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ersfelStr meisblatt.

Gratisbeilagen rIllustrirter Sonntag-blatt" «.IUnstrirte landwirthschaftliche Beilage."

AeHiiz ta 30. Atober

1900.

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Jllustrirtes Sonntagsblatt" u^ Jlluftrirte landwirthschaftl. Beilage

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W für die Monate November und Dezember

I werden von allen kaiserlichen Postanstalten, kandbrief- » träaern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil

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Hersseld, den 25, Oktober 1900.

Z«r AmtHtiiemrmlWW fiir 1901.

(1. April 1901 bis zum 31. März 1902).

Durch Verfügung vom 19. September 1900 (Kreis­blatt 111) ist bekannt gemacht worden, daß die Personen- standsaufnahme am Montag, den 29. Oktober 1900 und an den nächstfolgenden Tagen stattfindet.

Das zur Veranlagung nöthige Formular erhalten die Gemeindevorstände im Laufe dieser Woche.

Für die Vorbereitung der Veranlagung durch die Gemeindevorstände Personenstandsaufnahme, Auf­stellung der Gemeinde- und Staatssteuerliste gelten die Bestimmungen der Artikel 35, 36, 37, 38, der Anweisung zur Ausführung des Einkommensteuergesetzes.

L Es sei besonders darauf hingewiesen, daß Kinder, auch 1 wenn diese von ihren Eltern in oder außer dem Hause i Wohnung und Unterhalt empfangen, in den Steuer- U listen besonders aufzuführen, also selbständig zu ver- t| J aulagen find, wenn sie ein der Verfügung ihrer Eltern ß nicht unterliegendes Einkommen beziehen. Als der s- Verfügung der Eltern nicht unterliegend gilt insbe- -J sondere das Einkommen:

a) aus Gewerbebetrieb, aus Arbeit oder anderer Gc- - s winn bringender Thätigkeit außerhalb der Wirtschaft oder i des Gewerbes der Eltern,

b) aus Thätigkeit in der Wirtschaft oder dem Ge­werbe der Eltern, sofern dafür Gehalt oder Lohn in barem Gelde nicht nur Taschengeld gewährt wird, c) aus Vermögen, dessen Nutznießung den Eltern Nicht zusteht.

<£in deutsches Mädchen.

Roman von K. Deutsch.

(Fortsetzung.)

Sie sprach nicht laut, nicht heftig, auch die Hände rang sie nicht; sie lagen ruhig und geschlossen auf ihrem choße, so ruhig und fest, als hätten sie sich in krampf­

haftem Schmerz geschlossen, ein eben solch starres, regungs- loses Weh lag in ihren Zügen.

Ich habe die Ahnung, Sanna, daß er mir heute M eine böse Nachricht bringen wird. Wer weiß, wo Dniein Sohn gefallen und in welchem unbekannten Winkel M er begraben liegt."

O, gnädigste Herrin, warum denn nur Trübes denken (und sinnen! Unser junger Herr wird wiederkehren, ge- z sund und heil, mein Herz sagt es mir."

Die Alte hatte sich erhoben, war vor der Gräfin M »iedergekniet und streichelte ihr Hände und Kleider, wie Metwa einem aufgeregten Kinde, um es zu beruhigen.

fEr ist im Kriege, die Kugel kann ihn treffen, » wie jeden andern. Im Kriege für ein Volk, das nicht das feine ist, für eine Sache, die ihn nichts angeht. I Doch ihn trieb ja nicht das Interesse dieses Volkes, | ihn trieb seine Leidenschaft. O, dieses Mädchen, dieses iWdchen!"

I Die Alle stand schweigend vor ihr, ihr Gesicht zeigte, W M sie innerlich mit sich rang, mit einem Entschlüsse,

Hinsichtlich derjenigen Personen, welche im Gemeinde- bezirke ihren Wohnsitz haben und nur zeitweise des Arbeitsverdienstes wegen oder aus anderen Gründen ^Artikel 35 Nr. 1) abwesend sind, ist meine Verfügung vom 18. d. Mts. III. 919, die nur den Vorständen der Landgemeinden zugegangen ist, zu beachten.

