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Amtlicher Theil.
Homberg, den 29. Juni 1900.
Unter dem Schweinebestande des Oberamtmanns Reinhard zu Neuenstein ist dieRothlausseuche ausgebrochen.
I. Nr. 4645. Der Landrath von Gehren.
Nichtamtlicher Theil.
At faortaig unsers StfooMtn in Peking.
Die deutsche Fahne ist beleidigt, das verlangt exemplarische Sühne — das ist der Grundgedanke der Ansprache, mit der unser Kaiser die Mannschaften der beiden Seebataillone in WilhelmShaven vor ihrer Abfahrt nach China entließ. In ganz Deutschland herrscht nur ein Gefühl der Trauer über die an dem muthigen kaiserlichen Vertreter in Peking verübte Mordthat, zugleich aber auch der Empörung über die Frechheit, mit der die sanalisierten Chinesen aller Zivilisation Hohn bieten. TaS deutsche Volk steht hinter seinem Kaiser, nachdem jetzt der deutsche Antheil an dem allen in Ostasien interessierten Staaten gemeinsamen Werke der Sühnung argen Frevels und der Herstellung der Ordnung so bedeutend erhöht worden ist. Bereits hat der Kaiser Befehl gegeben, die erste Division des ersten Geschwaders (die
Am blauen ZHälar.
Novelle von Herbert Rivulet (Freifrau G. v. Schlippenbach).
| . (Fortsetzung.)
e »Mir ist recht bange umsHerz, Duschenka," sagte sie, diesmal in französischer Sprache, „der hohe Sprung ist doch recht gefährlich."
»Fürchte nichts I Schneeflocke nimmt das Thor im Fluge, ich bin meiner Sache sicher. Doch nun komm, W ist wittliij) die höchste Zeit, auszubrechen!"
1 ®u Singen die breite, mit Teppichen belegte Treppe 7-t ^Es hinunter, ein Herr stieg sie eben herauf, er rät YofUch zur Seite, um die Damen vorüber zu lassen.
„Sonnia, Sie hier?"
Die Schulreiterin fuhr bei dem Klänge der Stimme heftig zusammen.
r ^Ä^ sie, sich schnell sammelnd, mit eisiger Kalte, „ich hoffte wir würden uns nie mehr im Leben be0e0nen, es hatte uns viel Peinliches erspart." leihZn^^ S" mich so förmlich an," raunte er leidenschaftlich, „sagen Sie Boris, ich bin ihr Vetter." mi» "’ ?am7s locken von Stellas Lippen; idnin n r ^/? abweisenden Bewegung des Hauptes ' . ' °” ^ d« Hand, die er beschwörend Mach ihr ausstreckte, kühl zur Seite schiebend.
sein«.' £ A "«5 Unb ? lammte wie ein Haß in Unb irnn, '^"b"' Augen auf, dann eilte er zum Portier 1 nb '"«te ihn, wer bie Damen seien, die soeben, das
Brandenburg-Klasse unserer Schlachtschiffe) seeklar nach China zu machen, und am Dienstag wurden in WilhelmShaven Berathungen mit den obersten Vertretern der Armee darüber abgehalten, inwieweit dem Verlangen des Admirals Bendemann vor Taku nach Entsendung einer kombinierten Division unsers Landheeres stattzugeben sei. Diese Opfer sind uns aufgenöthigt, und wir müssen sie bringen für die Ehre des Reiches und die Behauptung seiner Stellung als Weltmacht.
