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Dienstag den 25. WeM
1900
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auf das Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen
„Wustrirtes Soimtagsblatt" ™» „Zllustrirte landwirchschaftl. Beilage" für d«S Vierte Quartal 1900 werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträaern und von - der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Hersseld, den 24. September 1900.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit Er- j ledigung der Verfügung vom 28. Februar 1880 Nr. 8182, Kreisblatt Nr. 18, Einzahlung des Forstgeldes betreffend, im Rückstand: sind, werden mit Frist bis zum 2 8. d. M t s. hieran erinnert.
Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 24. September 1900, Für die, Pflege der nach China entsandten Truppen (Kreisblatt Nr. 84) sind weiter eingegangen: von der Gemeinde Kerspenhausen 37,55 Mark,
* „ „ SolmS . . 4,50
Der Königliche Landrath. Freiherr von Schleinitz, Geheimer NegierungS-Rath.
Nichtamtlicher Theil.
Lhina.
Der „Kölnischen Zeitung" wird aus Berlin unterm ■22. d. M. gemeldet: Der deutsche Antrag auf AuSliefer-
ung und Bestrafung der Hauptanstifter der chinesischen Metzeleien hat, wie wir gegenüber der irrigen. Meinung eines ausländischen Blattes betonen möchten, mit der Entschädigungsfrage nichts gemein, sondern bezweckt lediglich, künftige Metzeleien nach Möglichkeit zu verhüten. Er ergab sich aus der Nothwendigkeit, den chinesischen Hof darüber auszuklären, daß, wenn die Kaiserin-Wittwe sich weigere, die Haupiverbrecher zur gebührenden Bestrafung Zauszuliefern, sie hierdurch die Verantwortung für die begangenen Verbrechen auf sich nehmen würde. Den betheiligten Mächten wäre damit die Frage aufgedrängt!, ob China in Zukunft für den Weltverkehr und für Fremde zugängig, oder ob der Fremde in China vogelfrei, wie es jetzt thatsächlich ist, auch fernerhin bleiben soll. Man darf ohne Weiteres annehmen, daß über diesen Punkt unter den Großkabinetten und der civilisirten Welt keine Meinungsverschiedenheit besteht, und daß sie ein Regiment, welches notorische Anstifter und Leiter des verbrecherischen Treibens vor Strafe schützen wollte, als ungeeignet für die Gewährung ernster Bürgschaften, folglich auch als ungeeignet für diplomatische Verhandlungen ansehen würden; denn Niemand würde sich dem Eindruck entziehen können, daß die Schuldigen jetzt beschützt werden, damit späterhin, wenn es wieder einmal so weit ist, an Mördern kein Mangel sei.
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Vom Freitag wird die Ankunft des Grafen W a l d e r s e e in Shanghai signalisirt. Die betreffenden Telegramme lauten:
Shanghai, 21. September. Nach soeben von Signalstation eingetroffener Meldung wird S. M. S. „Hertha" heute um 1 Uhr in Wusung eintreffen, von wo Graf Waldersee mit „Hela" nach Shanghai weiter fährt. Am Landungsplatz deutsche, französische, englische und japanische Ehrenwachen mit deutscher Geschwadermusik. Englische berittene Eskorte zur Fahrt nach Generalkonsulat.
Shanghai, 21. September. Graf Waldersee 5 Uhr bei schönstem Wetter hier eingetroffen und unter großer enthusiastischer Betheiligung der hiesigen Bevölkerung eingezogen. Ehrenwache und Eskorte. Kommandanten sämmtlicher Detachements anwesend. Vor deutschem Generalkonsulat Ehrenwache der bei Taku betheiligt gewesenen Matrosen von „Gefion" und „Iltis". Morgen Parade über vollzählige hiesige Landtruppendetachements und Freiwilligenkorps.
Shanghai, 22. September. Bei herrlichem
Wetter hielt der Feldmarschall Graf Waldersee Parade über die hier versammelten Truppen der verbündeten Mächte ab. Die bengalischen Lanzers stellten sür den Feldmarschall und sein Gefolge Pferde und eskordirten ihn. Die Truppen marschirten in nachstehender Reihenfolge vorbei: Deutsche, Franzosen, das aus Engländern, Franzosen, Amerikanern, Japanern und Deutschen zusammengesetzte Freiwilligenkorps, hierauf die bengalischen Lanzers und die indischen Truppen. Im Ganzen waren an dem Vorbeimarsch ungefähr 5000 Mann betheiligt.