Die Gemeindevorstände haben die ihnen obliegenden Arbeiten mit der größten Genauigkeit zu besorgen und bis zum 17. November d. Zs. fertigzustellen, hiernach aber sofort das ganze Material (Staatssteuerliste für 1900 und 1901, Gemeindesteuerliste für 1900 und 1901) dem Vorsitzenden der zuständigen Voreinschätzungskom- misston einzureichen.

Die Sitzungstage der Voreinschätzungskommissionen bestimme ich noch.

Der Vorsitzende der Beranlagungskommission.

III. 955. Freiherr von S ch l e i n i tz.

Hersfeld, den 29. Oktober 1900.

Für die Pflege der nach China entsandten Truppen (Kreisbl. Nr. 84) sind weiter eingegangen:

von der Gemeinde Asbach . . . 40,20 Mk.

Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Bekanntmachung.

Um auch unbemittelten Angehörigen der in Ostasien stehenden Mannschaften der Armee und Marine, sowie des Personals der freiwilligen Krankenpflege in dringenden Fällen den telegraphischen Verkehr zu ermöglichen, habe ich die zur freiwilligen Krankenpflege berechtigten Organisa­tionen, die Deutschen Vereine vom Rothen Kreuz und die Ritterorden, anfgefordert, die Gebühren für derartige Feld­telegramme " zurückzuerstatten.

Als Voraussetzung hierfür gilt, daß die Telegramme aus besonders wichtiger Veranlassung und von solchen in Deutschland wohnenden Angehörigen zur Absendung ge­langen, deren Mittellosigkeit durch ortspolizeiliche Beschei­nigung beglaubigt ist.

Ueber die für Feldtelegramme nach Ostasien vorge­schriebene Form geben die Kaiserlichen Telegraphenämter Ausschluß.

Berlin, den 22. September 1900,

Der Kaiserliche Kommissar und Militär-Inspekteur der freiwilligen Krankenpflege.

gez. Friedrich Graf zu Solms-Baruth.

den sie jahrelang in sich herumgetragen haben mußte, ohne je den Mut gefunden zu haben, ihn auszusprechen.

Gnädigste Gräfin, begann sie hastig und stockend, als drängte sie sich plötzlich selber dazu.Die Kisaszony war lieb und gut."

Zuerst hoben sich die Blicke der Gebieterin mit dem Ausdrucks tiefen, starren Staunens. Die Linien um den Mund schienen sich zu vertiefen, während ein harter, drohender Ausdruck in ihr Gesicht trat. Das dauerte aber nur sekundenlang, die Augen senkten sich, die Züge glätteten sich, und es lag sogar ein Anflug von Milde in ihrer Stimme, als sie nach einer Weile sagte: War sie das, Sanna, und habt ihr alle die Meinung von ihr?"

Jstenem !" rief die Datka und faltete fast andächtig die Hände.Wir würden alle durch das Feuer für sie gehen. Wie oft hat der Misko gesagt, daß, wenn der gnädige Herr die Kisaszony finden und die Hochwohl- geborene einwilligen würde, er gerne die paar Jahre hergeben würde, die er noch zu leben habe."

Die stolze Frau war tief ergriffen. Sie wußte, daß ihr die Dienerschaft treu ergeben war, denn die meisten waren lange um sie, einige sogar, wie die Datka und der Kutscher, aus dem väterlichen Hause in ihr eigenes gefolgt. Die Größe dieser Treue und Anhäng­lichkeit überraschte sie. Was war ihr Sohn diesem grauhaarigen Manne? Nicht einmal ein gütiger Herr | gewesen. Nur weil er ihn von Kindheit auf gekannt,

Hünfeld, den 25. Oktober 1900.

In der Gemeinde Großenbach ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

Der Königliche Landrath, von Steinmann.

