unfähig das eigene Herz ist, Liebe zu üben. Wo man viel geliebt hat, da sorgt der Tod dafür, daß auch viel Selbstanklagen bleiben. Aber Gott weiß das alles mit seinen unaussprechlich süßen Tröstungen von unserer Seele zu nehmen. Er hat es nicht nur gesagt, er handelt auch darnach: „Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden."
Kennst dir das Kand?
Kennst du das Land, das deiner Wallfahrt Ziel? Such's nicht in dieses Lebens buntem Spiel!
Such's nicht in dieser Erde flücht'gem Sand, Du hast ein beffres, ew'ges Vaterland.
Kennst du es wohl? Dahin, dahin
Laß, Pilger Gottes, uns zusammen ziehn.
Kennst du das Land, wo man kein Thränlein weint, Wo ungetrübt die Helle Sonne scheint?
Gott selbst wischt dir vom Aug' das letzte Naß,
Dort lacht die Freude ohne Unterlaß
Kennst du es wohl? Dahin, dahin e Kreuzträger du, laß uns zusammen ziehn.
Kennst du das Land, wo k;ine Sünde mehr
Der armen Seele Kampf bringt und Beschwer?
Wo ganz gereinigt durch des Lammes Blut
Sie in der Gnade ew'gem Frieden ruht?
* Kennst du es wohl? Dahin, dahin j Laß, armer Sünder, uns zusammen ziehn.
Kennst du das Land, wo auch der Tod, besiegt Durch Jesum Christ, zu deinen Füßen liegt?
Da ist kein Sterben, ist kein Grab zu schaun, Ein ewig Leben grünt auf Salems Au'n.
. Kennst du es wohl? Dahin, dahin
Laß, Kind des Staubes, uns zusammen ziehn.
C^tna.
Während die Nachricht, daß Prinz Tuan seine Stellung verloren habe, aufrecht erhalten bleibt, scheint es nach verschiedenen übereinstimmenden Meldungen festzustehen, daß Tungfuhsiang jetzt die dominierende Rolle am chinesischen Hofe spielt. Es wird gemeldet:
London, 21. November. „Daily Telegraph" berichtet aus Shanghai vom 20. November: Eine hier eingegangene Meldung besagt, ein geheimes Dekret der Kaiserin-Witwe, das heute telegraphisch verbreitet wurde, ermähne alle Vizekönige und Gouverneure, sich für sofort zum Kriege gegen die Verbündeten in allen Theilen des Landes bereit zu halten.
„Daily News" meldet aus Shanghai vom 20. November, daß der Hof infolge der Entbehrungen und der Unbequemlichkeiten, die er in Singanfu erdulden muß, dringend wünsche, diesen Ort zu verlassen; der Hof sei jedoch völlig in den Händen Tungfuhsiangs, welcher, entgegen den früheren Meldungen, daß er nach Kansu gegangen sei, sich noch in Singanfu befinde und daselbst über 16 000 Mann verfüge.
Feldmarschall Graf Waldersee meldet aus Peking. Ein Detachement von zwei Kompagnien, zwei Geschützen und berittenen Mannschaften unter Major v. Mühlenfels ist heute über Sankiatien (21 Kilometer westlich Peking) abgesandt; Spitzen sollen große Mauer erreichen. Kolonne Aorck hat am 17. Kiming (25 Kilometer südöstlich Hsüenhwa) erreicht und wird auf dem Rückwege mit dem Detachement Mühlenfels Verbindung herstellen.
Petersburg, 21. November. Ein Generalstabsbericht meldet: Am 31. Oktober wurde eine aus zwei Zügen Infanterie, einer Eskadron Kavallerie und zwei Geschützen bestehende Truppenabtheilung abgesandt, um eine Abtheilung Chinesen in der Gegend der Bahnstation Jmancho, 70 Werft nördlich von Kuan Tschenzi an dem Wege nach Charbin, zu entwaffnen. Die Verschanzungen der Chinesen wurden genommen und 300 Mann gefangen. Die russischen Verluste waren gering. — In der Umgebung der Stadt Telin wurden die Bewohner von chinesischen Soldaten durch Brandstiftungen beunruhigt. Eine zur Unterstützung der dortigen Truppen entsandte Abtheilung hatte auf dem Wege Scharmützel mit chinesischer Kavallerie zu bestehen. — In der Nähe von Mukden überfiel eine Räuberbande eine bei einer Brücke beschäftigte halbe Kompagnie Sappeure, wurde aber zersprengt. — Am 7. November hatte eine russische Truppenabtheilung, welche gegen Boxer ausgesandt war, die zwischen Baodi und Lutai standen, ein Gefecht zu bestehen, bei welchem ein von Boxern besetztes Dorf genommen und viele Gewehre erbeutet wurden.
