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Gratisbeilagen r „3Unftrirtcs Sonnragsblatt" «. „^Unftrirte lanvwirthschaftliche VeUage
Sr. 106
KOg in 11. Stuf*
X
1900
Amtlicher Theil.
Cassel, den 7. September 1900.
Das Königliche Landrathsamt ersuchen wir ganz erge- benst, ben landwirthschaftlichen Vereinen unb Herren Landwirthen des dortigen Kreises in geeigneter Weise davon Kenntnis geben zu wollen, daß die Armee-Konserven-Fa- brik in Mainz mit dein Ankauf von Hülsenfrüchten begonnen hat. Angebote auf Lieferung von Hülsenfrüchten sowie Muster sind entweder dem diesseitigen Amte zur Ueber- mittelung an die betreffende Fabrik oder letzterer direkt einzusenden.
Gleichzeitig bemerken wir, daß das diesseitige Amt ' fortlaufend Roggen, Hafer, Heu und Roggenrichtstroh ankauft.
P r o v i a n t - A m t.
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Hersfeld, den 8. September 1900. Wird veröffentlicht.
Der Königliche Landrath.
J. V.: Braun, Kreisdeputirter.
Mainz, den 5. September 1900.
Es wird ergebend ersucht, den dortigen Landwirthen in geeignet erscheinender Weise bekannt geben zu wollen, daß die Verwaltung Angebot in Hülsenfrüchten und zwar in:
gelben Kocherbsen, /
weißen Rund' u. Langbohnen, in i aus bet lebten Mittellinsen und Hellerlinsen ' Crnote entgegen nimmt.
Die Angebote sind entweder an die Fabrik direkt, oder an das dem Verkäufer zunächst gelegene Königliche Proviantamt zu richten, dessen Mitwirkung auf Wunsch des Verkäufers, auch bei Abfertigung der Sendungen, in Anspruch genommen werden kann, Den Angeboten sind Proben beizufügen. Zur Preisbemessung wird bemerkt, daß die Abrollgebühren vom Bahnhof Mainz bis zur Fabrik 10 Psg. für 100 kg betragen und vom Verkäufer zu tragen sind.
Zur Vermittlung der Abfertigung auf dem Bahnhof Hierselbst, Verauslag»«« der Fracht und Anfuhrkosten ist die Verwaltung bereit.
Aus Wunsch des Verkäufers werden Magazinsäcke zur
Ein deutsches Mädchen.
Roman von K. Deutsch.
(Fortsetzung.)
XI.
Am andern Tage in der Mittagsstunde schickte Elisabeth die Datka in die Zimmer des Grafen, die Schlüssel zu holen. Sie hatte vergebens den ganzen Vormittag gewartet, daß er sie ihr durch jemanden zustellen lassen werde.
Doch das lag durchaus nicht in der Absicht des jungen Mannes, der ihr sie selber überreichen wollte, und vergebens auf eine Gelegenheit wartete, sie allein sprechen zu können.
Als die Datka erschien, war er ganz glücklich.
„Wo ist das Fräulein?" fragte er.
„Sie wartet in der Bibliothek."
„Geh wieder zu den Kindern, Sanna," sagte der Gras freundlich, „ich will dem Fräulein selber die Schlüffel überbringen."
Die Alte wagte keine Entgegung und entfernte sich, und Geza stand einige Augenblicke später vor dem Mädchen.
„Fräulein Werner," sagte er zu der Ueberraschten, »Sie können sich in dem alten Bau unmöglich allein zurecht finden. Es sind viele geheime Gänge und Fall- thüreu, ein solcher Gang allein wäre gefährlich, erlauben Sie mir, Sie zu begleiten.
Uebersendung der Hülsensrüchte zur Verfügung gestellt, auch Fracht- und Anfuhrkosten verauslagt.
Königliche Verwaltung der Armee-Konserven-Fabrik.
K i e s e l b a ch. M e n z e I. K o s a n k e.
An das Königliche Landrathsamt zu Hersfeld.
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Hersfeld, den 8. September 1900.
