Richardson trafen aus Paotingfu hier wieder ein, nach- dem sie mehrere Dörfer der Boxer zerstört, drei Boxer, führcr abgeurtheilt und erschossen sowie von den Chinesen das Versprechen erhalten hatten, 40 000 Taels als Entschädigung für die Ermordung britischer Missionare zu zahlen. Der chinesische General Fan wurde in Folge eines Mißverständnisses von indischen Soldaten erschossen.
London, 8. November. Ein Telegramm des Generals Campell besagt: Ich traf am 7. d. MlS. in Tientsin ein. Gestern machten in Tiuliu die Chinesen den Versuch, Pulver zu stehlen, wobei sie eine Explosion verursachten. Drei englische Soldaten, ebenso drei Träger wurden getödtrt, vier Träger verwundet. Eine große Anzahl Chinesen wurde getödtet oder verwundet, weil ihre wattierten Kleidungsstücke Feuer fingen.
Der „Times" wird aus Schanghai mitgetheilt: Der stellvertretende Vizekönig der Provinz Tschili, Ting- jung, der Tataren-General Kueiheng und der Oberst Wangtschaume sind auf Befehl des Kriegsgerichts zu Paotingfu erschossen worden. Der Präsident des Handelsamtes, Tschungli, wurde von den Franzosen in der Nähe von Peking verhaftet.
Jt schon, 31. Oktober. Von den bei Tsukingkwan schwer verwundeten Soldaten der Kompagnie des Hauptmann Bartsch sind gestern leider noch zwei an ihren Wunden gestorben, sodaß die deutschen Verluste sich auf vier Todte belaufen. Alle vier werden hierher gebracht und morgen feierlich beerdigt werden. — Gestern hat ein kleines Gefecht westlich von Tsukingkwan stattgesunden. Aus einem Dorfe wurde auf unsere Patrouillen gefeuert; das Dorf wurde erstürmt und niedergebrannt. Wir hatten dabei keine Verluste, die Chinesen hatten 20 Todte.
Politische Nachrichten.
Berlin, den 8. November.
In Gegenwart des K a i s e r s hat gestern Vormittag 10 Uhr die Vereidigung der Rekruten der Garnisonen Berlin, Spandau, Charlottenburg und Groß- Lichterfelde auf dem großen Platze zwischen dem Königlichen Schlosse und dem Lustgarten stattgesunden. Kurz vor 10 Uhr erschien aus dem Schlosse der oberste Kriegsherr zu Pferde, von zwei Adjutanten begleitet, mit dem grauen Militärumhang über der mit dem Bande des Schwarzen Adlerordens geschmückten Uniform. Er nahm dem Altar gegenüber Aufstellung und befahl den Anmarsch der Fahnen und Standarten, die in zwei Gliedern vor dem Altar Stellung nahmen. Nach den Ansprachen der Geistlichen und dem Akte der Vereidigung hielt der Kaiser eine Ansprache an die Rekruten, worauf der kommandierende General des Gardekorps, General der Infanterie von Bock und Pollach, ein dreimaliges Hurra auf den oberstenKriegsherrn ausbrachte, in dasOffiziere und Mannschaften begeistert einstimmten. — Heute Morgen hörte der Kaiser zunächst den Vortrag des Kriegsministers General der Infanterie von Goßler und demnächst den Vortrag des Chefs des Militärkabinets Generaladjutanten Generals der Infanterie von Hahnke. Um 11 Uhr begab sich der Kaiser nach Potsdam zur Vereidigung der Rekruten der Garnison. Nach der Vereidigung nahm Se. Majestät eine größere Anzahl militärischer Meldungen entgegen und wohnte im Regimentshaus des Ersten Garderegiments zu Fuß dem Frühstück bei.
Im Reichsschatzamt hat in diesen Tagen eine Konferenz über die Besteuerung des inländischen Schaumweins und insbesondere über die Handhabung der steuerlichen Kontrole stattgesunden. Zu der Konferenz war eine Anzahl von Schaumwein-Interessenten zugezogen. Ueber die Erörterungen wird vorläufig Stillschweigen beobachtet, jedoch ist in Vorschlag gebracht, allgemein einen Flaschensteuersatz von 50 Pfg. für alle Sorten Weinbeeren-Sekt einzuführen; von diesem Satze
fixe Idee, die er hatte eingehend, Herr Bankier und wer den schlanken, schönen Mann mit dem ergrauten Haare und der vorgebeugten Haltung im Garten der Klinik auf- und abgehen sah, hätte ihn viel eher für einen in seine wissenschaftliche Grübeleien vertieften Gelehrten, denn für einen Patienten des Hauses gehalten.
