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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

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Sr. 101.

Soimerjtoo Den 30. August

1900.

Veftellungen auf das Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen Wustrirtes Sonntagsblatt" -» Zlluftrirte landwirthschastl. Beilage" für den Monat September 1900 werden von allen Kaiserlichen poftanftalten, Landbriefträaern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 24. August 1900.

Der Landwirth Valentin Jffland zu Mecklar ist heute als Bürgermeister dieser Gemeinde für einen achtjährigen Zeitraum eidlich verpflichtet worden.

A. 2678. Der Königliche Landrath

I. V.: Braun, Kreisdeputirter.

Herefeld, den 25. August 1900.

Die unter den Schweinebeständen in den Gemeinden Kathus und Gittersdorf ausgebrochene Rothlauffeuche ist erloschen.

I. 4878 u. 4882. Der Königliche Landrath

I. V.: Braun, Kreisdeputirter.

Hersfeld, den 25. August 1900.

Unter den Schweinebeständen in der Gemeinde Wippershain ist die Nothlaufseuche ausgebrochen.

1. 4881. Der Königliche Landrath

I. V.: Braun, Kreisdeputierter.

Gefunden: 1) ein Mantelkragen, 2) eine Pferde­decke, 3) eine Luftpumpe. Meldung der Eigenthümer bei dem Ortsvorstand zu Heddersdorf.

Nichtamtlicher Theil.

Lhina.

Seit vier Tagen sind die Regierungen der Groß- mächte wieder ohne sichere Nachrichten über den Stand

Ein deutsches Mädchen.

Roman von K. Deutsch.

a! (Fortsetzung.)

Was soll das?' rief Gras Csillagi in fast rohem Tone; aber er konnte e« nicht verhindern, daß ihm das Blut heiß in» Gesicht stieg.

Verzeihe den Scherz," sagte Endre begütigend. Deine Schüchternheit hat mich überrascht; sie liegt sonst nicht in deiner Natur, wie du selber weißt. Was das Mädchen betrifft, so ist es eine seltene Schönheit. Es liegt aber ein noch größerer Adel in ihrer Erscheinung als sie schön ist, und da« ist etwas, was jeder Mann von Ehre zu würdigen versteht," fügte der Major mit edlem Ausdruck hinzu.

Der Abend kam, und das Schloß strahlte in einem Lichtmeer. Unten in den Gefellschaftsräumen ging es lebhaft und geräuschvoll zu, oben saß Elisabeth in ihrem Zimmer. Sie hatte an der Festtafel nicht teilgenommen, dadurch würde ihr ja eine gewisse Ebenbürtigkeit einge­räumt worden sein, was in der Absicht der Gräfin durch­aus nicht liegen konnte. Und das Mädchen trug auch kein Verlangen danach, sie war in ihrer Weise zu stolz dazu; sie fühlte, wie ganz fremd, wie ganz verschieden sie in ihrer Denk- und Anschauungsweise, mit ihrem ganzen Wesen diesem adeligen Kreise gegenüberstand.

Sie hatte einige Briefe zu schreiben und war froh,

der Dinge in Peking. Gefechte haben dort neuerdings nicht mehr staltgefunden, wenn auch die endgiltige Säube­rung der einzelnen Stadttheile von verdächtigen Elementen noch keineswegs beendigt ist. Auch in die verbotene Stadt sind die fremden Truppen bisher nicht einge­drungen. Schwerlich aber wird dieser Theil Pekings von jeder Besetzung verschont bleiben. Es liegt kein Grund vor, besondere Rücksicht aus die Gefühle der Chinesen zu nehmen, nachdem diese selbst durch die Be­handlung der Gesandten die Bestimmungen des Völker­rechts mit Füßen getreten habe».

