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Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeilt 10 Psg., im amtlichen Theile 15Psg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträge» entsprechender Rabatt.

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Jr. 105.

SsmatM im 8. September

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erstes Blatt.

Bestellungen auf das | Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Somitagsblatt" «n» ;Zlluftrirte landwirthschaftl. Beilage" r für den Monat September 1900 werden von D allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträaern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Schon wiederholt ist in deutschen Zeitungen auf eine Gesellschaft von Schwindlern aufmerksam ge- smacht worden, die von London aus durch zahlreiche ^Ankündigungen in deutschen Zeitungen Darlehen [gegen bloße Unterschrift anbieten, dann aber 'nach Einziehung von Kosten und Zinsenvorschüssen nichts | wieder von sich hören lassen. Eine Auszählung der ver­schiedenen Namen, unter denen die Schwindler auftreten, |ift nutzlos, da die Namen in kürzester Zeit gewechselt E werden und die dabei angegebene Adresse meist nur eine | ber in London üblichen Briefempfangsstellen ist. Die in x der letzten Zeit bei dem deutschen General-Consulat in p London eingegangenen Klagen und Anfragen aus den verschiedensten Theilen Deutschlands beweisen, daß die » Schwindler neuerdings wieder mit Erfolg thätig ge- wesen sind.

Von AmtSwegen, wie in Deutschland von feiten der S Staatsanwaltschaft, werden strafbare Handlungen der s vorliegenden Art, auch wenn bei den Behörden Anzeige davon gemacht wird, in England nicht verfolgt; er wird dort vielmehr dem Geschädigten überlassen, die Straf­verfolgung selbst zu betreiben. Da diese aber mit er» geblichen Kosten verbunden, auch die Zahlungsunfähigkeit der Schwindler vorauszusehen ist, so ist, ganz abgesehen - von der Schwierigkeit, die Persönlichkeit der Schwindler sicher festzustellen, beinahe jede Hoffnung auf Wiederer­langung der einmal in ihre Hände gerathenen Geldbe- träge ausgeschlossen.

Es kann daher nur wiederholt und dringend davor gewarnt werden, mit unbekannten Personen im Auslande, k die sich als Geldverleiher anbieten, in geschäftliche p Verbindung zu treten, namentlich wenn die vorherige Einzahlung von Vorschüssen für Auslagen oder die j Vorauszahlung von Zinsen gefordert wird. (A. I. 6563.)

Lasset, am 23. August 1900.

Der Negierungs-Präsident. I. V.: M a u v e.

Hersfeld, den 5. September 1900.

Um zu vermeiden, daß die rechtzeitige Ein­zahlung des Betrages für das den Gemeinden im lau­fenden Jahre staatsfeitig überwiesene Loosholz an die Königliche Kreiskasse dahier unterbleibt, wodurch die be­treffende Gemeinde des Rechtes zum Bezüge von Loos- dolz im nächsten Jahre verlustig gehen würd», will ich nicht unterlassen, die Herren Bürgermeister schon jetzt aus den Inhalt der diesseitigen Verfügung vom 28. Februar 1880, Nr. 2182, im Kreisblatt Nr. 18, auf­merksam zu machen.

3' I. Nr. 5074. Der Königliche Landrath.

J. V.: Braun, Kreisdeputierter.

Hersfeld, den 3. September 1900.

Unter den Schweinebeständen in der Gemeinde Roten- lee ist die Rothlaufseuche ausgebrochen.

5012. Der Königliche Landrath.

I. V.: Braun, Kreisdeputierter.

Bekanntmachung.

Nachdem die Firma Jakob Stetig zu Hersfeld eine eigene Krankenkasse errichtet hat und die Statuten derselben unter dem 7. Februar 1900 von dem Bezirks-Ausschuß genehmigt sind, wird die diesseitige Bekanntmachung über die zu entrichtenden Beiträge zur Invalidenversicherung im Kreise Hersfeld vom 14. Dezember 1899 wie folgt ergänzt: 4a. Mitglieder der Krankenkasse für die Fabrik der Firma Jacob Seelig zu Hersfeld: (vom 1. Januar 1900 ab) § 5 des Statuts : männliche Mitglieder der 1. Klaffe Beiträge der Lohn­klasse IV zu 30 Psg., männliche Mitglieder der 2. Klasse Beiträge der Lohnklasse III zu 24. Pfg., weibliche Mit­glieder Beiträge der Lohnklasse I zu 14 Pfg.

