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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

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Gkatkrbeilagen r^llwftrirtes Sonntagsblatt" n.SUuftrirte landwirthschaftliche Beilage

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( Sr. 68.

IsmerßW in 11 Jini

1966.

)« Amtlicher Theil.

G Berlin, den 7. Mai 1900.

M Durch die allgemeine Verfügung vom 5. März 1880 (J. M. Bl. S. 50) find die Justizbehörden angewiesen, » zur Beurtheilung der Frage, ob die Kosten des Straf- Verfahrens und der Strafvollstreckung zu berechnen oder außer Ansatz zu lassen sind, eine amtliche Auskunft über die Vermögensverhältnisse der Angeklagten von der OrtSbehörde einzuholen. Da diese Behörden viel- ; sach namentlich auf dem Lande zu einer ein- w gehenden Prüfung unb richtigen Beurtheilung der maß gebenden Verhältnisse nicht in der Lage stnd, so er­mangeln die ertheilten Auskünfte häufig der nöthigen r. Zuverlässigkeit' und Genauigkeit.

Der Herr Justizminister hat deshalb im Einverständ- nisse mit mir bestimmt, daß, wenn künftig in einer Straf- sache die Fähigkeit des Angeklagten zur Kostenzahlung f festgestellt und zu diesem Zwecke eine Ermittelung der Vermögensverhältnisse erforderlich wird, diejenige Behörde um eine amtliche Auskunft zu ersuchen ist, welcher nach dem diesseitigen Runderlaffe vom 11. Oktober 1895 (M. Bl. d. i. V. S. 223) die Ausstellung von Armuths­zeugnissen in bürgerlichen Rechtsstreitigl^iten zusteht. Zu den Ersuchen soll das in Abschrift beigefügte Formular M verwendet werden, aus welchem nicht nur, wie bisher, die einfache Erklärung der Verwaltungsbehörde, daß die Personen nach ihrem Ermessen zahlungS- oder nicht zahlungsfähig ist, sondern, wie bei den Armuthszeugnissen nach § 118 Abs. 2 der Civilprozeßordnung, auch bie- H jenigen thatsächlichen Umstände hervorgehen, die der - Justizbehörde eine Beurtheilung der Zahlungsfähigkeit oder des Unvermögens ermöglichen und zugleich für die behufs späterer Einziehung der Kosten zu treffenden Maß- |i nahmen einen Anhalt bieten.

Ich ersuche, die in Betracht kommenden B-Hörden 'es dortigen Bezirks entsprechend zu verständigen und hnen gleichzeitig zur Pflicht zu machen, vor Ertheilung fec in Rede stehenden Auskünfte die maßgebenden Ver- fältnifle auf das sorgfältigste und gewissenhafteste zu früsen.

Der Minister des Innern.

I V.: gez. Brauns ehrens in den Herrn Regierungs-Präsidenten in Caffel.

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1

(Nachdruck verboten.) Iw Erbe von Tchloh Falktilhof.

Kriminal-Novelle

von Friedrich Freiherr v. U s e d o m.

- Schloß Falkenhof liegt in Süddeutschland und ge- ^ö'ger Gegend. Es ist ein uralter Bau, der im Mittel-

hWter einmal halb verbrannt und damals im alten Stile ('Wieder renoviert worden ist. Der Falkenbach trennt das chWvrf Falkenhof von dem Schlöffe und feinen Ländereien. Wund herum liegen große und schöne Waldungen mit in zahllosen Rudeln, ein echtes Eldorado für die Meunde der Jagd.

Hier hauste schon seit langen Jahren ein einsamer ^Wunggesell, der alte Oberst Arthur von Falkenhof, der W^Ssi pensionirt, sich meistens im Sommer auf Reisen Qllb' *m Winter aber wie ein Dachs und Isegrim ßWnsam in seinem Baue saß Es verkehrten nur wenig Worfleute im Schlosse, da der Oberst so mürrisch und einsilbig und gerade so der alte Koch, der Kastellan, alt wie der Mist selbst.

