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Sr. K. Mwoch Sei A. MM M.
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Amtlicher Theil.
Berlin, den 1. November 1900.
Die durch Artikel 11 Ziffer I des Gesetzes, betreffend
die Abänderung der Gewerbeordnung, vom 30. Juni 1900 als Absatz 3 in den § 134 der Gewerbeordnung neu eingeschaltete Bestimmung über die Lohnzahlungsbücher ist anscheinend mehrfach von den Polizeibehörden nicht zutreffend ausgelegt worden. Auf das Lohnzahlungsbuch finden nach Vorschrift des Gesetzes die Bestimmungen des § 110 Satz (nicht Absatz) 1 und des § 111 Abs. 2 bis 4 der Gewerbeordnung Anwendung. Die Einrichtung der Lohnzahlungsbücher ist also in das Belieben des Arbeitgebers gestellt, nur müssen die Bücher den Namen des Arbeiters, Ort, Jahr und Tag seiner Geburt, Namen und letzten Wohnort seines gesetzlichen Vertreters und die Unterschrift des Arbeiters enthalten. Eine Mitwirkung der Behörden bei der Ausstellung der Lohnzahlungsbücher ist im Gesetz nicht vorgesehen. Die Bücher werden weder unter dem Siegel und der Unterschrift der Ortspolizeibehörde ausgestellt, noch haben die letzteren dementsprechend ein Verzeichniß über die Lohnzahlungsbücher zu führen.
Demgemäß ist auch in der Ausführungsanweisung Jahr.
vom 24. August d. Js. in dieser Beziehung keine Bestimmung getroffen.
Der Minister für Handel und Gewerbe.
Im Auftrage: gez. Neuhaus.
An den Herrn Regierungs-Präsidenten in Cassel. lila 7680.
* * *
Cassel, den 11. November 1900.
Mit Bezug auf meine Verfügung vom 5. d. Mts, A. II. 12204, lasse ich Ihnen vorstehende Abschrift zur Kenntnißnahme zugehen.
Der Regierungs-Präfident. I. .: M a u v e.
An die Herren Landräthe des Regier. igs-Bezirks rc.
A. II. 12908.
* *
*
Hersfeld, den 19. M vember 1900.
Vorstehendes bringe ich zur Kenntn.ß der Ortspolizeibehörden des Kreises.
Als Lohnzahlungsbuch ist von dem Herrn Regierungs- P-räfidenten das nachstehend zum Abdruck gebrachte Muster empfohlen worden.
Verdienter Lohn
Namen
des Arbeiters.
Ort, Tag und Jahr seiner Geburt.
in der Zeit
von
bis
I. 6380.
Abzüge
V tr
M.
e- ag
Pf.
U stu
Zahl
:ber nbei
M.
T
Pf.
Su m
M.
m- e
Pf.
Pf.
M-
Pf.
Sumr
M.
ne
Pf,
Aus-
Unterschrift
Quittung
gezahlter
des Arbeitgebers
des Arbeiters oder seines
Lohn
oder Betriebsleiters
gesetzlichen Vertreters
mit Ort und Datum
mit Ort und Datum.
M. IPf.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 19. November 1900.
Die Herren Bürgermeister zu Allendorf, Dünkelrode, Hilmes, Kleinensee, Kleba, Lengers, Malkomes, Motzfeld, Mecklar, Philippsthal, Rohrbach, Röhrigshof, Sorga, Tann, Widdershausen und Wölfershausen haben mir binnen 3 Tagen die noch rückständigen Abschriften der KassenprüfungSverhandlungen vom 30. September d.J. einzureichen.
A. 3325. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz,
Geheimer Regierungs-Rath.
Ihr einziger Schutz.
Von Ellen S v a l a.
(Fortsetzung.)
„Ich werde weiterarbeiten und durch die Einnahmen, die mir meine Skizzen einbringen, unser Einkommen verbessern," sagte Piolet, und ihr blasses, in der tiefen Trauer- tracht nur noch blässer aussehendes Antlitz wendet sich mit glücklichem Lächeln nach Ceeil hin, der über Sonntag nach »Jvh Lodge" gekommen ist, wo das junge Mädchen noch Mmer wohnt und von Frau Braun, der Besitzerin, alias Haushälterin von des jungen Mannes Tante, wie eine Prinzessin gehalten wird.
Biolet denkt noch immer, daß Ceeil Angestellter eines großen Theehauses sei und „sich ganz gut stehe", aber sie Äauch oder glaubt es zu wissen, daß ihr materielles und ihre sociale Stellung nur sehr bescheiden sein werden. Sie macht sich aber garnichts, nicht das geringste varaus, die schweren Schicksalsschläge ihres Lebens er- ichemen ihr leichter in dem neu gewonnenen Glücke, über welchem nur der Tod des Bruders verdüsternd schwebt.
