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ersWer Aeisblatt.
Gratisbeilagen r „Illustrirtes Sonnragsblatt" «. „)ll«itrirte lanSwirthschaftliche Beilage."
$r. 91 Soniistbciiö in 11. AM 1909.
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erstes Blatt.
Amtlicher Theil.
Unter dem Namen, des Hydra-, (Bella-, Schneeball- oder Lawineniystems beginnt ein Geschäftsgebahren Verbreitung zu finden, das geeignet iß, das Publikum in empfindlicher Weise zu schädigen. DaS System besteht darin, daß dem Erwerber eines Hydra (Gella-) -Kut- scheines die Lieferung eines im Werthe erheblich über den Preis des Gutscheins hinausgehenden Gegenstandes, vornehmlich einer Uhr, neuerdings auch von Fahrrädern, Eßbestecken und anderen Gegenständen, in Aussicht gestellt wird, sobald er von der Firma eine bestimmte Anzahl von Gutscheinen käuflich erworben, diese an andere Personen abgesetzt und jede von diesen Personen wiederum auf ihren Gutschein die gleiche Anzahl von Gutscheinen von der Firma bezogen hat. Ohne die Schwierigkeiten, die der Erfüllung dieser Bedingungen entgegenstehen, zu erkennen, werden leichtgläubige Personen durch die Aussicht auf den Erwerb eines anscheinend werthvollen Gegenstandes für einen unverhältnißmäßig niedrigen Betrag zum Ankauf von Gutscheinen verlockt und in der Mehrzahl der Fälle geschädigt. Müssen beispielsweise jedesmal sechs Gutscheine nachgekauft werde», so erhält der erste Gutschein-Inhaber den zugesagten Gegenstand erst, nachdem er sechs Käufer für die von ihm nachbezogenen Gutscheine gefunden und jeder von diesen wiederum sechs Gutscheine bezogen hat, also erst nachdem auf sein Betreiben die Firma insgesammt 42 Gutscheine abgesetzt hat. In vereinzelten Fällen mag es dem ersten Gutschein-Inhaber gelingen, den in Aussicht gestellten Gegenstand, der durch den Erlös für die sämmtlichen abgesetzten Gutscheine in der Regel weil über den wahren Werth bezahlt ist, zu erhalten; in den meisten Fällen aber werden die Gutschein-Inhaber sich vergeblich bemühen, die ersorderliche Zahl von Abnehmer» für die nachge- kauften Scheine zu finden, so daß sie Geld,. Zeit und Mühe ohne eigenen Nutzen lediglich äum Vortheil der vertreibenden Firma ausgewendet haben.
Die Anwendung dieses Systems muß mit Nothwendigkeit dahin führen, daß die weitaus größte Zahl der Gutscheine als werthlos verfällt und der Erlös daraus ohne Gegenleistung dem Gewerbetreibenden verbleibt, der mit dieser unausbleiblichen Folge des Systems offenbar rechnet, während der Käufer der Gutscheine leer ausgeht und sich getäuscht findet.
Das Pnblikum wird daher vor dem Ankäufe derartiger Gutscheine hierdurch gewarnt. (A. II. 8901.)
Cassel, den 31. Juli 1900.
Der Negierungs-Präsident. I. V.: M a u v e.
Bekanntmachung.
kiel den 14. April WilhelmShaven, den 20. April 1900. 1900.
I Im Herbst 1901 wird eine größere Anzahl tropen- [ Dienstfähiger Dreijährig-Freiwilliger für die Besatz- ""ll von Kiaulschou zur Einstellung gelangen. jahr^lW^' ^^öjahr 1902. — Heimreise: grü&=
Sauhanbroerfer (Maurer, Zimmerleute, Dachdecker, Lycoler, Glaser, Töpfer, Maler, Klempner usw.) und andere Handwerker (Schuhmacher, Schneider usw.) werden der der Einstellung bevorzugt.
L..- Mannschaften erhalten in Kiaulschou neben der Hwhnnng und Verpflegung eine Theuerung»zulage.
Bewerber, von kräftigem und mindestens 1,67 m ^°5<m Körperbau, welche vor dem 1. Oktober 1882 * jr? ^b* h^tn ihr Einstellungsgesuch mit tiaem auf
Dienst lautenden Meldeschein entweder: .!® " Tstdataillo« in Kiel: »um Diensteintritt lur das ,H Seedataillsn, oder dem II. Seebeteiflon WilhelmShaven: zum Diensteialritl für das
• ~eebataitlon und die Marinefeldbatterie. oder der I 1 11 Matroseuartlüerte-Adtheiluug in Lehe:
zum Diensteintritt für das Matrosenartillerie-Detachement Kiaulschou (Küstenartillerie) bis spätestens Ende Februar 1901 einzusenden.