®n Verwandten besaß der Obrist nur einen Neffen, u 0011 8"ikenhof, der sich jedoch nicht der miti« W"ill>en Carriere, sondern der Juristerei zugewandt Wite.

3» seinen Knabenjahren war Bodo von Falkenhof Wenials auf sein Erbschloß gekommen, als erwachsener Mann aber, nachdem er schon Referendar geworden, te " einmal den Oheim Obrist auf besonderen

Caffel, den 26. Mai 1900.

Abschrift nebst Abschrift der Anlage zur Beachtung.

Der Ministerial-Erlaß vom 11. Oktober 1895 I B 9657 ist durch Verfügung vom 22. Oktober 1895

A IV 7716 dorthin mitgetheilt.

Der Regierungs-Präsident. I. V.: von Bremer. An die Herren Landräthe des Bezirks.

Staatsanwaltschaft bei dem Landgerichte Amtsgericht

Geschäfts-Nr. . . .

...... ., den......190. .

In der Strafsache gegen d.............. wegen.........wird um gefällige Beantwortung der umstehenden Fragen ersucht.

Nach Beantwortung der Fragen an die Staatsan­waltschaft bei dem Landgericht das Amtsgericht in....... zurückgesandt.

........ den......190. .

Anfragen. | Beantwortung.

1. Betrag der von d . . Angeklagten jährlich zu entrichtenden Sta'ats- steuern?

2. Welchen Arbeits- oder Dienstlohn, Diensteinkommen oder welches sonst­ige Einkommen hat d . . Angeklagte, und welche Familienmitglieder hat ersie zu unterhalten?

3. Besitzt d . . Angeklagte, d . . Ehe­gatt . . oder die beiderseitigen Eltern Grundstücke, ausstehende Forder­ungen oder sonstiges Vermögen und, zutreffendenfalls, welche?

4. Ist nach dem Ermessen der..... Behörde d . . Angeklagte in der Lage, die Kosten des Strafverfahrens und einer etwaigen Strafvollstreckung so­fort oder in Theilbeträgen zu zahlen? 5. Sind Umstände bekannt, welche eine künftige Aufbesserung der Vermögens­lage d. . Angeklagten (z. B. durch Erbschaft) erwarten lassen?

Hersseld, den 6. Juni 1900.

Vorstehendes wird den Herren Ortsvorständen des Kreises zur Beachtung mitgetheilt.

In der Provinz Hessen-Nassau steht bekanntlich den

Wunsch, da er arg vom Podogra gequält ward, während bet Gerichtsferien auf Falkenhof etwa einen Monat besucht.

Da das Schloß mit seinen Erkern und Türmen, seinen Balkönen und Erknere, seinen Sälen und Kabinetten, seinen Gängen unb Kellern, seinen Gallerten und Korridoren im Sommer einen freundlicheren Ein­druck hervorbrachte, besonders im großen urwüchsigen, etwas verivilderten Garten und geradezu großartigen Park, so hatte ihm der alte Grundbesitz ganz gut ge­fallen. Der Obrist war reich, schwer reich. Das große Vermögen verwaltete der alte, treue Notar Dr. Gers­heim in der Provinzialhauptstadt, gar nicht weit von Falkenhof entfernt. Die Verwaltung der schönen Schloß- ländereien, Aecker, Wiesen und Wälder besorgte der Kastellan Walter Koch nach eigenem Ermessen; der Oberst fragte nach den Erträgen kaum, wenn die Bedürfnisse des Hauses, des Kellers und Stalle» dadurch gedeckt wurden, eine Gelegenheit für den Kastellan, viel Geld in die eigene Tasche gleiten zu lassen.

Der Referendar Bodo von Falkenhos hatte das alles nur zu wohl übersetzen und gedacht:Wenn Du einmal hier Herr wirst, muß das System jedenfalls einem andern weichen."