Die Meldungen über die Gefangennahme der ge- flüchteten Kaiserin-Wittwe oder auch des Kaisers Kwangiu durch japanische Kavallerie sind bisher unbestätigt. Friedens-Verhandlungen würden auf chinesischer Seite das Bestehen einer anerkannten und in den für die Mächte wichtigsten Provinzen einen unbestrittenen Ein­fluß ausübenden Regierung zur Voraussetzung haben. Daran ist vorläufig nicht zu denken. Richt einmal die fremdenfreundlich gesinnten Vize-Könige können in ihrem Bezirk sich bei der Bevölkerung Gehorsam verschaffen. In Hankau und Schanghai ist es zwar seit kurzem ruhiger geworden. Dafür herrscht in Amoy (Provinz Julien in Mittelchina) eine Gährung, die schon zur Landung japanischer Streitkräfte geführt hat. Gleich­zeitig treten in der Provinz Petschili wieder große Schaaren von Boxern auf und bedrohen die erst eben wieder hergestellte Eisenbahn bei Dangtsun. Schon spricht man davon, daß eine oder die andere Großmacht ange­sichts der verworrenen Lage in der Hauptstadt ihre diplomatische Vertretung nach Tientsin verlegen dürfte, bis in Peking eine zuverlässige chinesische Regierung ein­gesetzt ist, bei der von neuem Gesandte beglaubigt werden könnten.

Die Bewegungen der Japaner an der Küste von Fukien sind geeignet, bei den andern Mächten einen Arg­wohn hervorzurufen, der erst wieder überwunden werden muß, wie die Besorgnisse vor russischen Gebiets-Erwerb- ungen im Norden des chinesischen Reiches. Die amtliche Politik Rußlands steht hier unverdächtig da. Die russische Presse aber hat an der Mandschurei und dem rechten Amur-Ufer schon nicht mehr genug und sängt neuerdings an, von der Besetzung der Mongolei, wie auch Kuldschahs zu schwärmen.

Alles dies sind noch keine ernstlichen Schwierigkeiten für das Fortschreiten des gemeinsamen Werkes der Groß­mächte in Petschili. Es find nur Hinweise auf die Punkte, von wo solche Störungen ihren Ausgang nehmen

daß sie einige Stunden sich selber angehören konnte, sie hatte bis jetzt nur kaum einige kurze Berichte ihren Freundinnen senden können.

Das Zimmer war so hell und freundlich, so behaglich erwärmt, daß sie ein angenehmes heimische« Gefühl hatte. Sie machte ihr Schreibzeug zurecht und nahm die Feder zur Hand.

Mit der Erinnerung an liebe, traute Gestalten ver­sank Wirkliches und tauchte Vergangenes auf. Sie sah sich als kleines Mädchen mit goldblonden Haaren in einem schönen Hause, das mitten in einem Garten lag, an dem ein großer Strom vorbeifloß.

Sie sah da« sanfte, liebe Antlitz der Mutter und das ernste, vergeistigte des Vaters, die beide den einzigen Liebling vergötterten. Doch nur kurz währten diese lichten Erinnerungen, schwarze düstere Bilder umdrängten sie. Sie sah dunkle, fremde Gestalten in dem Hause, i wo bis dahin nur Licht und Freude gewesen. Sie sah die Mutter im Sarge mit starren Zügen und das milde Auge geschlossen, und den Vater mit vergrämtem Gesicht davor fitzen und jeden Trost zurückweisen. Dann kam der Tag, wo der Sarg hinausgetragen wurde und sie an der Hand des gebeugten Vaters folgte. Und wieder nahte eine Stunde, wo sich das Schauspiel erneuerte und sie eine mutter- und vaterlose Waise war. Dann sah sie sich in einem lindenbeschatteten Pfarrhause in Thüringen, wo der würdige Mann wohnte, der ihr I Onkel war, und der in feiner schlichten Größe eher

könnten, wenn die Diplomatie nicht fortgesetzt bemüht bleibt, jedes Mißverhältniß im Keime zu ersticken. Auch die sehr verwickelte Frage der chinesischen Finanzreform ist schon zur Erörterung gestellt. Eine ausländische Ueber- wachung des ganzen Finanzwesens wäre erwünscht. Aber von der Anregung dieses Gedankens bis zur Ausführung ist ein weiter Weg.

