Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
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Erstes Blatt.
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auf das Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen „Jllnstrirtes Sountagsblatt" und „Jllnstrirte landwirthschaftl. Beilage" für das vierte Quartal 1900 werden von allen kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträaern und von der Expedition angenommen.
Die bereits erschienenen Nummern werden nachgeliefert.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 11. Oktober 1900.
Die Herrn Bürgermeister der Landgemeinden des hiesigen Kreises haben mir bestimmt bis zum 18. d. W t s. zu berichten, wieviel ProzentZtder staatlich veranlagten Steuern im Rechnungsjahre 1899/1900 seitens ihrer Gemeinden als Umlagen erhoben worden sind. I- 5242. Der Königliche^Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
BesiehendersVorschrift gemäß^wird hiermitUolgendes bekannt gemacht:
1. Dienststunden der Kreis- undjForstkasse für den Verkehr mit dem Publikum sind Vormittags von 8 bis 1 Uhr mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage.
2. Das Kassenlokal ist geschlossen:
a. am letzten Werktage eines, jeden Monats^'bis 11 Uhr Vormittags. Fällt der 1 te auf einen Sonntag, -bann am vorletzten Werktage bis 11 Uhr,
b. am vorletzten Werktage der drei ersten^Vierteljahre, c. an ben3 letzten Werktagen im Monat April,
d. an den'Tage» wo^'größere Holztermine (Taxwerth über 1000 Marks^stattfinden. Hersfeld, den 9. Oktober 1900. Königliche Kreis- und Forstkasse: Schultheiß.
1 • Nichtamtlicher Theil.
China.
Krankenmeldungen sind nichts Gutes; aberkwenntzsich bie Pekinger Drahtung, daß die Kaiserin-Wittwe in Tayuenfu ernstlich erkrankt sei und der KaiserZKwangsü selbständig'dic.Geschäfte^leite, bestätigt,^dann^ist es etwas anderes. Man darf dann die Hoffnung hegen, daß sich die Auseinandersetzung zwischen China und den Mächten wesentlich schneller und glatter vollziehen wird, als wenn der KaiserIdurch seine^Tante bestimmt^würde. Für die Wahrscheinlichkeit, daß der Kaiser gegenwärtig volle Aktionsfreiheit besitzt, spricht auch die' Angabe, daß er durch Li-hung-tschang seine^Antwort auf die^ForderungeN der Mächte den Verbündeten habe mittheilen lassen. Die drei Hauptschuldigen, Leute aus den hervorragendsten Stellungen sind danach zum Tode verurtheilt worden, ew Herzog und ein Prinz erhielten lebenslängliche Kerker- strafe, Prinz Tuan wurde nach der sibirischen Grenze verbannt. Ist diese Erklärung vom Kaiser wirklich ab« Negeben, und was die Hauptsache ist, werden die in ihr «»gekündigten Strafen auch wirklich an den Nerurtheilten vollzogen, dann ist der Stein deü^Anstoßes, der bisher die Aufnahme von FriedenSverhandlungen ^verhinderte, aus dem Wege geräumt.
Smiadend in 13. Oktober
Wie das „Reuter'sche Bureau" aus Washington erfährt, waren die in der Depesche aus Peking als von Deutschland zur Bestrafung bezeichneten-chinesischen Beamten auch von den Gesandten fast aller anderen Mächte namhaft gemacht ,worden. Sicher flanben j sie auf der Liste des Gesandten Conger mit etwa einem Dutzend anderer, noch nicht veröffentlichter Namen. —ZDie Ehrlichkeit der chinesischen Regierung wird noch stärker in Frage gestellt, wenn sich die Nachrichten bestätigen, die heule über eine Erhebung Süd ch i na s^ verbreitet werden. Daß es sich jedenfalls nicht nur um Gerüchte handele, lehrt vor allem folgende Meldung über englische Kriegsvorbereitungen aus Hongkong: „10,000 Mann Truppen aus Indien werden noch nach Hongkong beordert werden; die t.16. bengalischen Lanzenreiter, und das Hongkong-Regiment sind hierher zurückgerufen worden. Alle Truppen, die aus demMorden hierher^zurückbeordert sind, werden vor Ende des Monats eintreffen. Den Behördenjsoll die Mittheilung'zugegangen sein, daß ein allgemeiner Aufstand in den südlichen Provinzen im November zum Ausbruch kommen wird. Die gegenwärtigen AnzeichenZdeuten^auf die Wahrscheinlichkeit hin, daß die Lage sich ähnlich dem Boxer-Aufstande im Norden entwickelnßwerde."EZDie ?„Daily§ Mail" ferner^meldet aus Hongkong: Die Rebellen im südlichen China haben sich in Mongkong und^Sanpantin stark verschanzt. Der „Morning Post" wirdZ'aus"Schanghai;;vom 9. Oktober gemeldet: Der Taotai von Schanghai und der Vizekönig von.NankingZerhobenMnspruchzgegenZdiefgestrige Kundgebung der fremden Truppen, welche bei den Chinesen den Glauben erweckte, daß die Eroberung des Arsenals von Kianguan beabsichligt^sei. Die chinesischen^Truppen hier bestehen^aus 3000 Mann^mit 40 Kanonen, außerdem befinden sich 1500 Mann in Wusung und ungefähr 15 000Mann in deiAEntfernung z einesITagemacsches. Auch der Gouverneur von Schantung Auan-schi-kai hat den Befehl erhalten, 50 000 Mann auszuheben. Nur eine einzige Meldung liegt heute über eine angebliche AktionIchinesischer.Truppen gegen Rebellen Vormund die lautet ungünstig genug : „5000 Mann der DreifaltigkeitsGesellschaft schlugen diejkaiserlichen Truppen^von Kaulung und ziehen jetzt südwärts".
Tientsin, lO.]:Dftober. Der ^Abmarsch der Expedition .nach^Paolingsu üft auf Freitag, den 12. festgesetzt ; das Expeditionskorps wird 7000 Mann stark und aus Deutschen,^Engländern,^Franzosen und Italienern zusammengesetzt sein.
Gleichzeitig, setzen sich nach'einer.Depeschejdes Flotten- vereins gemischte Truppen von Peking aus unter eng« lischem OberbefehlHn^Marsch.MDerzVormarsch bis zum Eintreffen in Paotingfu würde eine Woche in Anspruch nehmen. Alsdann sei eine j gemeinsame Aktion beider HeersäulenZ beabsichtigt, über die noch nichts Näheres feststeht.
Taku, 9. Oktober, -KGraf ^Waldersee wird am nächsten Sonnabend nach Peking abreisen. Die Deutschen warten Verstärkungen inITientsinEab.; .Dann erst sollen weitere Maßnahme» getroffen werden. Die deutsche Telegraphcn-Verbindung zwischen Tientsin und Peking ist hergestellt.
AuchZjsonstg scheint -rege militärische ^Thätigkeit zu herrschen. Aus Tientsin wird gemeldet: „800 Franzosen breiten heute mit 6 Kanonen auf, um französische Priester zu befreien, welche in Tschinghsien gefangen gehalten werden. Am Sonnabend brach eine andere Abtheilung von 300?FranzosenZnachkPaotingfu aus, die offenbar mit einer Abtheilung von 400 Mann, welche, wie es heißt, gleichzeitig von Peking aufbrach, kooperiert-AEinsTruppen- abtheilung von über 4000 Mann, die in Peking zurück- gehalten wurde, befindet sich noch dort." lieber die Art, wie der Abzug der Russen aus Pekings vor sich ging, und seine Folgen wird^noch berichtet:
London, 11. Oktober. Der „Times"Äwird aus Peking vom 4. b. MtS. gemeldet: Gestern haben britische und italienische Truppen den Sommerpalast besetzt und die Chinesen verdrängt,^velche^mit Erlaubniß der Russen, aber.ohne vorherige Anfrage 'bei den anderen Mächten,
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1906.
nach dem Palast zurückgekehrt waren. Die Deutschen haben den Palast der Kaiserin-Wittwe besetzt, welchen die Russen, nachdem sie ihn geplündert, den Chinesen wieder eingeräumt hatten. Die Russen ziehen ihre Soldaten weiter auSzPeking zurück.
