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Tomerftlig den 2. Angust
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Nr. 89
Veftellnngen auf das Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" «n» „Jlluftrirte landwirthschastl. Beilage" für die Monate August und September 1900 werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbrief- trägern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 24. Juli 1900.
Der Landwirth Johannes H e ß in Kirchheim ist heute als Bürgermeister dieser Gemeinde auf die Dauer von 8 Jahren eidlich verpflichtet worden. A. 2430. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
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Hersfeld, den 26. Juli 1900.
Den Herren Ortsvorständen des Kreises theile ich hierdurch mit, daß eine neue Auflage des Staatsdienst- kalenders für den Regierungsbezirk Cassel erschienen und aus der Verlagsverwaltung des reformierten Waisenhauses zu Cassel zu dem Preise von 3 Mk. 50 Pf. für das ungebundene und 4 Mk. für das gebundene Exemplar zu beziehen ist. Die Anschaffung des Werkes wird den größeren Gemeinden empfohlen.
I. 4347. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Homberg, den 28. Juli 1900.
. Die unter den Schweinebeständen 1. des LandwirthS Heinrich Heß, 2. des Schäfers Wilhelm Schneider, 3. des Tagelöhners Peter Hehr zu Mühlbach ausgebrochene Rothlaufseuche ist erloschen.
Der Landrath von Gehren,
I Am blauen Aiülcrr.
Novelle von Herbert Nivulet (Freifrau G. v. Schlippenbach).
(Fortsetzung.)
M Stell« befreite sich aus seinen Armen und sah ihren Verlobten erst jetzt genauer an.
„Wie schön dir die reiche, goldverschnürte Uniform lieht!" sprach sie bewundernd.
«Ich hatte dir doch versprochen, einmal spanisch zu kommen," versetzte er lachend mit den Worten Eg- monts.
W Er hatte sich auf einen Stuhl gesetzt, und Stell« Miete auf einem niedrigen Fußschemel vor ihm. Und I», Auge in Auge, kosten und plauderten sie und sagten wie lieb sie sich hätten. Es lag für Geerd Erik ein besonderer Zauber darin, daß die sonst so Stolze, Kalte w gegenüber nur das liebende Weib war, das unter Minen heißen Küssen erschauerte und sie ebenso erwiderte.
U -.Ich muß fort, mein Lieb, mein Stern, es ist gleich iwols Uhr, und du weißt, des Soldaten erste Pflicht ist Wunktlichkeit, daher lebe wohl, du mein Glück, mein Alles!"
K „Wann sehe ich dich wieder?" fragte sie. „Ich ver- Mhe vor Sehnsucht, wenn du nicht bei mir bist."
„Morgen Abend wohl erst, leider kann ich nicht früher W kommen. Aber eine Bitte habe ich an dich, Geliebte, H e den Rappen nicht bei dem halsbrechenden Sprung !
Nichtamtlicher Theil.
Ae Cmsrillitili Soiiin hmkrts.
Ein Schrei des Entsetzens durchhallt augenblicklich die ganze gesittete Welt. König Humbert von Italien, der edle Menschenfreund, der warmherzige, unermüdliche Förderer der Volkswohlfahrt, der allgeliebte und allverehrte Monarch, ist der Kugel eines anarchistischen Mordbuben zum Opfer gefallen. Brennender Schmerz, jähe Trauer krampst das Herz zusammen, aber zugleich mit ihnen auch Zorn und Scham, daß so etwas inmitten der europäischen Kulturwelt geschehen kann.
Ein französisches Sprichwort sagt: „Aus dem Uebermaße des Uebels kommt die Heilung." Wird sie kommen, die Heilung? Auf Millionen Lippen schwebt heute diese Frage. Der Fürstenmord schreitet durch die Lande und fordert Opfer auf Opfer. In starrer Unthätigkeit verharrt die Welt bisher diesem grausen Schauspiele gegenüber, schlaff ruhen die Hände im Schoße. Darf das so weiter gehen? Nun und nimmermehr. „Völker Europas, wahrt eure heiligsten Güter" — dieses kaiserliche Losungswort gilt nicht bloß der gelben, es gilt ebenso auch der rothen Gefahr, der Umsturz-Gefahr inmitten Europas gegenüber.
Wenn man eine Prämie darauf setzte, anarchistische Unthaten zu begünstigen, wahrlich, es könnte kaum anders wie heute schon verfahren werden. Sipido wird freigesprochen, und Luccheni erfreut sich weiter des Erdendaseins, lebt wohl und munter im Gefängnisse. Solche Vorgänge werden von dem anarchistischen Mordgesindel naturgemäß als Freibriefe ihres Treibens ausgefaßt; die mattherzige Schwäche und unbegreifliche Milde derartiger Gerichts-Urtheile wirkt geradezu anreizend zu neuen Verbrechen, zu neuen entsetzlichen Mordthaten. Hier giebt es nur ein Mittel der Abhilfe: Strenge, harte, grausame Strenge. Die Strafe muß der Größe des Verbrechens angepaßt sein, und wo die Gesetze eines Landes keine Handhabe hierzu bieten, da müssen sie eben geändert werden. Und wie der Anarchismus international ist, so muß auch die Bekämpfung und Verfolgung der anarchistischen Mörderbande international sein. Kein Staat darf sich fürder dieser Pflicht entziehen, wenn anders er es vermeiden will, von dem Urtheil der ge.
Denn obgleich es dir einigemale geglückt ist, so würde ich keine ruhige Stunde haben, ich fürchte immer ein Unfall und zittere um dein Leben, jetzt mehr denn je, seit es mir gehört."
Sie schmiegte sich zärtlich an seine Brust. „Gut, ich verspreche es dir, mein Geerd, ich will ja nur, was du willst!"