Besser stand es um die Forsten.

Der Schloßherr hielt sich einen eigenen Förster, Erbach, der gerade das Gegentheil von dem fchleicher- ischen Kastellan war. Die Forsten warfen einen schö­

Bürgermeistern die Ausstellung von Armuthszeugnissen zu, demnach sind dieselben gehalten, auch in Fällen der oben erwähnten Art amtlich Auskunft zu ertheilen.

I. 3368. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.

Hersfeld, den 11. Juni 1900.

Die Rothlaufseuche unter den Dienstpferden der hiesigen Kriegsschule ist erloschen.

I. 3535. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.

Nichtamtlicher Theil.

Berlin, 12. Juni.

Ihre Kaiserlichen Majestäten sind heute Vormittag 8 Uhr von der Wildparkstation nach Eisleben und Homburg abgereist.

Am 15. Juni, dem Todestage Kaiser Friedrichs III. findet auf Schloß Friedrichshof bei Kronberg eine Trauer- und Gedächtnisfeier statt, an welcher außer dem Kaiserpaar, die Kaiserin Friedrich und die übrigen Familienmitglieder des Hohenzollernhauses theilnehmen werden.

Der Kaiser wird von der Gedächtnißfeier für seinen hochseligen Vater nach Hannover fahren, wo er kurz nach 10 Uhr Abends eintreffen und im Residenz- schlosse übernachten wird. In der Frühe des 16. b. Mls. (Sonnabend) besichtigt der Kaiser auf der Vahren- walder Heide das Königs-Ulanen-Regiment. Nach der Besichtigung führt der Kaiser sein Regiment nach der Stadt zurück und nimmt im Kreise der Offiziere im Kasino des Ulanenregiments das Frühstück ein. Hierauf wird der Monarch sich mit feinem Gefolge um */» 1 Uhr mittags zur Eröffnungsfeier des Elbe-Trave-Kanals nach Lübeck begeben, woselbst die Ankunft um 4 Uhr Nach­mittags erfolgt. Die Abreise von dort ist auf 7 Uhr Abends festgesetzt. Die Reise geht unmittelbar nach Brunsbüttel, wo der Monarch um 10 Uhr Abends ein- trifft. Hier besteigt der Kaiser sofort seine JachtHohen- zollern". DieHohenzollern" und deren Begleitschiffe Hela" undSleipner" werden bereits am Donnerstag früh 8 Uhr von Kiel nach Brunsbüttel in See gehen,

nen Ertrag ab, den der alte Obrist stets schmunzelnd einstrich.

Einmal sagte er:

Koch, wenn doch die Felder auch solche Erträge brächten?"

Können es ja versuchen, Herr Obrist!" gab Koch schnauzig zur Antwort.Können ja einen Verwalter anstellen und selbst Landwirthschaft treiben. Aber die Umstände, die Unbequemlichkeit; na, ich sage nichts weiter."

Seien sie doch nicht so gereizt!" brummte da der Alte.

Und es blieb bei der bisherigen Art und Weise.

Förster Erbach spöttelte darüber gegen den Referendar und machte seine Glossen:

Müßten nur sehen, wie fein sich Kochs Tochter seine Frau war tot kleidet. Fräulein Pauline tritt wie eine Baronin auf, und ihr Mann, Kochs Schwieger­sohn, Wolf Korowsky, lebt als feiner Herr ohne Arbeit in der Familie.

Auch noch ein Schwiegersohn ist da?"

Jawohl, Herr Referendar! Aergert mich oft ge­nug, daß dieser Affe, der nichts von der Jagd ver­steht, mit der dem Obersten abgeluchsten Erlaubniß versehen mir die besten Hirsche und Rehböcke ab» murkst."

Teufel noch einmal."

Ja, Herr Referendar, ein Abschuß muß ja statt- finden, aber solche Murkserei und Schlächterei na, ich danke!"