Gleichwohl wird an eine deutsche Sonder-Aktion bei den kriegerischen Operationen in China zunächst nicht gedacht. Russen, Franzosen, Engländer :c. kämpfen, wie unser Kaiser hervorhob, für dieselbe Sache, ihre Vertreter in Peking sind bedroht und vielleicht schon ebenso wie Frhr. v. Ketteler der Wuth des chinesischen Pöbels zum Opfer gefallen. Hoffentlich gelingt es der Diplomatie, die Einigkeit der Mächte unter der Herrschaft des Gedankens zu erhalten, daß jetzt das Streben nach Sonder-Vortheilen ganz hinter der Aufgabe zurückstehen muß, vollste Genugthuung für die Frevelthaten zu erlangen und ein geordnetes Regiment wiederherzustellen. Der Staatssekretär Graf von Bülow hatte schon vor dem Eintreffen der Schreckenskunde über Ketteler« Tod die Absicht kundgegeben, auf sseine«. Sommer-Urlaub bis auf weiteres zu verzichten und in Berlin zu bleiben; auch unser Kaiser hatte schon vorher wegen des Ernstes der Lage in China eine Einschränkung des Programms der Nordlandfahrt eintreten lassen und nunmehr den Antritt der Reise bis auf weiteres verschoben.
Rußland hat bisher an der Auffassung festgehalten, daß der Kampf nicht der chinesischen Regierung, sondern den Boxern und den zu ihnen übergehenden chinesischen Truppen gelte. Nach den letzten Nachrichten fragt es sich in der That, ob nicht in Peking Anarchie herrscht und nach dem Sturze der allen Kaiserin verschiedene Prinzen und Generale sich untereinander befehden, so daß von einer Centralregierung kaum noch die Rede sein kann. Damit erübrigt sich die Frage einer Kriegserklärung an China von selbst. Schließlich kommt auch nicht so viel darauf an, ob man den Kampfzustand 'in Petschili als Krieg im völkerrechtlichen Sinne oder als kriegerische Operationen bezeichnen will. Die Hauptsache ist, daß Peking so schnell als möglich besetzt, vollste Sühne erlangt und die Ordnung, wenn möglich, ohne zu starke Erschütterung des chinesischen Reiches, wieder- hergestellt wird. Unter der Führung unsers Kaisers strebt die deutsche Politik diesem Ziele zu in guter Füh
Hotel verließen. Kaum hatte er die Auskunft erhalten, so stürzte er auf die Straße, warf sich in einen Fiaker und rief dem Kutscher zu: „Cirkus Ferotti!"
Es fiel ihm schwer, noch ein Billet zu erlangen; ein Hundertrubelschein machte es möglich, daß noch ein Extrastuhl eingeschoben wurde. Ueberall hörte er von Stella Royer sprechen, ihr Name war in aller Mund, und ihr Ruhm begeisterte jeden.
In atemloser Spannung erwartete das große Publikum das Auftreten seines Lieblings, und nicht am wenigsten neugierig und erregt war Boris Wladimirowitsch, Fürst Arbanoff, der verschmähte Freier seiner schönen Cousine.
II.
Stella war inzwischen in keiner angenehmen Gemütsstimmung: die unerwartete und unerwünschte Begegnung hatte sie tief verstimmt, und sie sprach sich darüber mit ihrer alten Freundin aus.
„Ich habe meine beruhigenden Nerventropfen mit, Duschenka," sagte Anna Alexandrowna. Willst du nicht einige nehmen?"
„Nein, ein Glas kalten Wassers ist die beste Arznei, doch, da sind wir angelangt."
Sie betraten das weite Gebäude durch eine Seiten- pforte. Stella ging sofort nach den Ställen, um dem Bereiter noch einige Anweisungen über das Satteln ihrer beiden Pferde zu geben. Sie trat zu ihrem Liebling, i der Araberstute, und streichelte ihrey schlanken Hal«, ।
lung mit Rußland und möglichstem Einvernehmen mit England und den übrigen Mächten.
Politische Nachrichten.
Berlin, den 3. Juli.