Nun wo es Sommer war, emfing er seine „beiden Klienten" im Garten, und wer Gelegenheit hatte, ihn am Arme der Tochter, seinen Sohn an der Hand haltend, die Wege auf- und abschreiten zu sehen, eifrig in sie hineinsprechend und Zahl auf Zahl vor ihnen auf- lürmend,der vergaß das schöne traurige Bild so schnell nicht.
Eine Stunde später aber huschten zwei Menschen durch die kleine Gitterthüre des weiten Gartens hinaus auf den nach der Station führenden Weg, und keine der umwohnenden Wärter-Familien fragte mehr, wer das schöne, weinende Mädchen am Arme des schlanken Knaben sei, der mit so verrätherisch glänzenden Augen und zuckenden Lippen zu ihr aussah. Jedermann wußte, es waren die beiden Klienten des ruhigen, stillen Kranken mit dem sanften Träumer-Antlitz, die Kinder, die er vergessen, das letzte, das ihm geblieben aus einer Zeit, von der er nichts mehr wußte.
An der Station immer ein und derselbe Abschied.
„Schreibe gleich Violet, hörst du, damit ich weiß, daß du gut angekommen bist! — Grüß mir das „Paradieschen" und vergiß nicht, daß ich dein einziger Schutz bin!"
Dann noch ein nicht endenwollendes Küssen und
würden die ins AnSland gebrachten Flaschen befreit bleiben. Die Steuerkontrole soll in den Fabriken aus- geübt werden durch Aufkleben einer Steuermarke, die durch ihre Beschaffenheit und die Art des Aufklebens eine Steuerhinterziehung ausschließt. Die aus Aepfel-, anderen Obst- und Fruchtweinen hergestellten Schaumweine sollen einer Steuer von nur 10 Pf. unterworfen werden. Die Fabrikanten sollen verpflichtet sein, die Art des Schaumweines und die Anzahl der zur Besteuerung heranzuziehenden Flaschen vorher steueramtlich anzumelden.
Der aus Anlaß des anscheinend von Argentinien ein- geschleppten Pest fa lies vom Kaiserlichen Gesundheitsamt nach Bremen entsandte Regierungsrath Professor Dr. Koffel ist von dort zurückgekehrt. Die aufs Sorgfältigste angestellten Ermittelungen hinsichtlich der mit dem Kranken vor der Feststellung des Charakters seiner Krankheit in Berührung gekommenen Personen berechtigen zu der Hoffnung, daß der Fall vereinzelt bleibt. Mit der Möglichkeit, daß derartige einzelne Fälle eingeschleppt werden,, muß bei unseren heutigen Verkehrsver- Hältnissen auch fernerhin gerechnet werden; es kommt Alles darauf an, sofort die ersten Fälle rechtzeitig zu entdecken und auch bei bloßem Pestverdacht die erprobten Schutzmaßregeln durchzuführen.
Für die Dienstkleidung der Staat«- Eisenbahn-Beamten ist durch Erlaß vom 1. Oktober d. J. eine bequemere Form eingeführt und genehmigt worden, daß bei allen Dienstverrichtungen von den mittleren Beamten eine Joppe nach dem Schnitt der Offizierslitewken mit vorn abgerundetem Umlegekragen ohne Goldstickerei und von den untern Beamten eine Joppe in Litewkenform mit vorn abgerundeten Umlegekragen und mit orangefarbenem Vorstoß getragen werden darf. Bei den ersteren Beamten entfällt damit auch die Anlegung des Degens. Nur bei Reisen höchster Herrschaften ist wie bisher von den bei diesem Dienst thätigen Beamten der dafür vorgeschriebene Uniformsoberrock zu tragen.
Von der preußischen Eisenbahndirektion sind 182 Personen- und G üterw agen neu in Bestellung gegeben worden.
Die in verschiedene Blätter übergegangene Meldung der „Oberschlesischen Zeitung", wonach eine Reorganisation d es Eisenbahnwesens bevor« stehe, indem die bestehenden 21 Eisenbahndirektionen ausgehoben und an ihrer Stelle 5 Generaldirektionen eingesetzt werden, sowie Erhebungen hierüber bereits eingeleitet sein sollen, ist im ganzen wie im einzelnen rein erfunden.
