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Amtlicher Theil.

Berlin, den 6. November 1900.

Der Minister des Innern.

Auf die Berichte vom 16. November v. I. und 13 v. M. 11 1061 u. I 1 1699 10 Anlagen, 1 Heft.

Nach einer Mittheilung des Königlich Bayerischen Staatsministeriums des Königlichen Hauses unb des Aeußeren ist das Bezirksamt in Kusel angewiesen worden, die Uebernahme der Familie Klein in Kreuznach nicht aus dem Gesichtspunkte des § 64 des preußischen Ausführungs­gesetzes zum Unterstützungswohnsitzgesetze vom 8. März 1871 abzulehnen. Von dieser Entscheidung der Königlich Bayerischen Regierung sind auch die übrigen Kreisregier­ungen zur Nachachtung in Kenntniß gesetzt worden,

Indem ich Ew. Hochwohlgeboren hiernach das Weitere überlasse, bemerke ich ergebenst, daß die Bayerische Regier­ung ferner mitgetheilt hat, sie wolle für die in Preußen wohnenden bayerischen Staatsangehörigen nicht Rechte bean­spruchen, die sie mit Rücksicht auf die bayerische Heimath- gesetzgebung den in Bayern wohnhaften preußischen Staats­angehörigen zu gewähren nicht in der Lage sei.

Im Auftrage, gez. Peters.

Au den Herrn Regierungspräsidenten zu Coblenz.

* *

Abschrift zur gefälligen Kenntnißnahme und eventuellen geeigneten weiteren Veranlassung.

Im Auftrage, gez. Peters.

An den Herrn Regierungspräsidenten zu Casfel.

* *

Casfel, den 16. November 1900.

Abschrift zur Kenntnißnahme, Nachachtung und Benach­richtigung der Ortsarmenverbände Ihres Kreises.

Der Regierungs-Präsident. J. V.: M a u w e. An die Herrn Landräthe des Bezirks.

* *

Hersfeld, den 27. November 1900.

L Vorstehendes wird den Herren Ortsvorständen des Kreises zur Kenntnißnahme und Nachachtung mitgetheilt. Nr. 6565. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz, Geheimer Regierungs-Rath.

Casfel, den 25. November 1900.

Nachdem der Herr Unterrichtsminister genehmigt hat, daß die Schulen zu Kalkobes, Heenes, Sorga, Kathus und Eitra au« dem Schulaufsichtsbezirke Hersfeld I. aus» Leiben und dem Bezirke Hersfeld II. zugewiesen werden, haben wir dem Pfarrer Schröder zu Niederaula die Kreisschulaussicht über den Bezirk Hersfeld I. und dem matter Sötte zu Friedewald die Kreisschulaufsicht über Bezirk Hersfeld II. übertragen.

Sie wollen die betr. OrtSschulinspektoren hiervon in Kenntniß setzen.

Königliche Regierung, Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen.

F l i e d n e r.

den Herrn Landrath zu Hersfeld. B. Nr. 16789 .

Hersfeld, den 29. November 1900.

Wird den Herren OrtSschulinspektoren des hiesigen Kreises zur gefälligen Kenntnißnahme und Mittheilung an die denselben unterstellten Herren Lehrer ergebenst mitgetheilt.

I. 6619. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Nichtamtlicher Theil.

Advent.

Die christliche Gemeinde feiert Advent nicht als eine Erinnerung aus alter Zeit, nicht wie man ein geschicht­liches Ereignis feiert, das sich vor Jahrzehnten oder Jahrhunderten zugetragen hat. Gewiß ist der Herr dereinst in sein Eigenthum gekommen und in die Stadt Jerusalem eingezogen; aber wie ,er dereinst gekommen ist, so kommt er noch heute, so kommt er auch zu uns und zu jeder Menschenseele. Er kommt, oder vielmehr er ist schon da; er ist und bleibt in seiner Gemeinde bis an der Welt Ende. Aber wir feiern sein Kommen, damit er auch zu uns komme und bei uns bleibe, und damit wir aufs neue uns für Gaben, die er uns bringt, bereit machen. Es giebt zweierlei Geschichte, zeitliche unb ewige Geschichte. Das eine geschieht einmal zu seiner Zeit und hat auch seine dauernden Wirkungen, die man in späterer Zeit noch spüren kann. Das andere steht ganz ebenso au«, und möchte zunächst auch wie eine einmalige Thatsache scheinen; aber dennoch ist es ein ewiges Geschehen von überzeitlicher Bedeutung und gehört einer höher«, himmlischen Reihe von Ereigniffen an. Das Zeitliche und das Ewige schließen sich nicht aus. Unser Gott, der ewig ist, offenbart sich in der Zeit und durchwirkt das zeitliche Geschehen mit seinen himmlischen Kräften. Das sind die Heilsthatsachen, die im zeitlichen Ereignis den ewigen Heilswillen Gottes des Herrn dar­stellen. Sie sind einmal geschehen zu unserm Heil, aber wir haben an ihnen nicht bloß ein Vergangenes, sondern ein immer Gegenwärtiges. Dieser einmalige geschicht­liche Vorgang enthält in sich, was über alle Zeit und alle Geschichte hinauSreicht, die vollkommene Einsenkung des Göttlichen in diese irdische Wirklichkeit und die voll­kommene Ausprägung des Gotteswillens und Gotles- wesens in bestimmter geschichtlicher Gestalt. Unser Gott läßt sich nicht unbezeugt, er ist der Gott, der Wunder thut und sich in Wundern offenbart. Das aber ist das Wunder aller Wunder, daß der Himmel sich auf die Erde niederläßt, daß diese Erde zum Wohnplatz des Göttlichen verklärt wird, daß dieses Zeitliche sich mit dem Ewigen erfüllt und die Thatsache, die von Menschen wahrgenommen und erfahren worden ist, Gottes ganzes Wesen und Thun ausdrückt und in sich schließt. Gott bezeugt sich in allen Kreaturen, aber der Mensch allein ist nach Gottes Bilde gemacht. Die Welt ist da, um den Menschen zu dienen, um der Schauplatz zu sein für des Menschengeschlechtes Erlösung. Darum bewegen sich die Gestirne in ihren Bahnen, dazu bekleidet sich die Erde mit dem Schmucke des Pflanzen- und Tierlebens, dazu fließen die Ströme zum Meere hinab, wehen die Stürme über das Land, fällt das befruchtende Naß vom Himmel. Die Geschichte des menschlichen Geschlechtes heißt darum mit Recht die Weltgeschichte. Die Geschichte der Menschheit ist ganz und gar die Geschichte der Offenbarung Gottes in der Menschheit. In der zeitlichen Entwicklung der mensch­lichen Thaten unb Geschicke entfaltet Gott seine Herr­schaft und seine Vatergüte: alle Schuld auf Seiten der Menschen, großes Heil aus der Hand Gottes. Wir wollen festhalten an der alten Christenlehre von Christo, vom Sohne Gottes, und an dem alten Merkmal wollen wir die Geister unterscheiden. wonach ein jeglicher Geist, der da bekennet, daß Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist, von Gott ist, und ein jeglicher Geist, der es nicht bekennet, nicht von Gott, sondern der Geist des Wider- christs ist. Er, das Haupt der Gemeinde, der Anfang

