Erscheint wöchentlich drei Mal DienStag, Donnerstag und Sonnabend.
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«Ät SreisMatt
Gratisbeilagen r „Illustrirtes Sonntagsblatt" «. „Illnftrirte landwirthschaftliche Beilage".
«r. 76.
IicußG den 3. Juli
1906.
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" ™& „Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für das dritte Quartal 1899 werden von allen kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträaern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 2. Juli 1900.
Im Laufe des Monats Juni d. J. sind dahier folgende
Jagdscheine ausgestellt worden:
A. Jahresjagdscheine r
a. entgeltliche:
1) am 6/6. für den Landwirth Herrn Adam Führer zu Lautenhausen;
2) „ 20/6. „ „ Hauptmann Herrn Freiherrn Treusch v. Buttlar-Brandensels in Kirchheim;
3) „ 30/6. „ „ Herrn Adalbert von Baumbach aus Gaffel in Kirchheim;
b. unentgeltliche:
4) am 7/6. für den Königl. Oberförster Herrn Dietrich in Heringen;
5) „ 8/6. „ „ Königl. Förster Herrn Teichert in Mecklar;
6) „ 12/6. „ „ Königl. Förster,Herrn Prescher in Gershausen.
B. Tagesjagdscheine:
7) am 5/6. für den Herrn Lehrer Beltenhausen aus Hönebach.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Ralh.
Hersfeld, den 28. Juni 1900.
Unter Bezugnahme auf das Ausschreiben vom
Am blauen Mälar.
Novelle von Herbert R i v u l e t (Freifrau G. v. Schlippenbach).
(Fortsetzung.)
Wer mit vorurtheilsfrcien Augen die aristokratische durch und durch vornehme Erscheinung Stella , Royers betrachtete, mußte über diese boshafte Ansicht lachen.
$ 3» dem edelgeschnittenen, feinen Gesicht lag ein unnahbarer Stolz, die Seele einer wahrhaft bedeutenden g.n 9Ut™ Stau sprach aus den großen, mandelförmigen 3'. ^, von langen, schwarzen Wimpern beschattet feurig und wen dreinschauten.
"r4 »” Prügeljungen eines jeden Cirkus Xn Ä "'U dem Personal der Ferotti- fcn fÄ -s war der Clown, der den L’Jn"' ?ä°^ d" von allen gehänselt, geohrfeigt iBaumm^ 3m Frack und den stets zu großen IBaumnoOftslnbM^ der roten Perrücke und Nase. &rf\^ s-i" bloßer ? Anblick zum Lachen reizte
Paris war, geschah es, B . rctttubii C/Hßil zur EX X» Xl‘
Sie leicht hingerissenen Franzosen gebärdeten sich
10. Juni 1887 Nr. 6140, Kreisblatt Nr. 70, wird hierdurch bekannt gemacht, daß vom 10. August d. Js. ab in hiesiger Stadt eine wiederholte technische Revision der Maaße, Waagen und Gewichte bei den Gewerbetreibenden stattfinden wird.- Die Letzteren werden hierdurch aus die unliebsamen Folgen einer etwa sich vorfindenden Unrichtigkeit der Maaße ic. hingewiesen und gleichzeitig aufgefordert, dieselben, soweit deren fortdauernde Richtigkeit zweifelhaft erscheint, zuvor zur aichamtlichen Prüfung zu bringen, auch sämmtliche revisionspflichtigen Gegenstände vor der Revision einer gründlichen Reinigung zu unterziehen und in Bereitschaft zu halten.
I. 3853. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 28. Juni 1900.
Es ist zur Sprache gekommen, daß Mannschaften, die infolge Reclamation vorzeitig aus dem activen Militair- dienste in die Heimath entladen worden sind, dort ihrer Unterstützungspflicht nicht nachkommen, ohne daß ihre Wiederheranziehung zum activen Dienste in die Wege geleitet wird.
Da solches aber in " t Fällen geschehen muß, werden die Ortspolizeibehörden des Kreises unter Hinweis auf die Bestimmungen in den §§ 39, 4 und 40, 6 der Deutschen Wehrordnung und § 21 des Reichsmilitair- gefetzes vom 2. Mai 1874, wonach ein Berücksichtigter, der sich der Erfüllung des Zweckes entzieht, welcher seine Befreiung vom Militärdienste herbeigeführt hat, vor Ablauf des Jahres, in welchem er das 25. Lebensjahr vollendet, nachträglich ausgehoben und sofort wieder eingestellt werden kann, mir von einem jeden bekannt werdenden derartigen Fall alsbald Mittheilung zu machen.
II. 2348. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtlicher Theil.
Thina.