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Aus einem Kriegstagebuchs.
Der Chef des Kreuzergeschwaders meldet nachstehenden Auszug aus dem Kriegstagebuch des Oberleutnants Grafen Soden ab Taku den 17.:
„Am 3. Juni mit letztem Zug in Peking angekommen. Unruhen im Wachsen begriffen. 13. Juni Brand sämmtlicher Klöster und Kirchen in der Stadt. Das Gesandtschaftsviertel wird abgeschlossen und zur Vertheidigung vorbereitet. 17. Juni erhalten die Gesandten die Aufforderung, binnen 24 Stunden Peking zu verlassen. 20. Juni Ermordung des Gesandten. Eine Hülfeleistung durch das Detachement war nicht möglich, da aus sämmtlichen Häusern der Straße, die von chinesischen Truppen besetzt war, heftiges Feuer abgegeben wurde. Die englische Gesandffchast wird als Reduit bestimmt, Frauen und Kinder werden dorthin gebracht. Daselbst wird auH das Lazareth eingerichtet. Am Nachmittag Beginn des Feuers chinesischer Soldaten gegen österreichische und englische Gesandtschaft. 21. Juni Feuer gegen italienische Gesandtschaft. 22. Juni Beginn des Geschützfeuers auf deuffche Gesandtschaft von der Stadtmauer in westlicher Richtung. Die Amerikaner hart bedrängt, wollen die Gesandtschaft verlassen. Die Italiener, Franzosen und Oesterreicher ziehen sich, um nicht abgeschnitten zu werden, ebenfalls nach englischer Gesandtschaft zurück. Nach einer halben Stunde Gesandffchast wieder besetzt. Warfen den Feind, der auf der Mauer vorgedrungen war, nach beiden Seiten zurück. Die besetzte Mauer wurde zur Vertheidigung eingerichtet. Die italienische Gesandffchast geht in Flammen auf. 24. Juni heftiges Gewehr- und Geschützfeuer von allen Seiten. Unterstützung gesandt zu den Engländern und Russen, die darum baten. "24. Juni Amerikaner hart bedrängt, chinesische Truppen, 300 bis 400 Mann, gehen auf der Stadtmauer von Westen her vor, werden mit 18 Mann von uns angegriffen. Anfangs leisteten sie zähen Widerstand, wurden jedoch zuletzt mit Hurrah zurückgeworfen. Der Feind hat viele Verluste, greift trotzdem von Osten her auf der Stadtmauer wieder an, wird aber ebenfalls zurückgeschlagen. Die Verluste des Feindes 40 Todte, darunter 30 bei der Erstürmung eines Hauses. 25. Juni Fortsetzung des Feuers, Streifzug nach benachbarten Häusern gemacht, mehrere Chinesen erschossen. Weiterer Ausbau der Vertheidigungseinrichtungen. Die Chinesen dringen immer näher nach der Gesandtschaft von den östlich derselben gelegenen Häusern vor. Die Barrikade aus der Stadtmauer wird immer exponirter. 30. Juni Sturm der Chinesen auf diese Barrikade. Diesseits 5 todt, 5 schwer
I Ein deutsches Mädchen.
Roman von K. Deutsch.
(Fortsetzung.)
, „ES war eine traurige Fahrt und, o, daß sie es hat überleben können! Die todte Tochter, die lebenden L Enkel, alles in einem Zgge . . . Mich hat damals der M Herzensjammer ganz krank gemacht. Vier Jahre sind B es heute, daß sie starb, gerade am Todestage des seligen Herrn. Meine arme, süße Irma, wer hätte dir ein solch frühes, trauriges Ende vorhergesagt?"
Die Alte schwieg und Elisabeth sah still vor sich hin. „Wie nahm der Graf diese Botschaft auf?" fragte sie dann nach einer langen Zeit.
