Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
Abonnementspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Psg. excl. Postaufschlag.
Gratisbeilagtn: „3Uuftrirt€s Ksnntagrblatt" «. „^Kuftrirte lan-wirthschaftliche Beilage
Sr. 101
Vestellangen auf das Hersfelber Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" ™> „Muftrirte landwirthschaftl. Beilage" für den Monat September 1900 werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbrieftraaern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Berlin, den 4. August 1900.
Ew. Hochwohlgeboren ersuchen wir, die Ortspolizei- Behörden Ihres Bezirks auf die ihnen gemäß Artikel 19 des Preußischen Gesetzes über die freiwillige Gerichtsbarkeit vom 21. September 1899(Gesetz-Samml. S. 249 ff.) obliegende Pflicht, von Todesfällen, bei welchen gerichtliche Maßnahmen zur Sicherung des Nachlasses angezeigt erscheinen können, dem Amtsgericht, in dessen Bezirke der Todesfall eingetreten ist, Mittheilung zu machen, in geeigneter Weise Hinweisen zu wollen. Die OrtSpolizei- Behörden sind besonders darauf aufmerksam zu machen, daß sie sich bei Erfüllung dieser Verpflichtung der Unterstützung der Gemeindebehörden bedienen können.
Der Justizminister. Der Minister des Innern.
Im Aufträge: In Vertretung:
gez. Dietsch. gez. v. Bischoffshausen. An den Herrn Regierungs-Präsidenten zu Gaffel.
* * *
Cafsel, den 23. August 1900.
Abschrift zur Bescheidung der Ihrer Aussicht unterstellten Ortspolizei- und Gemeindebehörden.
Der Regierungs-Präsident. I. V.: (Unterschrift.) An die Herren Landräthe bet Bezirks.
*
Hersfeld, den 3. September 1900.
Wird den Herren Bürgermeistern des hiesigen Kreises zur Beachtung mitgetheilt.
1 5005. Der Königliche Landrath.
I. V : Braun, Kreisdeputierter.
Ein deutsches Kindchen.
Roman von K. Deutsch.
(Fortsetzung.)
Sie wurde doch betroffen von dieser Aufmerksamkeit. Und wie ruhig bescheiden heute seine Art war!
„Ich danke Ihnen, Herr Graf," sagte sie nach einer Weile.
Er sah sie an. „Das Wort kommt Ihnen wohl sehr schwer an."
„Wenn ich die Wahrheit sagen soll, ja."
Eine Pause trat ein. Er hatte sich abgewendet und nagte in heißem Zorn an seiner Unterlippe. Sein altes, wildes Naturell rang mächtig gegen etwas Neues, Unerklärliches, gewaltsam auf ihn Einstürmende«.
„Ihr Vertrauen zu meinem besseren Selbst muß doch kein sehr großes gewesen sein," sagte er dann, sich langsam zu ihr wendend. „Ich bin der Sohn, der Herr des Hauses, ich kann Ihnen Ihre Stellung sehr erschweren, bis inü Unerträgliche steigern," fügte er mit tiefem Zorn hinzu.
«Und ich kann jeden Tag gehen, Herr Graf, mich halten in dieser Beziehung keine Bedingungen."
Er erschrak offenbar, dann wurde er ganz bleich.
„Nein, nein, Sie haben nichts zu befürchten .... Es war nicht so gemeint. Ich bin ein wilder, jähzorniger Mann, wenn ich gereizt werde . . . Fräulein Werner!" fuhr er fort, und fein Ton wurde fast bit» lend, „wie soll ich Ihnen die Meinung beibringen, daß
SoiiMtrSüi K» 6. Ee-tember
Hersfeld, den 3. September 1900.
Für die Pflege der nach China entsandten Truppen (Kreisblatt Nr. 84) sind weiter eingegangen: von der Gemeinde Heimboldshausen . . 17,25 Mk.
- „ „ Holzheim.....13,30 „
„ „ „ KruSpiS.....15,00 „
„ „ „ Oberhaun.....19,90 „ „ „ „ Rotterterode .... 7,00 „
Der Königliche Landrath.