Nichtamtlicher Theil.

C^ina.

Der bisher vorliegende Nachrichtenstoff bezieht sich vorwiegend auf die militärischen Bewegungen.

Zur Expedition nach Paotingfu wird gemeldet:

London, 26. Oktober. DasReutersche Bureau" meldet aus Ngan-schu vom 18. Oktober: Die nach Paotingfu vorrückende Expedition bezog am 16. Oktober bei Kutsching ein Lager, wo sie die Nachricht erhielt, daß. 2000 Mann Kaiserliche Truppen dem Vormarsch der Verbündeten in nordwestlicher Richtung ausgewichen seien Die Kolonne nahm am 17. Oktober den Marsch wieder auf, erreichte Ngan-schu und besetzte es. Heute wurden deutsche Vorposten 7 Meilen von Ngan-schu entfernt von einer Abtheilung Kaiserlicher Truppen beschossen. Die Deutschen griffen die Chinesen an und schlugen sie nach scharfem Kampf in die Flucht. Sie erbeuteten hierbei zwei montierte Geschütze und eine Anzahl anderer Waffen sowie auch vier Fahnen. Man erwartet, daß die Operationen gegen den Feind mit Paotingfu als Basis unternommen werden sollen.

London, 27. Oktober. In einem vom 25. d. M. datiertenTimes"-Telegramm aus Peking heißt es: Die Führer der Expedition nach Paotingfu zeigten eine übel angebrachte Milde, indem sie die Stadt Paotingfu schonten, öffentliche Gebäude nicht zerstörten und die dortigen chinesischen Beamten unbestraft ließen. Sie haben sich damit begnügt, einen nichtssagenden militärischen Spaziergang durch die Stadt zu machen, als wenn das die Höflichkeit geböte gegenüber den chinesischen Beamten, an deren Händen doch das Blut von Missionaren klebt, die den Märtyrertod sterben mußten. Solch eine Milde muß von den Chinesen mißverstanden werden. Die ganze Expedition ist dadurch ziemlich lächerlich gemacht worden, daß ihr kleine französische Abtheilungen zuvorkamen, die eine Woche vor der Ankunft der Haupttruppe im Besitze eines jeden Thores von Paotingfu waren. Wie gemeldet wird, betrat Gaselee die Stadt erst, nachdem er mit den chinesischen Beamten außerhalb der Wälle konferiert hatte, und um die Empfindlichkeit der chinesischen Beamten, die

weil er sein Herr, der Sohn seiner Gebieterin war, der Träger der Familie, in deren Interessen er mit seinem alten Herzen hineingewachsen war, sprach er so. Und sie wußte, daß es keine leeren Worte waren, die Menschen waren so schlicht und so einfältig in ihrer Gemütsart, um anders zu fühlen als zu sprechen, und dann, wie sie die Gesinnung der Gebieterin kannten, war eine solche Aeußerung geeignet, eher Strafe als Lohn zu bringen.

Gnädigste Gräfin," begann die Datka nach einer Weile wieder und viel beherzter als das erste Mal. Es hatte ja nicht Haut und Haare gekostet, wie sie vielleicht geglaubt, ja nicht einmal einen Tadel hatte es hervorgerufen. Also nur immer weiter auf dem ein­mal betretenen Wege!Gnädigste Gräfin, Sie waren eine Fürstentochter und der selige Herr nur ein Graf, das ist doch auch ein Unterschied, und, Sie waren doch die glücklichste Frau im ganzen Lande."

«Die glücklichste Frau!" versetzte die Gräfin mit leiser Stimme.

Die große unvergeßliche Liebe zu ihrem Gatten klang tief und weihevoll aus den leise gesprochenen Worten. Sie wiederholte sie noch einmal und fuhr sich über die Augen.

Das verstehst du nicht, Sanna, sagte sie nach einer Pause. Das Geschlecht deines Herrn ist das älteste und berühmteste des Landes."

Und wenn der gnädige Herr nur ein schlichter