Wird veröffentlicht. Die Herren Ortsvorstände des Kreise« haben für weitere Bekanntmachung obigen Schreibens Sorge zu tragen.
I. 5111. Der Königliche Landrath.
I. V.: Braun, Kreisdeputierter.
Hersfeld, den 10. September 1900.
Für die Pflege der nach China entsandten Truppen (Kreisblatt Nr. 84) sind weiter eingegangen:
von der Gemeinde Niederjoffa .... 16,00 Mk. „ „ „ Reckerode..... 7,45 „ „ „ „ Neilos...... 8,00 „ „ „ „ Wippershain . . . 15,65 „ außerdem vom Kriegerverein zu Holzheim . . 7,50 „
vom Gesangverein zu Wippershain 3,50 „ Der Königliche Landrath
I. V.: Braun, Kreisdepulierter.
Nichtamtlicher Theil.
C^ina.
Die au« amerikanischer und englischer Quelle verbreiteten Nachrichten über besondere Vorschläge, die Deutschland zur Frage der Räumung Pekings gemacht haben soll, sind durchweg unbegründet. Die deutsche Regierung hat die Note des Petersburger Kabinets mit einer anderen beantwortet, die lediglich die Ansicht der deutschen Polikik über die von Rußland angeregten Punkte darlegt, sich aber jeder Aeußerung eines deutschen Wunsche« für die weitere Behandlung der RäumungSfrage enthält. Der Gedanke, das Gro« der fremden Truppen aus Peking zurückzuziehen, dafür aber kleine Abtheilungen der verschiedenen Nationalitäten dort zu beluffen, ist in der deutschen Antwort mit keiner Silbe erwähnt. Vertritt man überhaupt — und dies scheint die Mehrheit der Großmächte zu thun — den Standpunkt, daß eine militärische Besetzung Pekings
„Das nehme ich nicht an, lieber verzichte ich auf den Gang," erwiderte sie kurz entschlossen.
„Und was wollen Sie heute Abend meiner Mutter sagen? Wollen Sie Ihr die Gründe eingestehen, warum Sie den Gang nicht gemacht? Wollen Sie ihr sagen, weil Ihr Sohn mich einmal gekränkt vor Wochen, bevor er mich gekannt, und ich es ihm trotz aller seiner Bitten, seiner wirklichen Reue nicht vergeben will, habe ich auch seine Begleitung abgelehnt, die ich dem geringsten seiner Diener bewilligt haben würde."
Elisabeth sah zu Boden, eine leichte Bläffe lag auf ihrem Gesichte.
„Sehen Sie," fuhr er fort, „ich hätte Ihnen ja die Schlüssel schicken und Ihnen einfach auf dem Fuße folgen können. Was hätten Sie gethan, wenn Sie mit in dem alten Kastell begegnet wären? Bei Ihnen sind solche Winkelzüge schlecht angebracht, ich weiß es, darum komme ich offen, und ersuche Sie, mich als Begleiter anzunehmen, Einen Gang allein hat gar keine Bedeutung für Sie. Welches Interesse können schmale, feuchte Gänge, niedrige Kammern für Sie haben? Ich aber ... ich kenne die Geschichte eines jeden Steine«, denn als Knabe kannte ich kein größeres Vergnügen, als durch die alte Burg zu streichen und mir von der Mutter alles und jedes erzählen zu lassen. Fräulein Werner, gewähren Sie mir eine Bitte. Denken Sie, nicht ich, sondern eine lebendige Chronik wandle an Ihrer Seite. Trotz des Scherzes hingen seine dunklen Augen fast flehend an ihren Zügen.