I. V.: Braun, Kreisdeputierter.
Hersfeld, den 4. September 1900.
Nach einer hierher gelangten Mittheilung werden die wirklichen Manöver am 5. d. MtS. beginnen. Zur Verhütung unnöthiger Flurschäden werden darum die in Betracht kommenden Ortsvorstände hierdurch wiederholt angewiesen, die Grundstücksbesitzer aufzufordern, die vorzugsweise zu schonenden Ländereien, frische Saatbestellungen pp. durch Warnungstafeln kenntlich zu machen.
Etwaige Unterlassungen dieser Anordnung können bei der demnächstigen Flurabschätzung nur zum Nachtheile der Interessenten beitragen.
II. 3267. Der Königliche Landrath.
I. V.: Braun, Kreisdeputierter.
Nichtaintlicher Theil.
Ehina.
Der Gedanken-Austausch zwischen den Großmächten in der von Rußland angeregten Frage der Räumung PekingS ist noch nicht beendet. Deutschland würde bereit sein, durch zeitweilige Verlegung seiner diplomatischen Vertretung nach Tientsin den russischen Wünschen entgegenzukommen. UebrigenS befindet sich das Haupt dieser Vertretung, der Gesandte Freiherr von Mumm, mit einem Theil seines Stabes in Schanghai und dürfte fürs erste noch dort verbleiben, also nicht gleich in Peking von seinem Posten Besitz ergreifen. Auch für andere Großmächte wird die zeitweilige Entfernung ihrer Gesandtschaften aus der Hauptstadt China« kaum ein Stein des Anstoßes fein. Der Geschäftsträger Oesterreich Ungarns, Herr von Rosthorn, hat Peking bereits verlassen, allerdings, wie betont sei, nicht auf die Anreg
ich nicht der grundverdorbene Mensch bin, für den Sie mich halten?"
„Was liegt Ihnen an meiner Meinung, Herr Graf?" sagte sie nach einer Weile. „Ich will Ihnen einen Ausspruch ins Gedächtniß zurückrufen, nicht um mich zu rächen, ich kenne dies Gefühl nicht, auch war es zu kleinlich, um mich beleidigen zu können, ich thue es nur, um Sie an Ihre Prinzipien zu erinnern: ,Eine Er- zieherin ist ein zu geringfügiger Gegenstand, um nur des Erwähnen« werth zu sein.' Den Satz über das Bürgerthum erlasse ich Ihnen, ich finde es unter meiner Würde, ihn zu wiederholen."
Damit verbeugte sie sich leicht und verließ den Salon.
Er starrte ihr sprachlos nach, dann schlug er sich vor die Stirne.
„Es ist wahr, es ist wahr! Sie hat zu viel gegen - mich! Mich hat damals der Teufel geritten."
Und.in wilder Wuth rannte er durch den Salon.
„Was will ich eigentlich?" fragte er plötzlich und blieb stehen. „Soll sich der Fluch noch einmal wiederholen ! Nein, nein, es ist nur das alte Gelüste, ein neues Gesicht. Ich will ausreiten."
Er ging nach den Ställen und ließ sich fein wildestes Pferd satteln.
War er zu aufgeregt, um den Gurt festzuziehen, oder saß der Bügel nicht fest, genug, er schwankte im Sattel, als er sich aufsetzte.
«Hund!" rief er seinem Burschen zu, „wie hast du da« Pferd gezäumt?"
„Wie immer, gnädiger Herr."
Die JnsertionSgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeilr
10 Pfg., im amtlichen TheUe 15 Pfg.
Reklamen die Zeile 20 Pfg.
Bei größeren Aufträgen entsprechender
Rabatt.
X
1900.
ung Rußlands hin. Er ist krank und hat sich schon vor dem Bekanntwerden der russischen Note einem Ver- wundeten-Transport angeschloffen.