Vom 1. April bis Ende September d. I. sind an Zöllen und gem e in s ch a s t li ch e n - V e r- brauchs Steuern, einschließlich der kreditierten Beträge, im Reiche zur Anschreibung gelangt 411 Millionen Mk. (2 Millionen Mk. mehr als in derselben Zeit des Vorjahres). Davon entfallen auf die Zölle allein 240 Millionen Mk. (9 Mill. Mk. mehr). Die zur Reichs- kasse gelangte Ist-Einnahme abzüglich der Ausfuhr-Vergütung und Verwaltungs-Kosten betrug bei den Zöllen und Verbrauchs Steuern 384 Millionen Mark (16 Mill. Mark mehr als in derselben Zeit des Vorjahres).
Die Präsidentenwahlen in den Vereinigten Staaten haben mit dem glänzenden Siege des bisherigen Präsidenten Mac Kinley geendigt. Die Republikaner hatten den Sieg ja so wie so schon in der Tasche; aber sie fühlten sich ihrer Sache vollständig sicher, als der Wahltag für ganz Nordamerika das denkbar schönste Wetter brächte. Nun wußte man, daß die ländlichen Wähler gleichfalls zur Wahlurne eilen und den Sieg des Republikaners herbeiführen würden. Und das schöne Wetter des Wahltages hat die Erwartungen Mac Kinleys und seiner Partetangehörigen nicht getäuscht. Mac
Umarmen und dann fuhr ein jede? der beiden Geschwister nach seinem Bestimmungsorte.
Von einer solchen Reise heimkehrend, fand sich Violet plötzlich Auge in Auge Cecil Barlow gegenüber. Der junge Mann war gerade in dem Augenblicke auf der Plattform von Charing Croß angekommen, als Violet, einem Zuge entsteigen, nach dem andern suchte. Die großen Bahnhöfe erschreckten sie noch immer, sie fand sich nicht zurecht. Seit sie „auf das Land" gezogen war, mußte sie eine andere Plattform nehmen, und fast immer irrte sie sich darin, verfehlte den Zug und mußte auf einen anderen warten.
Geistig und körperlich müde, geqält von Sehnsucht und Kummer, schüchtern in all dem Menschengemenge, das auf den Plattformen kam und ging, so stand sie einen Augenblick hilflos da, und ihre suchenden Augen fielen auf die jugendschöne Gestalt des Londoner« gerade in dem Augenblicke, als auch er ihrer ansichtig wurde.
Sie erkannte ihn sofort, ein tiefes Roth überflutete ihr blasses, schmerzliches Antlitz, als er grüßend den Hut zog, und auf diesem Antlitz in der ganzen «Schwer- muth ihrer Haltung lesend wie in einem aufgeschlagenen Buche, auf sie zutrat.
„Ich glaube, wir haben ein und denselben Weg, gnädiges Fräulein!" sagte er, immer noch den Hut in der Hand haltend. „Und da ich vermuthe, daß gnädiges Fräulein ziemlich unbekannt mit den Wegen und Stegen dieses Bahnhofs-UngetümeS sind, so würde es mir eine große Freude sein, sie geleiten zu dürfen!"
„Ach, wie gerne!" sagte Violet aus tiefstem Herzen, aber so schüchtern und verschämt, daß der große Junge da neben ihr, der so viel schöne, elegante Frauen von
Kinleyis wurde mit einer wesentlich größeren Nj.„! als vor 4 Jahren gewählt.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die Söitb wähl McKinleys zum Präsidenten der Vereis Staaten von Amerika wird in der deutschen treffe J Blättern aller Parteirichtungen freundlich aufgen^; Auch wir schließen uns gern der Zuversicht ’ Präsident McKinley auch während seiner neuen» ministration, zu deren Antritt wir ihn ausrickti«! glückwünschen, ein gutes und freundschaftliche« niß zwischen dem deutschen Reich und dem großen^ atlantischen Freistaat zum Segen der vielfach »ich tenen Beziehungen beider Länder zu fördern sein wird.
Eine späte Meldung von einer englischen Schl^ ist heute die einzige Nachricht vom Kriegsschauplatz^
C r a d o ck , 4. November. Ein von einer MM gezogener Wagenzug mit Vorräthen, welcher sich t Kimberley nach Boshof bewegte und der unter BedG von 10 Mann vom Kimberley-Regiment stand, M 9 Meilen von Kimberley von 20 Buren angegG Die Buren nahmen den Wagenzug, ohne daß ein ®(t abgefeuert wurde, und sprengten die Maschine in [
Luft.
Umsomehr richtet sich das allgemeine Interesses die Reise des Präsidenten Krüger.
