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Gratirbeilagen r „3U«^rirtes Ksnntagrblatt" «. „^Unftrirte landwirthschafttkehe Vettage".
«r. 87.
SmilLkilil it» 28. M
1980.
Erster Blatt.
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Jlluftrirtes Sonntagsblatt"»»» „Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für die Monate August und September 1900 werden von allen kaiserlichen Postanstalten, kandbrief- trägern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Hersseld, den 17. Juli 1900.
Unter den Schweinebeständen in Kathus ist die Roth- laufseuche ausgebrochen.
I. 4192. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Rotenburg, den 23. Juli 1900.
Unter den Schweinebeständen des Bürgermeisters Rösenstock und des Metzgers Bäcker in Obersuhl ist Roth- laufseuche ausgebrochen.
Der Königliche Landrath. T u e r ck e.
Raubmord.
Am 30. Juni 1900 ist in einem Roggenfelde bei Gelnhausen an der Frankfurt Leipzigerstratze nahe der Stelle, an welcher die Straße nach Wächtersbach abzweigt, ein beinahe vollständig verwester Leichnam ausgesunden morden.
Die Leiche ist als diejenige des zu Altenburg geborenen Schloffers Fritz Neumann aus Braunschweig festgestellt worden, welcher am 13. Mai 1900 von Braun- ! schweig über Dortmund, Essen, Düsseldorf, Köln und [ durch das Rheinthal nach Frankfurt a. M. gewandert ist, um in Frankfurt Arbeit zu suchen.
W Neumann hat in der Zeit vom 24. Mai bis 5. Juni in Frankfurt in der Gastwirthschaft „Erlanger Hof" und > vom 6. bis 9. Juni in der Gastwirthschaft von Nabel MFahrgaffe gewohnt.
Neumann beabsichtigte, nachdem seine Versuche Arbeit . zu bekommen, erfolglos gewesen waren, am 10. Juni 8 mit einem „Schuhmacher" aus Bayern, den er aus der U Wanderung von Essen nach Cöln in Begleitung eines UWieners oder.Oesterreichers kennen gelernt hatte und W"l dem er in Frankfurt wieder zusammen getroffen war, -^weinschaftlich die Rückwanderung anzutreten, um sich tzaalseld a. S. zu Verwandten zu begeben. Bis Hanau wollte er die Eisenbahn benutzen.
Lg ^ ist anzunehmen, daß der Tod des Neumann bereits -o Juni abends bezw. in der Nacht zum 11. Juni "nieten ^
M Da die Obduktion der Leiche als Todesursache Schädel- ^"'"nierung ergebe» hat, und da bei der Leiche mit H n "^le einigst Visitenkarten und eines Notizbuches von Neumann mitgeführten Neiseeffekten fehlten, so Verdacht, daß Neumann das Opfer eines Raub- ^^uorde« ^^orden, dringend.
dem Ergebnisse der bisherigen Ei Mittelungen »U^ wahrscheinlich, daß Neumann am 10. Juni die J "">se von Frankfurt aus in Begleitung des Schuh- ^I^^^^d Georg Philipp Hilpert aus Ochsen
furt (Bayern), z. Z. in Münster in Haft, angetreten hat.
Es wird ersucht, schleunigst Ermittelungen anzustellen ä) über die Person des Begleiters oder der mehreren Begleiter des Neumann und insbesondere, ob weitere Thatsachen zu ermitteln sind, durch welche der Verdacht, daß jedenfalls Hilpert der eine Begleiter des Neumann gewesen sei, bestätigt oder verstärkt wird, b) über den Verbleib der vermißten, im untenstehenden Verzeichniß aufgeführten Gegenstände,
c) darüber, ob in der Zeit vom 10. Juni ab auf dem Wege von Hanau bis zur Fundstelle der Leiche bei Gelnhausen zwei oder drei Handwerksburschen, von denen der eine die bezeichneten Gegenstände bei sich geführt hat, gesehen worden sind, ob dieselben Streit miteinander gehabt, verdächtige Aeußerungen gethan oder Blutspuren an den Kleidern gezeigt oder auf dem Wege hinterlassen haben,
d) ob Personen, welche durch den Besitz der vermißten Gegenstände, durch Blutspuren, durch die Merkmale eines Kampfes, Wunden rc., oder durch aus die That bezügliche Aeußerungen sich verdächtig gemacht haben, in der Zwischenzeit irgendwo auf der Landstraße oder in Herbergen aufgefallen oder zur Anzeige gelangt oder im Gefängnisse ausgenommen worden sind,
e) ob in der Zwischenzeit eine Person von den dem Neumann gehörigen, im Verzeichnisse aufgeführten Zeugnissen und Legilimationspapieren Gebrauch gemacht hat oder unter dem Namen des Fritz Neumann zur Meldung oder Strafanzeige gekommen ist, f) ob Hilpert oder ein andrer von den im Verzeichniß unter Nr. 12 aufgeführten Ansichtspostkarten durch Versendung Gebrauch gemacht hat.
Fritz Neumann war 19 Jahre alt, mittelgroß, schlank aber kräftig gebaut, hatte rundes Gesicht, gute Zähne, kleinen Anflug von schwarzem Schnurrbart, schwarz?« heraufgekämmtes Haar, trug einen schwarz-braunen Jacket- Anzug, Hose, Weste und Jacke von gleichem Stoffe, schwarzen weichen Filzhut, Touristenvorhemd und schwarze Schnürstiefel.
Hilpert ist 29 Jahre alt, 1 m 63 cm groß, untersetzt, hat gute Zähne, kräftigen blonden Schnurrbart, volles, rundes Gesicht, blaugraue Augen, blondes Haar und spricht bayerischen Dialekt.