Tientsin, 9. Oktober. Gestern rourbe*bier folgender britischer Brigadebefehl ausgegeben: Feldmarschall Graf W a l d e r s e e hat am 27. September den Oberbefehl über die verbündeten Truppen in Petschili übernommen ; bei der Besehlsübernahmejäußerte er sich, wie folgt: „Es erfüllt mein Herz mit Stolz und hoher Freude, daß^ichsan die Spitze^solausgezeichneter Truppen gestellt bin, die schon rühmliche Beweise ihresDHeldenmuthes gegeben haben. Wohl wissend, daß ich mit einer schwierigen,Ausgabe betraut^bin, habe ich^doch die feste Ueberzeugung, daß eS mir schnell und sicher gelingen wird, mit^Hülse dieser bewährten Truppen däs^mir gesetzte Ziel zu erreichen, jetzt, da diese Truppen unter einem einzigen Führer vereinigt sind." _
Pol itischc Nachrichten.
Berlin, 11. Oktober.
Die feierliche ^Grundsteinlegung zu dem auf dem Plateau des alten Römerkastells Saalburg zu errichtenden Neichs-Limesmuseum fand heute Vormittag in Gegenwart Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin statt. Nach Beendigung der Feier begaben sich Ihre Majestäten nach Schloß Friedrichshof.
Se. Majestät der^K a i f;e rjswurdeZ bei derMnkunst auf der Saalburg von dem Präfekten des Römerkastells mit einer lateinischen Ansprache empfangen, auf die er folgendes erwiderte:^ „MeinI.erstertiGedankeZ bei der heutigen Feier gilt in wehmutsvollem Dank Meinem unvergeßlichen Vater; seiner Thatkraft und Hingabe verdanken wic^das^Erstehen derZSaalburg. ^Gleichwie im fernen Osten unseres Vaterlandes eine alte feste Ritterburg (Marienburg) aus mein (Sebeif^neu erstanden ist, so steigt hier gleich einemZPHönix^ausZder Asche empor dieses Kastell,^ein Zeuge römischer Macht, ein Glied in der gewaltigen Kette, die Roms Legionen um das Deutsche Reich geschlungen, ein Bild dafür, wie der Wille des Cäsar^Augustus^derMelt'daS^Gepräge^gab,und römische Kultur nach Germanien hineintrug. So weihe ich den erstenjHammerschlags dem^Andeukenßmeines'unvergeßlichen Vaters, den zweiten der deutschen Jugend, den Heranwachsenden Geschlechtern, die hier lernen mögen, was ein Weltreich bedeutet, den dritten unserm geliebten deutschen Vaterlande, demIharmonischenßZusammenwirken zwischen Fürsten und Völkern. Möge deutsche Macht so fest und gewaltig dastehen^wieeinst.römische^Macht.^möge, wie man einst mit Stolz sagte, civis romanus sum, man nunmehr mit Stolz sagen: Ich bin ein.deutscher Bürger."
Für die Erhöhung der landwirthschaft- liche» Z öfi lje^treten^diez.Berl.Wol.INachr." mit der zutreffenden Begründung ein, daß die Landwirthschaft bei den letztenZHandels-Verträgen^vorzugsweise die Kosten getragen hat und daß sie demzufolge, wenn allen Zweigen des Erwerbslebens gleicherZSchutzZzu, Theil werden soll, bei der Neuregelung unserer Zoll- und Handels-Be- ziehungen zum AuSlandMesser^gestellt^werden muß, als durch die jetzigen Handels-Verträge. Sodann sei in früherer Zeit die Fürsorge des Staates der Landwirthschaft ii? ungleich geringerm Maße zu Theil geworden, als andern Erwerbszweigen.
Unter dem Titel „Krankenhaus-Lexikon für das deutsche Reich" ist von Professor Gustadt in B-rlinHein Werk herausgegebenzworden,«daszeinen hohen Begriff giebt von der AnstaltS-Fürsorge für Kranke und Gebrechliche im deutsche» Reiche. Ueber 6300 Anstalten liegenZNachrichten vor. Zur Ausnahme von 1 Kranken, Irren, Siechen u. s. w. stehen mehr als 370 000 Betten bereit.' In den Jahren, 1898 und 1899 sind mindestens 1,6 Millionen^Kranke in den Anstalten verpflegt worden. Die wirthschaftliche Bedeutung der AnstaltS-Fürsorge für