Gaffel, den 24. August 1900.

Der Vorstand der Landes-Versicherungsanstalt Hessen- Nassau. In Vertretung: Scheel.

* *

*

Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 6. September 1900.

J. V. Nr. 248. Der Königliche Landrath.

J. V.: Braun, Kreisdeputierter.

Hersfeld, den 5. September 1900.

Die unter den Schweinebeständen in der Gemeinde Wippershain ausgebrochene Nothlaufseuche ist erloschen. I. 4868. Der Königliche Landrath.

I. V.: Braun, Kreisdeputierter.

Nichtamtlicher Theil.

C^ina.

In einem Telegramm derFrankfurter Ztg." aus Schanghai vom 3. ds. wird die jetzige Haltung N u ß l a » d s auf geheime Abmachungen mit dem Prinzen Tuan zurückgeführt. Die Meldung lautet:

«An Li-Hung-Tschang ist ein kaiserlich-chinesisches Dekret folgenden Inhalts ergangen: Die chinesische Re­gierung wünscht Frieden zu schließen. Sie wählt Lin- Kun-Yi und Tschang-Tschi-Tung zu Bevollmächtigten und Bürgen. Prinz Tuan und Sohn sind der Kaiserin nicht nach Singanfu gefolgt. Prinz Tuan befindet sich gegenwärtig in der Nähe der kaiserlichen Hauptstadt. Er hat die Akten geheimer Verhandlungen mit Rußland mitgenommen; er hat Rußland mancherlei Vortheile in China versprochen, so daß die russische Regierung zu- stimmte, ihre Truppen aus der ganzen Mandschurei zurückzuziehen und sowohl Peking wie Niutschwang den Chinesen zurückzugeben."

Chinesische Beamte in Schanghai bezeichnen eine etwaige Räumung Pekings als selbstmörderischer Schritt. Die Kaiserin sei mehr als je gegen die Fremden er­bittert, es sollte ihr daher nicht gestattet werden, nach Peking zurückzukehren, und die Zügel der Regierung zu ergreifen. Sollte sie dies jedoch thun können, so würde ein neuer Ausstand im nächsten Jahre eine unausbleib­liche Folge davon sein. Auch die aus allen Vertrags­häfen einlaufenden Nachrichten beweisen, daß der Wider­stand gegen die Politik der Räumung Peking« vor endgültiger Regelung der chinesischen Frage unter den Ausländern allgemein ist.

Ueber die m i l i t ä r i s ch e Bedeutung einer Zurückziehung der russischen Truppen aus Peking schreibt ein General a. D. denHamb. Nachr.":

Man kann auf Grund der neuesten amtlichen Mit­theilungen annehmen, daß augenblicklich 61000 Mann mit 176 Geschützen auf der Linie Taku-Peking stehen. Von diesen befinden sich 18900 Mann mit 108 Ge­schützen in Peking. Werden hie russischen Truppen in der Stärke von 4480 Mann mit 22 Geschützen aus Peking zurückgezogen, so verbleiben daselbst noch 14 420 Mann mit 86 Geschützen. Bleiben die aus Peking zurückgenommenen russischen Truppen in Tientsin halten, so ist es den anderen Mächten ermöglicht, ihre rückwärts gehaltenen Truppen zum Theil nach Peking vorzuschieben, um so mehr, da im Lauf bes Monats September an 1

deutschen und französischen Truppen (v. Lessel und Boyron) 21300 Mann mit 54 Geschützen landen werden.

Es sind mithin bis Ende September 82300 Mann mit 230 Geschützen auf der Linie TakuPeking. Werden aber die russischen Truppen auch von Tientsin zurückge- nommen und werden sie in Taku eingeschifft, so verbleiben auf der Linie TakuPeking immerhin noch 71300 Mann mit 186 Geschützen verwendungsbereit und tritt dieser Stärke in etwas späterer Zeit das auf See befindliche beträchtliche Verstärkungskommando der deutschen Division v. Lessel hinzu. Es dürfte diese Landtruppenmacht vollauf genügen, um dem Willen der vereinigten Mächte in Peking genügenden Nachdruck zu verleihen."