Politische Nachrichten.
Berlin, 22. November.
Am Mittwoch beging die Kaiserin Friedrich ihren 60. Geburtstag. Die „Nordd, Allg. Ztg." schrieb aus Anlaß dieses Tages: „Die Bangigkeit, mit der das deutsche Volk noch vor einigen Wochen nach dem Krankenlager der hohen Frau zu Schloß Kronberg blickte, hat jetzt zur allgemeinen Freuds und Genugthuung einer beruhigten Stimmung Platz gemacht. Wir dürfen uns der Hoffnung hingeben, daß das Leben der zweiten deutschen Kaiserin, der erhabenen Mutter unsers Kaisers, nicht ferner durch das so hartnäckig in die Erscheinung getretene Leiden in Gefahr gesetzt werde. Daher schließt sich an den Wunsch einer recht baldigen, vollkommenen Genesung für die hohe Rekonvaleszentin der weitere
an, daß Ihrer Majestät noch viele frohe Lebensjahre vergönnt sein möchten!"
Im In- und Auslande herrscht nur eine Stimme darüber, daß der neue deutsche Reichskanzler Graf von Bülow in der China-Debatte des Reichstages aufs vortrefflichste seinen Mann gestanden hat. Die Lage zwischen Reichstag und verbündeten Regierungen schien gespannt, — die äußersten Linken wollten sogar Konfliktsluft wittern —, weil der Reichstag nicht schon im Sommer zur Bewilligung der Kosten für die chinesische Expedition einberufen worden war. Als aber Graf von Bülow gleich in seiner ersten Rede das Wort Indemnität aussprach, sanken die Segel der Opposition schlaff herunter. Fürst Bismarck hat dreimal Indemnität nachgesucht, die ersten beiden Male, 1866 und 1873, unter andern Umständen als die gegenwärtigen sind. Nach dem österreichischen Kriege handelte es sich darum, den jahrelangen innern Konflikt mit seiner gegen die Beschlüsse der Volksvertretung geführten Verwaltung zu heilen, während sieben Jahre später Unregelmäßigkeiten in der Verrechnung von Geldern zu beseitigen waren. Diese Vorgänge hätten also keine Nöthigung für den Grafen v. Bülow enthalten, jetzt wegen der Verzögerung der Einberufung des Reichstages nicht bloß nachträgliche Bewilligung, sondern auch Indemnität nachzusuchen. Dagegen war der Vorgang 1884 ungefähr gleichartig mit dem gegenwärtigen Streitfall, so daß mit Recht die Autorität des ersten großen Kanzlers für das Verlangen nach Indemnität hätte angerufen werden können. „Die Form gebe ich billig," sagte Graf Bülow am Dienstage in anderm Zusammenhänge, und viel mehr als eine Formfrage ist es in der That kaum, ob einfach nachträgliche Bewilligung oder ob durch nachträgliche Bewilligung Indemnität nachgesucht wird. In der Sache selbst, nämlich was die Nothwendigkeit der chinesischen Expedition betrifft, waren die verbündeten Regierungen von vornherein in einer günstigern Lage. Mußte doch selbst der Abg. Richter die Entsendung von Schiffen und Truppen so vollkommen als geboten anerkennen, daß man während des ersten Theils seiner Rede die Bemerkung hören konnte, er spreche wie ein Regierungskommissar. Es läßt sich nicht leugnen, daß seit der Einsetzung des Marschalls Grafen Waldersee zum Oberbefehlshaber der fremden Truppen in der Provinz Petschili im deutschen Volke gegenüber der früheren Zuversicht gewisse Besorgnisse wegen unserer Chinapolitik rege geworden waren, als ob sie sich zu weit vorwage und in abenteuerliche Verwickelungen gerathen könne. Jetzt weiß man aus der überaus klaren und eindrucksvollen Eröffnungsrede des Grafen v. Bülow, daß der deutsche Oberbefehl von fremden Mächten gesucht, nicht ihnen ausgedrängt worden ist, und daß die deutsche Politik dadurch keinerlei Aenderung erfahren hat oder erfahren wird. Dies, im Zusammenhänge mit der Betonung der ungetrübten deutsch-russischen Beziehungen, war das wichtigste sachliche Moment in Bülows erster Rede, das seine beruhigende Wirkung nicht verfehlen konnte. So traten als Gegner des chinesischen Unternehmens von allen Parteien nur die Sozialdemokraten auf. Der Abg. Bebel sprach wie ein chinesischer Bevollmächtigter, der Zopf, der hing ihm hinten. Etwas Schlimmeres an Uebertreibungen ist im Reichstage selten vorgekommen, Bebel stellte das Verhältniß von Chinesen und Europäern auf den Kopf, jene sind die wahren Kulturträger, diese die Barbaren. Der kritische Theil der Rede des Abg. Richter richtete sich nicht gegen die Nachtragsforderung, sondern hauptsächlich gegen Reden Seiner Majestät des Kaisers. Rein rhetorisch genommen, sprach Richter geschickter und vorsichtiger, als in mancher frühern Rede. Um so tiefern Eindruck mußte es machen, daß der Reichskanzler Graf Bülow gerade Richter gegenüber mit äußerster Eleganz die Klinge führte. Seit Fürst Bismarcks Tagen ist diesem hochbegabten Redner niemand vom Regierungstische mit so viel Schlagkraft entgegengetreten. Graf Bülow blieb bei aller Ironie doch höflich, so daß man wünschen möchte, die parlamentarischen Debatten bewegten sich immer in solchen vornehmen Formen.
Der Abg. Dr. O e r t e l (Ions.) hat im Reichstag folgende Anträge eingebracht: „Der Reichstag wolle beschließen: die verbündeten Regierungen zu ersuchen, dem Reichstage möglichst noch in der laufenden Session einen Gesetzentwurf über das Ausverkaufswesen vorzulegen, durch den 1. die Anmeldepflicht für alle Ausverkäufe festgesetzt, 2. die Veranstaltung von Scheinausverkäufen und 3. jeder Nachschub von Waaren zu einem Ausverkäufe unter Strafe gestellt wird" — und „Der Reichstag wolle beschließen, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, anordnen zu wollen, daß in die dem Reichstage regelmäßig alljährlich zugehenden „Uebersichten über das Heeresergänzungsgeschäft" besondere statistische Nachweise über die Herkunft und über die frühere Beschäftigung der tauglich Befundenen ausgenommen werden." — DaS Zentrum hat einen Gesetzentwurf, betr. Abänderung der auf die Bestrafung des Diebstahls und der Unterschlagung bezüglichen Paragraphen des Strafgesetzbuchs eingebracht. Danach soll neben oder statt der Gefängniß- bezw. Zuchthausstrafe noch auf Geldstrafen bis zu 3000 Mk. erkannt werden können.
Der ständige Ausschuß des Deutschen Land- w irthschaftsrathes tritt am 30. b, M. in Berlin zusammen, um über folgende Gegenstände zu berathen: Errichtung von Landwirthschaftskammern in den deutschen Bundesstaaten. Vorläufiger Entwurf eines gelten Zoll- tarifgefetzes. Die Nothwendigkeit der Einführung öffentlicher Schlachtviehversicherungen in den Bundesstaaten nach dem Inkrafttreten des Neichsgefetzes, betreffend die Schlachtvieh- und Fleischbeschau vom 3. Juni 1900.
Vorlage des Vereins der deutschen ZuckerindM- treffend die Nothwendigkeit der Stellung der ' ’i Süßstoffe unter den Apothekenzwang. Vorlage bo 1 bandes landwirthschastlicher Versuchsstationen iniD» : Reich, betreffend die gesetzliche Regelung des M ' mit Futtermitteln, Düngemitteln und Saatgut. 2 1 wurf eines Gesetzes über die privaten Versicherung^. ' nehmungen. 1 i
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Die Initiative der Buren bis ins Kapland W t20' die sich in Eisenbahn-, Telegraphen- und WassntU Zerstörungen auf allen Linien und Seiten betueü m macht, wird in der That immer stärker bestätigt. ; „ englische Siegestelegraph weiß freilich nur Sachen folgende, zu berichten: Die Buren erlitten am 18. L eine Niederlage bei Baberspan. Kommandant & r.uh wurde verwundet. Die Lanciers machten eine W auf die fliehenden Buren, welche durch Granatfemi den Hügeln vertrieben wurden und große Verluste Bei Cradock aber wird zum Schutze von Bloemssit ein neues Fort gebaut. '
Einen Unfall des Lord Robertsmä n ü aber auch die Londoner Presse. Der „Daily Telegq auc veröffentlicht heute nämlich die von amtlicher Stele rührende Meldung, daß Feldmarschall Roberts am gti $ot tag mit seinem Pferde stürzte. Roberts trug ind« g y obwohl er durch den Sturz etwas angegriffen war, b Verletzungen davon und konnte seine Dienstgeschästn t r । gewöhnlich erledigen. Gleich nach dem Unfall theilt!!: Ga Feldmarschall dem Kriegsminister telegraphisch mit, b Dei er keinerlei Beschwerden infolge des Sturzes veM geb