Die Photographien des Verstorbenen und des Hilpert liegen hier vor und können auf Antrag zum Zwecke der Wiedererkennung verdächtiger Individuen vorgelegt bezw. behufs Vorlegung übersandt werden.
Die Polizeibehörden ersuche ich von dem Ergebnisse ihrer Ermittelungen, und alle Privatpersonen, welche zur Ermittelung des SachverhaltS und zur Ueber« führung der Thäter dienliche Wahrnehmungen gemacht haben, hiervon schleunigst Nachricht zu geben zu den Akten I J 994/1900.
Hanau, 17. Juli 1900.
Der Erste Staatsnnn»alt. Pinoff.
Verzeichnis derjenigen Gegenstände, welche Fritz Menmann mit sich führte und welche vermißt werden.
1. Ein runder, weicher, schwarzer Filzhut mit grünem Atlasfutter, dessen Leder den Namen des Fabrikanten „Pfau, Braunschweig" und vermuthlich auch mit Tinte geschrieben den Namen „Fritz Neumann" trägt.
2. Ein braune Segeltuchreisetasche, mit braunem Leder eingefaßt, — mit besonderem Verschlußtheil zur Aufbewahrung von Papieren — enthaltend Leibwäsche, Handtücher, bunte Taschentücher, mehrere Paar Strümpfe, eine Landkarte von Deutschland, Papiere in grünem Umschlag. Alle Wäschestücke waren F N. oder nur N. gezeichnet. Die Zeichen waren etwa I */„ cm hoch in „Kreuzstich" roth gestickt.
3 Ein blauer Arbeitsanzug eingewickelt in einige Nummern des Berliner Lokal-Anzeigers —■ eine
Nummer hiervon stammt aus der Zeit vor dem 1. April 1900. — Der Anzug war auf die Reisetasche aufgeschnallt.
4. Ein neues, scharfes Taschenmesser mit Korkzieher in grauem Leder-Etui.
5. Einige Butterbrode, eingewickelt in Zeitungspapier von dem Berliner Lokal-Anzeiger.
6. Ein starker eichener Stock mit ungewöhnlich großem Griff aus Hirschgeweih, etwa 25 cm lang, mit vorn etwas abgebrochener Spitze, auf der „Krone" das Monogramm „F. N." tragend.
7. Ein braun ledernes Portemonnaie mit Hornknopf zum Eindrücken als Verschluß und eingeprägten Pferdekopf, enthaltend 10 bis 12 Mark baares Geld.
8. Ein Arbeitsbuch, in welchem Bescheinigungen über die Arbeitszeit bei:
a) der mechanischen Webstuhlfabrik von Jcmischer zu Saalfeld,
b) der Mühlbauanstalt von Carnegl zu Braunschweig, c) der Telegraphenbauanstalt von Jüdel & Co. in Braunschweig,
d) der Geldschrankfabrik Lüders von Braunschweig enthalten sind.
9. JnvaliditätSkarte lautend aus Fritz Neumann, ausgestellt in Braunschweig.
10. Zeugniß von Jrmischer-Saalfeld, welches auf Geschäftspapier mit reichlich ausgestattetem Vordruck (Lokomotive u. s. w.) geschrieben war und dahin lautete, daß Neumann, obwohl er nur 2*/i Jahre anstatt 3 Jahre in der Lehre gewesen, doch als vollständig ausgebildet anzusehen sei.
11. Eine silberne Cylinder-Remontoiruhr mit Goldrand /lin. Stetig . . _ . . _ . ,
118__ g I auf der Innenseite des Deckels dre
Gebäusenummer 407687 und die Verkaussnummer F J 11159, auf der Rückseite das Monogramm F. N. tragend.
12. Ein sogen. „Herrnfeld-Album" — ein Heft enthaltend Postkarten mit phologr. Ausnahmen des Herrnseld-Theaters und des Personals desselben, welches zur Zeit im Orpheum zu Frankfurt a. M. ein Gastspiel giebt. —
Hanau, 17. Juli 1900.
Der Erste Staatsanwatt.
Pinoff.
Nichtamtlicher Theil.
China.
Ueber das Schicksal der Gesandten weiß man heute genau so wenig wie vor acht Tagen. Von Conger ist in Tientsin am 21. eine zweite Botschaft eingelaufen, die schon deshalb bedeutungslos und höchst verdächtig ist, weil sie gleich dem Brief Macdonalds vom 4. Juli stammt. Der „Standard" berichtet aus Schanghai von gestern, ein hoher chinesischer Beamter in Peking habe am 9. Juli an einen Verwandten in Schanghai ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt, daß infolge der ständigen Kämpfe nur noch etwa 300 Personen in pen Gesandtschaften am Leben seien. Nach einer Meldung der „Daily Mail" ferner ist ein chinesischer Dolmetscher der britischen Gesandtschaft in Peking nach Niulschivang entkommen. Dieser erzählt, daß, als er Peking verlassen habe, die Mehrzahl der Mitglieder der Gesandtschaften todt und die Lage der noch Lebenden hoffnungslos gewesen sei. Sir Robert Hart sei am 2. Juli gestorben.
I » derMandschurei geht der erbitterte Kampf weiter. Der größte Theil der mandschurischen Bahn ist bereits zerstört. Fast alle Ingenieure ~mit ihren Leuten sind entkommen; zwischen Eharlin und ^elin scheint eine Anzahl von ihnen mit der BedeckungSmannfchast von 200 Kosaken durch eine übermächtige chinesische Truppe ausgerieben zu sein, eine russische Truppe mußte über die Grenze nach Korea flüchten, wo man sie freundlich aufnahm. An anderen Punkten rückten die Russen kräftig