Ceeil lächelt, ein so eigenthümliches, schelmisches Lächeln, oem Violet gar keine Ursache besiegen kann. Daß er ihr 'wch immer nicht gesagt hat, wer er eigentlich ist mib was ein Leben sie erwartet, hat seine ganz bestimmte Ursache, er weiß schon, wann er sprechen wird.
»Du mit deinem Liebreiz könntest ganz andere Ansprüche
Nichtamtlicher Theil.
Vuhtag.
Der Bußtag ruft die deutsche Christenheit auf zur Einkehr und ernsten Selbstprüsung. Wenn am Schlüsse des Kirchenjahrs die Gedanken an das Ende alles Irdischen sich der Seele mit Gewalt aufdrängen, kann der Gedanke nicht fehlen an die Rechenschaft, die wir am Ende unserer Zeit von unseren Werken und unserm
machen, Violet!" sagt er, ihr zärtlich über das Haar streichend.
Die Antwort ist eine überraschende. Violet ist aufgesprungen nnd liegt im nächsten Augenblicke schluchzend in seinen Armen. Nein — nein, sie will nicht, sie kann ihn nicht auch verlieren, sie will lieber sterben.
„Thörichtes Kind!" beruhigt er sie erschrocken. „Wer denkt gleich an so schlimme Dinge bei einem einfachen Scherze!" aber dabei glänzen seine Augen glückselig, und er lächelt so befriedigt.
In zehn Tagen ist ihre Hochzeit, es giebt noch so viel zu besprechen und zu berathen, und Violet möchte gar zu gerne wissen, wie das kleine Heim aussieht, das Ceeil für sie eingerichtet hat.
„Das eben ist meine Ueberraschung, Lieb. Du sollst zufrieden sein," weicht er ihr aus, und Violet giebt sich zufrieden und malt sich in Gedanken den Augenblick aus, wo das unbekannte Sesam sich vor ihren Blicken öffnen und sie als Herrin empfangen wird.
„Ist es größer als „das Paradieschen"?" fragt sie dann wieder, ihren Vorsatz, nicht mehr zu fragen, vergessend.
„Hm —", wieder mit dem halb schelmischen, halb amüsierten Lächeln, „etwas — nicht viel — die Verhältnisse berechnet, nicht besonders groß--"
„Ich sehe schon, ich muß meine Fragen einstellen. Du willst mich vollständig überraschen!"
„Vollständig! Genau so wie du, freue auch ich mich auf die Ueberraschung! Mehr noch, denn ich weiß schon, wie sie sein wird!"
Wandel zu geben haben, läßt sich/die Frage nicht beiseite schieben nach dem Ertrag an bleibenden Gütern, die unser Leben uns gebracht hat, nach den Früchten von dauerndem Werthe, die durch unser Wirken gezeitigt worden sind. Und kann der einzelne solchen Gedanken sein Herz nicht verschließen, wie sollte nicht die Gemeinschaft derer, die auf dem Grunde des Glaubens und der Hoffnung stehen, wie sollte nicht die deutsche Christenheit sich bewogen fühlen, gründlich und ehrlich die Schäden, an denen ihr Wesen krankt, einzugestehen und auf Besserung und Heilung zu sinnen?
Wie schnell die nächsten zehn Tage vorüberfliegen! Es giebt so viel zu thun und zu besorgen, ihre Sachen im „Paradieschen" zu packen, ihre kleine Privat-Aussteuer zu besorgen, das Grab des Bruders zu schmücken und den Vater zu besuchen, wobei diesmal Ceeil ihr Begleiter sein wird, all die tausend großen und kleinen Besorgungen, die einem solchen Ereignisse voraufgehen, daß die Zeit kurz erscheint.
* *
Man hat Mister Blunt den Besuch seiner beiden Klienten angemeldet, und als nun Cecil dem schlanken, schönen Mann gegenübersteht, in dem so deutlich der Vater der Geliebten zu erkennen ist, packt ihn so tiefe Rührung, daß er unfähig ist zu sprechen, und derweil schreitet Violet auf den Vater zu und sagt mit weicher, zärtlicher Stimme, was sie immer sagt, wenn sie ihn sieht: „Guten Tag, Vater, wie geht es dir?"
Und dann antwortet der Kranke, was er immer antwortet: „Ich danke Ihnen, Mylady! Es geht mir gut! Sie kommen gewiß, meine Cheks in Empfang zu nehmen?"
Violet ist sonst immer auf die Idee eingegangen. Heute kann sie es nicht. Sie weiß nicht warum; aber etwas sagt ihr, daß sie ein Segenswort erhäschen möchte, um damit Hineinzugehen in das neue Leben.
So kniet sie denn neben dem Stuhle des Vaters nieder, legt ihre Hände auf seinen Ami und schaut auf zu ihm mit der ganzen zärtlichen, schwärmerischen Liebe, die sie ihm immer entgegenbrachte, und durch ihren Ton klingt es wie schmerzliches Bitten: