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tarM ta 15. November
6eati«6«ilae<n > „SUwftrirt** Sonn»ag»blatt" *. „2u«fteirt< landwirthschaftlich« Beilage
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Amtlicher Theil.
Abschrift.
Kaiserlich Deutsches Madrid, den 31. August 1900. Konsulat in Madrid.
Die Nachricht, daß eine Sevillaner Gesellschaft, die den deutschen Namen „Allgemeine StaatSpapier-Gesell- schaft" führt, vor einigen Monaten hier einen Vertreter bestellte, hat mir Veranlassung gegeben, über dies Unternehmen an den verschiedensten Stellen Erkundigungen einzuziehen. Deren Ergebniß beehre ich mich Euerer Durchlaucht nunmehr gehorsamst vorzutragen.
Vor einigen Jahren vereinigten sich, um ausländische Prämienloose gegen monatliche Abschlagszahlungen abzu- setzen, in Sevilla zwei Postbeamte Luis Garcia und M. äs la Mata & Ortiz unter der Firma Garcia & Cie., die im Jahre 1899 in „Allgemeine Staatspapier-Gesellschaft" umgewandelt wurde. Die Gesellschaft, die in zahlreichen spanischen Städten Vertreter haben soll, befaßt sich mit dem Absatz von meistens minderwerthigenPrämien- loosen zu überaus hohen Preisen und mit der Maßgabe, daß der Käufer alle Rechte auf die Loose und die bereits geleisteten Zahlungen verliert, wenn die Monatsraten nicht vor Ablauf des FälligkeitS-MonatS entrichtet werden. Die Loose bezieht die Gesellschaft seit einiger Zeit gegen Theilzahlungen von der Wiener angesehenen Bank Merkur, der übrigens über das Geschäftsgebahren des Sevillaner Unternehmens nach einer Auskunft des Kaiserlichen Konsulats in Wien nichts Näheres bekannt ist. In hiesigen Bankkreisen und auch sonst macht die Thätigkeit der Allgemeinen Staatspapier-Gesellschaft keinen vertrauenerweckenden Eindruck. Ob sie ihre Geschäfte auch auf Deutschland ausdehnt und mithin dem Reichsgesetz vom 16. Mai 1894 entgegenhandelt, habe ich trotz aller Bemühungen nicht in Erfahrung bringen können. Für diese Geschäftsausdehnung spricht aber der deutsche Namen des Unternehmens und dessen anscheinend bestehende Verbindung mit der Hollandsche Credit-Bank in Amsterdam, wohl einer derjenigen auch Deutschland bearbeitenden niederländischen Prämienloosbanken, deren Treiben ich während meiner amtlichen Thätigkeit in den Niederlanden zur Genüge kennen gelernt habe.
* * *
Cassel, den 31. Oktober 1900.
Anbei übersende ich Abschrift eines von dem Herrn Minister für Handel und Gewerbe mir mitgetheilten Berichts des Kaiserlichen Konsuls in Madrid über das schwindelhafte Gebühren der Allgemeinen Staatspapier- Gefellschaft in Sevilla. Wenn auch bisher nichts darüber
Ihr einziger Schutz.
Von Ellen S v a l a.
(Fortsetzung.)
Eben tritt sie aus der Thüre, eine weiße Schürze über ihr lichtes Mousselinkleid gebunden, die Theekanne auf weißgedecktem Breltchen, und gerade da auch tönt es hinter der Glycinmauer hervor:
„Grüß Gott, mein Junge! Hast dir ja einen wunderschönen Platz zum Ruhen ausersehen! So gut haben wir alten Leute es nicht mehr!"
Percy springt auf, Helle Freude in seinen Augen, und schwenkt seine Kappe. Bildschön sieht er aus in dem weißen Flanell-Anzug mit den einen Halbmond umgebenden roten Sternen des Brustlatzes, das Abzeichen seines Kricketklubs, daß die Augen des jungen Mannes über der Blumenmauer entzückt an ihm festhaften.
