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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

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1900

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Erstes Blatt.

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mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Solmtagsblatt" us Zllitstrirte landwirthschaftl. Beilage" für das vierte Quartal 1900 werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträaern und von der Expedition angenommen.

Die bereits erschienenen Nummern werden nach­geliefert.

Amtlicher Theil.

Gaffel, den 21. September 1900.

Der kommandirende General des 11. Armee-CorpS hat mich ersucht, den betheiligten Civilbehörden in der Provinz Hessen-Nassau für das bereitwillige Entgegen­kommen in Bezug auf alle von militärischer Seite aus­gesprochenen, die diesjährigen Herbstübungen betreffenden Wünsche, sowie der Bevölkerung für die gute Aufnahme der Truppen seinen Dank zu übermitteln.

Indem ich Sie hiervon in Kenntniß setze, ersuche ich Sie, diese Danksagung in geeigneter Weise veröffent­lichen zu lassen.

Der Ober-Präsident der Provinz Hessen-Nassau, gez.: Z e d litz.

An den Herrn Negierungs-Präsidenten hier. Nr. 8034.

* * *

Cassel, den 29. September 1900.

Abschrift zur Kenntnißnahme und mit dem Ersuchen um kostenfreie Veröffentlichung im Kreisblatt.

Der Negierungs-Präsident. I. V.: (Unterschrift.)

An den Herrn Landrath zu Hersfeld. A. 1. 7606.

* *

Hersfeld, den 4. Oktober 1900. Wird veröffentlicht.

I. 5628. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schlei n i tz , __Geheimer Regierungs-Rath.

Cassel, den 27. September 1900.

Obwohl in den z. T. noch geltenden Schulordnungen aus kurhessischer Zeit, insbesondere in der Revidierten Schulordnung für Niederhessen vom 3. Juni 1864 die Anordnung getroffen ist, daß den Ortsschulinspektoren die technische Seite des Schulwesens allein, alle anderen Angelegenheiten aber dem gesammten Schulvorstande überwiesen sind, haben sich doch in der Handhabung der Geschäfte des Schulvorstandes Schwierigkeiten heraus- gestellt. Insbesondere hat der Mangel an einer be- stimmten Geschäftsvertheilung nicht selten zu Beschwerden geführt. Als Regel empfiehlt sich, daran festzuhalten, daß der Ortsschulinspektor, welcher als solcher den Unter- ncbt und die Erziehung der Jugend nach Maßgabe der bestehenden Bestimmungen zu leiten und die Schulen und deren Lehrer (Lehrerinnen) zu beaufsichtigen hat, als Mitglied des Schulvorstandes alle die Anstellung, Ent­lassung, Beurlaubung, Vertretung, Auszeichnung oder Bestrafung eines Lehrers betreffenden Eingänge bearbeitet und an das geschäftsleitende Mitglied, den Landrath, sendet. Von den Verhandlungen, welche das Dienstein­kommen und die äußeren Verhältnisse des Lehrers und der von diesem bekleideten Stelle betreffen, giebt der Landrath dem Ortsschulinspektor mit dem Ersuchen Kennt­niß, sich zur Sache zu äußern. Während Berichte an uns in diesen Angelegenheiten von dem Landrathe als solchem gezeichnet werden, erstattet bei jenen Angelegen- Heilen der Schulvorstand gemeinsam Bericht.

An dieser Geschäftsvertheilung wird in der Regel festzuhalten sein.

Sie wollen die Herren Ortsschulinspektoren ent­sprechend in Kenntniß setzen.

Königliche Regierung. Abtheilung für Kirchen- und

Schulsachen. F l i e d n e r.

An die Herren Landräthe mit Ausnahme des Herrn Landraths in Gersfeld.

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Hersfeld, den 4. Oktober 1900.

Wird den Königlichen Herren Ortsschulinspektoren des hiesigen Kreises zur gefälligen Kenntnißnahme er- gebenst mitgetheilt.

L 5629. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hünfeld, den 1. Oktober 1900.

In der Gemeinde Rhina, Kreis Hünfeld, ist die Maul- und Klauenseuche unter den Rindern ausgebrochen. Der Kreisthierarzt.

Rotenburg a. F., den 28. September 1900.

Die unter der Schasheerde zu Königwald ausge- brochene Räude ist erloschen.

Der Königliche Landrath. T u e r ck e.

Rotenburg a. F., den 1. Oktober 1900.

Unter dem Schweinebestande der Witwe Joh. Hch. Pfeffer zu Obersuhl ist die Rothlaufseuche ausgebrochen.

Der Königliche Landrath. T u e r ck e.

Rotenburg a/F., den 1. Oktober 1900.

Unter dem Rindviehbestande des Handelsmannes Aron Nußbaum hier und des George Sinning IV. in Ersrode ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

Ueber sämmtliches Klauenvieh (Rindvieh, Schafe, Schweine, Ziegen) angespanntes Rindvieh einbegriffen der Gemeinden Rotenburg und Ersrode ist Feldmark­sperre verhängt worden.

Das Treiben von Klauenvieh aus den Gemeinden Rotenburg und Ersrode über die Feldmarkgrenze und das Verladen von solchem Vieh auf den Eisenbahn­stationen ist verboten worden. Ebenso ist der Durchtrieb von Klauenvieh aus anderen Ortschaften durch die Ge­meinden Rotenburg, Ersrode und deren Gemarkung verboten.

Der Landrath. T u e r ck e.

Nichtamtlicher Theil.

China.

Berlin, 4. Oktober. Wie dieNat.-Ztg." be­richtet, hat die deutsche Regierung folgende neue Cirkular­note in der Chinafrage erlassen.