„Wenn Arbanoff dir irgendwie lästig ist, wenn dir etwas Unangenehmes zustößt, so benachrichtige mich gleich! bat Brokenhjelm. „Ich habe die Aufsicht über den Südflügel des Schlosses. Und nun, Gott mit dir meine süße Braut, in acht Tagen vereint; uns der Segen meiner guten Mutter, und wir brauchen uns nicht mehr in trennen!"
Er verließ sie und blickte noch einmal grüßend zum Fenster hinauf, dann verschwand feine schlanke, geschmeidige Gestalt den Augen der Nachblickenden.
„Wie edel und gut er ist," dachte die Schulreiterin, wie innig er mich liebt! Warum habe ich trotzdem ein Gefühl der Angst, das mich bedrückt und mir die Brust zuschnürt?" —
Am Abend, kurz vor der Vorstellung, wurde ihr ein prachtvolles Bouquet mit der Karte des Fürsten gebracht, er bat sie, eine Blume aus dem Strauß zu tragen.
Sie schob sein Geschenk ärgerlich bei Seite und befahl Anna Alexandrowna, es sortzunehmen, sie könne es nicht sehen.
Die alte Dame gehorchte, rief aber aus dem Nebenzimmer: „Da ist unter den Blumen etwas versteckt. Ach! i
fammten zivilisierten Welt aus der Liste der Kulturstaaten gestrichen zu werden.
Aber weiter noch. Der Anarchismus ist auf dem geistigen Sumpfboden der Sozialdemokratie erwachsen, und diese hinwiederum empfängt ihre Nahrung aus den trüben Schlammfluthen materialistischer, religionsloser und religionsseindlicher Weltanschauung. In Italien, demselben Lande, dem Angela Bresst, der elende Mörder König Humberts, entsprossen, lehrt der jüdische Professor Lombroso seit Jahrzehnten laut und öffentlich, daß der Verbrecher geboren werde und daß Verbrechen Krankheit sei. Diese Lehren aber werden hinausgetragen in alle Länder und genießen dort den hochvermögenden Schutz ebenso weiser Häupter. So wird das Verantwortlich- keits-Gefühl untergraben und der Mensch zum Spielball finsterer Schicksals-Mächte erniedrigt. Kein freier Wille und auch kein Gott, keine Unsterblichkeit, keine lebendige Seele — das find die angeblichen Forschungs-Ergebnisse, die im Namen „moderner Wissenschaft" von zahlreichen Lehrstühlen verkündet werden, jener Wissenschaft, die sich noch jüngst in Häckels „Welträthseln" ein unaustilgbares Schandmal gesetzt hat. Nimmt man dazu die Unzucht des Wortes, die in Presse und Versammlungen der Sozialdemokratie tagtäglich ihr Wesen treibt und von dort aus die Volks!.>.!-. vergiftet, so gewinnt man einen Einblick in die Quellen, aus denen der verheerende Strom des Anarchismus gespeist wird. Umkehr, gründliche Umkehr thut noth, eine Umkehr mit den Mitteln der Erziehung und — der staatlichen Zwangsgewalt. Mit furchtbarer Macht ruft uns das Geschick des edeln Todten hierzu auf ; möge der Ruf nicht »»gehört verhallen!
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Meldungen aus Monza besagen: Die Leiche des Königs Humbert wurde sofort nach dem Tode eingesegnet und wird einbalssmirt. Die Züge des Todten tragen einen sanften, lächelnden Ausdruck.
Die Mutter der Königin M a r g h e r i t a traf am Montag Nachmittag in Monza ein, ihre Begegnung mit der Königin war erschütternd. Das Zimmer, in dem die Aerzte die Einbalsamirung der Leiche vornehmen, ist in eine von dem Schimmer der Trauerkerzen erhellte und mit Blumen geschmückte Kapelle verwandelt worden. Die Königin legte einen Kranz an der Leiche nieder und verweilte lange Zeit knieend im Gebet. Die Todtenwache hielt der Flügeladjutant des Königs Humbert Turri.
ein Schmuck-Etui aus blauem Sammt, ein paar Brillant- Ohrgehänge sind darin. Wie herrlich, die müssen ein Vermögen kosten!"
„Gieb her!"
Niemand hätte die harte Stimme als die Stellar erkannt. Sie warf kaum einen Blick auf die Steine, die im gleißenden Feuer sprühten und schob sie verächtlich beiseite.
„Der Elende," rief sie. „Was glaubt er von mir, daß er mich mit Gold und Diamanten erkaufen will?" Das bietet er mir, der Fürstin Arbanoff, der Braut des Grafen Brokenhjelm!"
Wie immer, wenn sie erregt war, durchmaß sie das Zimmer mit schnellen Schritten.
„Duschenka," suchte die Tante sie zu beruhige», er liebt dich eben leidenschaftlich —"
„Das ist keine Liebe," entgegnete Stella schroff," dieses wilde Begehren, diese wahnsinnige Leidenschaft gewinnt mein Herz nicht! Sie ist wie eine unheilige Flamme, die vernichtet, statt zu wärmen; o, ich hasse den Schurken und werde ihm heute sein beleidigendes Geschenk ins Gesicht schleudern!"
„Sei vorsichtig, mein Kind, warnte Anna Alexandrowna. „Boris ist ein Mensch, der zu allem fähig ist, um sein Ziel zu erreichen!" —
Kurz, ehe die Schulreiterin nach Hasselbacken hinüber- fuhr, erhielt sie ein Briefchen ihres Verlobten. Er schrieb ihr, daß der Gast seines Königs angekommen fei, und daß er ihr einige Blumen sende, die ihr seine Grüße bestellen sollten.