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Amtlicher Theil.

Hünfeld, den 26. September 1900.

In der Gemeinde Neukirchen, Kreis Hünfeld, ist die Maul- und Klauenseuche unter dem Rindvieh ausge­brochen. Der Kreisthierarzt.

Hünfeld, den 27. September 1900.

In der Gemeinde Sargenzell, Kreis Hünfeld, ist die Maul- und Klauenseuche unter dem Rindvieh ausge­brochen. Der Kreisthierarzt.

Nichtamtlicher Theil.

Lhina.

(Prinz T u a n.) Es hat sich bestätigt, daß Prinz Tuan zu einer der höchsten Stellen des chinesischen Reiches berufen worden ist. Nach der einen Meldung soll er Großsekretär, nach der andern Präsident des geheimen Rathes geworden sein; jenes ist die höchste Würde bei Hofe, dieses ungefähr die Stelle eines Minister-Präsidenten. Die eine Stellung ist in ruhigen Zeiten so einflußreich wie die andere; mag er diese oder jene erhalten haben, Prinz Tuan ist jetzt neben der Kaiserin-Witwe die herrschende Macht, er, der nach den

Ein deutsches Mädchen.

Roman von K. Deutsch.

(Fortsetzung.)

Herr und Diener waren ziemlich weitgeschleudert worden, aber sie hatten keinen andern Schaden genommen, als daß sie ziemlich unsanft auf den halbaufgeweichten Schnee zu sitzen kamen.

Nach der unglücklichen That kam der Graf zu sich, ihm war, als erwache er aus einem bösen, entsetz­lichen Traume. Mit dem Bewußtsein erwachte auch der Gedanke an sie. Wo war sie geblieben? Eine wahnsinnige Angst ergriff ihn, in wilden Sätzen rannte er die kurze Strecke zurück. Da lag unter dem zer­trümmerten Wagen nur der Oberkörper frei, ein dunk­ler Gegenstand.

Elisabeth!" rief er mit halberstickter Stimme. Keine Antwort, nur ein leises Beben.

Mit Hilfe Miskos hob er den Wagen. Es dauerte an zehn Minuten und sie hatten vollauf zu thun, bis das schwere Gefährt entfernt und sie frei war. Einen Fußbreit tiefer, und die Räder wären ihr über die Brust gegangen, so lag sie mit dem Oberkörper frei, und das ganze Gewicht des schweren Wagens ruhte auf den Beinen. Vor völligem Zerschmettern hatte sie der weiche Mantel geschützt.

Als er sich über sie beugte, um sie auszuheben, sagte sie mit leiser, schwacher, kaum vernehmlicher Stimme:

übereinstimmenden Zeugnissen aller Gesandten in Peking die Boxerbewegung großgezogen, die Belagerung der fremden Gesandtschaften geleitet und alle die Gräuel an fremden und chinesischen Christen und damit den gegen­wärtigen Kriegszustand in der Provinz Petschili haupt­sächlich verschuldet hat.

Es würde der so nothwendigen und doch in der Wahl der geeigneten Mittel noch immer lückenhaften Einmüthigkeit der Mächte nicht dienen, wollte man sich des Sängern und Breitern darüber ergehen, in wie weit das von einigen Mächten befürwortete System der Milde gegen den chinesischen Hof, diesen zur Berufung des Prinzen Tuan auf den wichtigsten Platz ermuntert habe. Thatsächlich liegt darin eine Herausforderung der Mächte und zugleich die stärkste Widerlegung des Systems der Milde. Dieser Eindruck muß sich allgemein in der öffentlichen Meinung der betheiligten Nationen geltend machen und die Kabinette anspornen, das in der Cirkular- Note des Grafen Bülow verlangte Exempel der Bestrafung der Hauptschuldigen zu betreiben.

Es ist nicht abzusehen, wie man erfolgreiche Friedens- Unterhandlungen führen will, so lange die chinesischen Unterhändler ihre Instruktionen von dem Prinzen Tuan erhalten, und die ganze Lage kann sich noch erheblich verschlimmern, wenn die bisher feindlichen Gouverneure durch kaiserliche Edikte vom Geiste Tuans angesteckt werden. Die beiden Vize-Könige am unteren Aangtse haben bisher nach einem Abkommen mit dem Konsular- Corps in Schanghai Ruhe gehalten und den Ausbruch von Boxer-Unruhen größern Stils in ihren Gebieten verhindert. Das A^ngtse-Thal ist das Hauptgebiet des fremden Handels und der Niederlassungen von Fremden. Ginge auch hier der Teufel los, so müßte man sich auf neue große Opfer an Gut und Blut gefaßt machen. Hoffentlich wird es dahin nicht kommen!

*

Aus Peking meldet dasNeutersche Bureau" vom 22. September: Der Chinese, welcher beschuldigt wird, den deutschen Gesandten Freiherrn v. Ketteler ermordet zu haben, wurde gestern vom Kriegsgericht verhört. Da kein neues Beweismaterial beigebracht wurde, beschloß der Gerichtshof, daß es nicht gerechtfertigt sei, einen endgültigen Spruch zu fällen. Dementsprechend wurde das Urtheil vertagt, in der Hoffnung, weiteres Material bezüglich des wirklichen Anstifters des Verbrechens zu erhalten.

Ein nach New - Aork gerichtetes Telegramm aus

Rühren Sie mich nicht an, ich will lieber sterben, als von Ihnen gerettet werden."

Da stürzte Graf Geza vor ihr nieder, und mit einer Stimme, die durch Mark und Bein ging, mit einer Stimme, in der die furchtbarste Verzweiflung lag, rief er:Im Namen der ewigen Barmherzigkeit, lassen Sie sich retten. Hassen und verachten Sie mich, wie ein wildes Thier, nur jetzt nehmen Sie meine Hilfe an, wenn ich mich nicht hier vor Ihren Augen tödten soll!"