„Ich weiß eü nicht, liebe Kisaszony, er war nicht zu Hause. Die Gnädige schrieb ihm wohl davon, er kam aber erst nach einem Jahre auf Urlaub. Gesprochen hat er nie davon, aber die Kinder hat er sehr lieb. Man scheint überhaupt von dieser Angelegenheit nicht zu sprechen."
„Ihr habt mich nicht erst darauf aufmerksam zu machen gebraucht, Eanna, ich habe mich schon gewundert, daß man nicht einmal der Mutter vor den Kindern «wähnt!"
»Ja, sehen Sie, liebe Kisaszony, da müßte man ja von dem Vater sprechen, und das will man nicht."
«Und das will man nicht," dachte das Mädchen.
Sie konnte es nicht bester fassen. Es kam ihr wie
ein ungeheures Verbrechen vor, so das Andenken an die Eltern bei den Kindern zu zerstören. Und warum, warum? Weil er ein Bürgerlicher war. Mit welchem Rechte durfte man jede Erinnerung an ihn, im Herzen seiner Kinder verlöschen. Und wer beging diesen Frevel? Eine Frau, die, ihren Adelsstolz abgerechnet,'ein gesundes Urtheil, eine klare Anschauungsweise hatte. O, über das Vorurtheil der Menschen, das, unheilvoller als schneidendes Erz, zwischen dem Glücke der Menschen stand. —
Wie glücklich hätten die beiden Menschen werden können, wenn sie in gewöhnlichen Verhältnissen geboren wären. Warum hatte sich aber auch das Schicksal hineingemischt und traurig zu Ende geführt, was menschliche Verblendung so grausam begonnen?
Hätte sie so gehandelt, so handeln können, wenn sie das vom Leid ergraute Haupt der Mutter gesehen? So handeln können, nachdem sie geschworen? Vielleicht, wenn die Tochter ausgeharct, Zeit und Liebe hätten die Mutter umgestimmt. Die Zeit! Die Gräfin hätte nie eingewilligt, und wenn Jahre darüber hingegangen wären, ja, eine Stimme sagte Elisabeth, daß, wenn dieser Fall nochmals an sie herantreten würde, sie trotz des großen Schmerzes, trotz der gewonnenen traurigen Erfahrungen nicht anders handeln würde.
Elisabeth konnte diesmal mit ihren Gedanken nicht ins Reine kommen. Ihre klare Denkweise reichte nicht aus all die mißtönenden Eindrücke zu versöhnen. Doch was dem Kopfe nicht gelingen wollte, gelang dem Herzen.
Mitleid legte sich wie warmes Licht über die scharfen Mißtöne. Sie fühlte Mitleid mit der Tochter, die ein kurzes Liebesglück mit ihrem jungen Leben bezahlt, und ein noch größeres mit der unglücklichen Frau, die ebenso ein Opfer ihres Standes und Vorurteils geworden war, wie sie es ihr Kind werden ließ, und die Wunde, die sie sich geschlagen, war tiefer und blutete länger, da die Tochter längst allem Schmerz entrückt war.
Am schlimmsten kam Graf Geza weg. Das Gefühl der Theilnahme, das leise in ihrem Herzen zu dämmern begonnen, war plötzlich wie ausgelöscht. Sie sah ihn immer, den Rohen und Gewaltlhätigen, wie er die arme Schwester mißhandelte, und sie zu dem furchtbaren Eide zwang, der für sie zum Meineid wurde.
XIII.
Im gräflich Palsyschen Schlosse wurde ein Konzert Veranstalter, das sich fast zu einem nationalen Feste gestaltete und woran sich der Adel des ganzen Komitats betheiligte.
Es war zu Gunsten der Witwen- und Waisenkasse der Honved-Gefallenen aus dem Jahre 48, und jeder wollte seine patriotische Gesinnung bekunden.
Auch Elisabeths Betheiligung wurde beansprucht, denn ihr vollendetes Violinenspiel war noch vielen inErinnerung und hatte sich in der ganzen Gegend herumgesprochen. Es war nicht nach dem Sinne des Mädchens, denn jede öffentliche Schaustellung war ihr zuwider, selbst wenn ihr, wie hier, ein edlerer Zweck zu Grunde lag, aber