Der Draht meldet:
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Paris, 8. November. Die englische Regie:, w. wird Frankreich die offizielle Notifizierung der AnnM Qmj Transvaals am Tage vor der Ankunft des Präfidech bie Krüger in Marseille mittheilen und somit die franzW-ohn Regierung zwingen, den festlichen Empfang Krüger« her, untersagen.
------. ----------------------------- Far
Aus Provinz mi> PoPorzebiei. S
* (P e r s o n a l - C h r o n i k.) Ernannt: der PsG gehilse Bode zu Altenhaßlau zum Pfarrer zu Rempfe Mo brunn, der außerordentliche Pfarrer Hütteroth zum A bieg weser der Pfarrstelle zu Wasenberg, der außerordeE Str Pfarrer Linnenkohl zum Gehilfen des Pfarrers JW Hai zu Arnsbach, der Referendar von Baumbach zum k Met richtsaffesior, der Oberlandesgerichts-Sekretär Dietzelr 9.1
Cassel zum Rechnungsrevisor bei dem OberlandeSgelii weg
daselbst, der Unteroffizier Bettenhausen zum Schutz«: Mo bei der Polizeiverwaltung zu Fulda. — Versetzt: d Cat Postverwalter Großkurth von Mansbach nach BWs 4. 5 und der Postverwalter Baumgarten von da nach M gege als Postassistent, der Stationseinnehmer Schubert weg Sangerhausen zum 1. Dezember nach Cassel, der S« mitt mann Klose bei der Polizei-Direktion zu Cassel z« agei 1. November d. I. an die zu Fulda. darf
-e- Hersfelv, 9. Novbr. (Sanct Martini den tag.) Der 10. November ist der Martinstag unbü mar ganz Deutschland als der Festtag des heiligen Marti! und von Tours bekannt. Martin war im Jahre 354 Ossi!«: im Heere des Kaisers Konstantin. Die Sage erD
weg fech'
der Sch
daß, als er einst einen armen Menschen fast nackend»«
Kälte am Wege stehen sah, Martin seinen weiten M^ mitten durchschnitt und die Hälfte dem Entblößten gab Er ist der erste Heilige, dem in der römischen Kirche ei« dresi Verehrung zu theil wurde. Auf dieses Fest finb i‘, Deutschland viel Bräuche des alten, dem Wodan weihten Herbst-Dankfestes übergegangen. Das chiM: ^a teristische Merkmal von „Martini" ist die VerehiM welche in diesen Tagen alt und jung für die Nachko«»- «cy schaft der befiederten Retter des römischen Kapitols P Ausdruck bringen. Wir befinden uns nämlich r°n wärtig im Zeichen der Gans. Die „Martinigans' ■ das leckere Mahl, welches selbst der weniger gut
Rang und Reichtum um sich zu sehen gewohnt war, N so geschmeichelte Wonne in sich aufsteigen fühlte, ßcߣ habe man ihm niemals etwas schönere« gesagt. beut (Fortsetzung folgt.) J und
— Oldenburg, 8. Novbr. Das hier ernW W . Kriegsgericht der 19. Division verurtheilte heute in g ersten Sitzung den Deserteur Kipka vom 91. Reg>^ der bei der Ergreifung einen Gendarm erstach, * Todtschlags und Fahnenflucht, sowie sonstiger tretungen zu 13 Jahren Zuchthaus.
— Zellerfeld, 7. November. Vorgestern^ mittag fand, der „Görl. Ztg." zufolge, im Walde Festenburg in der Richtung nach Schulenberg ? Pistolenduell statt zwischen dem Berginspen^ und dem Bergbaubeflissenen E. Berginspektor F. eine Kugel in den Unterleib. Der Verwundete ^ , zunächst ins Klausthaler Krankenhaus, dann aber , Göttingen in die Klinik überführt. Als Grund ® eine mißverstandene harmlose Bemerkung des e Duellamtea über den Andern bezeichnet.
— München, 8. Nov. Bei den Vorbereit»»^ zu einem Vortrage, welchen Oberingenieur Schien» W im Gewerbeverein Schweinfurt hatten wollte, E der Acetylen-Entwickler und zerschmetterte Kopf, sodaß der Tod sofort eintrat. am
— Lyon, 4. November. Heute Nachwit^ gll( ein anscheinend geistesgestörter 42 jähriger FrisE die Stufen des Denkmals Carnots und hielt «. jet spräche an die Menge. Dann zog er ein Nau aus der Tasche und durchschnitt sich die Keh> ■ Verwundung des Mannes war tüdtlich.