und das Ende, vor aller Zeit und über aller Zeit, kommt in der Zeit zu uns auf dieser Erde, wie er dereinst ge­kommen ist, um uns in das Reich der Ewigkeit zu ver­pflanzen. So wollen wir ihn empfangen und so Advent feiern.

Berlin, 29. November.

S e. Majestät der Kaiser hörte heute Morgen im Neuen Palais die Vorträge des Kriegsministers, Generals der Infanterie v. Goßler, und des Chefs des Militärkabinets, Generaladjutanten Generals der In­fanterie v. Hahnke, und begab Sich um 10 Uhr 55 Minuten mit Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit dem Kronprinzen mittels Sonderzuges nach Station Hämerten, um von dort aus mit dem Elbdampfer Freya" nach Tangermünde zu fahren.

Ihre Königl. Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin von Baden trafen gestern Nachmittag um 1 Uhr zum Besuch Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich in Cronberg ein. Höchstdieselben wurden von dem Prinzen unb der Prinzessin zu Schaum­burg-Lippe am Bahnhof empfangen. Um 2*/» Uhr Nachmittags kehrten die Großherzoglichen Herrschaften nach Karlsruhe zurück.

S e. Majestät der Kaiser empfing am Mitt­woch das Reichstags-Präsidium aufs Liebenswürdigste und Gnädigste. Er vermied jedes politische Gespräch, insbe­sondere kam er weder auf die Wirren in China und Deutschlands Vorgehen in Ostasien, noch auf die jüngsten Reichstagsverhandlungen und die Lage der ReichstagS- Geschäfte zu sprechen. Um so ausgiebiger ging er auf eine Reihe interessanter gewerblicher Fortschritte ein, die er in letzter Zeit kennen gelernt hatte, so die Benutzung des Spiritus als Triebkraft, die ihm bei seinem Besuch in Oberursel vorgeführt worden war, die Verwendung von Holzstoff zu Geweben, über die er beim Grafen Henckel-Donnersmarck Näherer erfahren hatte. Den Grafen Ballestrem, der ihm den neugewählten zweiten Vicepräfidenten Geheimen Finanzrath Büsing vorstellte und der sich für die Verleihung der Wirklichen Geheim- rathswürde bedankte, fragte der Kaiser, ob der Graf mit der Kabinetsordre, die ihm den Excellenztitel verliehen habe, auch Morgens früh geweckt worden sei, es habe ihm eine Freude gemacht, bei diesem Festtage als erster Gratulant zur Stelle zu sein. Nach Beendigung des Empfanges wurden die drei Abgeordneten zur Kaiserin geführt, die gleichfalls die Herrn aufs Liebenswürdigste begrüßte.

Bei dem Festmahl der amerikanischen Kolonie anläßlich des internationalen Danksagefestes brächte Botschafter W h i t e ein Hoch auf den Kaiser und den Präsidenten McKinley aus, dabei erklärend, daß während der ganzen Dauer der gemeinsamen Operationen in China die herz­lichsten Gefühle zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland bestanden haben und noch bestehen. Ob­gleich Großbritannien allgemein als das Mutterland verehrt werde, sei doch Deutschland vom intellecluellen Standpunkte aus mehr und mehr ein zweites Mutterland der Vereinigten Staaten geworden. Mehr als irgend ein anderes Land habe Deutschland die Universitäten und technischen Hochschulen Amerikas zu dem gemacht, was sie sind, eine gewaltige Macht in der Entwickelung der amerikanischen Civilisation.

Bei den bevorstehenden Berathungen im Reichs- Eisenbahnamt wird es sich hauptsächlich um die Einrichtung zur Sicherung der Züge auf Strecken mit starkem Verkehr, um die Bauart der Durchgangswagen und um die Wagenbeleuchtung handeln. Zur Förderung der Angelegenheit und zur Klarstellung der zur Er örterung stehenden Punkte sind die betheiligten Bundes­regierungen ersucht worden, sich noch vor der Konferenz zunächst über eine Reihe technischer Vorfragen zu äußern. Außerdem sollen zwei schon früher vom Reichs-Eisenbahn- amt angelegte Fragen: die Verringerung der Gefahren,