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Lhina.

Der diplomatische Erfolg der deutschen C i r k u l a r - N o te.

Soweit sich bis jetzt übersehen läßt, haben nur die Vereinigten Staaten von Amerika den Vorschlag der deutschen Cirkular-Note abgelehnt, vor Eintritt in die Verhandlungen mit den chinesischen Bevollmächtigten die Auslieferung der Rädelsführer des chinesischen Ausstandes zu verlangen. Diese gesonderte Stellung Amerikas hängt offenbar eng mit der im Gange befindlichen Wahlbe- wegung der Vereinigten Staaten zusammen. Der Präsident Mac Kinley glaubt, den Ausfichten der repu­blikanischen Partei am besten zu dienen, indem er seine Regierung aus auswärtigen Schwierigkeiten für jetzt möglichst heraus hält.

Durch die Entsendung eines Kontingents nach China ist die amerikanische Position auf den Philippinen ge­schwächt worden, und die Filipinos haben darauf den Kampf mit den amerikanischen Truppen von neuem auf-, genommen. Deshalb wird das amerikanische Kontingent wieder aus China zurückgezogen, und es dient zur bessern Motivierung dieses Schrittes, wenn die Regierung ein System der Milde gegen China befürwortet, das ihr zugleich ermöglicht, später einmal als Retter Chinas aufzutreten. Man weih, dah die Amerikaner die Rolle der Befreier besonders lieben, auch auf Kuba wollen sie Ht noch nur als Befreier aufgetreten sein. Natürlich sind die Wahl-Interessen der republikanischen Partei der Vereinigten Staaten nicht die gleichen wie die der

(Ein deutsches Mädchen.

Roman von K. Deutsch.

(Fortsetzung.)

Nach den Deklamationen sang Komtesse Vilma ein ungarisches Lied. Sie war ein kleines, zierliches Figür- chen, fast sylphidenartig, in weißen Atlas und roten Kupp gekleidet, von Blumen und Diamanten fast über- |äfL Wie sie sang, mußten einst die Sirenen gesungen haben, als sie, an dem unheilvollen Abgrunde sitzend, Odysseus mit seiner Schar lockten. Sinnberückend und bethörend, voll sinnlicher Glut und Leidenschaft klang ihre Stimme, und der Beifall, der ihr gezollt wurde, war dem Stürmen der Meeres zu vergleichen.

Nach ihr betrat Elisabeth die Bühne. Welch ein Gegensatz! Wie wohlthuend berührte die edle Erscheinung das Auge. In einfache schwarze Seide gekleidet, das Kleid bis zum Halse reichend, die dicken goldblonden Flechten wie gewöhnlich in schlichtem Kranz um den herrlichen Kopf gelegt, keinen Schmuck, als ein Sträuß- chen Vergißmeinnicht an der Brust, die ihr auch erst die Gräfin vor dem Aufbruche hatte holen lassen, mit der Bemerkung, so ganz ohne jeden Schmuck dürfte sich eine junge Dame in einer solchen Gesellschaft nicht sehen lassen, so stand sie da, und der Eindruck, den Komtesse Vilma hinterlassen, schwand vollständig, und hätte sie i'tzt neben der hohen Gestalt des deutschen Mädchens

Mächte in China, vielmehr bleibt es bedauerlich, daß die amerikanische Sanftmuth den Widerstand der chinesischen Frevler von neuem reizen wird. Gleichwohl braucht man die Haltung des Kabinets von Washington nicht tragisch zu nehmen; ob das kleine amerikanische Kontingent in Petschili bleibt oder nicht, ist für die dortige militärische Lage ziemlich gleichgiltig.

Mit besonderer Genugthuung darf es uns erfüllen, daß Rußland, ebenso wie vorher Frankreich und die beiden Verbündeten des deutschen Reiches, Oesterreich- Ungarn und Italien, dem deutschen Vorschläge grund­sätzlich zugestimmt hat. Ein Gleiches ist von Japan schon geschehen und von England noch zu erwarten. Damit ist der Erfolg der Note des Grafen Bülow, der sich sofort in der gesammten öffentlichen Meinung Europas zeigte, auch diplomatisch sichergestellt, trotz der Sonder­stellung des amerikanischen Kabinets, das übrigens die Frage der Bestrafung ebenfalls als wesentlich anerkennt, ihre Erledigung aber aus spätere Zeit verschieben will.