Cecil und Percy sind gute Freunde. Eins Woche nach der Begegnung mit Violet ist Cecil plötzlich im Kollege von Harrow erschienen, um dem Knaben die Grüße der Schwester zu bringen. Daß er nicht auf „Geschäftsreise", sondern ganz besonders ihm zu Liebe gekommen war, sagte er ebenso wenig, wie er alles andere sagte, aber deshalb war es doch nicht umso minder wahr, und die beiden, der große und der kleine Junge, verlebten
bekannt geworden ist, daß die Gesellschaft ihre Thätigkeit innerhalb des Deutschen Reichs ausübt, so dürfte doch die deutsche Firmenbezeichnung und auch die nach dem Berichte des Kaiserlichen Konsuls anscheinend bestehende Verbindung der Gesellschaft mit der Hollandsche Credit-Bank in Amsterdam auf diese Geschäftsausdehnung hindeuten. Ich ersuche Sie deshalb, die Polizeibehörden von den berichteten Thatsachen in Kenntniß zu setzen, damit sie ihre Aufmerksamkeit auf das Treiben der Gesellschaft lenken und gegebenen Falles ein strafrechtliches Einschreiten gegen diese oder ihre Organe herbeiführen. Von Ihnen etwa bekannt werdenden Thatsachen, die zu einem Einschreiten gegen die Gesellschaft Anlaß geben könnten, wollen Sie mir Mittheilung machen.
Der Regierungs-Präsident. I. V.: M au v e. An die Herrn Landrälhe des Bezirks. A. II. 12496.
* * *
Hersfeld, den 12. November 1900.
Vorstehendes bringe ich zur Kenntniß der Herren Ortspolizeibeamten des Kreises mit der Veranlassung, mir von etwaigen Wahrnehmungen über die Thätigkeit der frl. Gesellschaft im hiesigen Kreise Bericht zu erstatten.
I. 6321. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Cassel, den 9. November 1900.
Auf Grund des § 2 der Gesetzes über die Schonzeiten des Wildes vom 26. Februar 1870 und des § 107 des Zuständigkeitsgesetzes vom 1. August 1883 wird angeordnet, daß der Schluß der Jagd auf Rebhühner mit dem Ablauf des 17. November 1900 eintritt.
Namens des Bezirks-Ausschusses. Der Vorsitzende.
*
Abschrift zur Kenntnißnahme und weiteren Veröffentlichung.
I. V.: (Unterschrift.)
An die sämmtlichen Herren Landrälhe des Bezirks.
♦ * *
Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 12. Novbr. 1900.
L 6337. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Der Landrath. Hersfeld, den 13. November 1900. III. 1059.
Die Ortspolizeibehörden des Kreises mache ich wiederholt auf die Bestimmungen des § 44 und 44a der Reichsgewerbeordnung aufmerksam. Den Gewerbetreibenden
einen herrlichen Nachmittag zusammen. Cecil war im Break seines „Chefs" gekommen, Percy durfte kutschieren und lenken, und der Brief, der nach jenem Nachmittag zu Violet flog, ließ nichts zu wünschen übrig an Ausdrücken des Entzückens und der Bewunderung.
Gleich am Morgen war Percy nach „Jvy Lodge" gestürmt, Cecil aber war noch nicht von London gekommen, hatte aber an die Haushälterin seiner „Tante," die in Wirklichkeit die Besitzerin der kleinen Villa war, geschrieben, daß er am Nachmittag da sein würde. —
Was er gewollt, hatte er erreicht. Durch den Bruder war ihm der Verkehr mit der Schwester erleichtert, und wie er so dastand und das liebliche Bild da unter sich mit dem Herzen und den Augen verschlang, wußte er auf einmal, daß er „rettungslos" verliebt war und eine Tiefe des Gefühle« für das schöne, einsame Mädchen in sich trug, die er niemals für möglich gehalten hätte.