Der Kaiser und die Kaiserin trafen gestern Nachmittag in WilhelmShaven ein und begaben sich mit dem Prinzen Rupprecht von Bayern und dem Großherzog von Oldenburg sowie dem Gefolge nach dem Torpedo- Exerzierplatz, wo das Expeditionskorps Paradeausstellung genommen hatte. Se. Majestät trug die Uniform des Seebataillons, die Truppen trugen Khakianzüge. Der Kaiser schritt die Front ab und hielt an die Soldaten folgende Ansprache: „Mitten in den tiefsten Frieden hinein, für Mich leider nicht unerwartet, ist die Brandfackel des Krieges geschleudert worden. Ein Verbrechen, unerhört in seiner Frechheit, schaudererregend durch seine Grausamkeit, hat Meinen bewährten Vertreter getroffen und ihn dahin- gerafft. Die Gesandten anderer Mächte schweben i» Lebensgefahr, mit ihnen die Kameraden, die zu ihrem Schutze entsandt waren, vretreicht haben sie ichon heute ihren letzten Kampf gekämpft. Die deutsche Fahne ist beleidigt und dem Deutschen Reiche Hohn gesprochen worden. Das verlangt exemplarische Bestrafung und Rache. Die Verhältnisse haben sich mit einer furchtbaren Geschwindigkeit zu tiefem Ernst gestaltet, und seitdem Ich Euch unter die Waffen zur Mobilmachung berufen, noch ernster. Was Ich hoffen konnte mit Hilfe der Marine-Infanterie,wiederherzustellen, wird jetzt eine schwere Ausgabe, die nur durch geschlossene Truppen- körper aller zivilisierter Staaten gelöst werden kann. Schon heute bat der Ches des Kreuzergeschwaders Mich gebeten, die Entsendung einer Division in Erwägung zu nehmen. Ihr werdet einem Feinde gegenübertreten, der nicht minder todesmuthig ist, wie Ihr. Von europäischen Offizieren ausgebildet, haben die Chinesen die europäischen Waffen brauchen gelernt. Gott sei Dank haben Euere Kameraden von der Marine-Infanterie und Meiner Marine, wo sie mit ihnen zusammen gekommen sind, den alten deutschen Waffenruf bekräftigt und bewährt und mit Ruhm und Sieg sich verteidigt und ihre Aufgaben gelöst. So sende Ich Euch nun hinaus, um das Unrecht zu rächen, und Ich werde nicht eher ruhen, als bis die deutschenFahnenvereint mit denen
auf dem die Adern stark hervortraten, wie es bei Rassepferden der Fall ist.
„Nun, Golubtschick, trage mich sicher über das Thor!" flüsterte sie zärtlich. „Es gilt das Leben."
Das edle Thier wieherte und rieb den kleinen Kopf an der Schulter der geliebten Herrin, nach dem Zucker schnuppernd, den sie immer mitbrachte.
Stella reichte Schneeflocke den Leckerbissen dann küßte sie sie auf die seidenweiche Mähne und ging in ihr An- kleidezimmer, da« hell erleuchtet ihrer harrte.
Das elegante kleine Boudoir war heute an ihrem Ehrenabend in einen reizenden Blumengarten verwandelt, die kostbarsten Jardini^ren, Stdäuße und Gewächse zierten es, und ein fast betäubender Duft entstieg den Kelchen der Rosen, Orchideen und Veilchen, der Maiglocken, Hyazinthen und der übrigen Kinder Floras.
Die dunkeln Augen der Schulreiterin schweiften gleich- giltig über die märchenhafte Pracht. „Willst du nicht wenigstens dMKarten lesen, die dabei liegen? fragte Anna Alexandrowna. Ich wäre an deiner Stelle neu' gierig, zu erfahrenn, von wem diese unvergleichlich schönen Huldigungen sind."
»Wozu Tante ? es sind lauter Menschen, die mir völlig fremd sind und die mich durchaus nicht interessieren," erwiderte Stella kalt.
„Hier, diese köstlichen gelben und roten Rosen sind vom Marquis St. Denis!" rief die alte Dame. „Das ist der hübsche junge Franzose, der neulich seine Visite