* *

*

Berlin, 27. August. Der Gouverneur von Kiautschau meldet telegraphisch unter dem 24. ds. nach­stehenden Auszug aus dem Bericht des Grafen Soden, des Führers der deutschen Seesoldaten-Schutzwache in Peking:

Am 21. Juni wurden Feindseligkeiten gegen Gesandt­schaft eröffnet, diese am 22. infolge Mißverständnisse« geräumt und nach englischer Gesandtschaft begeben. Kurze Zeit darauf deutsche Gesandtschaft wieder besetzt. Oesterreichische und italienische inzwischen abgebrannt. Von da ab unaufhörlich im Gefecht gegen chinesische Truppen des Tungfusiang und Aunglu. Vom 16. Juli bis 9. August Waffenstillstand. Detachement besetzte in­zwischen Klub. Bi» zum 14. August mörderisches Feuer aus nächster Nähe. Am 14. August früh Geschütz- und Gewehrfeuer außerhalb der Stadt hörbar. Die Chinesen verließe» nachmittags Stellungen als indisches Regiment erschien. Detachement ging vor, besetzte Hattamen-Thor, erbeutete 8 Kanonen, eine Fahne, viele Waffen und Munition. 25 Mann hatten mehr als 1000 gegenüber- gestanden, von denen über 200 gefallen. Seesoldaten haben sich hervorragend benommen, sämmtliche Europäer haben Ruhe, Unerschrockenheit und gutes Schießen be­wundert. Verwundet: Berger, schwer, linke Kopfseite. Reinhardt linker Arm. Weißbardt rechtes Gesicht, Gehör verletzt. Ezardts rechte Hand. Förster rechte Schulter. Wirts, linkes Bein. Benke, Gesicht, geheilt. König, Gesicht und Schulter, geheilt. Gunter, linker Arm, Hüfte, Lunge. Gronlich, Gesicht, leicht. Seiffert, Bein, Knie steif. Klauß, linker Ellbogen, Typhus, in der Besserung. Die übrigen gesund.

Dieser heldenmüthige und überaus erfolgreiche Angriff auf eine so ungeheure Uebermacht ist jedenfalls ein neues Ruhmesblatt in dem bisher schon so ruhmvollen Buch der deutschen Waffenthaten in China!

* *

Der Kaiser hat nachstehendes Telegramm an den zweiten Admiral des Kreuzergeschwaders zur Weiterbe, förberung nach Peking gerichtet: An den Leutnant Graf Soden, Peking. Ich spreche Ihnen und Ihren Mann-

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einem Weisen des Alterthums glich, als einem Kinde der modernen Zeit. Und welche Eindrücke hatte der Mann in ihre Seele gesenkt! Wie hatte er sie gelehrt, das Schöne warm zu empfinden, das Gute aus ganzem Herzen zu lieben und das Wahre mit allen Kräften zu suchen. Spielend hatte er das Beste seines Denkens und Wissen« auf sie übertragen.

Beherzige drei Dinge," pflegte er oft zu sagen, denn in ihnen ruht aller Muth und alle Kraft bes Lebens. Sei wahr gegen dich, gegen andere. Unwürdige Verhältnisse fliehe, und nie suche ein Ziel zu erreichen, und wenn es dir auch theuer ist, das mit einem Unrecht zu erkaufen ist.

Und diese drei Sprüche hatte er ihr beim Lebewohl zugerufen, als sie, noch keine 18 Jahre alt, den Weg der Selbständigkeit betrat; denn selbständig, das todte­ste früh werden, da« war der Punkt, der ihm stets vor. schwebte.Ich bin ein alter Mann und kann täglich ab. gerufen werden, es soll dich nicht überraschen, meine Tochter," hatte er ihr gesagt.

Sieben Jahre war sie als Lehrerin in einer öffent. lichen Anstalt Leipzigs thätig gewesen und hatte das Tüchtige, das Gesunde ihre« Wesens glänzend bewahrt. Und die goldenen Sprüchlein ihres Onkels, sie hatten ihr gute Dienste geleistet, obwohl sie bis jetzt nur das erste hatte zur Geltung bringen können: Sei wahr gegen dich, gegen andere! Das war sie stets gewesen, und da« hatte bis jetzt die Reinheit und Milde ihres Wesens er.