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selbst sich an dem anderen aufhielt. Das Attentat wäre also auch an dem zweiten Ausgange auf den König ver­übt worden. Der Revolver, der aus dem Boden liegend gefunden wurde, gehörte offenbar dem Genoffen BressiS und war von diesem weggeworfen worden, als die Thal vollbracht war. — Ein gewisser Possanzini wurde gestern Abend in Ancona verhaftet. Er behauptet, daß er Bressi nicht kenne, gab aber zu, daß er auch aus Mailand und Monza komme. — Ferner wurde in Ancona ein Aus­länder verhaftet, der die Photographieen von Bakunin und Malatesta bei sich trug. — Gestern Abend wurden in Phsto ein Bruder BressiS, der Schuhmacher ist, sowie ein anderer Verwandter BressiS Namens Marossi und sieben andere Anarchisten verhaftet. Diese Anarchisten trugen Dolche und Revolver bei sich. Die Namen zweier Individuen, die in Monza verhaftet wurden, werden von der Polizei nicht mitgetheilt. Bressi wurde letzte Nacht nach dem Gefängniß in Mailand überführt.

In Monza ist Mittwoch Abend das Königspaar eingetroffen. Die Begrüßung zwischen der Königin-Wittwe und ihren Kindern wird als erschütternd geschildert. Während die Bevölkerung dem König und der Königin herzliche, bewegte Kundgebungen darbrachte, riefen zwei unbekannte Fremde „Es lebe die Anarchie". Sie wurden verhaftet. Die erbitterte Menge wollte sie lynchen.

Die Leiche König Humberts ist gut erhalten infolge der Maßnahmen, welche die Aerzte auf Wunsch des Königs Viktor Emanuel, welcher telegraphierte, er wolle seinen Vater ein letztes Mal umarmen, getroffen haben. Der Leichnam wurde einem Alkoholbad unter­zogen und dann auf einem Bett aufgebahrt. In dem neben dem Todtenzimmer liegenden Gemach sind Altäre errichtet, an denen Priester aus Monza und Mailand Messen lesen. Der Herzog von Aosta, der Graf von Turin und der Herzog von Oporto halten in großer Uniform abwechselnd die Todtenwache. Außer der Königin Margherita und den Prinzessinnen, die im Sterbezimmer beten, darf niemand dasselbe betreten. Nur ein Geschoß ist aus der Leiche entfernt worden, das in das Schlüssel­bein gedrungene. Die Aerzte vermuthen, daß die erste Wunde von einer Waffe kleineren Kalibers erzeugt sei als die anderen. Bewahrheitet sich diese Vermuthung, so waren es zwei Mörder, was nicht unmöglich ist. Die Leiche wird durch Eis und Ventilatoren vor drohender Zersetzung bewahrt. Die Aerzte, welche mit der Er­haltung des Leichnams beschäftigt sind, erklären, daß angesichts der vorgeschrittenen Verwesung von der Ein­balsamierung Abstand genommen werden müsse; man befürchtet ernstlich, daß die öffentliche Ausstellung der Leiche im Dome von Monza oder in der Schloßkapelle nicht mehr wird stattfinden können.

Ueber die Beisetzung des Königs ist Entgültiges noch nicht bestimmt. Wie es heißt, wirb die Leiche am Sonnabend nach Rom gebracht werden, wo die Beisetzung nächsten Mittwoch stattfinden werde. Der „Tribuna" zufolge beschloß das Ministerium einstimmig, dem Könige vorzuschlagen, daß die Leiche des König Humberts im Pantheon in Rom beigesetzt werden soll. Ob es dazu kommt, ist fraglich. König Humbert hat wiederholt er­klärt, daß im Pantheon nur der Begründer des Reiches zu ruhen habe, der Italien seine Hauptstadt wiederge­geben, daß er deswegen in der alten Savoyergruft Superga bei Turin dereinst beigesetzt zu werden wünsche. Der Nachfolger Humberts dürste kaum gegen den letzten Willen seines Vaters handeln.

Politische Nachrichten.

Berlin, den 1. August.

Se. Majestät der Kaiser nahm gestern in Bremerhaven nach Besichtigung der Schleppstation des „Norddeutschen Lloyd" den Vortrag des Staatssekretärs des Auswärtigen Amts, Staatsministers Grafen von Bülow entgegen.

Ihre Königlichen Hoheiten die Prinzen Eitel Friedrich und Adalbert kamen gestern Nachmittag in Bremerhaven an Land, besichtigten die Docks und die Hafenanlagen und kehrten um 5 Uhr an Bord der „Hohenzollern" zurück.