(Die Ankunft des Präsidenten fit Mein in Frankreich.) Marseille, 22. NemW in Kurz nach 9 Uhr lief die „Gelderland" in den M Riz ein und gab einen Salut von 21 Schüssen ab, der» An der Hafenbatterie alsbald erwidert wurde. Am Land» platz hat das Empfangskomits Aufstellung genomß Ba Gegenüber dem Landungsplatz haben sich Militärvei» Eli mit ihren Fahnen aufgestellt. Aus der 33olE§metigt| Ge tönen von Zeit zu Zeit die Rufe: „Es lebe firiig wo „Hoch die Buren." Um 11 Uhr Vormittag« l< wo Präsident Krüger, von den begeisterten KundgM gel der am Quai versammelten gewaltigen Mensche« ges begrüßt, die fortwährend Hochrufe auf Krüger unU Un Buren ausbrachte. De
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Aus Provinz und NnHttM t
* (ErweiterteZulas sung v 0 nFeld;7 s e n d u n g e n.) Zur Beförderung an die mobilen L« I truppen des Heeres und der Marine in Ostasisn i | fortan in Privatangelegenheiten der Empfänger A briefe bis zum Betrage von 1500 Mark einschliik- und bis zum Gewichte von 250 g einschließlich zugelch Die Geldbriefe bis zum Betrage von 150 Mk. unH
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zum Gewichte von 50 g einschließlich sind portofrei. 4 die der Portozahlung unterliegenden Geldbriefe W| das Porto bei einer Werthangabe bis zu 150 Mk W einem Gewichte von mehr als 50 g 20 Pf., bei hiM Werthangabe ohne Unterschied des Gewichts: übet-'k bis 300 Mk. 20 Pf., über 300 bis 1500 WRL 40« Das Porto ist vom Absender zu entrichten. Die schrift muß denselben Anforderungen entsprechen wH den gewöhnlichen Feldpostbriefsendungen. Zur stellung des Siegelverschlusses ist feiner Lack zu j wenden. Es empfiehlt sich, auf der Siegelseite der' sender namhaft zu machen. Die Beförderung bet W briefe erfolgt mit den alle 14 Tage abwechselnd Bremerhaven und Hamburg nach Ostasien abgehe^ Reichspostdampfern. In Betreff der Postsendung!"' die Besatzungen der Kriegsschiffe in Ostasien verbleib! ° , la bei den z. Zt. bestehenden Festsetzungen. In der RM « vom Feldheere nach der Heimath werden nunmehr^ falls Geldbriefe bis zum Betrage von 1500 Mk * H 4 bis zum Gewichte von 250 g, ferner Postanwei« - bis zum Betrage von 800 Mk. einschließlich beM
* Der Gothaer Wetterprophet Hab* 4 schreibt: Entsprechend den Druckverhältnissen über Nordatlantik, waren auch diejenigen über Europa» | I im Norden vorwiegend niedrig, im Süden und im 6 k I" trum hoch. Daher war das Wetter über ^^Klt 4 vorwiegend ruhig, milde und heiter. Ergiebige O schlüge und stürmische Winde kamen nur ganz j / vor, ebenso Nachtfröste und Schneefälle in den | Auch im November herrschte bisher die M Druckvertheilung (im Nordwesten flach, im ■ vor und bedingte fortgesetzt ähnliche Witterung"' j,W Oktober. Die Frostgrenze machte nur einige Vorstöße nach Mitteleuropa und hat sich erst 14 Tagen dauernd Frost in Ostrußland festgesetzt ■ den Treibeisverhältnissen in unserem Nordmeer p ^M theilen, dürfte sich auch bei uns sehr bald ein
zu winterlicher Witterung vollziehen. ^.Jt1!
8 Hersfeld, 23. Novbr. (Berliner bericht.) Die nun schon viele Monate an “ unerfreuliche Marktlage erfuhr in der abgelauie>°; richtrwoche keine Aenderung von wesentlicher Die nach wie vor in mäßigen Grenzen sich Nachfrage nach Brotgetreide konnte mühelos ve, werden. Insbesondere Roggen wird aus dem über Bedarf zugeführt und wird ferner au« J ^ sowohl auf nahe, als auf entfernte Lieferung Die auswärtigen Märkte neigten vorwiegend JU1 ,,Mp in Nordamerika haben die Weizenpreise ^"^1^1 geben, theils infolge des unvermutet starken el