Berlin, 30. Juni. Der deutsche Geschwaderchef in China telegraphiert: Das Expeditionskorps ist nach Tientsin zurückgekehrt. Die Anstrengungen waren außerordentlich. Die Leistungen unserer Leute waren vorzügliche. Gefallen sind: Kapitän Buchholz, die Matrosen Lausten, Zimmermann, Appermann von der „Kaiserin
wie rasend in ihrem Enthusiasmus für die Schulreiterin, sie hätten ihr am liebsten die Pferde vor dem Wagen ausgespannt, um sie abendlich nach ihrem Hotel heimzuziehen. Sie wußten nicht mehr, was sie ihrem Liebling für Huldigungen bringen sollten. Man komponierte Stella-Walzer, es gab Parfüm Stella, die Modistinnen nannten die neueste Modelaune Fagon Stella, ja, selbst in den Caffees aß man Eis ä la Stella und tränt Bowle ä la Stella, sie war die Mode des Tages geworden. Wer sie nicht „in der Arbeit" wenigstens einmal bewundert hatte, zählte nicht mehr zu den Gebildeten, überall sprach man von ihr, taufte ihre Bilder, kurz, Paris schwärmte für sie. Kalt und gleichgiltig glitten alle diese Huldigungen an ihr ab, ja, oft kräuselte ein kaum merkliches, leises Spottlächeln ihren schöngeschweiften Mund, und sie zuckte verächtlich die Achseln über soviel Thorheit. Ihr Benefiz nahte, sie wußte, es würde für sie ein Triumph sondergleichen werden. Die Direktion hatte das Mögliche gethan, um den Abend besonders glänzend zu gestalten. Die Stallmeister prangten in nagelneuer, scharlachrother Livree mit reicher, goldener Stickerei; Blumengewinde und Fahnen schmückten den weiten Raum, der von elektrischen Flammen tages- hell erleuchtet war. Die Buchstaben S. R. waren mit feinem Sand riesengroß auf dem weichen Boden des Cirkus wiedergegeben, und an der Kasse riß man sich um die besten Plätze. Die Programme an den Straßenecken
Augusta", Baatz von „Hertha", Gödeke, Riekviffer vom .Hecht", Bading, Fedvermann von „Hansa". Schwerverwundet find: Kapitän-Leutnant Schliepen, die Ober- Leutnants Krohn und Lustig, Leutnant Pfeiffer, Obersanitätsmaat Burmann von „Hansa", Matrose Grafs von „Hertha", Heizer Otto von „Gefion". Leichtverwundet Kapitän Usedom, Oberleutnant Zerffen. Der Gesundheitszustand ist gut. Von den Gesandten hat man noch keine Nachricht- Die Expedition kehrte in Langfang um, dieselbe war nicht in Peking.
Ueber das Schicksal des deutschen Gesandten in Peking gehen uns folgende Depeschen zu:
London, 2. Juli. Das „Reuter'sche Bureau" meldet aus Tschifu vom 1. Juli: Der deutsche Gesandte in Peking, Freiherr v. Ketteler, wurde am 18. Juni in dem Augenblicke, als er sich in den Tsungli- yamen begab, ermordet. 1 Dolmetscher wurde verwundet und konnte noch in eine Gesandtschaft flüchten. Am 23. Juni waren nur noch drei Gesandtschaften «»zerstört.
Berlin, 2. Juli. Der Kaiserliche Konsul in Tschifu telegraphiert: Unser Gesandter in Peking wurde am 18. Juni ermordet.
London, 30. Juni. Die Admiralität veröffentlicht folgende, Tschifu, den 29. Juni, abends 10 Uhr 5 Min. datierte Depesche des Admirals Seymour: Ich habe Peking nicht mit der Eisenbahn erreichen können und bin nach Tientsin zurückgekehrt. Am 13. Juni wurden zwei Angriffe der Boxer auf die Vorhut mit großen Verlusten für die Boxer und ohne Verluste für uns zurückgewiesen. Am 14. Juni griffen die Boxer in Langfang unseren Zug an, wurden aber wieder zurückgeschlagen; sie hatten ungefähr 100 Todte, während auf unserer Seite 5 Italiener fielen. Am Nachmittage desselben Tages griffen die Boxer die englische Wache an, die zum Schutze der Station Lofa zurückgelaffen worden war. Es wurden Verstärkungen dorthin abgeschickt, und wieder wurde der Feind mit einem Verluste von ungefähr 100 Mann zurückgetrieben, von unseren Leuten wurden zwei Matrosen verwundet. Bei unserer Ankunft in Anting fanden wir die Eisenbahn so beschädigt, daß jedes Vorwärtskommen mit der Eisenbahn unmöglich war. Wir beschlossen deshalb nach Aangtsun zurückzukehren, um dort eine Expedition zu organisieren, welche, dem Fluffe folgend, nach Peking marschieren sollte. Nach meinem Abgänge von Langfang wurden zwei Züge, welche unseren Truppen folgen sollten, am 18. Juni von Boxern und kaiserlichen Truppen, die von Peking gekommen waren, angegriffen.
kündigten an, daß Stella Royer heute auf der Araber- stute Schneeflocke zum erstenmal über ein mehrere Fuß hohes Thor setzen werde. Sie, um die sich die fieberhafte Aufregung des schaulustigen Publikums drehte, lag noch eine halbe Stunde vor Beginn der Vorstellung auf der Chaiselongue ihres Zimmers und blickte träumend in das verglühende Kohlenfeuer des Kamins.
Woran dachte sie <
Ein weißes Negliges aus weicher Wolle von einer purpurroten dicken Seidenschnur gehalten, umschloß die schlanken und doch herrlich gerundeten Glieder; in lockigen Wellen umflutete das seidige, blauschwarze Haar die sanft herabfallenden und dabei vollen Schüttern; ihre kleinen weißen Hände ruhten lässig hinter ihrem Kopfe verschränkt. Sie war so noch weit schöner, als wenn, sie den anmutigen Körper im Sattel wiegte, ober wenn ihr kohlschwarzer Hengst Dämon sie wie eine Windsbraut durch den Cirkus trug. In den zarten Händen lag eine nervige Kraft, die das feurige Thier spielend zügelte, daß es, obgleich mit schäumendem Gebiß, sich willig seiner Herrin fügte.
Das junge Mädchen seufzte leise, als es so in die allmählich verlöschende Glut blickte, eine Thräne feuchtete ihre Wimper; sie wischte sie verstohlen ab und zwang sich zu einem Lächeln, als sich Schritte näherten