Das Telegramm, welches Se. Majestät der Kaiser und König an Se. Majestät den König Viktor Emanuel III. von Italien gerichtet hat, lautet wie folgt:

Tief bewegt durch den Tod Deines edlen Vaters, Meines innig geliebten treuen Freundes und Bundes­genossen, sende Ich Dir mit dem Ausdruck Meiner vollen Betrübniß die aufrichtigen und warmen Wünsche, die Ich für Deine Regierung hege. Möge die Freund­schaft, die Unsere Häuser und Völker während der Re­gierung Deines Vaters verband, allezeit Bestand haben. Sein Gedächtniß bleibt für immer in Meinem Herzen eingegraben. Wilhelm.

An Ihre Majestät die Königin Margherita^ richtete Se. Majestät der Kaiser und König folgendes Telegramm:

Furchtbar erschüttert durch den Tod Deines König­lichen Gemahls, Meines theuren Freundes und Ver­bündeten, sende Ich Dir mit der Kaiserin den Ausdruck Unseres tiefsten innigsten Beileids. Ritterlich durch und durch, gütig, tapfer und treu fiel König Humbert wie der Soldat auf dem Schlachtfeld, ein Opfer jener teuflischen Bestrebungen, welche göttliche und menschliche Ordnung zu zerstören trachten. Gott tröste Dich in Deinem namenlosen Schmerz! Er stärke den Arm Deines Sohnes, daß er Szepter und Schwert führen möge zum Heil seines Volkes, für den Ruhm und die Wohlfahrt

Italiens! Das Andenken Deines verewigten Gemahls wird in Unseren Herzen unauslöschlich fortleben.

Wilhelm.

Den Kampf um die neuenHand.elsoer- träge, der mit der Beratung des neuen Zolltarifs in der nächsten Reichstagstagung auf der ganzen Linie eröffnet werden wird, suchen die freihändlerischen Kreise schon jetzt mit agitatorischen Plänkeleien und Vorposten- gefechten zu beginnen. Wie vor 21 Jahren, als Fürst Bismarck die neue WirthschaftS-Politik in Angriff nahm, der damalige Berliner Oberbürgermeister von Forckenbeck mit seinem Rufe „Auf die Schanzen!" die Führung der Opposition übernahm, so sind es diesmal dessen politische Gesinnungsgenossen, die in vorderster Reihe bemüht find, die Freihändler zu mobilisieren und zu organisieren. Sie wollen die Bevölkerung darüber „aufklären", daß die von den Regierungen und der Mehrheit des Reichs­tages vertretene WirthschaftS-Politik nicht nur für Handel und Industrie verderblich wirken, sondern auch die VolkS- ernähruna erschweren und die Lebenshaltung der Arbeiter herabdrücken würde. Schon aus dieser Redensart läßt sich sehen, mit welchen Schlagworten gearbeitet werden soll und daß man sich bei den Wühlereien vornehmlich die socialdemokratische Methode zum Vorbild nehmen wird. Mit der Bildung von Schutztruppen sind die Frei­sinnigen von jeher schnell bei der Hand gewesen, nur fehlte es ihnen in der Regel an dem erforderlichen Anhang. Mit der Mobilisierung der Börse allein wird man heute keine Triumphe erzielen, und von rechts her haben sie kaum eine nennenswerthe Unterstützung mehr zu erwarten, nachdem in Berlin in einer Versammlung der maß­gebenden Führer der nationalliberalen Partei beschlossen worden ist, daß bei der bevorstehenden Feststellung des Zolltarifs und dem Abschluß künftiger Handelsverträge die Interessen der Landwirthschaft durch einen höhern Zoll, schütz für landwirthschaftliche Erzeugnisse besser gewahrt werden müssen als bisher. Das ist eine bittere Pille für den Freisinn, weil bei diesem der Haß gegen die Land­wirthschaft und das sogenannte Agrarierthum, dessen Forde­rungen in diesem nationalliberalen Beschluß grund­sätzlich anerkannt werden, im Kampfe gegen die künf­tige Zoll- und Handels - Politik das schwere Geschütz bildet. Der erwähnte Beschluß der nationalliberalen Partei darf als erfreuliches Zeichen begrüßt werden, daß die überwiegende Mehrheit des Reichstages fest auf dem Boden einer gesunden nationalen Schutzzoll - Politik be- harrt und insbesondere für einen starken Schutz unserer Landwirthschaft eintreten wird. Auch die maßgebenden Kreise der Industrie stehen auf dem Standpunkt, daß die Ordnung unserer Handelsverhältnisse zum Auslande nicht ausschließlich nach den Interessen des Ausland- Handels erfolgen darf, sondern daß die Interessen aller Zweige der heimischen Produktion solidarisch ver­bunden sind und daher ein wirksamer Schutz aller Zweige der nationalen Arbeit herzustellen ist. Dabei darf frei­lich nicht verkannt werden, daß trotz dieses grundsätzlichen Einverständnisses Jnteressen-Gegensätze übrig bleiben, die stark genug sind, in allen streitigen Fällen die Ausfin- digmachung der Versöhnungs-Formeln auf der mittleren Ausgleichslinie zu erschweren. Wenn die grundsätzliche Uebereinstimmung praktisch bethätigt werden soll, dann bedarf es allerseits dringend der gegenseitigen Rücksicht­nahme und der Wahrung des Gesammt-JnteresseS. Ge­fahr droht nicht von den agitatorischen Umtrieben der Freihändler, sondern dann, wenn die Anhänger eines höheren Zollschutzes für unsere landwirthschaftliche Pro­duktion nicht zu einer Einigung kommen können. Nach dieser Richtung hin kann nicht eindringlich genug ge­mahnt und gewarnt werden.

Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge genehmigte der Kaiser grundsätzlich die Annahme von tropendienstfähigen, zur Verwendung in China sich freiwillig melden­den Unteroffizieren und Mannschaftender Beurlaubtenstandes für etwa nothwendig werdende ErsatztranSporte. Durch die Bezirkskommandos werden in der nächsten Zeit entsprechende Ermittelungen ange­stellt werden. Die betreffenden Leute würden ein Hand­geld und Löhnungszuschuß erhalten.

Für den unmündigen neuen Herzog Karl Eduard von Sachsen-Koburg-Gotha übernimmt dessen Vormund, der Erbprinz Ernst zu Hohenlohe - Langen - bürg, Gemahl der Prinzessin Alexandra von Sachsen- Koburg und Gotha, dem Thronfolge-Gesetz vom Jahre 1899 gemäß die RegierungS Verwesung. Der gemein­same Landtag der Herzogthümer Koburg und Gotha ist zur Entgegennahme der Eidesleistung des Regierungs- Verwefers Erbprinzen zu Hohenloh -Langenburg einher i rufen worden.

Eine Verfügnng des Staatssekretärs des Reichs- postamts betreffs Sammlung von Geldbeträgen zur Unterstützung derTruppen in Ostasien und ihrer Angehörigen lautet: „Um die in ganz Deutschland eingeleiteten Sammlungen des deutschen Hilfskomitees für Ostasien zur Unterstützung der deutschen Truppen sowie ihrer Angehörigen und Hinterbliebenen thunlichst zu fördern, sollen auch sämmtliche ReichSpost-Anstalten (Postämter, Postagenturen und Posthilfsstellen) Beiträge, sei es von den örtlichen Hilfsvereinen, sei es von ein­zelnen Personen, annehmen. Wo mehrere Postanstalten an einem Orte sich befinden, hat jede bei Annahme und Abführung der Spenden sich zu betheiligen."

(Attentat auf den Schah von Persien.) Ueber den Vorgang, der sich Donnerstag Vormittag bei der Ausfahrt des Schahs von Persien ereignete, werden folgende Einzelheiten bekannt: Der Mann, welcher wie ein Arbeiter gekleidet war, durchbrach plötzlich die Reihe

der Polizeibeamten und versuchte auf den TriA Wagens zu steigen. Er hielt einen Revolver in feine Hand, den er auf den Schah richtete. Der Großen d welcher bei dem Schah im Wagen saß, sah diese $ ung und es gelang ihm, dem Manne die Waffe z, »"^ reißen. Der Mann wurde von Polizeibeamten v«h,gleich und von ihnen gegen die Menge, welche sich an ”0" stürzte, geschützt. Er wurde auf das Polizeikonuni^S < geführt und dort verhört, beschränkte sich aber, E' ' zu antworten, es sei eine Angelegenheit Wische , und seinem Gewissen; er fügte dann noch hinzu, j dauere, daß sein Versuch nicht geglückt sei. DerRiA^. war mit fünf Kugeln geladen. -"ne

