton, es ist Alles verloren!" „Was ist geschehen Sir?" fragte sie wie aus einem Traume erwachend.
„Lady Auny hat meine Correspondenz mit Alice entdeckt !" — „Und?"
„Sie wird Schritte thun, uns zu trennen. Wollen Sie uns begleiten? Ich habe Alice in den New Forest bestellt." „Dahin?" „Ich wußte nichts Besseres." Sie war schon entschlossen: „Ich gehe mit Ihnen."
Sie eilten hinunter, Ellinor lockte Hektor an sich und ging mit ihm voraus; die Verlobten kosten auf einem umgefadenen Baumstamm, während sie plötzlich vor Stonehouse stand. Ellinor wußte sich in Heklors Begleitung ganz sicher. Leise lockte sie ihn und einem plötzlichen Impulse folgend, ging sie dem Hause zu. Die Thür war geschlossen, weshalb Miß Millon, eine Hinterthür suchend, das Haus umkreiste. Sie hatte sich nicht geirrt. Dort war die Thür. Sie stand offen und Ellinor hörte eine Stimme, die sie sofort wieder- ertannte; es war diejenige jenes frechen Menschen im Walde.