Weniger einfach bleibt nach wie vor die Frage, ob es rathsam sei, Peking kurze Zeit nach der mit großen Opfern erkauften Einnahme von allen fremden Streitkräften wieder zu entblößen. Wäre die militärische Be. Herrschung Pekings nur eine für die Weiterbehandlung der chinesischen Wirren belanglose Aeußerlichkeit, so ließe sich eine Einigung der Mächte über den russischen Vorschlag leicht erzielen. Die Regierungen stehen aber mehr oder minder alle unter dem Eindruck, daß die Wieder- ausantwortung der Hauptstadt an die geflüchteten Führer der fremdenfeindlichen Partei verhängnißvolle Folgen haben könnte, solange jede Bürgschaft dafür fehlt, daß die Kaiserin-Wittwe nach ihrer ohnehin zweifelhaften Rückkehr in den Kaiser-Palast sich von dem bisherigen völkerrechtswidrigen Verhalten ehrlich lossagt und die von den Mächten an China zu stellenden Bedingungen nicht bloß annimmt, sondern auch aussührt. Will oder kann Rußland in diesem Sinne den andern Regierungen eine Gewähr für die günstige Entwicklung der Schwierigkeiten bieten?
Bis zur weitern Aufklärung hierüber dürften weder England, noch Japan, noch die Mächte des Dreibundes für eine sofortige Zurückziehung ihrer Truppen aus Peking Verpflichtungen eingshen. Auch Frankreich schwankt noch zwischen dem Wunsche, sich dem russischen Bundesgenossen gefällig zu erweisen und der Sorge um die eigenen wohlerwogenen Interessen der Republik als westeuropäischer Macht in Asien. Die sehr verklausulierte Form, in der Amerika den russischen Vorschlag bald angenommen, bald abgelehnt haben will, erklärt sich aus Rücksichten der amerikanischen Wahl-Politik. Den Befehl zum sofortigen Rückzüge wird auch das Washingtoner Kabinet nicht geben.
Stehen hiernach die Aussichten auf unmittelbare Verwirklichung des russischen Wunsches kaum günstig, so überwiegt doch bei allen Mächten, namentlich auch bei Deutschland der Gedanke, diesen Zwischenfall unter allen Umständen freundschaftlich zu behandeln und die Beziehungen der in Ostasien zusammenwirkenden Staaten ungestört zu erhalten.
* * *
Die Mehrzahl der heutigen Nachrichten gilt den Ereignissen von Peking und den Dingen, die sich daran
„Wie immer? Da hast du für dein wie immer." Und schon fauste die Reitpeitsche bes Grafen über das Gesicht des Erschrockenen. Sie fuhr aber nur einmal nieder; als er zum zweitenmal ausholte, hob er wie magnetisch angezogen den Blick nach Elisabeths Zimmer. Sie öffnete gerade ein Fenster, um die kalte Morgenluft einzulassen. Wie gelähmt sank sein Arm.
„Es ist eine Bestimmung," preßte er zwischen den Zähnen hervor. „Sie muß mich sehen, wenn der Dämon in mit ist." Er drückte dem Pferd die Sporen in die Weichen und jagte wie der Sturm aus dem Schloßhof.
„Hat der gnädige Herr einen bösen Geist gesehen? Warum hat er den zweiten Schlag nicht gethan?" fragte der Reitknecht, sich die schmerzende Stelle im Gesicht reibend.
„Oder einen guten Geist," meint Misko der grauhaarige Kutscher. „Dort oben steht die blonde KiSaszony am Fenster, kannst dich bei der bedanken."
Das Dorf der GutSherrschaft war nicht weit, kaum eine halbe Stunde entfernt, aber der Ritt in der scharfen Morgenluft that dem Grafen wohl. Vor dem ersten Hause des Dorfes, einem alten, halbverfallenen Bau, der wie begraben im Schnee lag, stand eine lärmende Menschenmenge.
Geza lenkte sein Pferd hin, und die Leute wichen ehrerbietig zurück und machten ihm Platz.
„Jetzt wird Hilfe werden, der gnädige Herr Graf ist es," hörte man den einen und den anderen sagen.
„Was giebt es ?" fragte Geza.