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Aus Provinz M MhjtiitpK

Hn. Hersfeld- 2. August. (Himmels - Ers n u n g e n i m A u g u st.) Der mächtige fteuetMp? Sonne sendet seine glühenden Strahlen zur Erde 221 . nieder, schwer lastet die Hitze auf den Geschöpfen, ^an' wohl mancher wünscht den Winter oder wenigstem ®en. Herbst herbei, der eine gemäßigtere Temperatur bii Und doch ist es ja nur die Sonnenwärme, die Dasein ernährt, die den Pflanzen zum Wachstum und damit auch den Thieren die Nahrung verschafft, Fleisch wieder unsern Körper erhält. Und die n„r Glut kocht das köstliche Traubenblut, auf daß uiilftßß Herbst einen guten Tropfen beschere! Unsere §gteai ist schon erheblich auf dem Rückzüge von uns. BiAolo 17 Grad steht sie am 1, August nur noch nördlich @at] Aequator; sie steigt daher am Mittage dieses Tag« .„sx, bis zu einer Höhe von 55 Grad an unserm HimmI Aufs por. Im Laufe des August wandert sie um g 1^$ weiter nach Süden, steht also am letzten Tage des »em nur noch 8 Grad nördlich vom Aequator und erteil s nur noch bis zu 46 Grad über unserm Horizont. mitt' Sonnenaufgang verzögert sich, er erfolgt am 1. t s kurz vor 41/» Uhr, am 81. erst gegen 5'/4 Uhr. D». [jnie geht das Tagesgestirn von Tag zu Tag früher i rein gegen 8 Uhr am ersten und bereits gegen 7 U»tat<

letzten Tage des Monats. Die Tageslänge nimmt« — im Laufe des August von 15*/2 auf 13’/4 Stund« bew Unser treuer Begleiter auf unserer Reise um bie & der Mond, wechselt seine Lichtgestalten in altgemi hat i Weise. Er ist am Anfang des Monats zunehmend fal steht am 3. August im ersten Viertel. Am 10. z« mad uns dann sein volles Antlitz, um dann abzunehmen. emp 17. ist letztes Viertel, und am 25. August steht an I

Trabant zwischen Sonne und uns, er kehrt uns gers seine unbeleuchtete Seite zu, es ist Neumond. Vch lich, Planeten finden wir den Merkur bei Beginn des H Das in nächster Nähe zum Tagesgestirn. Er steht » Auä August in unterer Konjunktion zur Sonne, befind Asr, also zwischen letzterer und der Erde. Er kommt am

an den Morgenhimmel und ist hier in der Mild * Monats, im Bilde des Krebses gut sichtbar. Vw Wer Morgenstern in den Zwillingen und kommt am 14.1 im in den größten Glanz. Sie geht zuerst bald nach! gehl morgens, zuletzt eine Stunde früher auf. Mars iß läufig im Stier und in den Zwillingen, sein W erfolgt kurz nach Mitternacht. Er ist immer noch iägl schwach, seine Helligkeit nimmt nur langsam zu. 3’ im Skorpion bildet noch die Zierde des Abendhi« In den Nächten vom 10. bis zum 13. August koms dlu: Sternschnuppen-Schwarm der Perseiden. Ihre $ achtung wird durch den Schein des Mondes, der o« voll ist, stark beeinträchtigt werden. Am Fixstern-H» wa, zeigen sich an den August-Abenden nur wenige Sterne. Sieben Sterne erster Größe finden wir unserm Horizonte: Wega in der Leyer, Teneb im & und Atair im Adler stehen im Südosten. Im $ strahlt der gelbliche ArkturuS und darunter Spika Jungfrau. Im Nordosten funkelt die Kapella im s mann tief am Horizonte, und ihr gerade gegeni^n Südwesten glänzt in derselben Höhe AntareS im SkW1 Oberhalb des letzter» finden wir die ausgedehnten & bilder des Herkules und des Ophiuchus. Jm steht der Kopf des Drachens, der Schwanz bei zieht sich in großem Bogen zwischen dem großen us kleinen Bären hindurch. Im Nordosten finden Sternbilder CepheuS, Cassiopeja und Perseus, im ■ Pegasus und Andromeda.

Hersfeld, 3. August. Bezüglich des Ausm-^H der Truppen der 22. Division aus ihren Garniso^ zu den diesjährigen Herbstübungen, welche bekannt der Gegend von Wansried und Eschweae ihren Wo nehmen und sich bis hinüber nach Hünseto ziehe» während am letzten Tage im Korpsverbaude Hängen des Thüringer Waldes, unweit Schlußmanöver stattfinden, sind solgende Bestimm getroffen ; Am 14. August marschirt das Husaren-M Hessen-Homburg von Gaffel ab, um in der Gege^ Vacha (Stabsquartier Rambach) im Regiments gemeinsam mit dem Dragonerregiment Freiherr v. teuffel, welches am 13. August von Hosgeismar "M schirt, in der Brigade zu üben, dann aber sich an den Uebungen im DivisionSverbande zu , .M Am 18. August folgen bann: da» Infanterie-" M von Wittich, welches mit SonderzügeN nach * j, befördert wird, um zuerst im Regiment U,ib ' » ei dem Eintreffen des Infanterie-Regiments -'''„»(! welches Gaffet am 22. August ebenfalls mit So» verläßt, mit diesem gemeinsam in der Brigade J ■ g später aber an den Uebungen der 22. Di § MM denen des XI. Korps theilzunehmen. Am I verläßt auch das Hessische Feldartillerie<Regi">^