Berlin, 4. Oktober. Der Kaiser von China hat den Mächten ein vom 25. September datiertes Edikt unterbreiten lassen, worin die Bestrafung einer Anzahl mit Namen aufgeführter Prinzen und Großwürdenträger wegen Begünstigung der Boxer angeordnet wird. In Voraussetzung der Echtheit dieses Edikts hat die Deutsche Regierung zur Durchführung des in ihrer Zirkularnote vom 17. September angeregten Verfahrens den Mächten weiter vorgeschlagen, sich nunmehr dahin zu einigen, daß die diplomatischen Vertreter in China zur Prüfung und Begutachtung folgender drei Punkte angewiesen werden: 1. ob die im Edikt enthaltene Liste von strafbaren Per­sonen genügend und richtig, 2. ob die in Aussicht ge­stellten Strafen angemessen, 3. in welcher Weise die Ausführnng der Bestrafung von den Mächten zu kon­trollieren ist.

Die bisher vorliegenden Meldungen über die Aufnahme dieses Vorschlages durch die Mächte berechtigen zu der Annahme, daß sich ein allseitiges Einverständnis darüber ergeben dürfte. In der That ist die Forderung der neuen deutschen Note so einleuchtend, daß es ausge­

schlossen erscheint, daß eine der verbündeten Mächte sich nicht damit einverstanden erklären sollte. Der deutsche Vorschlag würde daher geeignet sein, alle Mächte, wo­runter auch Amerika, in diesem Punkte zu vereinigen, und würde es auf diese Weise ermöglichen, daß Amerika, das nunmehr einem Sondervorgehen nicht mehr recht geneigt zu sein scheint, wieder auf eine unauffällige Art in's Concert der Mächte zurückkehrt. Dies ist schon der moralischen Wirkung wegen, welche ein geschlossenes Vor­gehen der Mächte bei den Chinesen erzielt, von hohem Werth und würde die Chinesen in ihrem jetzt begonnenen Einlenken noch bestärken.

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Tientsin, 1. Oktober. Wie aus authentischer chinesischer Quelle gemeldet wird, entsandte die Kaiserin den höchsten Beamten des Reiches mit dem Auftrage, alle nothwendigen Anordnungen zu den höchsten Ehren- erweisungen für die Leiche des Gesandten Freiherrn v. Ketteler zu treffen. Ferner wurde von der Kaiserin be­stimmt, daß in der Hauptstadt ein würdiger Tempel zum Gedächtniß des Ermordeten errichtet werde, und daß, wenn die Leiche Tientsin und die chinesischen Hafenorte passiere, der Oberaufseher des Handelsverkehrs in Tientsin sowie die ersten Beamten der Hafenplätze ihr die höchsten Ehren erweisen. Die Prinzen Tuan, Lan-ji und drei andere sowie Kang-ji sind aller ihrer Würden undtAemter verlustig erklärt inerten. Tung-fu-hfiang »ud alle an der Boxer-Bewegung Betheiligten sollen noch degradirt werden.

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Das fortgesetzte Auftauchen von Boxerscharen und chinesischen Truppen in der Nähe von Peking macht immer wieder kleinere Operationen in dieser Gegend nöthig. So hat General v. Höpfner von Peking aus mit 2000 Mann und einer Feldbatterie eine Straf- Expedition nach dem südlichen Theil des Kaiserlichen Jagdparks unternommen, da dort am Tage vorher eine Patrouille angegriffen worden war. Die Deutschen steckten mehrere Dörfer in Brand, wo Waffen gefunden wurden. Die Boxer wurden nach einem kurzen Kampfe zerstreut. Vier Deutsche wurden verwundet. Noch ein anderer Erfolg ist zu verzeichnen. Der wichtigste Hafen­ort am Golf von Liatong, Schan-haik-wan, ist von den Verbündeten eingenommen worden. Damit ist die Operationsbasis der Verbündeten wesentlich erweitert und gesichert. Zudiesem wichtigen Unternehmenhat General- Feldmarschall Graf Waldersee die Initiative er­griffen, und deutsche Streitkräfte waren an der Aus­führung hervorragend betheiligt. Außer vier deutschen Kriegsschiffen nahmen englische, französische und russische Schiffe an der Eroberung von Schan-haik-wan Theil, außerdem Landtruppen, worunter das zweite Bataillon des zweiten deutschen ostasiatischen Infanterie-Regiments.

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Rußland führt inzwischen seine Operationen im Norden zu einem glücklichen Ende. Am 24. September besetzte General Nennenkampf ohne Widerstand Kinn. Die chinesischen Soldaten legten die Waffen nieder, so daß man in der Mandschurei keine Kriegsereigniffe mehr erwartet. Bodune ergab sich am 30. September, ohne Widerstand zu leisten, 1500 Chinesen, welche die Waffen streckten, werden zu Arbeiten in Charbin er­wartet", so wird weiter gemeldet. Demnach haben die 4 russischen Kolonnen, die in konzentrischen Märschen in die Mandschurei eindrangen, ihr Ziel erreicht; das ganze Land bis zum Sungari ist in ihren Händen! Gleich­zeitig hat General Fleißer von Mutschwang her die Chinesen nach Norden getrieben. Nach der einen Meldung sei Mukden schon in russischen Händen, nach der andern ständen die Russen jedenfalls schon ganz dicht an der Hauptstellung des Feindes, der 14 000 Mann mit 30 Geschützen zähle. Ein nennenswerther Widerstand seitens der Chinesen, deren Rückzugslinie, wenn sie nicht schnell nach Westen entweichen, ja gerade in die von Norden anmarschierenden russischen Kolonnen hineinginge, ist auch hier nicht mehr zu erwarten.