„Es fei, sagte sie nach einer Pause, wie nach einem
einstweilen, zur sicheren Durchführung der mit China zu haltenden Abrechnung fortdauern muß, so kann die Frage, wieviel Truppen dazu erforderlich sind, nicht in einer diplomatischen Note entschieden werden. Darüber hat die militärische Oberleitung nach ZweckmäßigkeitSgründen zu bestimmen. Ohne Noth große Truppenmaffen in oder bei Peking anzuhäufen, wird nicht beabsichtigt. Auch ist die chinesische Hauptstadt keineswegs ein so angenehmer Aufenthalt, daß die verbündeten Streitkräfte länger, als es für die Lösung der zwischen den Mächten und China schwebenden Fragen erforderlich ist, dort bleiben werden. Die chinesische Regierung hat es also selbst in der Hand, durch schnelle Unterwerfung unter den Willen der Mächte und durch Gewährung der zur Sicherung der fremden Interessen in China erforderlichen Bürgschaften den Abzug der Truppen zu beschleunigen. Durch bloße Ueber- redungSkünste aber, wie Li-Hung-Tschang glaubt, wird dies nicht gelingen.
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Legationssekretär v. Below in Peking hat an seinen Vater einen Brief gerichtet, in dem er eine Schilderung der durchlebten Schreckenstage giebt. Darin heißt es:
„Mit noch fünf anderen Herren hatten wir uns ein kleines Zimmer, welches kaum sechs Meter im Ge» viert war, als letzten Zufluchtsort ausgesucht und dasselbe mit allen möglichen aufzutresbenden Revolvern und anderen Schießwaffen ausgerüstet. In der Mitte stand ein Pulverfaß, mit welchem wir uns beim Eindringen der gelben Mörderbande, um denselben nicht lebend in die Hände zu fallen, in die Lust sprengen wollten. Doch, Gott sei Dank, blieb uns diese ultima ratio erspart und das Nähere über unsere Befreiung habt Ihr schon aus ben telegraphischen Berichten gehört."
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Ein weiterer deutscherTruppentran«- port ist am Freitag aus Bremerhaven auf den Dampfern „Krefeld", „Roland" und „Valdivia" nach Ostasien abgegangen. General-Major v. Trotha verlas folgendes Abschieds-Telegramm des Kaisers: „Da zu meinem lebhaften Bedauern es mir nicht vergönnt ist, dem Auslaufen der „Krefeld", „Roland" und „Valdivia" persönlich bei- zuwohnen, sage ich allen Offizieren, Beamten und Mannschaften, die heute den heimatlichen Boden verlassen, meinen herzlichsten Abschiedsgruß. Möge die wehrhafte Besatzung der drei Schiffe, welche sicherlich jederzeit von dem begeisterten Wunsche erfüllt ist, ihrem obersten
Kampfe mit sich. „Wenn es Ihnen Vergnügen macht können Sie mich begleiten."
Ein solch leuchtender Ausdruck des Glückes trat in sein dunkles, bärtiges Gesicht, daß sie sich einer leisen Theilnahme nicht erwehren konnte.
Er nahm einen Wachsstock und Streichhölzer aus einem kleinen Schranke und ging als Wegweiser voran, und sie folgte.
Die Bibliothek lag im Erdgeschoß, und so durch- schritten sie eine ganze Flucht Zimmer, bis sie zu einer Treppe kamen, die in den engen, kleinen Hof führte, welcher das alte und neue Schloß verband.
Dieser Hof sah fast wie eine Cisterne aus, so hoch waren seine Mauern. Dem Parke zu war er hufeisenförmig gebildet, dort stand zwischen zwei Zwergeichen ein Brunnen. Tiefschwarz war sein Wasser, so dunkel und unheimlich, daß sich selbst die verkrüppelten Zweige der Eichen darin nicht widerspiegeln wollten, nur das Tanzen ihre« Schattens auf der Oberfläche zeigte, daß es ein bewegliches Element sei.
„Das ist der Brunnen der heiligen Tireska," sagte der Graf, „die Sage geht bis auf die Hussitenkriege zurück. Prokop der Große, überfiel das Schloß, als hier Hochzeit gefeiert wurde. Der erste, der in dem furchtbaren Blutbade fiel, war der Bräutigam, Graf Piska Csillagi. Die Braut zwang der Verruchte feinem Willen. Als sie dann, ihre Schmach und den Tod ihres Gatten rächend, den Wütherich in der Nacht todten wollte, wurde sie in ihrem Brautgewande von der Höhe des Turmes in den Brunnen gestürzt. Wie die Chronik