Natürlich wird es noch weiterer Verhandlungen be­dürfen, um wegen der Ausführung des deutschen Vor­schlages zu voller Einigkeit zu gelangen. Es sind ver­schiedene Auffassungen darüber möglich und thatsächlich unter den Kabinetten vorhanden, wie am zweckmäßigsten die Hauptschuldigen zu ermitteln und abzuurtheilen seien und ob die chinesische Regierung selbst die Strafen voll­strecken soll. Vor allem kommt es nach dem Geiste der deutschen Note darauf an, daß die wahren Schuldigen, nicht etwa eine Anzahl von der chinesischen Regierung dargebrachter armer Teufel, exemplarisch bestraft werden. Da man hierin einig zu sein scheint und die Mächte, außer Amerika, gemäß dem deutschen Vorschläge der Bestrafungs - Frage den Vorrang vor den weiteren Friedens-Verhandlungen zuerkennen, so ist die Hoffnung berechtigt, daß auch über den Weg zu dem gemeinsamen Ziele eine Verständigung erzielt werde.

Laut einem Londoner Telegramm von Dienstag Mittag meldet dieMorning Post" aus Shanghai von gestern:Die Regierung ist vollständig in den Händen des Prinzen Tuan: Kangji sowie die Generale in der Provinz Nanking sind nur Werkzeuge des Prinzen. Die GeheimgesellschaftKo-lat-wai wird eine Quelle großer Gefahr. Der Einfluß dieser Gesellschaft ist größer als derjenige der Boxer. Sendlinge Tuans arbeiten energisch in der Hoffnung, den Vizekönig von Nanking, der gegen die Fremden wohlgesinnt bleibt, zu

gestanden, sie wäre etwa . . wie ein Wachsfigürchen, oder eine von Pracht überladene Puppe neben der er­habenen Figur einer antiken Statue erschienen. Und so verschieden wie das Aeußere war auch Gesang und Spiel.

ES waren Mendelssohnsche Lieder, die Elisabeth spielte. Wie eine reine Priesterin der Kunst stand sie dort oben. Welch ein stilles, warmes Licht war über ihr ganzes Gesicht gebreitet! Und wie quollen die Töne aus den Saiten ... wie ein verklärender Hauch, versöhnend, erhebend und zugleich die tiefste Seele erschütternd. Vor solche» Tönen schwand alles Gewöhnliche und Gemeine, und nur warmes und reines Empfinden blieb in der Menschenbrust.

Kein Eljenruf schnitt den letzten Ton, das letzte Wort ab, wie es bei Komtesse Vilmas Gesang der Fall gewesen. Als fie geendet, war eine Stille, daß man ein Blatt hätte fallen hören können. Es war wie in einer Kirche. Und als sich später der Applaus losrang, war er auch der Stimmung angemessen, fast weihevoll.

Es waren noch einige Vorträge zu hören, aber die Lust daran war den meisten vergangen.

Man verteilte sich in den verschiedenen Sälen und bildete zum Souper Gruppen. Elisabeth war fast der Mittelpunkt geworden, denn viele kamen und sprachen ihren Dank auö, aber zu einer rechten Unterhaltung konnte es doch nicht kommen, da die meisten ein sehr schlechtes Deutsch sprachen.

beseitigen. Die Lage im Jangtse-Gebiet ist thatsächlich kritisch."

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London, 25. September. Nach einer Meldung desDaily Expreß" aus Shanghai hat Li-Hung-Tschang den Behörden in Shanghai mitgetheilt, daß von der Auslieferung des Prinzen Tuan, Kangjis, Tungfuhsiangs und Iuhsien's keine Rede sein könne, der Friede sei unmöglich und China gezwungen, gegen die ganze Welt zu kämpfen und äußersten Widerstand zu leisten.