Violet hatte die Theekanne auf den Tisch gestellt. Der Ausdruck widersprechender Gefühle lag auf ihrem Antlitz, hervorgerufen durch den Wunsch, die dem Bruder erzeigte Freundlichkeit durch eine Einladung zum Thee zu erwidern, und dem Zweifel, ob sie die« auch könne. Aber dann siegte der Wunsch, und sie trat ganz dicht an die Mauer, welche Percy halbwegs erklettert hatte,
bezw. den in ihren Diensten stehenden Reisenden dürfen Leg itimationska rten zum Aufsuchen von Waarenbestellungen und zum Aufkaufen von Waaren (§ 44a R. G. O.) nur dann ertheilt werden, wenn sie mit Waaren der in der Karte vermerkten Gattung thatsächlich an ihrem Wohnorte ein stehendes Gewerbe betreiben.
Freiherr von Schleinitz.
Homberg, den 12. November 1900.
Nachdem die unter dem Rindvieh des Schmieds Justinus Keim zu Mühlbach ausgebrochene Maul- und Klauenseuche erloschen ist, wird die durch meine Verfügung vom 19. v. Mts. angeordnete Gemarkungssperre über die Gemeinde Mühlbach und deren Feldmark hierdurch aufgehoben.
Die Herrn Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises haben dies alsbald in ortsüblicher Weise bekannt machen zu laffen. Der Kreis Homberg ist maul- und klauenseuchefrei.
Der Landrath. v. Gehren.
Nichtamtlicher Theil.
Lhina.
Die Bahnlinie Tongku — Schanhaikwan.
An der Bahnlinie Tongku—Tongshan—Schanhai- kwan ist hauptsächlich englisches Kapital interessiert. Auch die Verwaltung war in englischen Händen, an der Spitze steht ein englischer Ingenieur. Es erregte deshalb arge Mißstimmung in England, als nach dem Einrücken der fremden Truppen in Petschili und den erfolgreichen Kämpfen gegen die Boxer, die jene Bahnlinie ebenso wie die Linien Paotingfu—Peking und Tientsin— Peking theilweise zerstört hatten, die Russen die Verwaltung in die Hände bekamen. Obgleich dies offenbar in militärischem Interesse gelegen war, so wiesen die Engländer doch darauf hin, daß das Civilpersonal vollkommen ausreichend sei, um die zerstörten Strecken wieder- herzustellen und den Betrieb zu leiten. Außer der Rücksicht auf die englischen Bahnbeamten wirkte bei der Erregung der englischen Presse auch die Furcht mit, daß die Russen den unmittelbaren militärischen Zweck nur zum Vorwand genommen haben und eine dauernde Behauptung der Bahnlinie beabsichtigen könnten, obgleich noch im vorigen Jahre durch einen deutsch-russischen Notenwechsel die englischen Interessen an der Bahnlinie gesichert worden waren.
um dem Freunde die Hand zu reichen, der in dem Rankengewirre hing, wie eine Fledermaus am Aste.
„Würde es Ihnen Freude machen, den Thee mit uns einzunehmen, Mister Barlow?" sagte Violet, über und über roth werdend und den jungen Mann aus schüchternen, bittenden Augen ansehend. Ein Sonnenstrahl hatte sich in ihrem goldenen Gelock gefangen, auf das der Wind lichte Lindenblüthen geweht hatte, und Cecil dachte bei ihrem Anblicke an ein Madonnenblid, welches er einmal in einem alten, französischen Kloster versteckt in einem dämmerigen, kühlen Kreuzgange gesehen. Es hatte dieselben schüchternen, bittenden Augen, dasselbe blütenbestreute, krause Goldgelock gehabt.
„Ob es mir Freude macht!" sagte Cecil ent- zückt. „Das ist ja wunderschön, darf ich denn so kommen?"
Er hob seine Arme und zeigte einen weißen Flanellrock. „Besuchsmäßig sehe ich gerade nicht aus! lachte er.
„O bitte, wir sind ja in der Sommerfrische!"
Violet — du bist doch ein famoser Kerl!" kam es entzückt von des Bruders Lippen. „Was ich dachte, sprichst du aus!"
Aber," begann Cecil wieder von der Höhe feines Gartens aus, „ich kann leider nicht allein kommen,