Kaiserliche Inspektion Kaiserliche Inspektion der Marineinfanterie. der Marineartillerie.
Nichtamtlicher Theil.
Lhina.
Durch ein zur rechten Zeit gekommenes persönliches Eingreifen Kaiser Wilhelms ist die Frage des Oberbefehls über die auf chinesischem Boden stehenden Streitkräfte der Mächte in Erfolg verheißender Weise gelöst worden. Der Mangel an einer einheitlichen Leitung der Operationen hatte sich schon wiederholt als störend erwiesen. Namentlich aber waren, als die Verhandlungen der in China kommandierenden Offiziere über die Wahl eines Oberbefehlshabers aus ihrer eigenen Mitte sich zerschlagen hatten, die Hoffnungen der Chinesen auf ein Erlahmen ober gar eine gänzliche Einstellung des militärischen GesammtvorgehenS der Mächte neu belebt worden. Die Gefahr einer Versumpfu rc b„s ganzen Unternehmens erschien nicht ausgeschlossen, als Kaiser Wilhelm eingriff und den General-Felmarschall Grafen Waldersee für den Posten eines Oberbefehlshabers über die verbündeten Truppen ins Auge faßte. Die mit dankens- werther Bereitwilligkeit erfolgte Zustimmung Rußlands wird auf einen sehr herzlichen unmittelbaren MeinungS- Austausch zwischen den Kaisern Wilhelm und Nikolaus zurückgesührt. Gleichzeitig wirkte im Auftrage seines Monarchen Gras Bülow auf diplomatischem Gebiete für eine allseitige Annahme des deutschen Vorschlages. Die länger» Besprechungen, die der Staatssekretär vor seiner Abreise von Berlin mit mehreren Botschaftern hatte, dürften auf die nunmehr als gesichert zu betrachtende Lösung der Frage von entscheidendem Einfluß gewesen sein.
Die Wahl des in militärischen Kreisen weit über die deutschen Grenzen hinaus in seiner Bedeutung voll gewürdigten General-Feldmarschalls ist in jever Hinsicht glücklich zu nennen. Graf Waldersee wird als Oberbefehlshaber überall mit dem Ansehen austreten, das ihm seine erprobten Fähigkeiten und langjährigen Erfahrungen verleihen, und störende Eifersüchteleien werden gerade unter einem so hochstehenden Führer sich nicht so leicht hervorwagen, wie zwischen Offizieren von ungefähr gleichem Range. Unsere Dreibund-Genossen haben nicht minder willig, wie Rußland, den deutschen Oberbefehl angenommen, Japan stellt gern seine Truppen unter die Führung seines preußischen Lehrmeisters. Volle Anerkennung verdient es, daß Frankreich in diesem Falle die Jntereffen-Gemeinschaft, die es im fernen Osten mit uns hat, in erster Linie entscheiden läßt und ohne Empfindlichkeit auch für seine Truppen die Oberleitung der Operationen durch Deutschland genehmigt. Auch von Amerika und England ist keine abweichende Haltung zu erwarten. Den Chinesen wird hoffentlich recht bald fühlbar gemacht werden, daß ihre Hoffnungen auf eine Veruneinigung der Mächte durch die Frage des Oberbefehls hinfällig sind. Die Berufung des Grafen Waldersee in sein schweres, aber ehrenvolles Amt ist auch ein neuer Beweis des Vertrauen», welches der nach den Intentionen unsers Kaisers vom Grafen Bülow geleitete» auswärtigen Politik des Reiches allgemein ent- gegengebracht wird. Beide, die deutsche Diplomatie wie die durch Graf Waldersee vertretene deutsche Kriegskunst, werden dieses Vertrauen zu rechtfertigen wissen.
Wie die .Hamdurgische Börseuhalle" hört, hat der Kaiser von Rußland dem Grasen v. Waldersee ein Telegramm gesandt, in welchem er feine Freude über dessen Ernennung zum Odrrdesehlshaber in China au »spricht.