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New - 2) ork, 24. September. Hier ist heute ein Telegramm aus Taku vom 19. d. M. veröffentlicht worden, welches besagt, daß alle Missionare in den westlich von Peking gelegenen Orten Tating-Fu und Soping-Fu ermordet worden seien.

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In den südlichen Provinzen wird infolge der Ernennung fremdenfeindlicher Behörden ein allge­meiner Aufruhr befürchtet. In Kanton gährt es schon lange. Am Sonntag wurde dort eine Barke, in welcher sich eingeborene Christinnen befanden, bei Kumtschuk am Westfluffe beschossen. Alsdann wurden die Frauen aus Ufer geschleppt und niedergemetzelt. Einem älteren Bericht über die dortige militärische Lage entnehmen wir solgends:

Vielfach wird der englischen Regierung hier ein Vor- wurf daraus gemacht, daß sie nicht längst die Forts, die den Zugang nach Kanton von der Wasserseite beherrschen, hat wegnehmen lassen, statt den Chinesen Zeit zu lassen, dieselben jetzt in aller Ruhe zu bemannen. Diese Forts liegen, soweit sie für die Fluß-Passage in Betracht kommen, im wesentlichen an zwei Stellen des Flusses, einmal an der Bocca Tigris, von den Engländern Bogue- Forts genannt, und die anderen bei Whampoa weiter aufwärts. Sämmtliche Forts sind ausgezeichnet angelegt und bestückt und sie würden, wie sachkundige europäische Militärs geäußert haben, im Besitze europäischer Artillerie uneinnehmbar sein. Glücklicherweise ist es mit den chinesischen Artillerie-Mannschaften nicht besonders bestellt. Die Bogue-Forts sind an Zahl nicht weniger als etwa dreißig, sechs auf der linken, neunzehn auf der rechten Seite des Flusses, dann noch einige stromaufwärts und zwei auf kleinen Inseln im Fluß. An der Stelle, wo der Fluß sich in die zwei Arme trennt, die bei Kanton wieder zusammenfließen, liegen dann die Whampoa-FortS, die beide Flußarme beherrschen. Zum Ueberfluß sind auch noch Kettenbarriören quer über den Fluß gelegt

Bei Tisch war der alte Gras Palsy Elisabeths Tisch­nachbar. Endre hatte Kavalierspflichten gegen eine junge Cousine zu erfüllen, und Geza bot sich ihr nicht an, er hielt sich überhaupt den ganzen Abend fern und sie war froh darüber. Seit der Geschichte der Alten konnte sie ihm kein freies Wort gönnen. Zwar als sie ihm jetzt bei Tische gegenübersaß, konnte sie sich trotz allem einer leisen Theilnahme nicht erwehren. Sein Gesicht trug Spuren eines wirklichen Seelenschmerzes, und sie mußte sich gestehen, trotz der unschönen regel­losen Züge halte der Kopf etwas bedeutendes neben den aristokratischen, fein geschnittenen regelmäßigen Gesichtern der meisten Herren.

Die Tischzeit dauerte an zwei Stunden, und als man sich zum Tanz anschickte, war es lange nach Mitter­nacht.

Elisabeth hatte keine Freude am Tanzen, barum wollte sie, trotz aller Freundlichkeit, die man ihr erwies, nicht länger bleiben, als es nothwendig war.

Endre that es leid, als er aber ihren festen Willen sah, drang er nicht in sie. Er trug einem Diener auf den Kutscher zu benachrichtigen, und während alles in den Tanzsaal strömte, entfernte sie sich, von allen unbe­merkt und nur von Endre begleitet, und ging nach der Garderobe, ihre Kleider zu holen, die sie abgelegt hatte. Doch war ihr schon jemand zuvor gekommen. Graf Geza stand, ihrer harrend wie zur Abfahrt gerüstet, einen Pelz­mantel auf dem Arme, den er ihr schweigend hinreichte.