Er konnte nicht weitersprechen, was man nicht für möglich hielt, geschah, ein heißes Weinen rang sich aus der Brust des wilden, ungestümen Mannes.

Vor diesem furchtbaren Schmerze, dieser unsäglichen Verzweiflung, diesen brennenden Thränen schwand der dumpfe Groll aus ihrem Herzen.

Ich bin nicht so beschädigt, wie Sie glauben, sagte sie. So sehr sie sich zwang, ruhig zu sprechen, man merkte ihrer Stimme die Aufregung an.Ich kann mich nur nicht bewegen, und die Beine schmerzen."

Wollen Sie mich aufrichten. Vielleicht wird es da­durch besser.

Erhob sie mit zitternden Händen auf, ließ von Misko ein Stück des zertrümmerten Wagens zu einem Sitze herrichten, breitete den Pelzmantel darüber und ließ sie sanft darauf nieder.

Sehen Sie, es geht und wird auch bald wieder gut," sagte sie mit Selbstverleugnung. Ihre Stimme war wie gebrochen, und Schauer auf Schauer erschütter­ten ihren Körper.

T i e n t s i n vom 25. September meldet: Wie ein Bote berichtet, sind 13 schwedische Missionare im Norden von Schansi ermordet worden.

*

DerReichs- und Staats-Anzeiger" meldet: Anfragen über den Verbleib von Angehörigen des Ostasiatischen Expeditionskorps sind, soweit diese dem Land­heer angehören, an die Ostasiatische Abtheilung des preußischen Kriegsministeriums, Berlin W., Leipzigerstraße Nr. 5, zu richten. Es empfiehlt sich dringend, bei der­artigen Anfragen genau den Truppentheil des Expeditions­korps (Regiment, Bataillon, Kompagnie, Eskadron, Batterie), welchem der Betreffende jetzt angehört, anzu- geben, da Anfragen, welche diese Angaben nicht enthalten, wegen Unvollständigkeit nicht beantwortet werden können. Auch wird ausdrücklich nochmals darauf hingewiesen, daß eine Antwort auf Anfragen über den Verbleib von Angehörigen der Marine von der Ostasiatischen Abtheilung nicht ertheilt werden kann. Zur Marine zählen nicht allein die Schiffsbesatzungen, sondern auch die Marine- Infanterie und die bei der Marine-Infanterie befindliche Feldbatterie, sowie das Feldpionier-, Feldtelegraphen- und Sanitätsdetachement.

* *

*

London, 29. September. Nach Depeschen aus Schanghai sind dort Berichte mit Einzelheiten über die Flucht des chinesischen Hofes aus Peking eingelaufen. Hieraus ergiebt sich, daß die Kaiserin-Regentin von ihrer Umgebung über die wahre Sachlage fortwährend getäuscht wurde. Während die Verbündeten schon im Vormarsch auf Peking begriffen waren, wurden ihr täglich Mit­theilungen über chinesische Siege gemacht, so daß sie, sich in Sicherheit wähnend, ruhig im Palast blieb. Erst als die Verbündeten bereits in die Stadt einrückten, floh sie am 15. August, begleitet vom Kaiser, in wilder Hast aus der Kaiserstadt. Beide trugen ganz gewöhnliche baumwollene Gewänder und reisten so verkleidet auf den landesüblichen Karren mit ganz kleinem Gefolge. Drei Tage lang waren sie ausschließlich auf Hirse als Nah­rung angewiesen und schliefen auf nacktem Lehmboden in unsauberen Herbergen.

* *

In Peking werden zur Zeit alle gefangenen Boxer h i n g e r i ch t e t. Auch sonst haben die Kriegsgerichte Arbeit, indem sie gegen unbotmäßige Chinesen Strafen von fünfzig Schlägen und harter Arbeit bis zum Tode verhängen. General Chaffee ist nach Tientsin abge-

Er nahm seinen Reitcrmantel ab und wickelte sie darein. Er konnte vor Jammer nicht sprechen, die Kehle war ihm wie zugeschnürt.

Die Selbstverachtung und der Zorn gegen sich brannte wie verzehrendes Feuer in seinem Herzen, und er hätte sich am liebsten eine Kugel durch den Kopf gejagt.

Misko spannte eines der Pferde aus und schwang sich darauf, er wollte ins Schloß und Hülfe holen. Die Mahnung seines Herren, sich ja nur zu beeilen, hörte er kaum mehr. Er war bald im Dunkel verschwunden, und man hörte in der Stille der Nacht nur den rasenden Galopp seines Pferdes.

Geza stand schweigend vor der stillen Gestalt. Seine Hände waren in einander gepreßt und ein Jammer, eine Verzweiflung in seinem Herzen, für die es keine Worte gab.

Ununterbrochen rieselte der Regen herab. Nebel zogen wie Wolkenschatten an ihm vorüber, Kein Stern durchbrach die Finsterniß. Alles schwarz, düster, unheim­lich, kein Ton durchbrach die Stille, als hier und da ein einzelner Windstoß oder der stille Schrei eines Nacht­vogels.

Er fühlte nicht die nasse Kälte, die ihm durch alle Poren drang, nicht den schneidenden Wind, der um sein unbedecktes Haupt fuhr, denn die Mütze war ihm von, Kopfe gefallen, und ihm war nicht eingefallen, sie zu suchen. Minute auf Minute verrann, jede schlich für ihn mit dem bleiernen Schritt eines Jahrhunderts vor­über. Endlich konnte er es nicht länger ertragen. Jede