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Ein Londoner Telegramm berichtet: Der „Standard" sagt: „Die Genugthuung, mit welcher die zivilisirte Weit die Kunde vernommen, daß da» Werk der Befreiung
der Gesandten in Peking wirklich begonnen wurde, wird noch erhöht werden durch die weitere Kunde, daß ein so ausgezeichneter Soldat, wie Graf v. Waldersee, durch den einstimmigen Beschluß der Mächte zum Oberbefehlshaber in China ernannt worden ist." — „Daily News" schreibt: „Die Ernennung des Grafen Waldersee zum Oberbefehlshaber in China, falls dieselbe von den anderen Großmächten angenommen ist, wird, daran zweifeln wir nicht, in England mit Freuden ausgenommen werden. Waldersees große Fähigkeiten sind bekannt, wir hoffen indessen, daß das Hauptwerk der Expedition vollendet sein wird, bevor er in China eintreffen wird." — Die „Times" sagt, Waldersee» Ernennung könne in England nur mit Freuden begrüßt werden.
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Ferner lautet eine Depesche von heute Mittag aus PariS: Die Blätter sprechen einmüthig die Ansicht aus, daß die großen Talente und da» Ansehen des Grafen Waldersee seine Ernennung zum Generalissimus der verbündeten Truppen in China zur Nothwendigkeit machten. Die nationalistischen Organe werfen allerdings der Regierung vor, daß sie, indem sie als Oberkomman- birenben der französischen Truppen nicht den General gewählt habe, dessen Wahl sich Allen aufdrängte, dem Kaiser Wilhelm die Gelegenheu gegeben hätte, bj Initiative zu ergreifen, aus wekchör Deutschland ungeheure moralische Vortheile ziehen werde, welche Frankreich hätten zufallen müssen. — „Figaro" bemerkt, es sei nicht unmöglich, daß Kaiser Wilhelm den Grafen Waldersee erst nach einem Einvernehmen mit „gewissen" Kabinetten gewählt habe. — „Gaulois" glaubt, die Maßnahme sei mit Zustimmung Frankreichs und Rußlands getroffen worden.
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Das Schicksal der G e s a n d t e n ist immer noch nicht völlig klargestellt. Die britische Regierung erhielt am Mittwoch eine chiffrierte Depesche Macdonalds vom 3. August, die den Stempel der Wahrheit trägt. Sie bestätigt im wesentlichen frühere Angaben und theilt mit, daß bisher Chifferndepeschen nicht zugelassen waren; die Europäer in Peking hätten 60 Todte und 110 Verwundete. Ein chiffrierte» Telegramm, das in Rom ein- lies, war aber merkwürdigerweise nicht durch das telegraphische Burean des Tsung-li-Damen in Peking, sondern durch das telegraphische Bureau des Tsing-Aamen übermittelt worden. Als wahrscheinlich wird man jetzt folgende Lage der Dinge in Peking ansehen könnnen: Die Gesandten leben und wehren jeden Angriff ob. Die Chinesen möchten sie gern als Geiseln in die Hand bekommen : daher z. B. ihr Angebot, sie „unter Bedeckung aus Peking zu führen;" sie scheuen aus gleichem Grunde einen letzten Angriff. Während sie so ihre Herzenswünsche nur indirekt verrathen, wollen sie durch jenes Angebot sowie die Freigabe von Chifferndepesche den Mächten gegenüber sagen können, sie hätten die Forderungen freien Abzugs und Verkehrs erfüllt. Glauben wird man natürlich solchen Winkelzügen nicht mehr. Selbst von Washington ist gestern eine Depesche an das Tsungli-Aamen abgegangen, die als ein Ultimatum an die chinesische Regierung gelten kann. Die Regierung ermähnt darin zugleich Conger, guten Mutes zu sein und macht ihm Mittheilung von dem nahe bevorstehenden Entsatz. Es sind Vorkehrungen getroffen worden, um, falls es nothwendig werden sollte, sofort weitere Truppen von Luzon nach China zu senden.
Berlin, 9. August. Vom Chef des Kreuzer- geschwader», Vizeadmiral Bendemann, ist nachstehende» Telegramm, datiert Taku den 5. August, eingegangen : „Die verbündeten Streitkräste haben am 5. früh Morgen» die chinesische Stellung bei Peitlang genommen. Von deutschen Truppen haben zwei Compagnien unter E^pttän- leutnant Philipp theilgenommen. Näheres iß nicht bekannt auch über dir Verluste der Verbündeten liegen Nachrichten nicht vor. Weiterer Vorstoß nach Aantsnn ist sofort beabsichtigt, um da» dort beabsichtigte Zufammen- ziehen von chinesischen Truppen zu verhindern."
Tokio, 7. August. Die verbündeten Streitkräste gingen in der Nacht des 4. August zum Angriff gegen