Auch in Schantung, unserer Kolonie Kiaut schau ist es jetzt zu Unruhen gekommen. Der Gouverneur von Kiautschau meldet ab Tsingtau, den 5. September:

Eine Patrouille von 20 Mann des 3. Seebataillons unter Leutnants v. Rettberg und Dziobek ist heute bei Lautsun von 400 bis 500 Boxern angegriffen worden. Letztere erlitten einen Verlust von 30 bis 40 Todten. Wir hatten keine Verluste".

Nach einer Meldung desStandard" hätte die Ein­nahme Pekings auch unsere Interessensphäre vor Unruhen bewahrt. Der Gouverneur von Kiang-su sei mit 5000 Mann an der Grenze der Provinz Schantung »»ge­kommen. Als aber die Meldung von der Eroberung Pekings durch die Europäer eintraf, sei eine große Zahl seiner Leute desertirt. Der Rest marschierte jetzt nach Westen, um sich der Kaiserin-Wittwe anzuschließen.

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Laut einer gestern Mittag in Berlin eingetroffenen Depesche heißt es in dem Briefe, welchen S e y m o u r an den Vizeadmiral Bendemann über die Hal­tung der deutschen Truppen während seiner Expedition gerichtet hat:Ich kann diesen Brief nicht schließen, ohne meiner persönlichen Bewunderung über die Geschicklichkeit und die nie versagende Energie, welche Kapitän v. Usedom während der ganzen Expedition an den Tag gelegt hat, und meiner hohen Werthschätzung seiner Dienste Ausdruck zu geben. Die verbündeten Truppen standen während der Schlacht bei Langfang unter seinem Befehl. Ich selbst befand mich einige Meilen weit weg. Seiner geschickten Haltung und seinen Vorbereitungen für die Zurückziehung der Züge ist es zuzuschreiben, daß eine Katastrophe vermieden wurde. Der Muth und die hohe Disziplin, welche alle deutschen Offiziere und Mannschaften bewiesen haben, sind der hohen Traditionen Deutschlands durchaus würdig."

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(Von unsern Truppen in China.)

Die Verlustlisten der deutschen Marinemannschaften aus den Kämpfen in Ostasien weisen bei den Schiffs­besatzungen vorwiegend Verwundungen durch Artillerie- gefchosse auf, die, sofern sie nicht sofort tödtlich waren, meist zu den schweren zu rechnen sind. Bei der Einnahme von Tientsin am 23. Juni, wo insbesondere das 3. Seebataillon im Feuer war, handelte es sich aber meist um Jnfanteriefeuer aus modernen Mausergewehren mit Vollmantelgeschossen. Schüsse in Brust und Bauch waren stets tätlich, und unter den 29 Verwundungen befanden sich 23 Schüsse im Oberkörper, was als ein Beweis für die gute Schießausbildung der chinesischen Infanterie gelten kann. Dem Briefe des Schiffsarztes vom Lazarett- dampferKöln", der am 26. Juli auf der Reede von Taku geschrieben, am 31. von Yokohama abgegangen und am 1. September in der Heimat eingetroffen ist, entnimmt dieD.-Z." nachstehende interessante Schilderung: Soeben fahren wir mit einem neuen Schub von Verwundeten nach Yokohama, um sie in unserm dortigen Hospital unterzubringen. Es sind mit den Kranken 52, darunter zwei Offiziere mit zerschossenen Ellbogen und Knie. Unter den andern fünf schwere, sonst leichte Verwundungen. Gott sei Dank, daß die Chinesenbande nicht mit Dum- Dum schießt. Wir haben ein paar Knochensplitterschüffe, sonst nur glatte DurchschlagSwunden mit brillanter Heilung. Die Geschosse sind sehr klein, und so kam es, daß einige unserer Verwundeten zwei Schüsse haben ohne bedenkliche